Israel feiert - Die Feste des HERRN (6): das Fest der ungesäuerten Brote

Lesezeit: 5 Min.

Vorkommen in der Bibel

Das Fest der ungesäuerten Brote begegnet uns überwiegend im Alten Testament. In allen drei Teilen der (hebräischen) Bibel ist es zu finden1:

  • im Gesetz: Erstmals wird es in 2. Mose 12 im unmittelbaren Anschluss an das Passah erwähnt (V. 15-20). Dort finden wir sowohl die konkreten Anweisungen zur Durchführung als auch die Aufforderung, es regelmäßig zu feiern. Später wiederholt Gott diese Aufforderung mehrfach (2. Mo 23,15; 34,18; 5. Mo 16,16). Auch im Festkalender in 3. Mose 23 ist sie fest verankert (V. 6-8).
  • in den Propheten: Im Buch Hesekiel wird das Fest mit Blick auf das zukünftige Friedensreich erwähnt, in dem es wieder gefeiert werden wird (Hes 45,21). Außerdem wird es dort als Einheit mit dem Passah gesehen.
  • in den Schriften: Die geschichtlichen Bücher berichten, wie dieses Fest zu verschiedenen Zeiten gefeiert wurde – unter Salomo, Hiskia, Josia sowie durch den Überrest nach der Rückkehr aus Babel (2. Chr 8,13; 30,13.21; 35,17; Esra 6,22).

Darüber hinaus wird das Fest auch im Neuen Testament genannt. Dort finden wir es in den Evangelien und der Apostelgeschichte. Es wird bezeichnet als „Fest der ungesäuerten Brote“ und als „Tage der ungesäuerten Brote“ (Mt 26,17; Mk 14,1.12; Lk 22,1.7; Apg 12,3; 20,6). Außerdem wird es im ersten Korintherbrief erwähnt. Dort ist von einer „Festfeier“ die Rede, die gehalten werden soll (1. Kor 5,6-8).

Die Vorschriften

Die wesentlichen Kennzeichen des Festes lassen sich stichpunktartig zusammenfassen:

  • Adressat:          Der Herr („Fest des Herrn“) – es geht um seine Ehre
  • Charakter:          kein Sauerteig in Nahrung oder Häusern
  • Dauer:          sieben Tage
  • Versammlungen: am ersten und am siebten Tag („keinerlei Dienstarbeit“)
  • Opfer:          während des Festes sollte dem Herrn ein Brandopfer

dargebracht werden („Feueropfer“)

Die geistliche Bedeutung

Der Hauptpunkt beim Fest der ungesäuerten Brote liegt in der Vorschrift, Ungesäuertes zu essen und allen Sauerteig aus den Häusern zu entfernen (2. Mo 12,15). Diese beiden Aspekte greift Paulus im ersten Korintherbrief auf, um ihre Bedeutung für uns heute deutlich zu machen: „Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seiet, wie ihr ungesäuert seid. Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden. Darum lasst uns Festfeier halten, nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit“ (1. Kor 5,7–8).

Die Bedeutung beider Hauptpunkte:

  • Sauerteig: In der Bibel ist Sauerteig ein Bild der Sünde (Böses) – insbesondere in ihrer durchdringenden und sich ausbreitenden Wirkung.2
  • Ungesäuertes: ein Bild von Reinheit und von Christus, dem vollkommen Reinen.

Die Belehrungen beider Hauptpunkte:

  • Sauerteig: Im ersten Korintherbrief werden wir aufgefordert, den alten Sauerteig aus unserem Leben zu entfernen. Das bedeutet, dass wir Sünde als Versammlung weder dulden noch zulassen, sondern in praktischer Absonderung vom Bösen leben.
  • Ungesäuertes: Zugleich werden wir ermahnt, Festfeier zu halten mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit. Das sehen wir in Vollkommenheit im Leben des Herrn Jesus. Er ist das Brot aus dem Himmel, unsere Nahrung. So wichtig es ist, sich mit dem gestorbenen Christus zu beschäftigen (Passah), so wichtig ist es auch, Ihn in seinem Leben auf der Erde zu betrachten – wie Er in vollkommener Reinheit zur Ehre Gottes lebte. In diesem Sinn essen wir „Ungesäuertes“. Dann werden wir Ihm ähnlicher in Reinheit, Lauterkeit und Wahrheit. Dieses Leben ist kein Leben des Verlustes, sondern großer Freude (vgl. 2. Chr 30,21; Esra 6,22).

Gemeinschaft

Die praktische Heiligkeit im Leben ist entscheidend, um Gemeinschaft mit Gott zu genießen. Die Grundlage dieser Gemeinschaft liegt in der bildhaften Bedeutung des Passahfestes – im Blut des Lammes. Diese Gemeinschaft ist an sich unantastbar. Ob wir sie jedoch tatsächlich genießen, hängt von unserem persönlichen und gemeinschaftlichen Leben ab. Nur wenn wir in praktischer Reinheit leben, können wir uns an dem Genuss erfreuen. Deshalb ist es notwendig, dass sich das Fest der ungesäuerten Brote geistlich in unserem Leben verwirklicht. Wo diese Gemeinschaft erlebt wird, ist sie von tiefer Freude erfüllt (vgl. 1. Joh 1,4).

Die Dauer des Festes

Historisch begann das Fest am 15. Tag im Monat Abib und endete am 21. Tag desselben Monats (3. Mo 23,6). Es wurde sieben Tage gefeiert. Die Zeitspanne von sieben Tagen trägt eine geistliche Bedeutung und weist auf die Gesamtheit unseres Lebens als Gläubige hin – von der Bekehrung bis zum Ende unseres Weges. In dieser gesamten Zeitperiode gilt es:

  • Sünde zu meiden (Sauerteig) und
  • sich von Christus zu ernähren (Ungesäuertes).

Auffällig ist, dass es im jüdischen Festkalender nur zwei Feste gibt, die sieben Tage andauern:

  1. das Fest der ungesäuerten Brote und
  2. das Laubhüttenfest

Während eintägige Feste (z. B. das Passah) häufig auf eine konkrete Heilstat Gottes oder ein einmaliges Ereignis hinweisen, sprechen mehrtägige Feste von einem Zustand oder dem Lebenswandel.

Der Zusammenhang mit dem Passah

Das Fest der ungesäuerten Brote folgt unmittelbar auf das Passah und bildet mit ihm eine untrennbare Einheit. Das Passah spricht vom Tod des Herrn Jesus und von seinem vergossenen Blut, durch das wir vor dem Gericht geschützt und für die Ewigkeit gerettet sind. Das Fest der ungesäuerten Brote zeigt die praktische Folge davon: Gerettete leben zur Ehre Gottes.

Keine Dienstarbeit – das Feueropfer

Die Vorschriften im Festkalender in 3. Mose 23 (V. 6–8) sind kurz, aber bedeutungsvoll. Zweimal wird betont, dass keine Dienstarbeit getan werden soll. Das erinnert daran, dass wir aus eigener Kraft nichts tun können, um Gott zu gefallen – schon gar nicht in einem gesetzlichen Geist. Stattdessen soll ein Feueropfer dargebracht werden:

  • Dieses Opfer weist auf das vollkommene Opfer des Herrn Jesus hin, der sich selbst Gott als wohlgefälliges Brandopfer dargebracht hat. Allein auf dieser Grundlage ist ein Leben in Heiligkeit möglich.
  • Während das Volk damals beim Feiern des Festes ungesäuertes Brot aß, stieg zugleich der liebliche Duft des Opfers zu Gott empor – ein schönes Bild dafür, dass unser Leben und das Werk Christi untrennbar miteinander verbunden sind.

Die Festversammlung

Das Fest der ungesäuerten Brote beginnt und endet mit einer heiligen Festversammlung. Diese Versammlung lässt uns daran denken, dass der Wunsch nach einem Leben in Reinheit und Heiligkeit verknüpft ist mit der Tatsache, dass wir mit anderen verbunden sind, die denselben Wunsch haben, zur Ehre Gottes zu leben. Paulus schreibt an Timotheus: „Die jugendlichen Begierden aber fliehe; strebe aber nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen“ (2. Tim 2,22).

Schlussgedanke

Durch das Fest der ungesäuerten Brote wird unsere Aufgabe als Christen klar umrissen. Es geht um ein Leben:

  • in Reinheit, getrennt vom Bösen, und
  • zugleich erfüllt von Christus, der unser Vorbild und unsere Nahrung ist.

Unter diesem Gesichtspunkt wird unser Leben zu einer „Festfeier“ für Gott – von der Bekehrung an bis zum Ende unseres Weges. Es ist verbunden mit großer Freude!

Fußnoten

  • 1 In der hebräischen Bibel findet sich eine Dreiteilung des Alten Testaments in das Gesetz Moses (1), die Propheten (2) und Psalmen (3). Diese Dreiteilung erkennt der Herr Jesus in Lukas 24,44 an. Der dritte Teil besteht aus den Schriften (hebr. Ketuvim), die mit dem Buch der Psalmen beginnen, weshalb der Herr Jesus in Lukas 24 von den Psalmen spricht, wenn es um diesen Teil geht.
  • 2 Sauerteig wird in unterschiedlichen Formen genannt. So gibt es: den Sauerteig der Pharisäer (Heuchelei, Gesetzlichkeit; Mt 16,6); den Sauerteig der Sadduzäer (Unglauben; Mt 16,6); den Sauerteig der Herodianer (Gleichförmigkeit der Welt; Mk 8,15); den Sauerteig böser Moral, böser Praxis (1. Kor 5,6-8); den Sauerteig böser Lehre (Gal 5,9).
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