21.12.2009Dienst

Verwalter gesucht

Was ist ein Verwalter?

Was ist eigentlich ein Verwalter? Im allgemeinen nennen wir jemand einen Verwalter, wenn er für eine Sache verantwortlich ist, die ihm nicht gehört. So hatte zum Beispiel der ‘Herr des Weinbergs’ einen Verwalter (Mt.20,8) und auch jener ‘reiche Mann’ in Lukas 16,1.

Wenn jemand ein Verwalter ist, dann ergibt sich daraus unmittelbar eine große Herausforderung, nämlich, ob er sich auch als ein guter Verwalter verhält. Was ist die Hauptqualifikation für einen Verwalter? Unternehmersinn? Sachverständnis? Erfahrung? Jede dieser Qualifikationen mag wichtig sein und man würde sie in einer ‘Stellenausschreibung’ für einen Verwalter erwarten. Die Hauptqualifikation ist jedoch eine andere, und zwar: Treue. "Übrigens sucht man hier an den Verwaltern, dass einer treu erfunden werde." (1. Kor.4,2). Doch schauen wir uns an, was Petrus zu diesem Thema sagt…

Hat denn jeder etwas empfangen?

Was ist es denn, das wir treu verwalten sollen? Petrus spricht zunächst von einer ‘Gnadengabe’, die wir empfangen haben. Mancher mag entgegnen, dass er aber keine Gnadengabe bekommen habe. Dennoch sagt Petrus ‘je nachdem ein jeder (!) eine Gnadengabe empfangen hat’. Nun ist es tatsächlich wahr, dass nicht jeder eine von den Gnadengaben empfangen hat, die in den Listen vorkommen, die wir in den Briefen des Paulus finden (Eph. 4, 1.Kor. 12; Röm. 12). Doch Petrus, und der Zusammenhang bestätigt das, spricht von Gnadengaben in einem allgemeineren Sinn. Er unterteilt sie in zwei Gruppen (V.11):

Wenn jemand redet…

Wenn jemand dient…

Derjenige, der redet, könnte also lehren, oder auch reden, um Gewissen zu erreichen (‘prophetischer Dienst’). Derjenige, der dient, hat ein sehr weites Tätigkeitsfeld vor sich. Es umfasst beispielsweise ‘Dienst mit der Habe’ (Lk 8:3), den Dienst an den Heiligen (Hebr.6,10), einen so vielseitigen Dienst wie den des Timotheus (2.Tim 4:5), eigentlich jeden Dienst.

Nicht jeder kann reden und das Wort Gottes auslegen. Aber dann kann er auf andere Art dienen. In diesem Sinne hat jeder etwas empfangen. Was wir bekommen haben, kann ganz verschieden sein – die Gnade Gottes ist eben die ‘mancherlei Gnade Gottes’. Das spricht von einer großen Vielfalt.

Ist dann jeder ‘automatisch’ ein guter Verwalter?

Automatisch ganz bestimmt nicht. Um ein guter Verwalter zu sein, müssen wir mehrere Voraussetzungen erfüllen.

Die erste Voraussetzung mag selbstverständlich erscheinen, ist es aber meiner Ansicht nach überhaupt nicht, und zwar, dass man das Empfangene nicht als sein Eigentum betrachtet. Ein Verwalter kümmert sich um das ihm Anvertraute mit dem Ziel, es für den zu verwalten, dem es gehört. Wenn ein Gläubiger eine ‘Gnadengabe’ im Sinne der obigen Bibelstelle empfangen hat und sie als sein Eigentum betrachtet, wird er sie dann nicht eher einsetzen, um selber Vorteile zu erlangen? Das gilt für Fähigkeiten genau so wie für irdischen Besitz. Betrachten wir ihn als unser Eigentum und benutzen ihn daher, um ein möglichst angenehmes Leben zu führen? Oder ‘verwalten’ wir unseren Besitz für Den, von dem wir alles empfangen?

Sodann sollte ein Verwalter im Sinne unserer Bibelstelle, das Anvertraute benutzen, um anderen damit zu dienen: "Dient einander damit als gute Verwalter…" Wir fragen uns also nicht so sehr, wie wir das, was uns gehört – nein, anvertraut ist – für uns selbst einsetzen können, sondern für andere, und zwar nicht als gutmütige Gönner, sondern als ‘Diener’.

Als weitere Voraussetzung könnte man die Kraftquelle angeben. Aus eigener Energie werden wir es nicht schaffen, gute Verwalter zu sein. Daher sagt Petrus: „Wenn jemand dient, so sei es als aus der Kraft, die Gott darreicht". Wenn Gott uns etwas anvertraut (und das tut Er), dann gibt Er auch die Kraft, um es für Ihn einzusetzen.

Sodann muss die Zielsetzung stimmen. Nehmen wir einmal den Fall eines Verwalters, der das ihm Anvertraute gut verwaltet und alle anfallenden Aufgaben im Sinne seines ‘Herrn’ ausführt, vielleicht sogar zum Wohl anderer (s. Punkt 2). Nehmen wir weiter an, dass er aber dabei das Ziel verfolgt, von allen als vorbildlicher Verwalter bewundert zu werden. Dann wäre er zwar äußerlich, oberflächlich gesehen, ein hervorragender Verwalter, aber die Motivation wäre falsch. Petrus sagt ganz deutlich: „Auf dass in allem Gott verherrlicht werde durch Jesum Christum, welchem die Herrlichkeit ist und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen."

Wenn ein Gläubiger diese Perspektive hat, sollte er dann nicht zu einem guten Verwalter werden? Und wenn dabei das Ziel erreicht wird, dass alles zur Verherrlichung Gottes gereicht sollte uns das nicht Mut geben, es mit dem Verwalten des uns Anvertrauten ernst zu meinen?

‘Schluss’ – gedanke

Man sollte noch bedenken, dass Petrus den Abschnitt mit den Worten einleitet, "denn das Ende aller Dinge ist nahe gekommen" (V.7). Wir müssen damit rechnen, dass die Menschen uns komisch finden (‘befremdet’ V.4). Für sie wird dieses ‘Ende’ Gericht bedeuten (V.5). Aber der Gläubige wird angespornt, nüchtern zu sein zum Gebet (V.7), Liebe zu üben (V.8), Gastfreundschaft zu erweisen (V.9), und – solange er dazu noch Zeit hat – sich als ein guter Verwalter zu bewähren.