27.04.2004Persönlicher Glaube

Jeder zweite Deutsche ist zu fett – gibt es ein „geistliches Übergewicht“?

Echte Fettleibigkeit

Die Deutschen werden immer dicker: Eine Erhebung unter 370.000 Bundesbürgern kam zu dem Ergebnis, dass fast jeder Zweite zu viel auf die Waage bringt - Tendenz steigend. Männer liegen dabei deutlich vor den Frauen. Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass 49% der erwachsenen Bevölkerung zu viele Pfunde auf die Waage bringe. 13% seien zudem nicht nur ein wenig pummelig, sondern stark übergewichtig. Als übergewichtig gilt, wer einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 25 hat (bei mehr als 30 stark übergewichtig).

Der BMI wird ermittelt, indem man das Körpergewicht (z.B. 80 kg) durch die Körpergröße im Quadrat (z.B. 1,80x1,80: 24,7 BMI) teilt. Der Anteil der übergewichtigen Männer an der erwachsenen Bevölkerung beträgt 58%. Bei Frauen bei 41%. Starkes Übergewicht hatten 15% der Männer und 12% der Frauen. Untergewicht mit einem BMI von weniger als 18,5 haben nur 4% der Frauen und 1% der Männer.

Gibt es geistliche Fettleibigkeit?

Man fragt sich - wenn man auf den geistlichen Bereich schaut - unwillkürlich, ob es hier auch eine solche „Fettleibigkeit“ gibt. Und die erste Prognose, die man realistisch wagen kann, sieht wohl so aus, dass sich hier die Zahlen mindestens umkehren.

Im geistlichen Bereich ist die christliche „Nahrung“ die Bibel: „Ich habe euch Milch zu trinken gegeben, nicht Speise; denn ihr vermochtet es noch nicht, aber ihr vermögt es auch jetzt noch nicht, denn ihr seid noch fleischlich“ (1. Korinther 3,2), muss der Apostel über die Korinther klagen. Petrus spricht von der vernünftigen, unverfälschten Milch des Wortes Gottes (1. Petrus 2,1). Der Herr Jesus selbst nennt sich das Manna (Johannes 6), das wir essen sollen; und wir finden Ihn in den Schriften der Bibel.

Geistliche Unterernährung

Ob wir hier „überernährt“ sind - in gewissem Sinn gibt es das im geistlichen Bereich natürlich gar nicht! Es ist wohl eher zu befürchten, dass ein großer Teil von uns nicht über- sondern untergewichtig ist, was die geistliche Speise betrifft. Vielleicht geht es uns auch so, wie es in den Tagen des gottesfürchtigen Königs Josia war: „Und der Hohepriester Hilkija sprach zu Schaphan, dem Schreiber: Ich habe das Buch des Gesetzes im Haus des HERRN gefunden“ (2. Könige 22,8). Kann es sein, dass wir die Bibel auch auf unserem Schrank erst einmal wieder finden müssen?

Natürlich: Sonntag für Sonntag schleppen wir sie mit zu den christlichen Zusammenkünften. In der Woche lesen wir am Tisch (oder es wird uns vorgelesen). Schon recht! Aber leben wir von der Bibel, nähren wir uns von dieser einzigartigen, allein nützlichen Speise für unser geistliches Leben? Wir wollen uns wieder neu anspornen, wenigstens auf diesem Gebiet die Waage eher in Richtung der „natürlichen Umfrageergebnisse“ zu bewegen als weiter so zu bleiben, wie es wahrscheinlich bei einer Umfrage unter Christen heraus käme.

Geistliche Fettleibigkeit: Wasserkopf

Und doch mag es in einer gewissen Hinsicht auch „Fettleibigkeit“ im geistlichen Sinn geben. Nämlich genau dann, wenn wir anfangen, die Bibel allein mit unserem Kopf, mit unserem Verstand zu studieren, ohne in unserem Lebenswandel das zu verwirklichen, was wir gelesen und verstanden haben.

Nun ist zu bedenken, dass wir grundsätzlich über unseren Verstand aufnehmen - auch die geistlichen Dinge. Das ist nicht problematisch. Aber wenn es dabei bleibt, wenn wir die moralische Wirkung des Wortes Gottes nicht auf unser Leben, auf unser Gewissen anwenden, dann bekommen wir einen fettleibigen Wasserkopf; die Beine (die Lebenspraxis) werden natürlich im dünner und wir werden bald stürzen.

Geistliche Unterernährung und der Wasserkopf lassen sich nicht verbergen!

So, wie man Fettleibigkeit sehen kann, wird man beide Phänomene im geistlichen Bereich ebenfalls schnell merken: Unterernährung führt dazu, dass man nicht mehr über geistliche Themen spricht, die Versammlungsstunden (Gemeindestunden) nur noch ungern oder sogar unregelmäßig besucht und einen fleischlichen Lebenswandel führt.

Kopfwissen führt dazu, dass man zwar intellektuelle Reden schwingen kann, die sich gut anhören, die aber überhaupt kein moralisches Gewicht besitzen für die Zuhörer, weil das eigene Leben nicht dahinter steht.

Beides ist ungesund. Beides wollen wir abstellen. Wir wollen wir neu Freude finden an dem Wort Gottes. Und wir wollen sofort damit anfangen, es in die Lebenspraxis umzusetzen.

Der biblische Ansporn

„Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute findet“ (Psalm 119,162).

„Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln? Indem er sich bewahrt nach deinem Wort“ (Psalm 119,9).