24.01.2006 Dienst

Was ist in deiner Hand?

Dieses Sprichwort der Alten verdankt sein Entstehen ohne Zweifel der üblen Gewohnheit so vieler Menschen, gewisse Dinge, welche ihnen fehlen, sehnlichst zu begehren, während sie das, was sie besitzen, gering schätzen und übersehen. Auch Christen fallen leicht in diesen Fallstrick.

Hast nicht auch du vielleicht etwas, das Gott in seinem Dienste gebrauchen würde, wenn Du seinem Worte gehorchtest? Eine Begebenheit aus dem Leben Moses’ mag diese Gefahr, in der wir stehen, veranschaulichen. Ich meine jene Unterredung beim brennenden Dornbusch, als Gott ihn zum Pharao gehen hieß, um die Entlassung der Kinder Israel aus ihrer Knechtschaft zu verlangen.

Es gibt 1000 Gründe, etwas nicht zu tun

Diese Aufgabe war sehr verantwortungsvoll, und möglicherweise mussten daraus für ihn und für andere große Schwierigkeiten entstehen. Moses schrak vor ihr zurück. Sofort legte er Gott seine Gründe vor, warum er sich diesem Dienst nicht unterziehen könne. Er sah auf die große zivile und militärische Macht Pharaos, auf den mächtigen Einfluss der Zauberer und Götzendiener jenes großen Reiches, und auch auf die Halsstarrigkeit seines eigenen Volkes. Darum sagte er zu Gott: „Aber siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf meine Stimme hören; denn sie werden sagen: Der Herr ist dir nicht erschienen“ (2 Mose 4,1)

Um die Worte Moses’ richtig würdigen zu können, müssen wir bedenken, dass er in den ersten vierzig Jahren seines Lebens am Hofe des Pharao auferzogen wurde und dort die Weisheit der Ägypter kennen gelernt hatte. Er war sich damals schon seiner Aufgabe als Retter seines unterdrückten Volkes bewusst, als er mit der starken Faust Bekanntschaft machte, welche seine Brüder knechtete. Er war sich also völlig im Klaren über die Wichtigkeit der Schritte, die er jetzt im Auftrage Gottes unternehmen sollte. Er wusste auch, dass es für ihn das Rechte gewesen wäre, zu gehorchen. Aber - er hielt zurück, weil er das Misslingen seiner Sendung vorauszusehen meinte und dachte, die Menschen würden ihm nicht glauben, dass Gott ihn gesandt habe.

Gott lässt uns nicht - auch nicht wenn Glaube mangelt

Um es gerade heraus zu sagen: Es fehlte Moses am Glauben, und er ist lange nicht das einzige Beispiel solchen Kleinglaubens. Es gibt auch heute viele Christen, die genau wüssten, was ihre Aufgabe wäre. Unter vielerlei Entschuldigungen halten sie sich aber vom Dienste fern, da sie die Folgen fürchten.

Daraufhin nahm der Herr seinen Knecht Moses in seine Schule, um ihn zu belehren. Wir dürfen als Zuschauer dabeistehen und an diesem Anschauungsunterricht teilnehmen. Vielleicht können wir dabei ebensoviel lernen wie einst Moses.

Der Herr stellte ihm eine Frage, die ihn zuerst fremd angemutet haben mag. Sie schien gar keinen Bezug zu haben mit den Gedanken, die in jenem Augenblick den Geist Moses’ beschäftigten, das heißt mit der Befreiung der Israeliten aus dem Hause der Knechtschaft. Die Frage lautete: „Was ist das in deiner Hand?“ Moses bekannte, es sei nur ein Stab - keine Waffe, kein Kriegsgerät, kein Instrument der Kraft, nur ein Stecken, vermutlich der Stab eines Hirten.

Zugegeben, der Stab ist ein schwaches und verächtliches Hilfsmittel zur Befreiung einer Nation. Aber der Herr wollte dadurch seinen Knecht prüfen, ob er seinen Anweisungen prompten Gehorsam leisten würde, ohne Zögern oder Einwand. ... Um seinen Gehorsam im Dienst beweisen zu können, wurde er von Gott geheißen, den Stab auf die Erde zu werfen.

Auf dem Boden wurde der Stab in einem Augenblick zu einer schleichenden Schlange mit tödlichem Gift, - ein Bild des Gottes dieser Welt und der Macht Ägyptens... Moses wurde gezeigt, dass der Stab der Regierungsgewalt in den Händen Pharaos zum großen Feind des Menschen geworden war.

Gott hat mehr Macht als weltliche Regierungen

Im zweiten Teil der Belehrung, die Moses empfing, erhielt er einen weiteren Befehl: „Strecke deine Hand aus und fasse sie beim Schwanze.“ Solches zu tun setzt jederzeit beträchtlichen Mut voraus, und in diesem Falle zeigte sich der Mut des Glaubens in Gott. Eine Schlange beim Schwanze zu erfassen, ohne gleichzeitig den Kopf mit seinen giftigen Fangzähnen festzuhalten, schien unweise und gefährlich. Aber Gottes Anweisungen, auch wenn sie unserer Vernunft und unseren Neigungen zuwider laufen, sind immer die weisesten und die besten. Die innere Bedeutung dieses Befehls Gottes können wir besser verstehen, wenn wir ihn in Zusammenhang bringen mit seinem im Garten Eden gegebenen prophetischen Wort. Weil der Same des Weibes zur bestimmten Zeit der Schlange den Kopf zermalmen würde, konnte sein Diener sie unbeschadet beim Schwanze fassen.

Als Folge des Gehorsams Moses’ gegenüber dem Gebot des Herrn verschwand die Schlange, und der Stab der Autorität war wieder in seiner Hand. Es war für Moses ein deutliches Zeichen, dass sich die böse Macht Ägyptens seiner Hand fügen müsse, wenn er selber der Stimme des Herrn gehorchte. ...

Wir sehen also, dass Moses die Ausrüstung zu seinem Dienst von Anfang an besaß. Im selben Moment, als er den Mund öffnete, um seine Entschuldigungsgründe vorzulegen, hielt er den Stab in seiner Hand. Das Menschenauge sah nur den Stab, aber Gott vollführte durch denselben in der Hand Seines Dieners gewaltige Wunder.

Möge jeder auf diese Lektion achten und das gebrauchen, was er zu Gottes Verfügung in der Hand hält. Er ist annehmlich „nach dem er hat, und nicht nach dem er nicht hat“. Die arme Witwe hatte nur zwei Scherflein in ihrer Hand, aber sie legte sie beide in den Schatzkasten.

„Was ist in deiner Hand?“ Welche Antwort geben wir auf diese Frage? ...

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Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages
Halte Fest Jahrgang 1958 - Seite: 358