24.10.2005Persönlicher Glaube

Gehorsam - Zwang oder Vorrecht?

Sicher, wir stehen heute nicht mehr unter Gesetz. Der Herr Jesus hat durch sein Sterben auf Golgatha das Gesetz beiseite gesetzt. Er hat uns freigemacht von dem Gesetz, wir stehen nicht mehr unter Gesetz, sondern unter Gnade. Doch das bedeutet nicht, dass wir Gott nicht mehr Gehorsam schuldig sind. Auch für die Gnadenzeit, in der wir heute leben, hat Gott uns Gebote gegeben, nach denen wir wandeln sollen.

Sein Wort gibt uns einige Beispiele von Männern und Frauen, denen Gott ein Gebot oder einen Auftrag gegeben hat. Viele von ihnen haben Gott bedingungslos gehorcht, andere leider nicht. Wir wollen uns kurz drei Beispiele ansehen.

Noah

Gott gab Noah den Auftrag, eine Arche zu bauen, worin Gott ihn und seine Familie vor dem Gericht der Sintflut retten wollte. Bis dahin hatte es noch nie geregnet, Noah konnte also nicht auf seinen Verstand und seine Erfahrungen zurückgreifen und so zu dem Schluß kommen, dass Gott recht haben könnte. Noah kannte keinen Regen, vielleicht kannte er noch nicht einmal das Meer oder Schiffe, und trotzdem hat er Gott bedingungslos gehorcht und diese Arche auf dem Trockenen gebaut. In 1.Mose 6,22 lesen wir: „Und Noah tat es; nach allem, was Gott ihm geboten hatte, also tat er.“

Einen solchen Gehorsam wünscht der Herr von uns. Bedingungsloser, sofortiger Gehorsam, ohne menschliche Überlegungen, vertrauend auf das Wort des Herrn. Ein solcher Gehorsam ehrt den Herrn und erfreut Sein Herz. Einen solchen Gehorsam kann und will der Herr belohnen. Sein Segen wird nicht ausbleiben. Noah wurde gerettet, er und seine ganze Familie.

Abraham

Abraham wohnte in Ur, in Chaldäa, als Gott ihn rief und ihm einen Auftrag gab. Auch er wusste - wie Noah - nicht, was kommen würde. Er wusste nicht, in welches Land ihn Gott bringen wollte, er hatte „nur“ das Wort des Herrn, und darauf vertraute er. Gott sprach zu Abraham: „Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus, in das Land, das ich dir zeigen werde.“ (1.Mose 12,1)

Wenn wir die letzten Verse aus 1.Mose 11 lesen, bemerken wir, dass vermutlich nicht Abraham auf Grund dieses Auftrags die Initiative ergriff, sondern sein Vater Tarah. „Und Tarah nahm seinen Sohn Abram ...; und sie zogen miteinander aus Ur in Chaldäa“. Aber kamen sie in das Land, in das Gott Abraham bringen wollte? Nein, sie blieben in Haran hängen. Warum? Weil Abraham nicht völlig gehorcht hatte. Er machte sich zwar auf und zog aus, aber nur aus seinem Land, nicht aber aus seiner Verwandschaft, wie Gott ihm geboten hatte. Gott musste schließlich das „Hindernis“, seinen Vater Tarah, wegnehmen, und erst dann zog Abraham von Haran weiter.

Wir haben den Wunsch, Gott gehorsam zu sein, tun auch die ersten Schritte, aber etwas in unserem Leben hindert uns daran, Gott völlig zu gehorchen. Es muss nicht unbedingt eine Sünde sein, die das Hindernis darstellt. Vielleicht ist es etwas anderes, an dem wir hängen, was wir aber nicht abgeben wollen. Oder es ist einfach die Tatsache, dass wir in eigener Kraft versuchten, Gott zu gehorchen. Dann kann Gott uns nicht gebrauchen.

Und so musste bei Abraham der Tod eintreten, der Tod seines Vaters, damit er endlich weiterziehen konnte. Ebenso muss auch bei uns der Tod eintreten. Wir müssen erkennen, dass wir in uns selbst tot sind und nichts tun können. Wir müssen den alten Menschen, das Hindernis für bedingungslosen Gehorsam, im Tod halten. Nur so können wir Gott von Herzen und völlig gehorsam sein.

Die Folge des teilweisen Gehorsams von Abraham war, dass Gott ihm etwas, das er liebte, wegnehmen musste. Gott wollte Abraham segnen, aber das ging nur auf der Grundlage des Gehorsams. Gott hätte auch seinen Auftrag anpassen können, als Abraham in Haran hängengeblieben war. Aber er tut es nicht, Gott tut es nie! Er möchte, dass wir zu dem vollen Segen und der vollen Freude kommen, den herrlichen Früchten eines bedingungslosen Gehorsams.

Jona

Auch der Prophet Jona bekam einen Auftrag von Gott, den er auszuführen hatte. Aber bei ihm finden wir weder sofortigen und bedingungslosen Gehorsam wie bei Noah, noch den Wunsch, völlig zu gehorchen wie Abraham. Jona reagierte auf den Auftrag Gottes mit Flucht. Er versuchte, vor Gott zu fliehen, um nicht gehorchen zu müssen. Ein trauriges Beispiel! Aber vielleicht das, was am meisten auf uns zutrifft?

Die Folgen dieses Ungehorsams kennen wir. Jona musste erleben, dass Gott ihn eben nicht einfach gehen ließ. Zum einen musste er lernen, dass man vor Gott nicht fliehen kann, zum anderen musste er die Folgen des Ungehorams kennenlernen. Gott lässt uns nicht einfach laufen. Er geht uns nach und bringt uns zurück zu sich. Er will nicht, dass wir des Segens und der Freude verlustig gehen, alles dessen, was Er für uns vorgesehen hat. Oft ist das Zurück so schmerzhaft wie bei Jona, denn die Folgen unseres Ungehorsams müssen wir tragen. Aber selbst dabei kommt Gott uns in seiner Gnade entgegen, sodass wir selbst das, was wir uns selbst zuzuschreiben haben, weil wir ungehorsam waren, zu tragen vermögen.

Noah, Abraham oder Jona?

Leider wird wohl keiner von uns sagen können, dass er stets einen Gehorsam zeigt wie in dem Beispiel von Noah. Wohl eher werden wir feststellen, dass wir mal so wie Noah, mal so wie Abraham und leider oft so wie Jona gehorcht haben, nämlich gar nicht.

Wir sind - wie wir schon am Anfang gesehen haben - Gott Gehorsam schuldig. Für Jona war der Gehorsam, den Gott von ihm forderte, tatsächlich ein Zwang. Er wollte nicht gehorchen. Wir, die wir an den Herrn Jesus glauben und göttliches Leben in uns haben, müssen nicht gehorchen, sondern wir dürfen gehorsam sein. Leider sehen wir das vermutlich nicht immer so! Aber ist es nicht ein Vorrecht, unserem Herrn, der uns so teuer erworben hat, gehorsam zu sein? Er will uns doch nicht ausnehmen oder zu Dingen zwingen, die uns und den uns Anvertrauten schaden. Nein, er will uns segnen und wird uns kein Gutes vorenthalten. Wir selbst verhindern durch unseren Ungehorsam oft, dass der Herr uns so segnen kann, wie er es möchte. Stehen wir Ihm nicht in Wege!