13.09.2008 Versammlung / Gemeinde

Die Frau des Lammes

Die Versammlung wird „die Braut, das Weib des Lammes“ genannt (Offb 21,9). Dieser Titel hat seine Bedeutung. Das „Lamm“ ist ein Bild, unter dem der Sohn Gottes dargestellt wird und das von den Leiden spricht, die Er für uns erduldet hat. Folglich redet die Bezeichnung „die Frau des Lammes“ davon, dass der Herr sie durch seine Leiden zu seinem Eigentum gemacht, dass Er sie zu einem derart hohen Preis eingeschätzt und für sie alles hingegeben hat. Von Anfang an hat Er diese kostbare Wahrheit des Evangeliums kundgemacht.

Vorbilder auf Christus: Adam...

Bevor Adam Eva empfing, ließ ihn Gott in einen tiefen Schlaf fallen, ein Bild des Todes, während dessen Er eine seiner Rippen nahm und daraus diese bildete, die ihm dann als seine Frau vorgestellt wurde. Wir sehen darin einen Schatten der Demütigung und der Leiden, die der wahre Adam erduldete, um sich seine Eva, die Versammlung, zu erwerben.

...und Jakob, Joseph und Mose

Im Fall von Jakob war es ähnlich. Er hatte die Mühen und Leiden von 14 langen Jahren der Arbeit zu ertragen, bevor er Rahel ganz bekam. Die Sitten des Landes, wie auch die harten Forderungen des gierigen Laban, hatten ihm diese Bedingungen auferlegt. Des Tages musste er sich von der Hitze verzehren lassen und des Nachts vom Frost. Er musste entweder eine unaufhörliche Arbeit und die Verlängerung seines Exils ertragen, oder fortgehen, ohne seine Rahel zu besitzen.

Joseph wurde von seinen Brüdern getrennt, bevor ihm Asnath gegeben wurde. Bei Mose sehen wir dasselbe. Er musste zuerst von seinem Volk fliehen, aber verdiente es dann, Zippora zu erhalten, weil er ihr gegen die Hirten von Midian Hilfe leistete und den Brunnen öffnete, um ihre Herde zu tränken. Darauf hat der Vater von Zippora Mose das Recht auf die Hand seiner Tochter anerkannt. - So war es auch mit seiner zweiten Frau (4. Mose 12). Er nahm sie um den Preis seines guten Rufs im Urteil seiner Verwandtschaft. Sie war eine schwarze Äthiopierin und entsprach nicht den Gedanken Aarons und Mirjams; aber er ertrug die Schmach und heiratete diese Auserwählte.

In allen diesen Ehen wird uns der Charakter des Gatten vorgestellt. In den genannten Vorbildern sehen wir den Herrn Jesus, wie Er auf Kosten von etwas Persönlichem seine Braut bekommt: Adam durch seinen Schlaf (oder „Tod“); im Fall Jakobs durch Arbeit, Mühe und Kampf; bei Joseph durch Trennung und schmerzliche Vereinsamung oder bei Mose mit Schmach, als mache er eine ihm unwürdige Sache. Im Grundsatz ist es immer der leidende Gatte.

Boas und Ruth
Man könnte noch Boas anführen, ein anderes Vorbild vom Herrn. Er ist ein reicher und mächtiger Mann, aber er nimmt die Sache einer armen Ährenleserin auf seinen Feldern in die Hand. ... Er schämt sich nicht, eine arme Moabitin, die von seiner Freigebigkeit abhängig ist, zu seiner Gefährtin zu machen. Sie wird seinen Reichtum und seine Ehre teilen ...

Die Ehe des Boas lehrt uns also dasselbe Geheimnis; sie sagt uns, dass der Bräutigam der Versammlung sich zuerst erniedrigt hat, um sie zu erwerben und zu seinem Eigentum zu machen.

Christus ist unvergleichbar
Aber diese große Wahrheit wird nicht nur in Bildern und Beispielen gezeigt. Sie ist auch in der klaren und positiven Belehrung der Schrift enthalten. „Christus hat die Versammlung geliebt“, wird gesagt: „er hat sich selbst für sie hingegeben“, auf dass Er sie heiligte durch die Waschung mit Wasser durch das Wort. Und das alles hat Er getan, um sie sich als seine Frau verherrlicht darzustellen, ohne Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen, würdig seiner selbst (Eph 5,27). In dieser Stelle wird es als klare Lehre verkündigt, dass das Lamm der Bräutigam ist, denn bevor Er die Versammlung zur Braut nimmt, gibt Er sich selbst für sie hin. Er nimmt die zur Frau, die Er zuvor durch sein Blut erkauft hat.

In den Schriften des Alten Testaments findet sich dieselbe Unterweisung in der Beziehung zwischen dem Herrn und Jerusalem. Es ist im Grundsatz die gleiche Beziehung, wie zwischen Christus und der Versammlung. So wird dort zu Jerusalem gesagt: „Denn der dich gemacht hat, ist dein Mann - Herr der Heerscharen ist sein Name - und der Heilige Israels ist dein Erlöser“ (Jes 54,5). Die ganze Stelle zeigt Jerusalem, aus ihrem Zustand der Erniedrigung emporgehoben, durch die zärtliche Güte und Liebe des Herrn, der die für sich anerkennt, die wie die Äthiopierin oder wie Ruth eine Schmach für Ihn sein konnte (Jes 54).

Jeremia, Hosea und Hesekiel
Auch Jeremia stellt den Herrn dar, wie Er in derselben Gnade wirkt und Jerusalem wieder für sich nimmt, selbst nachdem sie sich als untreu erwiesen hat und sie richterlich und gesetzlich verworfen wurde (Jer. 3).

Das gleiche Bild findet sich wieder in den Anordnungen, die der Herr dem Propheten Hosea gab (Kap. 1-3). Er hat seine Frau gekauft (3,2), er sondert sie ab und nimmt auch die Schmach einer Verbindung mit einer verlorenen und unwürdigen Frau auf sich.

So wird auch in der Beschreibung, die Hesekiel von ihr gibt, Jerusalem in einem Zustand der abstoßendsten Entwürdigung gesehen. Aber dann, als niemand einen Blick des Mitleids auf sie wirft, hat der Herr nicht nur Erbarmen mit ihr, sondern Er belebt sie, wäscht, bekleidet, schmückt, salbt, verschönt sie und überhäuft sie mit Gaben. Seine Güte hört nicht auf, bis Er sie für sich genommen hat: „Du wurdest mein“, sagt Er (Hes. 16).

So ist es also mit den Aussprüchen der Propheten wie mit den Vorbildern und den Schatten weit zurückliegender Zeiten: Alle verkünden das große Geheimnis, dass das Lamm, welches litt, der Bräutigam ist. Dieses Lamm ist es schließlich, das die Versammlung als seine Gefährtin an seiner Seite sitzen lässt; Er ist es, der sie zuerst durch sein Blut erkauft, sie durch sein Wort und seinen Geist gewaschen und gereinigt hat, der aus Liebe zu ihr die Schmach ertrug (Luk. 19,7) und zu ihr hinabgestiegen ist, als sie in ihrem Zustand des Ruins und des Elends war, bevor Er sie bis zu sich in die Herrlichkeit erheben konnte.

Christus liebt die Versammlung, seine Braut
Das ist das Geheimnis des göttlichen Bräutigams. Es ist das Geheimnis seiner Liebe, die allen Verstand übersteigt: die Liebe des Christus für seine Versammlung, und der Versammlung für Christus. Sie liebt Ihn um deswillen, was Er für sie getan hat, wegen des leidensvollen Dienstes, dem Er sich unterworfen hat, um sie für sich zu erwerben. Er liebt sie wegen des Preises, zu dem Er sie eingeschätzt und zu welchem Er sie erkauft hat. Sie wird auf immerdar bei dem sein, der sie so sehr geliebt hat, dass Er sein eigenes Leben für sie hingab. Er wird zu seiner Seite die sehen, die Ihn gefesselt hat, so sehr, dass Er aus Liebe zu ihr freiwillig durch alles hindurchgegangen ist und dabei auf alles verzichten musste, dessen Er würdig war (Matth. 13,45.46).

Er kann sie nur auf eine erhabene Weise wertschätzen, und so schätzt sie auch Ihn, mit dem Unterschied allerdings, dass Christus seine Liebe gezeigt und bewiesen hat, bevor die Versammlung sein Eigentum war; denn Er hat den Preis zuvor geschätzt, zu welchem seine Liebe sie erkaufen wollte. Die Liebe der Frau kommt später und hat nur den zweiten Platz. Sie begann erst, als sie die ganze Liebe des Mannes zu ihr erkannte. „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Joh. 4,19). So muss Christus als Bräutigam, wie auch in allen anderen Dingen, sei es in Gnade, sei es in Herrlichkeit (Kol 1,18), „den Vorrang“ haben.

*****
Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages
Halte Fest Jahrgang 1987 - Seite: 69