10.01.2006Persönlicher Glaube | Dienst | Versammlung / Gemeinde

Wie gehen wir mit Kritik um?

Beckenbauer und Co können Kritik nicht vertragen

Dieser Tage war ein großer Aufschrei zu hören: Stiftung Warentest hatte die Fußball-WM-Stadien geprüft. Vier der zwölf Stadien fielen aus Sicherheitsgründen durch. Noch bevor die Begründungen geliefert worden sind, wurden Methoden und Ergebnisse von den WM-Organisatoren in Zweifel gezogen. Alles Murks. Auch Franz Beckenbauer meldete sich medienwirksam zu Wort und versuchte durch markige Sprüche, das Urteil der Fachleute von Warentest zu verunglimpfen.

Wieder einmal zeigt sich, dass Menschen sehr schlecht mit Kritik umgehen können. Anstatt aus kritischen Bemerkungen die richtigen Schlüsse zu ziehen und eine Vorwärtsstrategie an den Tag zu legen, wird bissig zurückgeschlagen.

Wer hört schon gerne Kritik?

Das gibt es auch im geistlichen Bereich! Wer von uns hört schon gerne Kritik - an seinem Verhalten, an seinen Worten, an seiner Einstellung (soweit sie sichtbar wird), an seinem zwischenmenschlichen Verhalten, vielleicht auch an seiner Dominanz im örtlichen Zusammenkommen?

Ein echtes Vorbild ist hier Apollos! Wir lesen in Apostelgeschichte: „Ein gewisser Jude aber, mit Namen Apollos, aus Alexandrien gebürtig, ein beredter Mann, der mächtig war in den Schriften, kam nach Ephesus. Dieser war in dem Weg des Herrn unterwiesen und brennend im Geist, redete und lehrte er sorgfältig die Dinge von Jesus, obwohl er nur die Taufe des Johannes kannte ... Als aber Priszilla und Aquila ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes genauer aus. Als er aber nach Achaja reisen wollte ...“ (Kapitel 18, Vers 24 bis 27).

Begabt - und doch kritikfähig!

Dieser Mann war begabt. Er arbeitete sorgfältig. Er war beredt. Er war fähig. Er war belehrt. Er war engagiert. Aber er kannte nicht die ganze Wahrheit. Und da gab es dieses Ehepaar - Priszilla und Aquila - die ihm in dieser Weise überlegen waren. Das ist ja schon immer schlecht, einmal anzuerkennen, dass es einige Punkte in meinem Leben gibt, wo mir jemand überlegen ist!

Und sie korrigierten ihn - nicht in der Öffentlichkeit, wie wir das vielleicht gerne schon einmal machen, sondern in der Stille ihrer Wohnung. Und - das Wunder: Dieser begabte Diener nahm ihre Worte offensichtlich an. Er sagte nicht: Ihr habe gar kein Recht, mir dieses oder jenes zu sagen. Ihr seid gar nicht so fähig wie ich. Lernt erst einmal und wachst in der Verantwortung. Nein - er hörte zu, nahm das Wort an, und fuhr fort im Dienst. Er war nicht eingeschnappt, sondern einfach dem Herrn dankbar - so dürfen wir wohl annehmen - dass dieser ihm dieses Ehepaar auf den Weg geschickt hat.

So auch Petrus später (nach Galater 2), als ihm Paulus widerstand. Das war alles andere als einfach für Petrus, dieses Mal zu Recht in der Öffentlichkeit zurechtgewiesen zu werden. Er, der Apostel, vor den Geschwistern. Aber seine Liebe zum Apostel blieb dieselbe, wie wir später in 2. Petrus 3 lernen.

Herrschend - und unfähig, Korrekturen anzunehmen

Nicht so bei Diotrephes im 3. Johannesbrief. Ob es solche Menschen auch heute noch in den örtlichen Zusammenkommen gibt? Die die Chefs sein wollen (und sich selbst dafür halten)? Ohne deren Zustimmung nichts passieren darf? Die alles regeln wollen - auch den Ablauf der Zusammenkommen? Die das Recht auf den Dienst in der Stunde nach 1. Korinther 14 meinen zu haben, das allein dem Herrn zusteht? Diotrephes war nicht einmal bereit, das Wort des Apostels Johannes anzunehmen, wie wir lesen. Dann kann es manchmal nur noch Gericht geben. Auch in der Zeit der Gnade schaut der Herr Jesus nicht unbegrenzt zu. Das lernen wir aus 1. Korinther 11 und Offenbarung 1 bis 3.

Wohl uns, wenn wir das korrigierende Wort, durch wen der Herr uns auch immer korrigieren lässt, annehmen. Zu unserem eigenen Segen. Zum Wohl der Geschwister. Zur Ehre des Herrn.