10.07.2005Persönlicher Glaube

Wahre Demut

Einander die Füße waschen - ein Dienst der Gnade mit Demut

Dieser Abschnitt ist ein Hinweis auf die Verordnung, dass die Priester, beim Antritt ihres Dienstes im Heiligtum, Hände und Füße in dem ehernen Waschbecken zu waschen hatten. Wir nun sind berufen einander die Füße zu waschen; das aber bedeutet einen Dienst der Gnade. Der Herr Jesus erfüllt diesen Dienst Seinerseits an uns und das übt unsere Gewissen. Was der Herr hier im Bilde vollzieht, geschieht jetzt in Wirklichkeit an uns. Er ist gekommen durch Wasser und Blut, um zu reinigen und zu sühnen. Dieser Abschnitt redet aber nicht von dem Versöhnungsblute, sondern von dem Wasser der Reinigung. Jesus reinigt Seine Kirche, und jeden einzelnen Seiner Heiligen durch die Waschung mit Wasser, durch das Wort. Niemals bedarf ein durch das Blut Gereinigter einer Wiederholung dieser Reinigung durch das Blut, sondern der Heilige Geist bewirkt in den Herzen die Reinigung durch Wasser, durch das Wort Gottes. Die Stellung, die der Herr Jesus hier einnimmt, zeigt uns, dass die Quelle aller Demut sich in dem Bewusstsein unserer Vorrechte und unserer Erhöhung befindet. Wenn wir uns weit weg von dem Herrn aufhalten, werden wir keine Demut finden. Wir sind auch nicht deshalb demütig, wenn wir uns selbst erniedrigen. Ein Wurm ist nicht deshalb demütig, weil er sagt, dass er kein Mensch sei. Nur wer sich in erhobener Stellung befindet, kann in Demut herabsteigen; die einzige Möglichkeit demütig zu sein, ist die Nähe bei Gott. Nur dann können wir Güte gegen unseren Nächsten üben, in Barmherzigkeit handeln, und uns in Gnade mit seinem Elend beschäftigen.

Demütig sein - gelingt nur in der Nähe von Christus

Wenn ich nahe bei Christus bin und fühle, was Sünde ist, dann habe ich wirklich Abscheu vor derselben. Wenn mein Nächster, der Jesus liebt, in die Sünde verstrickt wird, so begreife ich den Gegensatz, der zwischen dem Herrn und ihm besteht. Dieser Gegensatz verursacht ein durch die Liebe bewirktes Empfinden der Sorge über den Zustand meines Bruders, weil ich an die Mühe denke, die seine Sünde dem Herrn verursacht. Es ist aber unmöglich, dass ich von solchen Empfindungen der Liebe erfüllt sein kann, wenn ich mich nicht selbst in der Nähe des Herrn aufhalte.

Die Füße unserer Brüder zu waschen bedeutet, uns mit ihrem Elend zu befassen, in dem Bewusstsein, was Jesus ist und was Er, der Herr, darüber empfindet.

Das Bewusstsein des in uns wohnenden Bösen hält uns in Demut

Diese Gemeinschaft und der Genuss der Reichtümer der Gnade wie sie in Christus Jesus sind, bringt auch in uns diese Gnade hervor. Ich empfinde das Böse viel tiefer, wenn ich es in meinem eigenen Herzen gerichtet habe. Das hält uns in Demut, während wir durch das Bewusstsein des in uns wohnenden Bösen stets geübt sind. Wenn wirklich nur Gnade allein mein Herz erfüllt, sehe ich die Befleckung und Verunreinigung der Füße meines Bruders. In dem Genuss der Gemeinschaft mit Christus bin ich imstande, alles zu verurteilen, was dieser Gnade nicht entspricht.

Die Kraft dieser Gemeinschaft offenbart sich in unserem Leben und in unserem Wandel; wir gehen in der Kraft Gottes durch die Betrübnisse und Übungen dieser Zeit, und der Böse vermag uns nicht anzutasten.

Das Ergebnis von Selbstgericht ist wahrhaftige Demut

Eine leichtfertige, oberflächliche und geräuschvolle Freude verurteilt und richtet das Böse nicht; nur das Verweilen in der Nähe Gottes vermag unsere Seele in Heiligkeit zu bewahren. Die Sünde ist vollkommen gerichtet und verurteilt; das Ergebnis dieses Selbstgerichtes ist wahrhaftige Demut. In der Gegenwart Gottes können wir mit dem Hochmut nichts anfangen. Wir können nicht hochmütig sein, weil wir zu glücklich sind, und uns von der Herrlichkeit Gottes umgeben wissen. Da dies so ist, wie könnten wir da noch unsere eigene Herrlichkeit aufrichten?

Die Stellung des Christus war durch Sein beständiges Verharren in der Gemeinschaft mit Gott gekennzeichnet; das war Demut. Er war so nahe bei Gott, dass Er sich in der Kraft des Heiligen Geistes für Sein ganzes Volk einsetzen konnte. Der Christ kann die Gnade, die in Jesus Christus ist, allezeit finden, weil Christus selbst ihm die Füße gewaschen hat. Aber er darf sich damit nicht begnügen; er ist berufen die Füße seiner Brüder zu waschen, und gerade deshalb soll er in der Nähe Jesu, in der Vollkommenheit Seiner Gnade verweilen. Wir genießen diese Gnade und wünschen allezeit daran teilzuhaben. Sie erfrischt und stärkt uns und macht uns fähig, in ihrem Geiste anderen gegenüber zu dienen.

Die Gemeinschaft mit Christus gibt uns Kraft und Einsicht für die Fußwaschung

Möchte das Bestreben nach wahrer Gemeinschaft mit dem Herrn in unserer Seele lebendig bleiben, vertraut mit allen Seinen Gnaden und allen Seinen Verheißungen und Vorrechten. Wenn wir Seine Geduld und Seine Güte verstehen, dann können wir die Wurzel und den Ursprung alles Bösen in uns selbst beurteilen und richten und haben nur den einen Wunsch in unseren Herzen, dass alles in Beziehung zur Gnade des Christus ausgerichtet sein möchte. Sind wir in Gemeinschaft mit Ihm, so können wir uns nicht damit abfinden, unsere Brüder nicht in dem gleichen Zustand zu sehen. Diese Gemeinschaft verleiht der in uns wohnenden Liebe dieselbe Kraft, die wir auch in dem Herzen Jesu finden. Wir können nicht ruhig zusehen, wenn die Seinigen mit beschmutzten Füssen umher wandeln. Wenn wir in Gemeinschaft mit Christus sind, so sind wir auch von dem erfüllt, was Sein Herz bewegt.

Ist das unser wirklicher Zustand? Trachten wir darnach, dass diese Gnade in den Herzen aller unserer Brüder offenbar werde?

Entfernt von Ihm richten wir das Böse ohne Gnade, Demut und Liebe

Haben wir uns von Ihm entfernt, dann fällt es uns wohl leicht zu ermahnen, das Böse wahrzunehmen, festzustellen und zu richten, aber nur in Seiner Nähe, und in der Gemeinschaft mit Ihm, werden wir imstande sein, allem Bösen in uns selbst und bei den Brüdern in Gnade zu begegnen. In der Gnade finden wir das Heilmittel, das Böse fern zu halten und ihm entgegenzutreten.

Jesus ist die eine Gnadenquelle, mächtiger als die Quelle der Verunreinigung, die Satan durch die Sünde in die Welt eingeführt hat.

Den Schlüssel zu allen diesen Gedanken finden wir in der Antwort Jesu an den widerstrebenden Petrus: „Wenn Ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir!“ Ziel und Bestreben unserer Herzen sollte aber sein, dass wir wünschen, Teil mit Ihm zu haben, aber niemand kann dieses Teil haben, wenn Er ihn nicht nach der Reinheit des Wassers wäscht, das aus Seiner durchbohrten Seite geflossen ist.