Transkript der Audiodatei
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Warum machen wir noch einen zweiten Podcast zu dem Thema Traumata und ergänzen den ersten,
wo es darum ging, dass man Traumata findet, wo man nur hinschaut?
Die Antwort ist, weil der erste Podcast Fragen aufgeworfen hat, und zwar berechtigte Fragen.
Und ich deshalb noch ein paar Ergänzungen geben möchte, sicher auch verbunden mit Korrekturen.
Die Botschaft an sich bleibt gleich.
Es gibt bis heute eine Inflation auf dem Gebiet der Traumata.
Und ich habe dazu ja einen Artikel angeführt aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung,
der in der säkularen Welt, also in der weltlichen Umgebung,
tatsächlich beschreibt, wie die Dinge laufen in dem Moment, in der aktuellen Zeit.
Und leider erleben wir das auch unter Christen.
Aber das heißt eben nicht, dass es nicht Traumata gibt.
Und das heißt eben nicht, dass es auch unter Gläubigen nicht Traumata geben kann.
Und das heißt auch nicht, und das war missverständlich,
dass die Bibel nicht auch Beispiele zeigt von Ereignissen,
die eben ein solches Trauma bzw. die Folgen wie eine posttraumatische Belastungsstörung auslösen können.
Also die Tatsache, dass in der Bibel das Wort Trauma nicht benutzt wird,
sagt keineswegs aus, dass es nicht heute Traumata gibt oder dass es sie damals nicht gegeben hätte.
Dazu noch einmal als Wiederholung. Was ist ein Trauma?
Der Begriff Trauma kommt aus dem Altgriechischen und wurde in der Medizin für eine Wunde verwendet.
Es geht aber hier nicht um eine körperliche Wunde, jedenfalls nicht in erster Linie,
sondern um eine seelische Verletzung als Folge eines oder mehrerer Ereignisse,
die der Betroffene als schwere psychische Erschütterung erlebt und letztlich nicht verarbeiten kann,
in seiner Seele, in seinem Leben nicht verarbeitet.
Dabei ist nicht das Trauma selbst notwendigerweise das Hauptproblem,
sondern die sogenannte Trauma-Folgestörung,
wie sie eben in der posttraumatischen Belastungsstörung, PTBS,
als Folgestörung durch eine Depression, durch eine Angst, durch eine Phobie,
durch eine Sucht, durch dissoziative Störungen oder dergleichen auch in ihrer Summe erkennbar sind.
Sie sind dann die Ursache dafür, dass es einer medizinischen Behandlung,
einer psychotherapeutischen, was ja nichts anderes ist als eine Übersetzung des Wortes,
seelsorgerlichen Behandlung eben dann nötig, sie eine solche nötig macht.
Was sind Beispiele für solche Traumata?
Ich nenne zwei, Vergewaltigung und Kindesmissbrauch, sexueller Kindesmissbrauch,
aber auch körperlicher Kindesmissbrauch.
Das sind allerdings nur zwei Beispiele, allerdings sehr drastische,
die wirklich zu solchen Belastungsstörungen führen können.
Sie müssen das nicht.
Wenn man sowas erlebt hat, gibt es Personen, die das überstehen,
also nicht nur körperlich überstehen, seelisch überstehen,
sondern die das auch verarbeitet bekommen, die das verarbeiten.
Aber das kann eben zu solchen Belastungsstörungen führen.
Und die Tatsache, dass weder bei Dina in 1. Mose 34,
noch bei Tamar in 2. Samuel 13 davon gesprochen wird,
heißt eben keineswegs, dass sie nicht solche Empfindungen gehabt hätten.
Im ersten Podcast habe ich darauf verwiesen, dass Tamar besonders darunter litt,
dass ihr durch diese Erfahrung vermutlich eine Ehe versagt blieb
und dass das eine besondere Art und Weise, wie sie aufgetreten ist, ausgelöst hat.
Tatsächlich wissen wir aus dem Bibeltext, dass sie zunächst keinen Groll gegen Amnon,
der eben sie vergewaltigt hat, irgendwie entwickelt hat,
sondern sie wies ihn ja sogar darauf hin, dass David ihm eine Ehe mit ihr sicherlich erlauben würde.
Aber diese Tatsache heißt natürlich nicht, dass sie nicht solche furchtbaren Empfindungen hatte,
dass sie enorm verletzt war und dass sie etwas entwickelt haben könnte.
Wir lesen ja nachher nichts weiter über sie,
was eben einer posttraumatischen Belastungsstörung entsteht.
Übrigens ist auch nicht die Tatsache,
dass man wie Dina eine gewisse Mitverantwortung für die furchtbare Erfahrung trägt,
ein Beweis, dass nicht eine solche Störung wie eine PTBS entstehen kann.
Und wir müssen auch hinzufügen, dass das absolut nicht bedeutet,
dass Gott sich nicht um solche kümmert,
die eine gewisse Mitverantwortung für ein bestimmtes Erleben haben.
Im Gegenteil, wir finden, sagen wir bei David,
dass gerade da, wo er eine Mitverantwortung hatte,
Absalom, Gott in einer rührenden Weise weiter um ihn tätig ist.
Abgesehen davon, wenn es eine gewisse Mitverantwortung gibt,
dann gibt es die natürlich absolut nicht für eine solch furchtbare Sünde wie eine Vergewaltigung
oder erst recht nicht für einen sexuellen Kindesmissbrauch,
wo Kinder absolut keine Verantwortung dafür tragen.
Also eine Mitverantwortung darf jetzt bitte nicht so verstanden werden.
Ich bin verantwortlich dafür, dass ein anderer sündigt.
Natürlich kann ich mich einer Sünde aussetzen,
aber dass diese schwere Sünde von Vergewaltigung und Missbrauch
sind allein zu verantworten von denen, die sie ausführen.
Und das müssen wir natürlich festhalten.
Was kann man jetzt im Fall eines Trauma tun,
wenn man merkt, dass die Bewältigung nicht ohne Hilfe von außen gelingt?
Erstens geht man natürlich ins Gebet.
Das haben viele Gläubige des Alten und Neuen Testamentes getan.
Wir denken an David und wir denken an viele andere,
die solche furchtbaren Erfahrungen gemacht haben.
Ich habe in dem ersten Podcast auch Paulus erwähnt.
Dann geht man zu einer Vertrauensperson,
zu der man trotz einer oftmals menschlich tief sitzenden Enttäuschung
vielleicht doch noch Vertrauen hat, vielleicht auch zu einem Ehepaar.
Nebenbei, das ist natürlich nicht das Thema dieses Podcasts,
es geht hier darum, dass man bewusst etwas erlebt hat,
von dem man weiß, was man erlebt hat.
Und deshalb zu einer Vertrauensperson geht.
Ich behandle jetzt hier nicht die Frage, auch in dem ersten Podcast nicht,
was man tun muss, wenn es einem nicht gut geht,
wenn man echt Probleme hat,
vielleicht auch Störungen bei sich selbst empfindet
und dann aber die Ursachen dafür nicht kennt.
Hier haben natürlich die Bezugspersonen eine sehr hohe Verantwortung,
nicht etwas zu suggerieren,
was womöglich gar nicht die Ursache des Problems ist.
Aber nochmal, darum geht es hier.
Drittens, also nach dem Gebet und dem Gehen zu einer Vertrauensperson,
geht man natürlich auch zu einem Arzt,
vielleicht zu einem Hausarzt, der Zusatzerfahrungen hat,
Zusatzqualifikationen hat, auch auf dem Gebiet von Therapien.
Man geht zu einem Psychiater, der medizinisch hilft.
Dass dieser Gang zum Arzt selbstverständlich möglich ist,
kann man daraus erkennen, dass Paulus Lukas in Kolosser 4 Vers 14
ausdrücklich den "geliebten Arzt" nennt.
Kolosser 4 Vers 14: "Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt und Demas".
Also selbstverständlich haben wir die Möglichkeit
und es ist sogar anzuraten,
bei Herausforderungen solcher Art zu einem Arzt zu gehen.
Ich möchte jetzt noch ein Zusatzwort sagen zu Hiob und David.
David, wie er sich in den Psalmen äußert,
weil als Antwort auf den ersten Podcast mehrere darauf verwiesen haben,
dass das doch Beispiele seien von solchen Erfahrungen,
die vergleichbar seien mit einem Trauma
oder jedenfalls irgendwie damit in Verbindung gebracht werden könnten.
Ich möchte gerne das Folgende zu diesen beiden Personen sagen,
Hiob und David.
Ja, Hiob und David haben in ihrem Leben, wie Paulus,
erschütternde Erfahrungen machen können.
Ja, machen müssen vielmehr.
Man staunt, wie sie diese Erfahrungen, diese Lebenssituationen,
das, was ihnen zum Teil widerfahren ist,
mit der Hilfe des Herrn verarbeitet haben.
Das ist wirklich sehr erstaunlich.
Zweitens, das, was wir von ihnen im Buch Hiob oder in dem Psalmen lesen,
kann man nicht mit Traumastörungen verbinden.
Wenn man da mal ein bisschen näher darüber nachdenkt,
hat das mit einem Trauma nichts zu tun.
Damit will ich sagen, mit den Persönlichkeitsstörungen,
die solche Personen erleben, die ein Trauma erlebt haben.
Denn das, was Hiob erlebt hat,
das, was David erlebt hat, ist natürlich traumatisch.
Aber das, was er in dem Psalmen oder das, was wir im Buch Hiob lesen,
ich komme noch darauf zurück,
das hat eben mit dem nichts zu tun,
was wir eine PTBS oder sowas nennen.
Denn drittens, gerade bei Hiob ist ja erstaunlich,
als es um die Eingriffe in sein Leben ging,
dass das, was er, wie er geantwortet hat,
fast jede Vorstellungskraft sprengt, wie dadurch;
"Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen,
der Name des Herrn sei gepriesen", sagt er in Hiob 1 Vers 21.
Beim zweiten Mal, als es dann direkt um sein Leben,
um seine Gesundheit geht, ist er etwas vorsichtiger.
Wir lesen in Kapitel 2 "er sprach zu seiner Frau,
wir sollten das Gute von Gott annehmen
und das Böse sollten wir nicht auch annehmen.
Bei all diesem sündigte Hiob nicht mit seinen Lippen".
Also wir sind wirklich beeindruckt,
wie er diese Dinge aus Gottes Hand annimmt.
Was wir dann in Kapitel 3 und folgende finden,
das hat mit einer PTBS oder dergleichen nichts zu tun.
Gott benutzt das Fehlverhalten seiner drei Freunde,
um ein inneres Problem,
das Gott in dem Herzen von Hiob identifiziert hat,
wenn ich das mit Ehrfurcht sagen darf,
um das aufzuarbeiten.
Nicht um eine Störung oder dergleichen zu überwinden.
Sein Groll und sein innerer Sturm,
den wir in diesen Kapiteln lesen,
hat natürlich seinen Anlass in dem furchtbaren Erleben
von Kapitel 1 und 2.
Aber das hat eben nichts mit dem zu tun,
was bei einer seelischen Störung,
wie einem Trauma, wie einer Vergewaltigung,
eines Missbrauchs oder wo ein Haus in Brand aufgeht,
wo man seine Kinder verliert.
Es gibt ja furchtbare Dinge,
die durchaus Traumata sind.
Ich will das gar nicht weiter ausmalen,
damit niemand meint, ich denke jetzt an ihn oder sie.
Aber da gibt es Dinge,
die wirklich traumatische Erlebnisse sind.
Und das hat Hiob natürlich erlebt.
Aber das, was wir in Hiob 3 bis zum Ende des Buches finden,
hat eben damit nichts zu tun,
sondern das ist etwas, wo Gott mit ihm handelt,
wo Gott in seiner Liebe ihn dahin bringt,
sein Selbstbewusstsein, seinen Hochmut,
den Gott eben bei ihm gesehen hat, zu überwinden.
Und Gott kommt bei ihm zum Ziel,
aber nicht eben mit Blick auf eine PTBS.
David's Psalmen wiederum zeigen,
wie er wirklich auch in seinen Nöten Gott vertraut hat.
Er hat das getan, was ich zuvor gesagt habe.
Er geht als Erstes oder Zweites,
ich will das nicht genau sagen, ins Gebet.
Das ist wirklich erstaunlich.
Ja, und er spürt in seinem Körper und in seiner Seele große Nöte.
Sowohl in Fällen, als es, wie bei Saul, unverschuldet war,
als auch in Fällen, wie es bei Absalom,
die Folge seiner eigenen Sünde,
nämlich mit Bathseba gewesen ist.
Aber mit einer Traumabehandlung oder dergleichen
sollte man es auch nicht vergleichen.
Wie auch bei Elia,
man durchaus nicht von einem Burnout sprechen kann.
Es besteht irgendwie die Gefahr,
dass wir moderne Erscheinungen,
Erlebnisse biblischer Personen hineinlesen.
Nicht, dass es nicht manchmal
vergleichbare Äußerungen und Symptome geben kann.
Die finden wir gelegentlich.
Aber wir müssen eben aufpassen,
dass wir diesen Personen nicht etwas andichten,
was bei ihnen gar nicht vorhanden war.
Wir sehen bei David und hier,
dass Körper, Seele und Geist
untrennbar sind. Sie gehören zusammen.
Aber Traumata und Folgestörungen
müssen doch genau erkennbar sein,
wenn man sie mit diesen Gläubigen verbinden will.
Und das kann man halt.
Das ist bei David und hier einfach nicht der Fall gewesen.
Auch bei Paulus nicht.
Auch wenn er wirklich traumatische Erfahrungen gemacht hat.
Allerdings ist das Vertrauen dieser Personen,
wenn ich mal auf Psalm 4 gehen darf,
wirklich erstaunlich.
Denn er sagt: "Wenn ich rufe,
antworte mir Gott meiner Gerechtigkeit.
In Bedrängnis hast du mir Raum gemacht.
Sei mir gnädig und höre mein Gebet".
Aber wenn er dann sagt:
"In Frieden werde ich sowohl mich niederlegen als auch schlafen.
Denn du, Herr, allein lässt mich in Sicherheit wohnen".
Dann zeigt das,
auch wenn er von Dürre spricht,
manchmal in seinem Leben und so weiter,
dass das eben nicht eine Aufarbeitung einer PTBS ist.
Sondern, dass das einfach
diese furchtbaren Nöte sind, in denen er ist.
Und wo er zu Gott ruft,
wo er auch sagt, wie es um sein Herz steht.
Aber was eben nicht eine
Behandlung wie ein Posttrauma eben
irgendwie beinhaltet. Ich fasse nochmal zusammen.
Es gibt Traumata, auch heute.
Gewiss gibt es auch solche
Belastungsstörungen in biblischen Zeiten.
Das ist in meinem ersten Podcast
deutlich zu kurz zugekommen.
Oder jedenfalls nicht abgegrenzt worden von mir.
Und das möchte ich deshalb eben
in diesem zweiten Podcast ergänzen, auch korrigieren.
Leider werden die wirklichen Traumata
dadurch verwischt und können
oft nicht angemessen behandelt werden,
da dieser Begriff heute manchmal einfach
inflationär benutzt wird. Und zwar sowohl
in dieser Welt, in dieser Gesellschaft, ohne Gott,
als auch unter Gläubigen. Wir wollen uns auch nicht
auf die Stufe von Glaubenspersonen
der Schrift stellen, die in ganz anderen Umständen
waren als wir und doch in erstaunlichem
Vertrauen zum Herrn kamen und Hilfe
bei ihm bekamen. Sie brauchten keinen Arzt,
weil es nicht um eine medizinische
Störung ging. Das kann heute eben ganz
anders sein. Umso mehr sollten wir mit
Mitempfinden und Einfühlungsvermögen
solche betreuen und ihnen
helfen, die ein Trauma erleben
und dadurch in ihrem Leben erschüttert
worden sind. Gebet ist das Erste, was wir für sie
tun können. Dann folgen sicher das
Begleiten zum Arzt und wenn möglich das Begleiten
in seelsorgerlicher Hinsicht.
Ich hoffe, dass das so ein bisschen klarstellt,
was bei dem ersten Podcast
vielleicht zu kurz gekommen ist,
vielleicht auch wirklich
missverständlich ausgedrückt worden ist, vielleicht auch
falsch an der einen oder anderen Stelle gewesen ist.
Es gibt Traumata,
es gibt wirklich furchtbare
Erlebnisse, es gibt auch
Folgen davon, für die der Betroffene
zunächst mal gar nichts kann,
aber er muss, und da kann man jetzt natürlich
David und Hiob und andere als Hilfe
nehmen, man muss bei diesem
Punkt nicht stehen bleiben, sondern sie
zeigen, wie man Dinge überwinden
kann mit der Hilfe des Herrn, mit der Hilfe von
Personen, mit der Hilfe von Ärzten
und wirklich dann wieder
neu sein Leben auf den Herrn ausrichten
kann. Solche Erlebnisse
müssen unser Leben nicht bestimmen, sie sollen
es auch nicht bestimmen und wenn
wir sie haben für eine Zeit, dann können wir mit Hilfe
des Herrn, mit Hilfe von Ärzten, mit Hilfe von
Gläubigen solche Dinge überwinden.
Das wünsche ich jedem, der davon irgendwie
betroffen ist.
Quelle: bibelpraxis.de/a10207.html
Sa, 13. Juni 2026
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