03.05.2005Ehe & Familie | Persönlicher Glaube

Finger weg von Drogen! ( Folge mir nach - Heft 4/2005 )

Muss denn dieses Thema wirklich sein? Wir Christen wissen doch, was sich gehört! Leider ist beides wahr! Wir wissen wohl alle sehr gut, was sich gehört. Aber leider handeln wir zu oft nicht danach. Und natürlich geht es in diesem Artikel auch nicht darum, wieder neue Gesetze für junge oder ältere Menschen aufzustellen. Nein, wir sind zur Freiheit berufen worden! „Nur gebraucht nicht die Freiheit zu einem Anlass für das Fleisch, sondern durch die Liebe dient einander“ (Gal 5,14).

Es geht heute nicht um Junkies, die ihr Leben an Bahnhöfen verbringen und von weitem schon erkennen lassen, dass die Spritze ihre tägliche „Nahrung“ darstellt - auch wenn sie selbst es vielleicht anders sehen. Nein, es geht jetzt um junge Menschen, die sich durch Neugier und Unachtsamkeit in Gefahr begeben. Und es geht um solche, die unter ihrer Markenkleidung völlig zerstörte Venen verbergen.

Kaum zu glauben, aber leider gibt es das. Kürzlich war in einem autobiographischen Beitrag eines hervorragenden und anerkannten Journalisten zu lesen, wie er sich jahrelang gespritzt hat, ohne dass es seine Kollegen merkten - oder sich anmerken ließen. Nach außen hin war er der Profi - die Wirklichkeit seines Lebens war, dass er alles andere als professionell handelte. Ein erschütterndes Zeugnis!

Auch Christen sind anfällig für das Drogenproblem

Wenn man im Gefängnis eine Betreuung von Gefangenen übernimmt, so hat man es zu 80% mit Menschen zu tun, die unter 35 Jahre alt sind. Und zugleich sind rund 80% der Gefangenen aufgrund von Drogendelikten im Knast gelandet - wegen der sogenannten Beschaffungskriminalität, oder weil sie Dealer waren, häufig beides zugleich. Auch sind es durchaus nicht nur Menschen, die man im Allgemeinen als sozial schwach bezeichnet. Nein, nicht selten kommen diese jungen Menschen aus gehobenen Verhältnissen, und leider sind auch mehr Gläubige dabei, als man vermuten würde.

Wie geht es los? Am Anfang mag man es „nur mal so probieren“. LSD, Haschisch und andere Drogen werden an manchen Schulhöfen verteilt. Und andere synthetische, also zusammengesetzte Drogen, wie das hochgefährliche Crack machen auf Schulfeiern, in Discos und auf sonstigen Partys die Runde. Wenn dort alle zugreifen, kann es schon nicht so schlimm sein, meint vielleicht manch einer. So schnell wird aus einem „wohlbehüteten“ Kind auf einmal ein anderer Mensch! Und wie beim Internet (gemeint sind die Sex-Seiten) ist es das erste „Mal“, vor dem wir uns bewahren lassen sollten. Denn wenn einmal ein Kanal geöffnet worden ist, lässt er sich nur noch sehr schwer schließen.

Gruppenzwang, den man nicht unterschätzen sollte, und nicht selten das Problem, dass Kinder von berufstätigen Eltern den Nachmittag allein zu Hause verbringen, sind zwei wichtige Ursachen für Drogenkonsum. Außerdem sind besonders Kinder, die missbraucht worden sind, bzw. junge Menschen, deren Eltern ebenfalls drogensüchtig sind oder waren, gefährdet.

Das mag bei Kindern gläubiger Eltern nur selten der Fall sein. Aber Neugier und ein „mitmachen wollen“ sind noch nie gute Ratgeber für einen Christen gewesen. Wenn es um Drogen geht, sind diese Motive hochgefährlich. Aus 1. Korinther 6,19 wissen wir, dass der Heilige Geist im Körper eines Gläubigen wohnt. Der Folgevers zeigt zudem den Wert unseres Körpers für Gott: „Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden; verherrlicht nun Gott in eurem Leib.“ Der Preis, den der Herr Jesus für unseren Körper bezahlt hat, ist sein Leben! Er musste für uns sterben. Können wir da unsere Gesundheit, - nämlich den von Ihm erkauften Körper - ruinieren?

Nur ein Schritt bis zum Fall

In der heutigen Zeit ist es oft nur ein Schritt von Reinheit zur Unreinheit. Jahrelang wusste beispielsweise ein junger Mann davon, dass an einer bestimmten Ecke Crack verkauft wurde. Seine Freunde waren immer an einem bestimmten Parkplatz versammelt, um neben dem Skateboardfahren „sich etwas zu beschaffen“. Er wollte es nicht mit und vor ihnen machen. Daher sparte er sich sein Geld, um an einer anderen Ecke zu kaufen. Drei Stunden später fand man seine Leiche. Gestorben war er an einer Überdosis. Die „Reinheit“ des Kokains der Droge Crack war zu hochgradig, so dass der „Schlag“ für das Herz des Jungen zu stark war.

Wer einmal angefangen hat - ganz besonders bei Crack, aber auch bei den meisten anderen Drogen - der kommt nicht mehr davon los. Es entsteht ein solches Abhängigkeitsverhältnis, dass man immer mehr braucht. Und das heißt zugleich, dass man immer mehr Geld nötig hat. So führt eine Sünde zur nächsten. Und man kommt in einen Kreislauf, dessen Ende sehr tragisch sein kann. Der Verstand wird stark beeinträchtigt, der Körper wird nach und nach vollständig zerstört - übrigens nicht erst, wenn man Drogen spritzt! Sexuelle Unsittlichkeit, Depressionen, Selbstmordgedanken und Kriminalität kommen hinzu.

Die Bibel selbst sagt naturgemäß nichts direkt zu unseren heutigen Drogen. Denn sie waren zu biblischer Zeit unbekannt. Aber das Thema Alkohol kann stellvertretend für das generelle Thema Drogen betrachtet werden. Und Alkoholkonsum führt bei weitem nicht so schnell zu einer Sucht, während sie sich bei den Drogen, die wir allgemein so bezeichnen, sofort einstellt. Trunkenheit wird immer wieder in der Bibel verurteilt (z.B. in Spr 20,1; 23,20; 1. Kor 6,10; Gal 5,21). Und wenn wir von einer Sache beherrscht werden, dann ist es Sünde (vgl. 1. Kor 6,12).

Die Bibel zeigt uns aber eine echte Alternative: „Berauscht euch nicht mit Wein, in dem Ausschweifung ist, sondern werdet mit dem Geist erfüllt, redend zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, singend und spielend dem Herrn in euren Herzen“ (Eph 5,18.19). Wir Gläubige besitzen den Heiligen Geist, der in uns wohnt. Wenn wir uns von Ihm erfüllen lassen, wenn Er uns beherrscht, sind wir wirklich, im tiefsten Innern glücklich. Und dann freuen wir uns, so dass wir dem Herrn wirklichen Gottesdienst bringen können. Aber das werden wir dann auch nicht einsam tun müssen; nein, wir erleben echte Gemeinschaft mit anderen. Drogen isolieren, der Herr führt zusammen.

Wie können wir einem Abhängigen helfen?

Nun mag es sein, dass wir die typischen Drogen-Symptome bei einem Freund feststellen. Dazu gehören neben den bereits oben genannten der Versuch, aus der Realität des Lebens zu entfliehen, eine ständige Isolation, eine gesteigerte Abneigung gegen die Eltern, ein zunehmender Rückgang der schulischen Leistungen, manchmal auch eine Hyperaktivität. Einem Drogenabhängigen ist jeder und alles zum Feind. Wenn man einzelne solcher Kennzeichen sieht, sollte man allerdings nicht sofort auf Drogenkonsum schließen. Aber auch ein junger Gläubiger sollte sensibel auf solche Veränderungen reagieren. Denn wir haben doch ein Interesse an dem Wohl unserer Freunde. Wir arbeiten nicht als Detektive, sondern als solche, denen der Freund etwas wert ist.

Daher werden wir das Gespräch suchen. Und dabei sicher nicht mit der „Tür ins Haus“ fallen, sondern einfach einmal nach dem Wohlergehen des Freundes fragen. Das könnten wir sicher ohnehin öfter einmal tun. „Geliebter, ich wünsche, dass es dir in allem wohlgeht und du gesund bist, wie es deiner Seele wohlgeht“ (2. Joh 2). Nach mehreren Gesprächen kann es dann sein, dass wir den deutlichen Eindruck haben, dass hier etwas nicht stimmt - dass Drogen im Spiel sein könnten. In aller Regel wird ein Drogenabhängiger das nicht zugeben - wie es ja auch von einem Alkoholiker bis zum Beweis des Gegenteils abgestritten wird.

In solchen Gesprächen - und insbesondere, wenn sich der Drogenverdacht bewahrheitet hat - kommt es darauf an, dass wir zuhören. Vorwürfe zu machen, führt nur zu einem Zurückziehen des Gegenübers. Und wir müssen auch bedenken, dass die Sünde schon zu einer Krankheit geworden sein kann. Daher sollte uns die erste Sorge sein, dass unser kranker Freund wieder gesund wird. Dazu reicht es natürlich nicht aus, dass man mit ihm spricht. Aber damit ist es möglich, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, die das Besprechen der nötigen weiteren Schritte ermöglicht.

Dazu müssen letztendlich auch die Eltern des Betroffenen einbezogen werden. Sie werden in solchen Situationen sicher auch viel Verständnis aufbringen (müssen). Darüber hinaus wird man ohne einen Arzt auch nicht auskommen, denn im Allgemeinen ist eine medizinische Therapie, eine Entgiftung, eine Entziehungskur unabdingbar. Aber damit ist es nicht getan. Häufig gibt es ja tiefer gehende Ursachen für Drogenkonsum. Und selbst, wenn es zunächst Neugier war, sind durch die Drogen Probleme entstanden, die sich nicht von heute auf morgen in Luft auflösen. Hier ist tatkräftige und einfühlsame Hilfe eine gute Möglichkeit, einen jüngeren oder älteren Menschen wieder „zu einem Menschen“ zu machen und in die Gemeinschaft aufzunehmen. Es gibt im Übrigen auch Einrichtungen von Christen, die sich auf die Arbeit mit Drogenabhängigen spezialisiert haben. Bei allen Süchtigen ist eine lebendige Beziehung zu dem Herrn Jesus die wichtigste Voraussetzung für eine wirksame Therapie. „Wenn nun der Sohn euch frei macht, werdet ihr wirklich frei sein“ Joh 8,36. Der Glaube ist keine Garantie, dass man vor Drogen bewahrt wird. Aber wenn wir im Glauben leben, werden wir uns bewahren lassen und die Finger von Drogen lassen - dann werden wir auch in diesem Sinn frei (gemacht) sein.

Du bist gefragt

Wir wollen niemand Angst machen, und wir hoffen auch nicht, dass es unter unseren Lesern Drogenabhängige gibt. Aber mit ihnen hat jeder von uns schon zu tun gehabt, selbst wenn wir fast achtlos an ihnen vorbei gegangen sind. Auch solche Junkies, die wir von den großen Bahnhöfen kennen, sind Menschen, Geschöpfe Gottes, die als Menschen- wenn auch schwer erkennbar - etwas von der Würde besitzen, die Gott in seine Schöpfung gelegt hat. Und gerade an Büchertischen stellt man immer wieder fest, dass Süchtige, seien sie gläubig oder nicht, geradezu angezogen werden. Daher ist es nützlich, geeignete Literatur zur Verfügung zu haben (die z. B. beim Herausgeber von „Folge mir nach“, im CSV, Hückeswagen, bestellt werden kann).

Vielleicht können wir auch dadurch zu einem Wegweiser zum Herrn Jesus werden. Und auch als Eltern sollten wir uns bewusst sein, welche Gefahren auf unsere Kinder lauern. Um nur ein kleines Beispiel zu nennen: Heute wird Rauschgift teilweise schon auf irgendwelchen Abziehbildern verteilt. Damit sind nicht alle Abziehbilder Rauschgiftkanäle - aber sie können es werden. Daher sollten wir offen mit unseren Kindern darüber sprechen - sie sollten von uns (und nicht in der Schule) „aufgeklärt“ werden, denn nur so können wir den Akzent der Unterweisung bestimmen.


aus: Folge mir nach - Heft 4/2005