10.12.2005 Fragen und Antworten | Versammlung / Gemeinde

Brotbrechen im Urlaub

Antwort:

Das Zusammenkommen zum Brotbrechen ist das zentrale Zusammenkommen einer örtlichen Versammlung. Man kann es nicht von dem Ort, an dem sich die Versammlung befindet, und von der Örtlichkeit, wo sie regelmäßig zusammenkommt, ohne weiteres lösen und an einen anderen Ort verpflanzen - auch nicht teilweise oder vorübergehend. Wir finden das nirgends im Neuen Testament. Natürlich können bestimmte Umstände es nötig machen, die Zusammenkünfte an eine andere Örtlichkeit zu verlegen. Aber das ist etwas anderes und hat mit unserer Frage nichts zu tun.
Überhaupt kennt Gottes Wort keine „reisenden" Versammlungen. Die Darstellung der Versammlung Gottes auf der Erde ist an einen Ort gebunden. So sagt der Herr Jesus: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen ..." (Mt 18,20). Damit bezeichnet Er neben einem Grundsatz gewiss auch einen Ort. Und wenn der Apostel Paulus beispielsweise seinen ersten Brief an die Korinther schreibt, so richtet er ihn an die „Versammlung Gottes, die in Korinth ist" (1. Kor 1,2). Wiederholt wird auch von der „Versammlung in ihrem (seinem, deinem) Haus" gesprochen (Röm 16,5; 1.Kor 16,19; Kol 4,15; Phlm 2). Gajus war „der ganzen Versammlung Wirt" (Röm 16,23). Solche Geschwister gaben der Versammlung an ihrem Ort ein Obdach, ermöglichten es ihr, in ihrem Haus ihre Zusammenkünfte abzuhalten.

Die Versammlung an einem Ort besteht aus allen Kindern Gottes an diesem Ort. So waren die Gläubigen in Korinth „Christi Leib" dort, im einzelnen aber Glieder (1.Kor 12,27). Sichtbar jedoch wird die Versammlung durch die Zusammenkünfte an diesem Ort: „Wenn nun die ganze Versammlung an einem Ort zusammenkommt ..." (Kap. 14,23). Beachten wir die Ausdrücke "die ganze Versammlung" und "an einem Ort".
Als der Apostel Paulus auf seiner Reise nach Jerusalem in Tyrus ankam, suchte er die Jünger dort auf; denn es heißt: „Als wir aber die Jünger gefunden hatten ..." (Apg 21,4). Zuvor hatte er mit den Gläubigen in Troas das Brot gebrochen (Kap. 20,7). In keinem der Fälle brach der Apostel mit seinen Begleitern irgendwo das Brot, unabhängig von bestehenden örtlichen Versammlungen.

Wenn sich heute Gläubige aus einer Versammlung oder aus verschiedenen Versammlungen an einem Urlaubsort treffen, so steht es ihnen natürlich offen, gemeinsam das Wort Gottes zu lesen und die Knie zu beugen. Der Herr wird das gewiss segnen. Aber das ist kein Zusammenkommen „als (oder: in) Versammlung", das heißt „im Charakter von Versammlung" (1. Kor 11, 18), es ist kein Zusammenkommen zum Namen des Herrn Jesus hin (Mt 18,20). Vielmehr handelt es sich um ein rein privates Zusammenkommen. Das geht allein schon daraus hervor, dass die auf diese Weise versammelten Geschwister keinerlei kirchliche Zucht ausüben könnten, weder im „Binden" noch im „Lösen" (Mt 18,18). Die Aufforderung „Tut den Bösen von euch selbst hinaus" (1. Kor 5,13) richtet sich auch nur an die örtliche Versammlung als solche, denn das Hinaustun schließt die Aberkennung der praktischen Gemeinschaft am Tisch des Herrn ein, und das kann nur durch die Versammlung geschehen.

So sehen wir, dass das, was nicht selten als Ausdruck der christlichen Freiheit gepriesen wird, nichts anderes als Unabhängigkeit ist.