Auf das Passahfest und das Fest der ungesäuerten Brote folgt das Fest der Erstlinge. Im Festkalender nimmt es einen bedeutenden Platz ein (3. Mo 23,9-14). Typologisch spricht es von der Auferstehung des Herrn Jesus, dem „Erstling“ der Entschlafenen (1. Kor 15,20).
Das Land
Das Passah und das Fest der ungesäuerten Brote wurden in Ägypten eingesetzt und nach der Erlösung des Volkes als Erinnerung an ihre Befreiung in der Wüste gefeiert. Das Fest der Erstlinge feierte das Volk dagegen im Land Kanaan (3. Mo 23,10).
- Geistliche Anwendung: Das Land Kanaan ist ein Bild der himmlischen Örter, von denen im Neuen Testament die Rede ist (Eph 1,3.20; 2,6; 3,10; 6,12). Es ist der Bereich des Himmels, in dem der Thron Gottes steht. 1
Die Erstlinge
In Kanaan sollte das Volk die Erstlinge2 seiner Ernte bringen (3. Mo 23,10). Dabei handelte es sich um die Gerstenernte – die erste Ernte im Land (2. Mo 9,31).3
- Geistliche Anwendung: Die Erstlinge sind ein Bild der Auferstehung des Herrn Jesus. Im ersten Korintherbrief spricht Paulus von Christus als dem Erstling der Entschlafenen, dem viele folgen werden, die im Glauben gestorben sind (1. Kor 15,20; vgl. Kol 1,18; Off 3,14).
Die typologische Bedeutung des Festes
Die beiden genannten Punkte („Land“ und „Erstling“) umreißen den Hauptgedanken der geistlichen Bedeutung dieses Festes. Es geht um Christus, den Auferstandenen (Erstling), der in den himmlischen Örtern (Land) auf dem Thron zur Rechten Gottes sitzt. Er ist nicht mehr in dieser Welt, sondern als Auferstandener im Himmel.
Die Weihe durch den Priester
Im Fest der Erstlinge wird zum ersten Mal der Priester in diesem Kapitel genannt. Aus dem Gesetz geht hervor, dass dieser aus dem Stamm Levi kommen und der Familie Aarons angehören musste. Ihm allein war es vorbehalten, die Erstlingsgarbe vor dem Herrn zu weben4.
- Geistliche Anwendung: In der Zeit des Christentums sind alle Erlösten Priester (1. Pet 2,5; Off 1,6). Jeder Gläubige hat Zutritt zu Gott, dem Vater (Eph 2,18). Die Erstlingsgarbe vor dem Herrn zu weben, bedeutet für uns heute, Gott als Anbeter zu nahen und Christus als den Auferstandenen vor den Vater zu bringen.
Der Zeitpunkt der Weihe
Dabei wird auch der Zeitpunkt angegeben, an dem der Priester die Webegarbe darzubringen hat: „am nächsten Tag nach dem Sabbat“ (3. Mo 23,11).5 Dieser Tag ist ein Sonntag.
- Geistliche Anwendung: Im Neuen Testament wird der Sonntag als ein besonderer Tag hervorgehoben (Joh 20,26; Apg 20,7; 1. Kor 16,2). An diesem Tag ist der Herr Jesus siegreich aus dem Grab auferstanden. Es ist der erste Tag der Woche, der Tag des Herrn (Mt 28,1; Mk 16,9; Off 1,10). So stimmt der Tag, an dem der Priester die Webegarbe darzubringen hatte, in bemerkenswerter Weise mit dem Tag der Auferstehung des Herrn überein: In beiden Fällen handelt es sich um einen Sonntag.
Das Bringen von Opfern
Am „nächsten Tag nach dem Sabbat“ sollten auch bestimmte Opfer Gott dargebracht werden. Diese weisen auf die Person des Herrn Jesus und auf sein vollbrachtes Werk von Golgatha hin.
Folgende Opfer sind bei dem Fest der Erstlinge darzubringen:
- ein Brandopfer,
- das dazugehörige Speisopfer und
- sein Trankopfer.
Bei der Anordnung der Opfer fällt auf, dass Sünd- und Schuldopfer nicht dazugehören. Der Grund ist offensichtlich. Denn erstens ist die Frage der Schuld im Vorbild des Passah behandelt worden. Und zweitens geht es in der Auferstehung nicht um die Frage der Sünde, sondern um die Herrlichkeit eines unauflöslichen Lebens.
- Brandopfer
Für das Brandopfer wurde gewöhnlich ein Lamm gewählt (2. Mo 29,38-46). Dieses wurde Gott ganz geopfert. Darin sehen wir ein Bild der völligen Hingabe des Herrn Jesus am Kreuz – des Lammes ohne Fehl und ohne Flecken –, als Er sich Gott „zu einem duftenden Wohlgeruch“ dargebracht hat (Eph 5,2).
- Speisopfer
Zum Brandopfer gehört häufig ein Speisopfer. In der Anordnung dieses Opfers finden wir in 3. Mose 23 jedoch eine Besonderheit. Normalerweise besteht das Speisopfer aus einem Zehntel Feinmehl. Hier aber sollten es zwei Zehntel sein. Die Zahl zwei spricht in der Bibel oft von Zeugnis. Gerade das ist im Blick auf die Auferstehung des Herrn Jesus von Bedeutung (vgl. 1. Kor 15).
- Trankopfer
Ein weiteres Opfer, das zum Brandopfer gehört, ist das Trankopfer. Auch hier finden wir eine Besonderheit. Es ist die erste Erwähnung dieses Opfers im dritten Buch Mose. Die Auferstehung des Herrn Jesus ist ein Grund zur Freude, wovon das Trankopfer ein Bild ist (Ri 9,13; Ps 104,15).
Während das Passah mit dem Essen bitterer Kräuter verbunden ist, ist die Garbe der Erstlinge mit Freude verbunden. Der Herr möchte uns Freude schenken über seinen triumphalen Sieg über die Sünde, den Teufel, die Welt und den Tod.
Die Nahrung des Landes
Zum Abschluss der Belehrungen über das Fest der Erstlinge wird gesagt, dass Brot, geröstete Körner und Jungkorn erst gegessen werden dürfen, nachdem die Erstlingsgarbe für Gott gewebt worden ist (3. Mo 23,14).
- Geistliche Anwendung: Ohne die Auferstehung des Herrn Jesus gäbe es keine wirkliche geistliche Nahrung. Nur durch seine himmlische Stellung in Auferstehung ist uns die Möglichkeit geschenkt, uns von einem verherrlichten Christus zu ernähren und himmlische Segnungen zu genießen – die Früchte des Landes (Eph 1,3). Diese genießen wir, weil wir mit Christus auferweckt sind und in Ihm in den himmlischen Örtern mitsitzen (Eph 2,5.6).
Ausklang
Das Fest der Erstlinge weist auf die Auferstehung des Herrn Jesus hin, der jetzt im Himmel ist. Wir halten die Worte des Engels fest, der den Frauen am Grab zurief: „Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat“ (Mt 28,6). Was der Herr Jesus zuvor selbst angekündigt hatte, was die Engel bezeugten und was die Frauen ins Herz aufnehmen durften, wird in diesem wunderbaren Fest schon Jahrtausende vor seiner Erfüllung vorgeschattet: Christus lebt! Er ist auferstanden!
Fußnoten
- 1 Die himmlischen Örter sind nicht das Haus des Vaters. Dort gibt es im Unterschied zu den himmlischen Örtern keine Fürstentümer und Gewalten.
- 2 Das hier verwendete Wort für „Erstling“ (wörtlich: des Anfangs) ist das hebräische Wort „reschit“. Beim nächsten Fest, dem Fest der Wochen, werden ebenfalls Erstlinge dargebracht. Dafür wird jedoch ein anderes hebräisches Wort verwendet: „bikkurim“. Dieses Wort steht im Plural - im Unterschied zu „reschit“, das im Singular steht. Die geistliche Bedeutung liegt nahe: Während beim Fest der Erstlinge Christus selbst in dem Erstling gesehen wird (Singular), weisen die Erstlinge beim Fest der Wochen auf die Erlösten, die Versammlung, hin (Plural).
- 3 Da dieses Getreide nicht in der Wüste wächst, konnte das Fest nur im Land gefeiert werden.
- 4 Die Webegarbe wurde von dem Priester mit erhobenen Händen hin und her bewegt.
- 5 Eine Besonderheit ist die maximale Zeitspanne zwischen dem Passahfest und dem Fest der Erstlinge. Das Passahfest fiel auf einen festgelegten Tag (14. Tag im Monat Abib). Zwischen diesen beiden Festen konnten also maximal sieben Tage vergehen. In der Erfüllung lagen jedoch nur drei Tage zwischen dem Kreuzestod des Herrn Jesus (Passah) und seiner Auferstehung (Erstling; vgl. Jona 2,1; Mt 12,40). Am Freitag hatte der Herr Jesus sein Leben in den Tod gegeben. Am Tag „nach dem Sabbat“ (Sonntag) ist Er siegreich aus dem Grab auferstanden. Da jeder angebrochene Tag im Judentum als voller Tag gezählt wird, lag der Herr Jesus tatsächlich drei Tage im Grab beziehungsweise ist Er nach drei Tagen aus den Toten auferstanden.
Quelle: bibelpraxis.de/a10203.html