30.09.2005Versammlung / Gemeinde

Einheit und Absonderung – ein Widerspruch?

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(Zugleich eine Reaktion auf verschiedene Äußerungen im vierten Teil [S. 191 ff.] des Buches von Andreas Steinmeister [im Folgenden abgekürzt A. S.]: …ihr alle aber seid Brüder – eine geschichtliche Darstellung der „Brüderbewegung“ [Lychen: Daniel-Verlag 2004]).

1. Die Versammlung Gottes umfasst alle wahren Gläubigen

1.1 Ihr Wert in Gottes Augen

Die Versammlung (Gemeinde, Kirche: griech. ekklesia) des lebendigen Gottes ist für Christus das Kostbarste auf dieser Erde. Sie ist die „sehr kostbare Perle“, für die der Kaufmann (ein Bild des Herrn Jesus) im Gleichnis alles, was er hatte, verkaufte, um sie zu besitzen. Von Christus schreibt der Apostel Paulus, dass Er die Versammlung so geliebt hat, dass Er sich selbst in der ganzen Größe und Herrlichkeit Seiner Person für sie hingegeben hat (Mt 13,45.46; Eph 5,25). Alle, die zu ihr gehören, einst verlorene Sünder und auch als Erlöste noch unvollkommen und mit Schwächen behaftet, bilden in Gottes Augen als lebendige Steine im heiligen Tempel des Herrn und als Glieder des einen Leibes eine „wohl zusammengefügte“ Einheit (Eph 2,21; 4,16)! Die Versammlung ist „der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“ (1. Tim 3,15). Die Wahrheit Gottes, die in der Person Christi und in der Heiligen Schrift offenbart ist, kann auf der Erde nur in und von der Versammlung dargestellt werden! Wo sonst sollte dies auch geschehen? Ein einzelner Gläubiger kann zwar von dieser Wahrheit zeugen – aber darstellen kann er sie nicht, so wichtig sein persönliches Verhalten auch ist.

Wenn nur alle, die zur Versammlung gehören, diese göttliche Sicht von ihr mehr vor ihren Blicken und im Herzen hätten! Wie wenig denken wir daran, was für einen einmalig hohen und erhabenen Platz die Versammlung in den Augen des Vaters und des Sohnes besitzt (Apg 20,28; Eph 5,25)! Wie vieles geht uns verloren, wenn wir statt dieser kostbaren Versammlung nur ihre einzelnen irrenden Glieder sehen.

1.2 Alle Gläubigen gehören dazu

Die Versammlung Gottes umfasst alle, die durch den Glauben an den Herrn Jesus und durch die neue Geburt Kinder Gottes geworden und durch den Heiligen Geist zu dem einen Leib Christi zusammengefügt worden sind (Joh 1,12ff.; 1. Kor 12,12-27). Diese Betrachtungsweise gilt für die Versammlung (ekklesia)

* als Ganzes nach dem Ratschluss Gottes in ihrer ewigen Vollendung im Himmel (Mt 16,18; Eph 1,22; 5,25.27),

* als Ganzes in ihrer zeitlichen Existenz in jedem Augenblick auf der Erde (Eph 4,4),

* als einzelne Darstellung an jedem Ort durch das Zusammenkommen ihrer Glieder im Namen des Herrn Jesus nach Matthäus 18,20.

So war es am Anfang tatsächlich, und es gibt nicht den geringsten Grund zu der Annahme, die Gedanken Gottes für die Seinen hätten sich seitdem geändert (Apg 2,44; 4,32)! Dass es aufgrund der Zerrissenheit der Christenheit heute in der Praxis anders aussieht, kann nichts an der Gültigkeit des biblischen Grundsatzes ändern.

Neben bewusst eingeführten Abirrungen, die zu Trennungen innerhalb der Christenheit geführt haben und führen, gibt es geistlich „Unmündige“ und „Erwachsene“, „Fleischliche“ und „Geistliche“, „Kindlein“, „Jünglinge“ und „Väter“ (1. Kor 3,1; Heb 5,13f.; 1. Joh 2,13f.). Diese unvermeidlichen Unterschiede können jedoch die Einheit der Glieder des einen Leibes nicht stören oder gar zerstören. Im Blick auf diese Vielfalt persönlicher Entwicklungsstufen wird uns der Weg klar und deutlich in der Schrift gezeigt: „Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden sein, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe, euch befleißigend, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens“ (Eph 4,1-3; vgl. Phil 3,15f.).

1.3 Versammelt im Namen des Herrn

Alle, die zu dieser Versammlung gehören, sind nun jedoch nicht sich selbst überlassen, sondern Christus, ihr Haupt, ist um jeden persönlich und um alle gemeinsam bemüht. Schon in Seiner zweiten Erwähnung der Versammlung, lange vor ihrer Entstehung, spricht Er wie selbstverständlich davon, dass sie in Seinem Namen versammelt sind (Mt 18,17-20). Die ersten Christen praktizierten dies zunächst täglich, später besonders am ersten Wochentag, dem Sonntag oder „Tag des Herrn“ (Apg 2,42-47; 5,42; 20,7; s. 1. Kor 11,18.20; 14; Heb 10,25). So kann es auch heute noch geschehen.

Im Namen des Herrn Jesus versammelt zu sein bedeutet, dass Erlöste in der Anerkennung der alleinigen Autorität ihres Erlösers, unter der Leitung des Heiligen Geistes und in der vollen Anerkennung der Gültigkeit Seines Wortes für alle Fragen zu Ihm hin zusammenkommen. Das beinhaltet das Abstehen von aller Ungerechtigkeit, die Ausübung schriftgemäßer Zucht und das Hinschauen und Warten auf Ihn, das Haupt des Leibes, als dessen Glieder sie versammelt sind (1. Kor 5; 14; 2. Tim 2,19-21). Es schließt auch ein, dass alle Glieder des Leibes und alle örtlichen Versammlungen, die in dieser Weise versammelt sind, als solche anerkannt werden. Damit ist der Gedanke, eine örtliche Versammlung sei unabhängig von allen anderen, ausgeschlossen. 1 Hieraus im Umkehrschluss eine „Abhängigkeit der Versammlungen untereinander“ zu konstruieren, ist völlig verfehlt. Der Begriff „unabhängig“ ist nicht nur das Gegenteil von „abhängig“, sondern bedeutet auch „für sich bestehend, von etwas losgelöst“; und das ist hier gemeint. Abhängig sind die Versammlung als Ganzes und die einzelnen örtlichen Versammlungen wie jedes einzelne ihrer Glieder nur von Einem: von Christus, ihrem Haupt im Himmel. Untereinander sind schriftgemäße Versammlungen jedoch durch praktizierte Gemeinschaft und Anerkennung ihrer Beschlüsse verbunden. Eine örtliche Versammlung, die im Namen des Herrn Jesus handelt, handelt auch im Namen der gesamten Versammlung auf der Erde.

Halten wir dabei die einzigen Voraussetzungen fest, die für jeden Einzelnen gelten, der in einer solchen Versammlung anerkannt und aufgenommen werden möchte:

  • Er muss ein Glied des Leibes Christi sein (1. Kor 10,16.17),

  • er muss rein in seinem Leibenswandel sein (1. Kor 5, 9-13),

  • er muss rein in der Lehre sein (2. Joh 10.11),

  • er muss rein in seinen Verbindungen sein (2. Tim 2,21).

Ein Zusammenkommen im Namen des Herrn Jesus, in dem nicht bewusst und mit allen Kräften danach gestrebt wird, alle Äußerungen des Wortes Gottes über die Versammlung und ihre Glieder sowie ihr Verhältnis zu Christus, ihrem Haupt, zu berücksichtigen und zu verwirklichen, kann nicht den Anspruch erheben, ein schriftgemäßes Zusammenkommen von Gläubigen zu sein. Unkenntnis aufgrund mangelhafter Belehrung hingegen wird der Herr in Seiner Gnade begegnen, wenn Aufrichtigkeit vorhanden ist. 

2. Die weltweite Versammlung durch die örtliche Versammlung repräsentiert

2.1 „Da ist ein Leib“ 2 A.S. übergeht auf Seite 244f. im Blick auf die Praxis den überörtlichen Aspekt, auf den er erst auf S. 246 und 261ff. in anderen Abschnitten eingeht.

In der örtlichen Zusammenkunft der Versammlung (ekklesia) im Namen des Herrn Jesus wird nach Gottes Wort die gesamte weltweite Versammlung (ekklesia) repräsentiert (1. Kor 12,27). Dies kommt in sichtbarer und klar erkennbarer Weise in dem einen Brot am Tisch des Herrn zum Ausdruck (1. Kor 10,17). Es wäre jedoch falsch, die Bedeutung dieser Tatsache auf den einzelnen Ort zu beschränken. Damit wird man der Tatsache „Da ist ein Leib“ (Eph 4,4) nicht gerecht. Das Brot symbolisiert nicht nur die Einheit der an dem betreffenden Ort Versammelten, sondern die Einheit aller Glieder des einen Leibes Christi auf der ganzen Erde. 3 Als Paulus nach Korinth schrieb: „Ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot“ (1. Kor 10,17), befand er sich in Ephesus! Wenn die Gültigkeit der Worte „Ein Brot, ein Leib, sind wir, die Vielen“ sich auf jeden einzelnen Ort beschränkte, müsste es auf der Erde folgerichtig nicht nur einen Leib, sondern viele «Leiber» geben. Die Schrift spricht aber nirgends von «Leibern», sondern immer nur von dem einen Leib. In dem einen Brot wird also wirklich die Einheit des ganzen Leibes Christi auf der Erde repräsentiert.

Dieser Aspekt des Brotbrechens ist von großer Bedeutung und kann nicht genug hervorgehoben werden. Das eine Brot symbolisiert nicht nur die Einheit derer, die davon essen, sondern aller Gläubigen an dem betreffenden Ort, und darüber hinaus die Einheit aller Glieder des Leibes Christi auf der ganzen Erde. Eine andere Möglichkeit der Darstellung der Gesamtheit der Versammlung in ihrer Einheit gibt es nicht. Voraussetzung und Grundlage dafür ist das Versammeltsein im Namen des Herrn Jesus (Mt 18,17-20; 1. Kor 5,4). Gläubige, die in dem einen Brot bewusst nur das örtliche Zusammenkommen sehen, verwirklichen demnach nicht die vollständige Belehrung des Neuen Testaments und stehen in großer Gefahr, ihre örtliche Versammlung als unabhängig von allen anderen zu sehen.

Eine kurze Bemerkung noch zum Ausdruck «Einheit des Leibes». Es trifft zwar zu, dass er im Neuen Testament nicht vorkommt (was übrigens auch für eine Anzahl anderer durchaus «schriftgemäßer» Bezeichnungen gilt). Er ist nichts anderes als eine Kurzformel für die im Neuen Testament mehrfach ausdrücklich erwähnte Tatsache, dass es nur den einen Leib gibt:

  • „… so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus“ (Röm 12,5),

  • „Ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot“ (1. Kor 10,17),

  • „Denn so wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber obgleich viele, ein Leib sind: so auch der Christus. Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden“ (1. Kor 12,12.13);

  • „… und die beiden in einem Leib mit Gott versöhnte“ (Eph 2,16),

  • „Da ist ein Leib und ein Geist“ (Eph 4,4),

  • „… zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib“ (Kol 3,15).

Wer den Ausdruck «Einheit des Leibes» als unschriftgemäß bezeichnet, stellt in einer Zeit, in der die Kenntnis und vor allem das praktische Bewusstsein der Wirklichkeit des „einen Leibes“ immer mehr verloren geht, – vielleicht unbewusst – die Tatsache als solche in Frage. Es kommt bei solchen in der Schrift nicht buchstäblich zu findenden, aber mit ihrer Lehre übereinstimmenden Ausdrücken immer darauf an, dass alle, die sie verwenden, dasselbe darunter verstehen! Sonst entsteht tatsächlich leicht Verwirrung.

2.2 Dieselben Bezeichnungen

Die wichtige Tatsache, dass jede schriftgemäße örtliche Versammlung (ekklesia) die gottgewollte Repräsentantin der gesamten Versammlung (ekklesia) auf der Erde ist, wird dadurch bestätigt, dass im Neuen Testament dieselben Bezeichnungen für die gesamte und die örtliche Versammlung verwendet werden. Sowohl das Wort „Versammlung“ als auch die Bezeichnungen „Leib (Christi)“ und „Haus“ bzw. „Tempel (Gottes)“ werden einerseits auf die Gesamtheit aller Gläubigen auf der ganzen Erde, andererseits genauso auf das örtliche Zusammenkommen angewandt:

Bezeichnung.............................weltweit.................örtlich

Versammlung (ekklesia)...............Mt 16,18...................Mt 18,17

Leib (soma)................................Eph 4,4.....................1. Kor 12,27

Tempel (naos)............................Eph 2,21...................1. Kor 3,16

Haus (oikos).............................. 1. Pet 4,17................1. Pet 2,5

Bau (oikodome).......................... Eph 2,21...................1. Kor 3,9 4 Hier fehlt vor „Leib“ bzw. „Tempel“ im Griechischen der Artikel, weil die Gläubigen in Korinth eben nicht den gesamten Leib Christi (bzw. den gesamten Tempel Gottes) als solchen bildeten, wohl aber als dessen örtliche Darstellung den Charakter des Ganzen trugen. - Wenn an manchen Stellen des NT von „Versammlungen“ im Plural die Rede ist, wie z. B. in Gal 1,2 („den Versammlungen von Galatien“), so ist das kein Widerspruch dazu, denn man kann nicht von der „Versammlung“ in einem Land sprechen, sondern nur weltweit oder an einem Ort. Daher beruht auch die Idee so genannter „Landeskirchen“ auf völlig falschen, aus der Bibel nicht abzuleitenden Voraussetzungen. - Außerdem bezieht sich das Wort „Versammlung“ manchmal ganz praktisch auf die Zusammenkünfte der Gläubigen (1. Kor 14,19.35 usw.).

Unterstrichen wird dies noch dadurch, dass an verschiedenen Stellen des Neuen Testaments die örtliche und die weltweite Versammlung in einem einzigen Ausdruck enthalten sind. In Apostelgeschichte 20,28 ermahnt Paulus die vom Heiligen Geist eingesetzten Ältesten oder Aufseher der Versammlung zu Ephesus, „die Versammlung Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen“. Die Aufgabe und Befugnis dieser Ältesten oder Aufseher bezog sich nur auf den Ort und die Versammlung, wo sie lebten (Apg 14,23; Tit 1,5). Dort hatten sie die Herde Gottes, die bei ihnen war, zu hüten (1. Pet 5,2). Aber wenn es dann heißt, dass Gott sich die Versammlung erworben hat durch das Blut Seines eigenen Sohnes, beschränkt sich dies nicht auf die Versammlung in Ephesus oder überhaupt eine einzelne örtliche Versammlung, sondern hier steht die gesamte Versammlung Gottes vor unseren Blicken, die Gott sich durch den höchsten Preis erworben hat!

Ähnlich ist es in 1. Timotheus 3,15, wo es um das Verhalten im Haus Gottes geht. Wo anders wird das verwirklicht als in der örtlichen Versammlung, in der man sich befindet? Wenn Paulus dann aber fortfährt: „…das die Versammlung des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“, weitet sich auch hier der Blick auf die gesamte Versammlung Gottes auf der Erde, für die diese grundlegenden Dinge gelten.

2.3 Allgemeingültigkeit von Belehrungen

Dieser Gedanke liegt auch der Anrede des Apostels Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther zugrunde, den er zwar an die „Versammlung Gottes, die in Korinth ist“, richtet, zugleich aber an „alle, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres Herrn“ (1. Kor 1,2). Man vergleiche die folgenden Stellen in diesem Brief, wo der Apostel die Allgemeingültigkeit seiner an die Gläubigen in Korinth gerichteten Belehrungen und Ermahnungen hervorhebt:

  • Kap. 4,17: „wie ich überall in jeder Versammlung lehre“,

  • Kap. 7,17: „und so ordne ich es in allen Versammlungen an“,

  • Kap. 11,16: „so haben wir solch eine Gewohnheit nicht, noch die Versammlungen Gottes“,

  • Kap. 14,33: „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens, wie in allen Versammlungen der Heiligen“,

  • Kap. 16,1: „Wie ich für die Versammlungen von Galatien angeordnet habe, so tut auch ihr“.


Der gleiche Gedanke findet sich auch in Kolosser 4,16 wieder, wo die Gläubigen in Kolossä aufgefordert werden, den an sie gerichteten Brief auch in der Versammlung in Laodizea vorlesen zu lassen und umgekehrt. Darin kommt nicht nur die praktische geschwisterliche Gemeinschaft zum Ausdruck, sondern die gottgewollte Einheit, die über allen individuellen Unterschieden steht.

3. Die Versammlung die höchste Autorität auf der Erde

Dadurch, dass der Herr Jesus Seine Anwesenheit in der Mitte der zwei oder drei, die in Seinem Namen versammelt sind, verheißen hat (Mt 18,20), erhält die Versammlung der so Zusammengekommenen eine Autorität, die keine andere Zusammenkunft von Gläubigen und keine einzelne Person oder Personengruppe für sich beanspruchen kann, denn dies wäre nichts anderes als menschliche Anmaßung. Nach dem Wort Gottes gibt es nur eine Autorität, die Urteile im Namen des Herrn Jesus, des Hauptes, und damit der gesamten Versammlung fällen kann: die örtliche Versammlung. Zu ihr sagt der Herr Jesus: „Wahrlich, ich sage euch: Was irgend ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und was irgend ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein“ (Mt 18,18). Der Ausdruck „auf der Erde“ zeigt, dass die Auswirkung der Handlung nicht örtlich begrenzt ist, sondern alle Gläubigen auf der Erde betrifft. Sogar der Apostel Paulus griff nicht in diese Verantwortung der Versammlung in Korinth ein, obwohl er apostolische Autorität besaß, sondern wies die Versammlung nur auf die Notwendigkeit zu handeln hin (1. Kor 5,3.4.13). In diesem Sinn dann zu handeln ist nur der örtlichen Versammlung vorbehalten.

3.1 Autorität nicht Unfehlbarkeit 5 A. S. Seite 255ff. lässt die von Gott gegebene Autorität der örtlichen Versammlung außer Acht.

Manchmal wird gegen vermeintlich unannehmbare Versammlungsbeschlüsse eingewendet, dass die Geschwister auch nur Menschen seien, die schon deshalb keine Autorität für sich beanspruchen könnten, weil sie diese oder jene Fehler hätten, unfähig seien usw. Eine derartige Argumentationsweise verlangt praktisch die Unfehlbarkeit der örtlichen Versammlung und ist nichts anderes als Hochmut und Eigenwille, da man sich für weiser hält als die im Namen Christi handelnde Versammlung, wobei man seine eigene Beurteilung für wichtiger hält als die einer Versammlung. Man lässt dabei außer Acht, dass nicht „Brüder“ urteilen, sondern „die Versammlung“. In Matthäus 18,17 heißt es: „Wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hört…“, und in 1. Korinther 11,22: „Oder verachtet ihr die Versammlung Gottes und beschämt die, die nichts haben?“ In beiden Fällen ist das Fleisch geneigt zu sagen: „Es sind doch nur die Brüder!“, aber Gott sieht Seinen Sohn, den Herrn Jesus, in der Mitte derjenigen, die in Seinem Namen versammelt sind! Sollten wir es nicht auch tun?

Die von Gott der Versammlung gegebene Autorität einfach zu übergehen, ist ein ernstes Versagen in der persönlichen Verantwortung vor dem Herrn. Man spricht damit einer Versammlung letztlich ab, im Namen des Herrn Jesus versammelt zu sein. 6 A. S. verurteilt auf Seite 197 öffentlich zwei vor Jahrzehnten erfolgte Ausschlüsse, übergeht jedoch die Tatsache, dass die ausgeschlossenen Personen sich öffentlich gegen die jeweiligen Versammlungen auflehn(t)en, weshalb auch leider keine schriftgemäße Beurteilung und Behandlung dieser Fälle erfolgen konnte. Ende der Fußnote]

Dabei müssen wir uns jedoch ebenso wie vor dem Fehler der Überheblichkeit gegenüber Versammlungsbeschlüssen davor hüten, die Versammlung für unfehlbar zu halten. Die Versammlung ist nicht unfehlbar, doch besitzt sie Autorität. Wenn eine Versammlung trotz liebevoller und ernster Einwendungen einen falschen Beschluss gefasst hat, wird der Herr sich nicht dazu bekennen. Eigenmächtige Verweigerung der Anerkennung oder öffentlicher „Aufstand“ dagegen ist niemals der gottgemäße Weg, wenn er auch in einer Zeit „demokratischer Mitbestimmung“ vielen als geeignetes Mittel zur Durchsetzung des eigenen Willens erscheinen mag. 7 A. S. erwähnt auf Seite 215 (Pkt. 4) eine solche Handlungsweise, leider ohne dagegen Stellung zu beziehen. Der Herr wird niemals dulden, dass Fehler und Sünden einer Versammlung durch Fehler und Sünden Einzelner oder einer ganzen Gruppe von Geschwistern geordnet und bereinigt werden (s. 1. Chr 13,7-11; 15,13). Überdies hat die Geschichte der vergangenen fast zwei Jahrhunderte gezeigt, dass Trennungen, die durch Nichtanerkennung von als falsch bezeichneten Zuchthandlungen entstanden waren, nach kürzerer oder längerer Zeit von den Betreibern als falsch anerkannt werden mussten (Darby-Kelly 1881, Tunbridge Wells 1909 usw.). Wird hierdurch nicht die Wahrheit des Wortes Gottes hinsichtlich der Autorität (nicht: Unfehlbarkeit) der örtlichen Versammlung bestätigt?

Andererseits ist die Behauptung, jeder Versammlungsbeschluss sei im Himmel anerkannt und deshalb auch auf der Erde anzuerkennen, ein Beweis von großem Hochmut – oder aber beschämender Unkenntnis. Was „im Himmel gelöst (oder: gebunden)“ ist, untersteht m. E. überhaupt nicht unserer Beurteilung. Wir haben unsererseits dafür Sorge zu tragen, dass in der Versammlung „auf der Erde“ alles in Übereinstimmung mit dem in der Heiligen Schrift offenbarten Willen Gottes, aus der Liebe zu Christus und in Seiner Gesinnung geschieht.

Ganz ähnlich ist es übrigens mit den Worten: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“. Auch hier unterliegt die gnädige Zusage des Hauptes der Versammlung nicht unserer Beurteilung. Wir haben danach zu trachten und zu streben, die Voraussetzung dazu zu schaffen, die im Gegensatz zur Zusage des Herrn Jesus durchaus unserer Beurteilung unterliegt. Es ist unzulässig und irreführend, damit zu argumentieren, dieser oder jener Beschluss sei doch im Himmel gewiss nicht anerkannt, oder da und da sei der Herr nicht (mehr) in der Mitte der Gläubigen. Richtig wäre es dagegen, den konkreten Beweis dafür anzutreten, dass die betreffenden Beschlüsse nicht im Namen der Versammlung und in Übereinstimmung mit dem Willen des Herrn gefasst seien oder dass an den betreffenden Orten die Voraussetzungen für ein Zusammenkommen im Namen des Herrn Jesus nicht erfüllt seien. Wenn und solange dies nicht der Fall ist, erkennen wir einen Versammlungsbeschluss an (auch wenn es uns gefühlsmäßig schwer fällt), weil wir die betreffende Versammlung als örtliche Darstellung der weltweiten Versammlung anerkennen.

Auch die Argumentation, einen Beschluss nicht anzuerkennen, wohl aber die Versammlung, die ihn gefasst hat, ist ein menschlicher „Trick“, mit dem man seinen eigenen Willen zur Durchsetzung verhelfen will, ohne die damit verbundenen Konsequenzen zu ziehen. Wenn ich eine Versammlung als solche anerkenne, muss ich konsequenterweise auch ihre Handlungen anerkennen. Erkenne ich ihre Handlungen nicht mehr an, entziehe ich der Versammlung als solcher die Anerkennung. Das ist die Sichtweise Gottes über Seine Versammlung. Aber Er zwingt uns nie, mit offenbarer Ungerechtigkeit in Verbindung zu bleiben. Im Gegenteil, Er fordert uns dazu auf, von der Ungerechtigkeit abzustehen (2. Tim 2,19).

4. Einheit der örtlichen Versammlungen

Die praktische Einheit der örtlichen Versammlungen untereinander ist eine Folge des bisher Gesagten. Gott sieht den gesamten Leib Christi auf der Erde, der aus allen wahren Gläubigen besteht, aber Er sieht auch die einzelnen Versammlungen an den verschiedenen Orten als örtlichen Ausdruck dieses einen Leibes. Dementsprechend handelten die Gläubigen der Anfangszeit. Als in Samaria und Antiochien die ersten namentlich erwähnten Versammlungen außerhalb von Jerusalem, dem Ursprung der Versammlung auf der Erde, entstanden, wurde dies von den Gläubigen in Jerusalem praktisch und freudig anerkannt (Apg 8,14 ff.; 11,22 ff.). Sogar die Entlarvung von Simon dem Zauberer in Samaria durch Petrus wurde nicht als «Einmischung» in den Dienst des Evangelisten Philippus empfunden! Die Einheit aller Gläubigen und der einzelnen örtlichen Versammlungen war eine praktische Wirklichkeit (vgl. Apg 4,32; 9,31; 16,5).

Diese blühende Einheit des Anfangs wurde jedoch schon bald durch Versuche von Gläubigen jüdischen Ursprungs, das Gesetz einzuführen, gestört. Diese wichtige Frage hätte leicht zu einer Spaltung zwischen «judenchristlichen» und «heidenchristlichen» Gläubigen und damit der gesamten Versammlung führen können. Doch dazu kam es nicht, weil die Versammlung in Antiochien Paulus, Barnabas und einige andere nach Jerusalem sandte, um diese Frage dort in Übereinstimmung mit der Versammlung in Jerusalem zu klären (Apg 15). Ein Brief wurde verfasst, in dem das Ergebnis der Besprechung niedergelegt wurde, und nicht nur nach Antiochien gesandt, sondern später überall, wohin die Missionare kamen, zur Beachtung bekannt gemacht, wie wir aus Apg 16, 4 und 21, 25 entnehmen können.

Ein weiterer deutlicher Hinweis auf die in der Zeit des Neuen Testaments praktizierte Einheit sind Empfehlungsbriefe von einer Versammlung an eine andere für reisende Geschwister (Rö 16,1; 2. Kor 3,1). Sie beweisen die Verbindung der einzelnen Versammlungen untereinander, zugleich aber auch die Anerkennung der Beurteilung der empfohlenen Geschwister, die die jeweiligen Absender in den Empfehlungsbriefen zum Ausdruck brachten. Auch in den darin – wie in vielen Briefen des Neuen Testaments – enthaltenen Grüßen manifestiert sich eine innige Verbundenheit der Geschwister untereinander, die weit von einer rein formalen Einheit entfernt ist.

Wenn mit der Annahme eines Empfehlungsbriefes die positive Beurteilung seitens der örtlichen Versammlung eines Gläubigen anerkannt wird, dann ergibt sich daraus, dass auch die Mitteilung über das Hinaustun von jemand, „der Bruder genannt wird“ (1. Kor 5,11ff.), die manchmal in schriftlicher Form an andere Versammlungen gemacht wird, Anerkennung erforderlich macht. Eine solche Anerkennung geschieht nicht nur deshalb, weil man meint, die Umstände zu kennen und gutheißen zu können, sondern weil man die Versammlung, die diese Mitteilung macht, als örtlichen Ausdruck der gesamten Versammlung anerkennt.

5. Wie ist es heute?

In der heutigen Christenheit sieht es leider nicht mehr so aus wie am Anfang. Die großen Staats- und Landeskirchen sind entstanden, in denen es viele Mitglieder gibt, die nicht von neuem geboren sind, nicht den Heiligen Geist empfangen haben und daher keine Glieder des Leibes Christi sind. Andererseits gibt es viele größere und kleinere christliche Benennungen und Gruppen, in denen die meisten oder alle Mitglieder zwar wahre Gläubige sind, wo jedoch zum Teil falsche Lehren verkündet und geduldet werden, und wo Gläubige, die das jeweilige «Glaubensbekenntnis» nicht anerkennen, nicht zugelassen werden. Systematische Organisation ist fast überall an die Stelle der Leitung des Heiligen Geistes getreten.

Daneben gibt es auch viele Kreise von Gläubigen mit oder ohne besonderen Namen, die das alles als unschriftgemäß ablehnen, aber nur den örtlichen Aspekt der Versammlung (oder Gemeinde) sehen und sich in ihrer Praxis darauf beschränken. Sie sehen und erkennen zwar die Gläubigen in anderen «Kreisen» an. Auch üben sie Gemeinschaft mit diesen, ohne jedoch den Aspekt der Einheit der Versammlung (und somit aller schriftgemäß handelnden Versammlungen) auf der Erde zu berücksichtigen. Dies ist ebenfalls eine ernste Abweichung vom Wort Gottes – auch wenn sie nicht bewusst, sondern nur aus Unkenntnis geschieht.

Was für eine Betrübnis muss dies alles doch sein für unseren Herrn, der in Seiner Liebe für all die Seinen gestorben ist, und für Ihn als Haupt Seiner Versammlung, die Er so geliebt hat und liebt, dass Er sich selbst für sie hingegeben hat und sie nährt und pflegt, sie reinigt und heiligt durch die Waschung mit Wasser durch das Wort – auch jetzt! Können wir das überhaupt ermessen? Haben wir schon einmal Traurigkeit empfunden über den Zustand der Christenheit? Haben wir schon einmal Leid getragen über die Zerrissenheit unter den Kindern Gottes? Haben wir schon einmal vor unserem geliebten Herrn bekannt, dass auch wir mitschuldig an diesem Zustand sind? – Warum denn das? Ich habe keine Spaltung verursacht, sagt der eine, und der andere: Ich bin noch so jung, warum sollte ich mich denn dafür mitverantwortlich fühlen? So dachte Daniel in der babylonischen Gefangenschaft nicht. Er war als junger Mann mit weggeführt worden, und doch machte er sich eins mit dem ganzen Volk Israel und bekannte dessen Sünde als seine persönliche Schuld (Dan 9)! Der Grund dafür: Er sah im Licht Gottes, dass er kein Haar besser war als seine Väter und Volksgenossen, und er sah sich als ein Teil dieses sündigen Volkes. Wie viel mehr Grund haben wir heute zu einer solchen demütigen Haltung, wo jeder von uns weiß, „dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt“, und wo wir sogar Glieder ein und desselben Leibes sind! „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit“ (Röm 7,18; 1. Kor 12,26).

Sind das Wort und der Geist Gottes heute nicht mehr mächtig genug, alles in Seiner Versammlung zu leiten und zu lenken? Gibt es denn irgendeine Stelle in der Bibel, die besagt, dass die von Gott gegebenen Richtlinien Seines Wortes von einem bestimmten Augenblick nicht mehr allein gültig sind und durch die verschiedensten menschlichen Organisationsformen oder durch eigene Ad-hoc-Entscheidungen ersetzt werden können? Nein! Nach der babylonischen Gefangenschaft sagt Gott dem armseligen und durchaus nicht in allem vorbildlichen Überrest in Juda: „Das Wort, das ich mit euch eingegangen bin, als ihr aus Ägypten zogt, und mein Geist bestehen in eurer Mitte“ (Hag 2,5). Nach nahezu einem Jahrtausend bezog Er sich Seinem irdischen Volk gegenüber auf die Worte des Gesetzes, die Er diesem bei seinem Auszug aus Ägypten gegeben hatte (eigentlich: zu dem Er sich ihnen gegenüber verpflichtet hatte)! Sollte es daher heute anders sein? Auf gar keinen Fall!

Auch heute können wir noch so zusammenkommen, wie es die ersten Christen taten und wie es sein soll, solange die Versammlung Gottes sich auf der Erde befindet, bis wir von unserem Herrn Jesus heimgeholt werden ins Vaterhaus. Wir können und wollen zwar in den gegenwärtigen Umständen nicht das «Urchristentum» wieder aufleben lassen. Aber wir können uns auch heute „befleißigen, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens“ (Eph 4,3) – so wie wir es anfänglich an Hand des Wortes Gottes gesehen haben.

5.1 Eine Schwierigkeit

Wenn wir als Glieder des Leibes Christi bemüht sind, zusammenzukommen, wie es uns das Neue Testament in Praxis (Apostelgeschichte) und Lehre (Briefe der Apostel) zeigt, ergibt sich in Gesprächen miteinander und in der Praxis des Versammlungslebens des Öfteren eine Schwierigkeit. Es ist der scheinbare Widerspruch zwischen der Einheit aller Kinder Gottes als Glieder eines Leibes und der Absonderung von allem Bösen, sei es moralischer oder lehrmäßiger Natur.

Halten wir fest, dass die wahren Kinder Gottes in allen christlichen Benennungen und Gruppierungen zu der einen Versammlung Gottes gehören! Zum Teil sind sie in der Verbreitung des Evangeliums und in ihrem Lebenswandel vorbildlich tätig und können uns darin beschämen.

Wenn solche Geschwister ihren bisherigen Weg als nicht schriftgemäß erkannt haben und den Wunsch äußern, dort das Brot dort zu brechen, wo man die ganze Belehrung der Heiligen Schrift über die Versammlung verwirklichen möchte (ohne dass der Anspruch erhoben würde, man sei „die Versammlung“ oder gar in Lehre und Praxis fehlerfrei), entsteht diese Schwierigkeit gewöhnlich nicht. Sie haben diesen Weg verlassen, ihre Verbindung zu der früheren Gruppe als falsch erkannt, sich davon gelöst und möchten sich jetzt schriftgemäß versammeln.

Was aber ist, wenn solche Geschwister als Besucher kommen und am Brotbrechen teilnehmen möchten? Dass für ihre Teilnahme grundsätzlich keine anderen Bedingungen gelten können als für alle anderen, ist wohl jedem klar (s. o. „1.3 Versammelt im Namen des Herrn“). Es kann ja nicht zweierlei Maßstäbe dafür geben (vgl. 5. Mo 25,13f.; Spr 20,10.23). Doch darüber hinaus stellt man immer wieder fest, dass es zwei sehr unterschiedliche Auffassungen gibt.

Die einen sagen: Wenn ein Glied am Leib Christi den Wunsch hat, am Brotbrechen teilzunehmen und persönlich «rein in Lehre und Wandel» ist, kann es jederzeit teilnehmen. Würden wir das verweigern, dann würden wir gegen den Grundsatz der Einheit des Leibes verstoßen. Die Tatsache, dass solch ein Kind Gottes in Verbindung mit einem kirchlichen oder gemeindlichen System steht, ohne das Falsche daran zu erkennen, darf uns nicht daran hindern, mit ihm Gemeinschaft am Tisch des Herrn zu haben.

Die anderen sagen: Solange ein Kind Gottes in Verbindung mit einem unschriftgemäßen System steht, kann es überhaupt nicht an einer schriftgemäßen Verkündigung des Todes des Herrn teilnehmen, weil dadurch eine Gemeinschaft von Reinem und Unreinem entstehen würde. Erst muss man sich von allen unschriftgemäßen Verbindungen lösen, bevor man überhaupt den Tod des Herrn an Seinem Tisch verkündigen kann.

Trotzdem haben Brüder wie J. N. Darby und W. Kelly von Anfang an in den örtlichen Versammlungen immer wieder Gläubige zur Teilnahme am Brotbrechen vorgeschlagen, die als Besucher anwesend waren. Wie war es möglich, dass solche Männer und ihre Versammlungen, die sich von allen kirchlichen Organisationen und Gruppen aufs Deutlichste distanzierten, doch Gläubige aus diesen Kreisen zuließen? War dies nicht ein widersprüchliches Handeln?

5.2 Gnade gegenüber Unwissenden

Die Gründe und Bedingungen, unter denen dies geschah, zeigen, dass es sich um Ausnahmefälle handelte, in denen der scheinbare Widerspruch zwischen der Absonderung vom christlichen Lager und der Anerkennung der Einheit des Leibes durch richtig verstandene und ausgeübte Gnade gegenüber Besuchern überwunden wurde. Es war Gnade mit Unwissenden. Einen anderen Beweggrund kann und darf es in solchen Fällen auch nicht geben, wenn wir die Ehre und Heiligkeit unseres Herrn nicht kompromittieren wollen (vgl. Phil 3,15b; 2. Kor 6,14 - 7,1; 2. Tim 2,22; Heb 13,13).

In den bekannten und oft zitierten Briefen und Artikeln 8 Vgl. die Zitate von J. N. Darby und W. Kelly in „Mit weitem Herzen auf schmalem Weg“, Hückeswagen: CSV 1992, S. 78-88; W. Kelly: „Christliche Einheit und Gemeinschaft“, Schwelm: Heijkoop-Verlag 1982, S. 32 f. dieser Brüder ist immer von unwissenden, einfachen Gläubige die Rede, die weder Einsicht über das Ausmaß des Falschen in ihren eigenen Kreisen noch Kenntnis des Platzes des Zusammenkommens nach der Schrift besaßen. Während die Brüder und die Versammlungen, in denen sie zusammenkamen, selbst völlig vom christlichen Lager getrennt waren, erkannten sie gern und freimütig an, dass es dort unwissende Kinder Gottes gibt. Wenn von diesen eins an einen Ort kam, wo seine eigene Gruppe nicht vertreten war, aber der aufrichtige Wunsch bestand, sich am Tag des Herrn zu Seinem Gedächtnis mit anderen Gläubigen zu versammeln, dann schlugen diese Brüder den Wunsch zur Teilnahme nicht von vornherein ab – und wir sollten es auch nicht tun. Obwohl sie sahen, dass ein solches Gotteskind in Verbindung mit unschriftgemäßen gemeindlichen Grundsätzen stand, erkannten sie es als Glied am Leib Christi an und schlugen es zur Teilnahme am Brotbrechen vor, wenn sie sahen, dass es über das Ausmaß des Falschen in seiner Gemeinde unwissend war. Das war praktizierte göttliche Gnade!

Dazu einige Zitate:

Aber stellen wir uns jemand vor, der als gottesfürchtig und gesund im Glauben bekannt ist, aber sein kirchliches System nicht verlassen hat, ja, sogar denkt, die Schrift befürworte einen ordinierten Dienst, der sich aber freut, bei sich bietender Gelegenheit mit uns das Brot brechen zu können. Nehmen wir an, wir wären die einzige Gruppe von Christen am Ort, oder der Betreffende wäre mit keiner anderen Gruppe am Ort in Verbindung, hielte sich aber bei einem Bruder auf oder dergleichen. Soll er zurückgewiesen werden, weil er irgendeinem System angehört, im Blick auf sein Gewissen nicht erleuchtet ist, das er sogar für richtiger halten mag? Er ist ein gottesfürchtiges Glied des Leibes Christi und als ein solches bekannt. Soll er zurückgewiesen werden? Wenn ja, dann macht man die Gemeinschaft abhängig von dem Maß an Licht, das einer besitzt, und die Versammlung, die die betreffende Person abweist, verleugnet die Einheit des Leibes. Der Grundsatz des Zusammenkommens (als Glieder Christi, die in Gottseligkeit wandeln) wird aufgegeben, Übereinstimmung mit uns wird zur Richtschnur gemacht, und die Versammlung wird eine Sekte mit Mitgliedern wie jede andere. …

Es mag schwieriger sein und größere Sorgfalt erfordern, jedem Fall für sich auf den Grund zu gehen nach dem Grundsatz der Einheit aller Glieder Christi, als einfach zu sagen: „Du gehörst nicht zu uns, du kannst nicht kommen“; aber die ganze Grundlage des Zusammenkommens ist sonst dahin. Ein solcher Weg ist nicht von Gott. 9 Übersetzt aus „Letters of J. N. Darby“, Kingston on Thames: Stow Hill Bible & Tract Depot o. J., Band 2, S. 10-12 (abgedruckt in: „Mit weitem Herzen auf schmalem Weg“, Hückeswagen: CSV 1992, S. 78-79).

Wenn sie also kämen und als Bedingung die Freiheit forderten, auch anderswo hinzugehen, könnte ich das nicht zulassen, weil ich weiß, dass es falsch ist und die Versammlung Gottes nichts zulassen kann, was falsch ist. Wenn es aus Unwissenheit geschähe und sie in gutem Glauben im Geist der Einheit zu dem kämen, was das Symbol der Einheit ist, würde ich sie nicht deshalb zurückweisen, weil sie noch nicht tatsächlich [mit dem System] gebrochen haben. Aber ich könnte nicht meine Zustimmung zu etwas geben, was uns zu einem Teil des Lagers machen würde, auch nicht zu irgendeiner Art von Anspruch, hierhin und dorthin zu gehen, drinnen und draußen zu sein. Das wäre ebenso anmaßend wie unredlich. 10 „Mit weitem Herzen auf schmalem Weg“, Hückeswagen: CSV 1992, S. 82.

Aus diesem und weiteren Zitaten geht hervor, dass die Kriterien, nach denen diese Brüder handelten, in Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift und mit der Gesinnung unseres Herrn waren. Zugleich aber haben die Brüder der Heiligkeit Gottes und der Seiner Versammlung den gebührenden Platz eingeräumt. Der Übersicht halber seien diese Kriterien nochmals zusammengefasst:

a) Eine örtliche Versammlung hat nach der Schrift die geistliche Freiheit, ja, die Pflicht zur Zulassung von Besuchern, die dies wünschen, wenn sie als gottesfürchtige Kinder Gottes bekannt sind.

b) Es ist jedoch erforderlich, die betreffenden Gläubigen über den schriftgemäßen Weg des Zusammenkommens und die Konsequenzen seiner Teilnahme am Brotbrechen zu belehren.

c) Wer unter solchen Umständen zum Brotbrechen zugelassen ist, kann danach nicht «hin und her springen» zwischen «seiner Gemeinde» und dem schriftgemäßen Platz des Zusammenkommens, denn durch seine Zulassung steht er unter der Zucht der Versammlung, die vom christlichen Lager getrennt ist. Wer dagegen von vornherein klar macht, «hin und her springen» zu wollen, widerspricht dem Grundsatz der schriftgemäßen Einheit und kann nicht aufgenommen werden.

Diese Bedingungen sind heute bei vielen Verfechtern der «Teilnahme von Besuchern» leider nicht mehr bekannt oder werden nicht mehr erwähnt. Die «gastweise Zulassung» von Besuchern war keine andersartige Zulassung. Sie war ein Zeichen der Gnade gegenüber unwissenden, aber aufrichtigen Kindern Gottes; sie kann und soll es auch heute noch sein.

5.3 Keine Einsmachung mit Ungerechtigkeit oder Spaltung

Ein auf diese Weise zugelassener Besucher nimmt danach wie jeder andere Gläubige, der das Brot am Tisch des Herrn bricht, nicht nur am Vorrecht der Gemeinschaft teil, sondern auch an der Verantwortung, die damit verbunden ist. Eine Trennung dieser beiden Grundsätze lässt sich nicht aus der Schrift ableiten. Deshalb ist die Belehrung über die schriftgemäßen Grundsätze des Zusammenkommens so wichtig.

Wenn jemand als Unwissender aus wahrer Liebe und Gnade von einer Versammlung zum Brotbrechen zugelassen worden ist und dabei über das schriftgemäße Zusammenkommen unterrichtet worden ist, ist ein bewusstes Zurückgehen zu dem, was nach der Schrift als falsch zu bezeichnen ist, nicht zu entschuldigen. Wir müssen Geduld mit Gläubigen haben, für die manche Teile der Wahrheit über die Versammlung Gottes neu sind. Aber die Brüder haben früher darauf bestanden, dass ein Besucher nicht «hin und her springen» kann, und auch wir müssen darauf bestehen. Andernfalls würde die anfänglich erwiesene Gnade missbraucht und gegen die biblische Einheit gehandelt. Der Betreffende würde nicht nur sich selbst in hochmütiger Weise über die Versammlung stellen, sondern auch die Versammlung bewusst in Verbindung mit dem Verkehrten bringen. Das kann keine Versammlung wissentlich dulden. Sie kann nicht erlauben, dass der Einzelne in vermeintlicher Freiheit selbst entscheidet, wo er das Brot bricht, weil sie dadurch in Verbindung mit Bösem kommen kann. Die Worte des Apostels Paulus: „Ihr könnt nicht des Herrn Tisches teilhaftig sein und des Dämonen-Tisches“ sind nicht nur auf Götzendienst und Dämonen einzuschränken. Sie zeigen einen biblischen Grundsatz auf, der auf jede Form von geistlicher Gemeinschaft anzuwenden ist, ohne dass damit auch nur im Entferntesten gesagt sein soll, dass ein christliches «Abendmahl» ein Dämonen-Tisch ist. Wir sollen uns nicht nur von Dämonen fernhalten, sondern „von aller Art des Bösen“ (1. Thes 5,22). Es geht also dabei auch um einen Grundsatz. „Oder reizen wir den Herrn zur Eifersucht? Sind wir etwa stärker als er?“ (1. Kor 10,21.22).

Auch wenn es dem Fleisch verlockend und «liebevoll» erscheinen mag, kann es keine unverbindliche Zulassung von Besuchern geben. An einigen Orten geht es heute jedoch gar nicht um die Zulassung von unwissenden Besuchern, sondern von Gläubigen, die den schriftgemäßen Weg kennen und bewusst verlassen haben, das heißt, durch die leider allzu bekannten und traurigen Anlässe und Gründe von uns getrennt sind.

Diesen Trennungen in verschiedenen Versammlungen sind gewöhnlich längere Zeiten voller Schwierigkeiten und viele Gespräche vorausgegangen. Wenn dann schließlich doch diejenigen weggegangen sind, die die schriftgemäßen Auffassungen über die Zulassung zum Brotbrechen und über die wechselseitigen Beziehungen von Versammlungen aufgegeben haben oder wenn eine Versammlung sich von solchen trennen musste, ist es nach der Schrift unmöglich, dass jemand, der auf diese Art von uns getrennt ist, irgendwo anders am Brotbrechen teilnimmt, ohne dass sein Verhältnis zur örtlichen Versammlung, von der er kommt, wiederhergestellt ist. [Fußnote 11]

Es hat in diesen Fällen eine Art Zucht stattgefunden. Die von uns getrennten Gläubigen sind zwar nicht ausgeschlossen, aber über sie ist wenigstens eine örtliche Mitteilung gemacht worden, und in den meisten Fällen sind sogar Briefe geschrieben worden, die darüber Auskunft geben, warum diese Gläubigen nicht mehr mit uns in Gemeinschaft am Tisch des Herrn sind. Wenn ein solcher ohne Übereinstimmung mit seiner (früheren) örtlichen Versammlung woanders zum Brotbrechen zugelassen wird, macht man sich dort der folgenden Fehler schuldig:

a) Man handelt im Widerspruch zur „Einheit des Geistes im Band des Friedens”, weil man die örtliche Versammlung, von der der betreffende Gläubige jetzt getrennt ist, außer Betracht lässt (Eph 4,3).

– Das Gleiche gilt, wenn jemand sich persönlich «zurückgezogen» hat. So jemand kann auch nicht ohne Weiteres an einem anderen Ort zum Brotbrechen zugelassen werden. Wenn jemand eine Versammlung verlässt, verlässt er alle Versammlungen (außer wenn die «verlassene» Versammlung selbst falsch steht).

b) Man meint, jemand, der den Platz des Zusammenkommens verlassen hat, «Liebe» erweisen zu müssen, erweist aber gerade dadurch der Versammlung bzw. den Versammlungen keine Liebe, mit denen man in Gemeinschaft ist. Solch eine geteilte «Liebe» steht jedoch in vollkommenem Widerspruch zur Heiligen Schrift: „Euch aber mache der Herr völlig und überströmend in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch gegenüber sind“ (1. Thes 3,12). Auch der betreffenden Person erweist man letztlich keine wahre Liebe (vgl. 2. Kor 2,4; 11,11), denn diese ist von Wahrheit und daher von Übereinstimmung mit Gottes Gedanken über Einheit und Absonderung geprägt.

c) Man macht sich schuldig, indem man Unaufrichtigkeit und Spaltung in der Versammlung Gottes unterstützt, und zwar sowohl derjenige, der meint, in einer anderen Versammlung teilnehmen zu können, während er doch die eigene Versammlung verlassen hat, als auch die Versammlung, die ihn aufnimmt und nichts Verkehrtes darin sieht, wenn jemand den Platz des Zusammenkommens verlassen hat.

d) Man macht sich möglicherweise eins mit falscher Lehre, Praxis und Verbindungen der betreffenden Gläubigen (1. Tim 5,22).

In diesen Fällen, wo es (von wenigen Ausnahmen abgesehen) nicht um unwissende Fremde geht, sondern um Geschwister, die bis vor Kurzem mit uns denselben Weg gegangen sind, kann eine Zulassung nicht durch eine andere Versammlung erfolgen, sondern nur durch die örtliche Versammlung in der Nähe des betreffenden Gläubigen oder – wenn dies aus bestimmten Gründen nicht möglich ist – in geistlicher Übereinstimmung mit ihr. Alles andere ist Spaltung unter Gläubigen.

Hierzu abschließend ein weiteres Zitat:
Im Namen des Herrn versammelte Brüder sind nicht unfehlbar, und Einsprüche mögen angebracht sein; aber wenn eine Person an einem Ort aufgenommen wird, die an einem anderen Ort abgewiesen worden ist, dann ist es offensichtlich, dass Einheit und gemeinsames Handeln vorbei sind… Wenn eine andere Gruppe von Christen ihn aufnimmt, ist es klar, dass sie die andere Körperschaft weder als unter der Autorität des Herrn noch als Versammlung, in der der Heilige Geist ist, handelnd anerkennen. [12]

In der Christenheit werden heute viele biblische Grundsätze aufgegeben. Es ist leichter, etwas loszulassen als festzuhalten. Deshalb gilt für uns heute mehr denn je:

„Halte fest das Bild gesunder Worte, die du von mir gehört hast, in Glauben und Liebe, die in Christus Jesus sind“ (2. Tim 1,13).

„Ich komme bald; halte fest, was du hast, damit niemand deine Krone nehme!“ (Off 3,11).


Fußnoten:

1 Hieraus im Umkehrschluss eine „Abhängigkeit der Versammlungen untereinander“ zu konstruieren, ist völlig verfehlt. Der Begriff „unabhängig“ ist nicht nur das Gegenteil von „abhängig“, sondern bedeutet auch „für sich bestehend, von etwas losgelöst“; und das ist hier gemeint. Abhängig sind die Versammlung als Ganzes und die einzelnen örtlichen Versammlungen wie jedes einzelne ihrer Glieder nur von Einem: von Christus, ihrem Haupt im Himmel. Untereinander sind schriftgemäße Versammlungen jedoch durch praktizierte Gemeinschaft und Anerkennung ihrer Beschlüsse verbunden. Eine örtliche Versammlung, die im Namen des Herrn Jesus handelt, handelt auch im Namen der gesamten Versammlung auf der Erde.

2 A.S. übergeht auf Seite 244f. im Blick auf die Praxis den überörtlichen Aspekt, auf den er erst auf S. 246 und 261ff. in anderen Abschnitten eingeht.

3 Als Paulus nach Korinth schrieb: „Ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot“ (1. Kor 10,17), befand er sich in Ephesus!

4 Hier fehlt vor „Leib“ bzw. „Tempel“ im Griechischen der Artikel, weil die Gläubigen in Korinth eben nicht den gesamten Leib Christi (bzw. den gesamten Tempel Gottes) als solchen bildeten, wohl aber als dessen örtliche Darstellung den Charakter des Ganzen trugen. - Wenn an manchen Stellen des NT von „Versammlungen“ im Plural die Rede ist, wie z. B. in Gal 1,2 („den Versammlungen von Galatien“), so ist das kein Widerspruch dazu, denn man kann nicht von der „Versammlung“ in einem Land sprechen, sondern nur weltweit oder an einem Ort. Daher beruht auch die Idee so genannter „Landeskirchen“ auf völlig falschen, aus der Bibel nicht abzuleitenden Voraussetzungen. - Außerdem bezieht sich das Wort „Versammlung“ manchmal ganz praktisch auf die Zusammenkünfte der Gläubigen (1. Kor 14,19.35 usw.).

5 A. S. Seite 255ff. lässt die von Gott gegebene Autorität der örtlichen Versammlung außer Acht.

6 A. S. verurteilt auf Seite 197 öffentlich zwei vor Jahrzehnten erfolgte Ausschlüsse, übergeht jedoch die Tatsache, dass die ausgeschlossenen Personen sich öffentlich gegen die jeweiligen Versammlungen auflehn(t)en, weshalb auch leider keine schriftgemäße Beurteilung und Behandlung dieser Fälle erfolgen konnte. Ende der Fußnote]

7 A. S. erwähnt auf Seite 215 (Pkt. 4) eine solche Handlungsweise, leider ohne dagegen Stellung zu beziehen.

8 Vgl. die Zitate von J. N. Darby und W. Kelly in „Mit weitem Herzen auf schmalem Weg“, Hückeswagen: CSV 1992, S. 78-88; W. Kelly: „Christliche Einheit und Gemeinschaft“, Schwelm: Heijkoop-Verlag 1982, S. 32 f.

9 Übersetzt aus „Letters of J. N. Darby“, Kingston on Thames: Stow Hill Bible & Tract Depot o. J., Band 2, S. 10-12 (abgedruckt in: „Mit weitem Herzen auf schmalem Weg“, Hückeswagen: CSV 1992, S. 78-79).

10 „Mit weitem Herzen auf schmalem Weg“, Hückeswagen: CSV 1992, S. 82.

11 Die von A. S. auf S. 254 und 278 vertretene Auffassung hierzu geht m. E. an dem Ernst und der Notwendigkeit der Trennung von den bekannten offenen und unabhängigen Grundsätzen vorbei und führt durch sentimentale, falsche Liebe zu unschriftgemäßen Praktiken.

12 J. N. Darby Letters Band 2, S. 213 f.