13.04.2010 Persönlicher Glaube

Was bedeutet mir die Bibel?

Es gibt viele, die es gewissermaßen anderen Menschen zu verdanken haben, dass sie zu Gott gebracht worden sind, sei es durch Prediger des Evangeliums, das die Bibel enthält, oder Freunde, die an dem Wort ihre Freude haben. So war es nicht bei mir. Das Werk, das natürlich immer Gottes Werk ist, wurde in mir durch das geschriebene Wort bewirkt.

Wer einmal den Wert Jesu kennen gelernt hat, der weiß auch, was ihm die Bibel wert ist. Auch wenn ich mich selbst leider manches Mal meiner Versäumnisse in einem wechselvollen Leben voll mannigfacher Mühe und Arbeit anklagen muss, dann hat die Bibel mir gegenüber nie etwas versäumt. Und wenn sie im Blick auf die armseligen Verhältnisse und dürftigen Umstände der Zeit nie versagt hat, so wird sie es auch im Blick auf die Ewigkeit nie tun.

„Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit" (1. Petrus 1, 25).

Wenn dieses Wort sich bis zu meinem niedrigen Zustand herablässt, so reicht es andererseits hinauf bis zu Gottes erhabener Höhe, denn es ist von dort; geradeso wie die Liebe sich dadurch, dass sie sich zu mir herabneigt und sich jeder Einzelheit meiner Schwachheiten und Verfehlungen anpasst, als göttlich erweist, denn niemand außer Gott könnte so handeln, und deswegen führt diese Liebe hinauf zu Ihm. So wie Jesus von Gott kam und zu Gott ging, so auch dieses Buch, das in göttlicher Weise Ihn offenbart als den von Gott Gekommenen und zu Ihm Erhobenen. Wird es wirklich aufgenommen, so bringt es die Seele zu Gott, denn Er hat Sich in dem Worte geoffenbart. Die Beweise für seine Wahrheit liegen allein ihm selbst! Die Sonne bedarf keines Lichtes, um dadurch sichtbar zu werden.

Ich bezeuge auf das klarste und entschiedenste meine tiefe, gottgelehrte Überzeugung von der Inspiration der Schriften. Obwohl ich selbstverständlich zugebe, dass sich in der Überlieferung des Textes oder in der Übersetzung Fehler finden können, so lese ich die Bibel doch, so oft ich es tue, als ein Buch von unbedingter Autorität für meine Seele, als Gottes Wort. Es gibt kein größeres Vorrecht als dieses: Mitteilungen unmittelbar von Gott selbst zu empfangen.

Meine Freude, mein Trost, meine Speise, meine Kraft auf meinem ganzen bisherigen Pilgerpfad waren die bedingungslos als das Wort Gottes aufgenommenen Schriften. Im Anfang meines Weges musste ich allerdings bezüglich dieses Punktes durch tiefe Seelenübungen gehen. Aber seitdem bin ich durch die Gnade dahin gekommen, an dem Worte festzuhalten als an einem unzerreißbaren Bindeglied zwischen meiner Seele und Gott, sollten auch dabei Himmel und Erde, die sichtbare Kirche und der Mensch selbst in nichts zerfallen. Es genügt mir, dass Gott es mir als solches gegeben hat. Ich zweifle nicht daran, dass es der Gnade des Heiligen Geistes bedarf, um das Wort für uns nutzbringend zu machen und ihm wirkliche Autorität für unsere Seelen zu geben betreffs dessen, was wir sind; aber das ändert nichts an dem, was es in sich selbst ist. Soll es seine Wahrheit erweisen, muß es vorher wahr gewesen sein. Und hier möchte ich hinzufügen: Wenn es auch der Gnade Gottes und des Werkes des Heiligen Geistes bedarf, um dem Worte jene lebendigmachende Kraft zu geben, so hat dennoch die göttliche Wahrheit, Gottes Wort, einen Einfluss auf das natürliche Gewissen, dem dieses sich nicht entziehen kann. Das Licht macht den Übeltäter offenbar, auch wenn dieser es hasst. Und so tritt das Wort Gottes an den Menschen heran, er mag ihm noch so feindlich gesinnt sein, einerseits – und dafür sei Gott gepriesen! – in Gnade, andererseits in Wahrheit. Und gerade dieser Umstand beweist die Bosheit des Willens des Menschen in der Verwerfung des Wortes.

So besitzt das Wort Macht über das Gewissen, selbst wenn der Wille noch nicht verändert ist. Diese Tatsache mag die Abneigung des Menschen gegen das Wort noch vergrößern; aber die Abneigung ist vorhanden, weil das Gewissen fühlt, dass es die Wahrheit nicht leugnen kann. Die Menschen leisten dem Wort Widerstand, eben weil es wahr ist. Träfe es ihr Gewissen nicht, so brauchten sie sich nicht soviel Mühe zu geben, um sich seinem Einfluss zu entziehen und es zu widerlegen. Man wappnet sich nicht gegen Strohhalme, wohl aber gegen ein Schwert, dessen scharfe Schneide man fühlt und fürchtet.

Ich wiederhole: Die Bibel redet von Gnade sowohl als auch von Wahrheit. Sie redet von der Gnade und Liebe Gottes, der Seinen eingeborenen Sohn dahingab, dass Sünder wie du und ich bei Ihm sein und Ihn tief, wahr und nahe, ganz nahe kennen lernen und Ihn in alle Ewigkeit, ja, jetzt schon, genießen möchten; damit das Gewissen, vollkommen gereinigt, mit Freuden in Seiner Gegenwart weilen möchte, ohne irgendeine Wolke, ohne Vorwürfe und Befürchtungen. Und in solcher Weise dort zu sein, in Gottes Liebe ruhend, das ist „völlige Freude". Die Bibel sagt dem Menschen die Wahrheit über sich selbst, aber sie sagt ihm auch die Wahrheit von einem Gott der Liebe und enthüllt zugleich die Weisheit Seiner Ratschlüsse.

Das allerbeste Mittel aber, um von der Wahrheit und Autorität der Bibel überzeugt zu werden, ist, das Wort selbst zu lesen.