12.04.2005Persönlicher Glaube

Heiligkeit / Heiligung - eine Begriffserklärung

„Heilige“ Dinge waren im Alten Testament solche, die in ihrem Gebrauch für Gott abgesondert worden waren (s. die heiligen Gegenstände im Zelt der Zusammenkunft (3. Mo 8,11) und im Tempel (2. Chr 2,4) s. aber auch 2. Pet 1,18).

Als der Prophet Jesaja in seiner Vision in Kapitel 6 den HERRN auf hohem und erhabenem Thron sieht, hört er die Seraphim zueinander sprechen: „Heilig, heilig, heilig ist (Jahwe) der HERR der Heerscharen...“ (Vers 3). Heiligkeit ist ein Wesenszug Gottes, der die Reinheit liebt und das Böse abweist, und das bedeutet, daß Er abgesondert und völlig unterschieden ist von allem, was wir Menschen erkennen und verstehen können. Wir können Gott in Seiner Heiligkeit nicht ergründen. Wenn wir von Ihm etwas verstehen sollen oder dürfen, dann ist dies nur möglich, wenn Gott selbst sich uns offenbart. Dasselbe gilt übrigens auch für die göttliche Liebe, „denn Gott ist Liebe“ (1. Joh 4,8). Niemand von uns könnte diese Liebe überhaupt kennen, wenn Gott sich nicht als solcher offenbart. Aber wir wissen aus der Heiligen Schrift, daß Gott sich geoffenbart hat in der Person des Sohnes Gottes, unseres Herrn Jesus Christus (1. Joh 4,9; Heb 1,1; Joh 1,18). Er war der, von dem Gott sagen läßt, daß „das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden“ wird (Lk 1,35). In Ihm wurde Gott in Seiner Liebe und in Seiner Heiligkeit geoffenbart, in Seinem Reden und Handeln und in absolut einmaliger Weise, als Er das Werk am Kreuz vollbrachte. Hier zeigten sich nämlich die beiden Wesenszüge Gottes: Gott ist Liebe, Er opfert Seinen Sohn für Sünder. Gott ist heilig, und Seine Heiligkeit wurde in nie dagewesener Weise deutlich, als Gott den Herrn Jesus, der in sich selbst völlig sündlos und rein war, am Kreuz richtete, weil Er dort unsere Sünden trug. Gott hat Ihn dort verlassen und Ihn den Lohn der Sünde, den Tod, erdulden lassen.

Und nun erweist Gott Seine Liebe auch darin, daß Er uns heiligte „durch das ein für alle mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi“ (Heb 10,10).

Der Gläubige als ein „Geheiligter“ oder als ein „Heiliger“ - seine Stellung vor Gott

Auf der Grundlage dieses Werkes von Golgatha hat Gott in Seiner Gnade jeden gläubigen Christen zu einem „Heiligen“ gemacht, d.h. Er hat ihn für sich erkauft, herausgenommen „aus der gegenwärtigen bösen Welt“ (Gal 1,4), nämlich der Welt als dem System, das von Satan regiert wird, und hat ihn für sich selbst „abgesondert“ oder „geheiligt“. Wir sind aus Gott „in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung“ (1. Kor 1,30. s.a. 1. Joh 3,1; 5,19).

Wir sind „geheiligt durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi“ (Heb 10,10). Gott hat uns „von Anfang erwählt (...) zur Seligkeit (Errettung) in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit“ (2. Thess 2,13).
Das ist die Stellung, in die Gott den Gläubigen gesetzt hat, und die daher ewig, unveränderlich und vollkommen ist - wie alles, was Gott tut. Vorher waren wir in einer ganz anderen Stellung vor Gott: Sünder, Unreine, Verderbte, ... ; der Apostel Paulus beschreibt mit deutlichen Worten diesen Zustand in seinem ersten Brief an die Korinther und sagt dann: „Aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, ... (1. Kor 6,9ff.).

Hole schreibt dazu: „Nichts könnte klarer sein als das. Wir werden nicht Gottes Geheiligte durch das Erreichen eines gewissen Grades von praktischer Heiligkeit. Wir sind Gottes Geheiligte, und das verpflichtet uns zur Heiligkeit oder zu praktischer Heiligung. Wäre das zuerst Erwähnte Gottes Weg, so entspräche dies dem Grundsatz des Gesetzes. Aber das zweite ist Gottes Weg und entspricht dem Grundsatz der Gnade.“ (F.B.Hole: Das große Heil Gottes. Beröa 19902, S.66/67)
(Nur ganz nebenbei: Gott macht uns zu Heiligen, nicht die „Heiligsprechung“ z.B. zum „Heiligen Martin von Tours“ (= Sankt Martin) oder zur „Heiligen Elisabeth“ usw. durch den Papst!