18.02.2003 Persönlicher Glaube | Richter

Trompete, Krug und Fackel

300 Mann blieben bei Gideon, um ihm beim Kampfe wider die Midianiter zu helfen (Richter 7). Das waren sogar weniger als ein Prozent der 32 000 Gemusterten, die seinem Mobilisationsbefehl Folge geleistet hatten. Eine Handvoll Leute! Aber dafür treue Männer. Männer, die bei sich selbst die Kosten des Unternehmens überschlagen hatten. Männer, welche die erdrückende Übermacht des Feindes kannten. Männer, die zugesehen hatten, wie 99 von jedem Hundert ihre Zelte wieder abbrachen und heimgingen..., großenteils aus Furcht und Verzagtheit. Von solchen Männern konnte erwartet werden, dass sie dem Worte des Herrn durch ihren Führer unter allen Umständen gehorchen würden. Diese wussten, warum sie dem Rufe Gideons zu den Waffen gefolgt waren. ...

Der Schlachtplan, welcher dazu führte, dass sich das riesige Heerlager der Feinde Israels in wilder Flucht auflöste, ist wohl bekannt. Jeder Mann war ausgerüstet mit einer Trompete, einer Fackel und einem leeren Kruge. In dunkelster Nacht hatten sie das mächtige Lager zu umringen, gemäss den Anordnungen ihres Führers. Zu Beginn der Mitternachtswache geschah es. Die 300 Mann standen „ein jeder an seiner Stelle, rings um das Lager“, wartend auf das Alarmsignal.



Plötzlich wurde die mitternächtliche Stille durch den Trompetenstoß Gideons und den durchdringenden Schlachtruf der Hebräer zerrissen. Als Antwort drangen von jeder Himmelsrichtung her weitere Trompetenstöße durch die zitternde Luft und dreihundert Fackeln flammten auf in der tiefen Dunkelheit. Die schlafenden Feinde sprangen auf ihre Füße. Trompeten und Fackeln waren zu sehen von überall her. Schrecken ergriff sie, und das ganze Lager „lief und schrie und floh“. Es war ein Sieg durch Trompeten und Fackeln...

Lasst uns die Trompete als ein Bild nehmen für das Zeugnis der Lippen, und die Fackel als ein Bild für das Zeugnis des Lebens. Beide dieser Formen des Zeugnisses sind nötig, um den „guten Kampf des Glaubens“ kämpfen zu können.

Selbstverständlich ist immer und überall ein Zeugnis für Christus abzulegen. Mit dem Munde Jesum als Herrn zu bekennen, ist ein unumgängliches Zeichen wahren Glaubens (Römer 10,9). Aber manchmal wird eine besondere und energische Form des Zeugnisses von uns verlangt. Ich spreche jetzt vom Blasen der Trompete direkt in das Ohr des Feindes, der uns und unseren Weizen, Wein und Öl zu rauben sucht, die Fettigkeit des Landes, das Gott uns gegeben hat.

Fragst du, was das heißen will? Begegnest du nicht zu Zeiten großen Hindernissen zum Lesen in deiner Bibel, zum Ausharren in den Gebeten und zum Finden einer ruhigen Gelegenheit, um über heilige Dinge nachzusinnen? Das mag auf persönliche Schlaffheit, auf Anwandlungen der Trägheit oder auf ungünstigen menschlichen Einfluss zurückzuführen sein. Aber, was immer auch der Grund sein mag, dein innerer Friede und deine innere Freude sind verloren, und als Folge davon gibst du „Raum dem Teufel“, der deine Front eingenommen hat.

Die Gnade Gottes führt zu geistlicher Energie

Diese Niederlage muss nicht sein. Durch die Gnade Gottes musst du deine Energien auffrischen. „Stehe fest im Glauben, sei männlich, sei stark.“ Mach dir nichts daraus, wenn andere aufgeben und zurückkrebsen. Nimm die Trompete, biete dem Feinde die Stirne, trotze jeder Gefahr und der Finsternis, harre aus an deinem isolierten Posten, und nimm teil an den Trübsalen als ein guter Kriegsmann Jesu Christi.

Die Trompete blasen bedeutet, dem Feind kühn die Stellung kundzutun, die du eingenommen hast. Der Augenblick wird kommen, wo du entweder verbergen oder öffentlich bekennen musst, dass du ein Jünger Christi bist. Wenn du glaubst, hast du die Berufung und die Verantwortlichkeit, die Wahrheit zu reden (2. Korinther 4,13). Lass deine Schwachheit nicht als Entschuldigung gelten. Was ist überhaupt schon ein Trompetenschall! Nur ein kleines Quantum Luft, welches durch eine Öffnung gepresst wird, und so den Ton erzeugt. Aber dennoch vermochten einst solche Trompetenstöße mit der Hilfe Gottes die Mauern Jerichos zum Einstürzen zu bringen, und auch jetzt jagten sie die feindliche Horde der Midianiter über den Jordan. Vielleicht kannst du nicht gut reden. Es macht nichts! Blase im Glauben; die Herrlichkeit Gottes wird sich um so größer erweisen.



Aber das Zeugnis der Lippen muss vom Zeugnis des Lebens begleitet sein. Die Trompete war in der Nähe der Fackel, welche in einem leeren Kruge, einer Art dunkler Laterne verborgen war, bis der kritische Moment kam. Dann ein Getöse auseinanderfliegender Scherben - und die freie Fackel ließ ihr Licht in die Nähe und Ferne scheinen.

Liebe Freunde, wir dürfen weder die Fackel, noch den zerbrochenen Krug vergessen. Wir greifen manchmal mit beiden Händen zur Trompete und denken nur an das Blasen eines lauten Tones. Die Scherben des irdenen Kruges sollen uns an eine wichtige Wahrheit erinnern, die uns aber nicht immer lieb ist. So wie die Krüge vor der Fackel zerschlagen werden mussten, so muss der Tod in uns wirken, bevor das Leben Jesu an unserem sterblichen Körper offenbar werden kann (2. Korinther 4,11).

Christus ist das Licht. Er sollte in uns gesehen werden; und zu diesem Zweck muss das verdorbene Eigenleben sein Ende gefunden haben. Alles das, was wir waren, fand am Kreuze seinen Abschluss (Röm 6,6). Ach, dass doch die Kraft dieser Wahrheit die Eitelkeit, den Stolz und den Eigenwillen unserer alten Adamsnatur in praktischem Sinne zertrümmerte, damit das neue Leben - das Leben Christi durch uns dargestellt würde!

Ist diese Unterlassung nicht sehr oft der Grund unserer Niederlagen? Unsere Arbeit mit der Trompete ist vielleicht gut: Wir geben viele Töne von uns, die gehört werden, aber ach! Wenig oder nichts ist zu sehen. Unsere Fackel ist unsichtbar, weil sie verborgen ist im irdenen Krug. Der Krug muss zerschlagen werden! Mehr praktische Zerstörung der Früchte des Fleisches ist nötig. Dann würde das herrliche, Gott wohlgefällige Leben Jesu durch uns helle leuchten inmitten der Finsternis, des Bösen und der Sünde dieser Welt. Dann würden die unerretteten Menschen und die fleischlich gesinnten Christen dem Zeugnis der Sanftmut und Freundlichkeit, der demütigen Gesinnung und der Selbstverleugnung begegnen - einem Zeugnis, das immer anerkannt wird von Gott, und den Menschen Eindruck macht, weil es die Gesinnung Christi ist. ...

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Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages
Halte Fest Jahrgang 1964 - Seite: 84