27.08.2003Jesus Christus / Gott | Lukas

Das Lukasevangelium - ein Überblick

Das Lukasevangelium stellt uns den Herrn Jesus als den wahren und vollkommenen Menschen vor. Aber es zeigt uns auch die Gnade, die Er dem Menschen brachte. Denn Gott wollte den Menschen das ewige Heil in dem Herrn Jesus bringen. Und diese Rettung hatte nicht nur das Ziel, dass Men-schen mit Gott versöhnt würden, sondern es sollte auch das Herz des Menschen mit Freude erfüllen.

Der Mensch Jesus Christus

Alles das, was die Menschheit des Herrn Jesus unterstreicht, wird in diesem Evangelium besonders ausführlich behandelt. So finden wir eine eingehende Hinführung zur Geburt unseres Herrn, der von einer Frau geboren wurde – was sein Menschsein eindrücklich beweist. Nur in Lukas finden wir den Hinweis auf die Krippe. Und auch nur hier wird uns ein kurzer Einblick in die Jugend unse-res Retters gewährt. Auch in dieser Zeit war der Herr Jesus vollkommen: „Und er war ihnen [seinen Eltern] untertan“ (Lk 2,51).

Lukas behandelt besonders die Abhängigkeit des Herrn Jesus von seinem Gott im Dienst. So finden wir in seinem Bericht Gebete Jesu, die wir in anderen Evangelien nicht finden. Dieses intensive Gebetsleben macht deutlich, dass der Herr das tat, was ein Mensch tun sollte: Sich völlig nach dem Willen Gottes ausrichten und Ihn in allem ehren.

Auch die inneren Gefühle und seine Not angesichts der bevorstehenden Kreuzigung und der süh-nenden Leiden finden wir in keinem Evangelium so ausführlich genannt wie bei Lukas. Wir lesen angesichts seines Gebets im Garten Gethsemane, dass sogar ein Engel kam, um Ihn zu stärken. „Und sein Schweiß wurde wie große Blutstropfen, die auf die Erde herabfielen“ (Lk 22,44). Der Herr Jesus hat gerade als Mensch zutiefst empfunden, dass der Tod und das Sterben eine schreckli-che Sache sind! Er war in Wahrheit der Mann der Schmerzen und Leiden (Jes 53,3).

Auch das letzte Kapitel dieses Evangelisten macht seine Menschheit deutlich. Nach der Auferste-hung kümmert Er sich um die Sorgen und Nöte der Seinen und erscheint ihnen mehrfach, um sie zu trösten und zu ermahnen. Selbst seine Himmelfahrt trägt nicht zu ihrer Trauer, sondern zu ihrer Freude bei.

Uns werden somit Einblicke in die herrliche Person des Herrn Jesus gewährt, die wir gedanklich schwer vereinbaren können mit der Tatsache, dass Er zugleich Gott ist – weil wir Menschen sind und bleiben. Damit bestätigt sich die Aussage des Herrn: „Niemand erkennt, wer der Sohn ist, als nur der Vater“ (Lk 10,22). Denn wer könnte begreifen, dass derjenige, der zugleich der ewige Gott ist, der alles im Voraus weiß, lenkt und zulässt, an Weisheit zunehmen kann- Es ist vollkommen klar, dass sich diese Aussage des Evangelisten – und damit auch Gottes selbst – nur auf die mensch-lichen Fähigkeiten des Herrn Jesus beziehen kann. Aber dieser Vers macht uns deutlich, wie sehr der Herr Jesus wirklich Mensch gewesen ist. Und Er wird es in alle Ewigkeit bleiben!

Jesus Christus – voller Gnade und zur Freude führend

Das Lukasevangelium zeigt uns aber auch das Kommen unseres Retters in Gnade. Titus schreibt ebenfalls davon: „Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, erret-tete er uns“ (Tit 3,4). Begriffe wie Gnade, barmherzig, Barmherzigkeit etc. kommen in diesem E-vangelium beispielsweise mehr als 28 Mal vor. So wird Maria von dem Engel Gabriel eine „Begna-digte“ genannt (Lk 1,28). Auch der greise Simeon und die betagte Anna freuen sich, als sie die Gnade geschenkt bekommen, den Herrn Jesus vor sich zu sehen. Die Bekehrung des „verlorenen Sohnes“ (Lk 15), des Zöllners (Lk 18) und von Zachäus (Lk 19) sind ebenfalls Beweise der Gnade und Barmherzigkeit, die durch das Kommen des Herrn erschienen sind.

Lukas führt aber auch zur Freude. Zwar beginnt das Evangelium mit einem Mann (Zacharias), der stumm und unfähig wird, Gott zu loben. Aber schon Elisabeth, die Frau Zacharias, und auch Maria, die Mutter Jesu, sind voller Freude und Lob. Das setzt sich mit den Engeln und dann den Hirten fort, die die Geburt des Herrn bestaunen. Und immer wieder lesen wir von der Freude, die Men-schen erfasst, die mit dem Herrn Jesus in Kontakt kommen. Den Höhepunkt findet diese Freude am Ende des Evangeliums. Eigentlich müsste man annehmen, dass die Jünger des Herrn traurig waren, dass Er nicht mehr bei ihnen war. Aber das Gegenteil ist der Fall. „Und sie warfen sich vor ihm nie-der und kehrten nach Jerusalem zurück mit großer Freude; und sie waren allezeit im Tempel und lobten und priesen Gott“ (Lk 24,52.53). So veränderte damals die Güte Gottes durch das Werk Jesu Menschen – und sie führt auch uns heute noch zu echter Freude.

Autor und Gliederung des Lukasevangeliums

Lukas hat das längste der vier Evangelien verfasst. Er selbst war – wie Markus – keiner der zwölf Jünger des Herrn, sondern ein Wegbegleiter von Paulus. Wie bei den anderen Evangelien nennt sich der Autor nicht. Dennoch ist er von Anfang an als Schreiber des Lukasevangeliums und der Apos-telgeschichte anerkannt worden. Wir lesen manche Erwähnung von ihm in der Apostelgeschichte und in den Briefen des Apostels Paulus. Lukas war Arzt (Kol 4,14) und offenbar auch kein Jude. Damit ist er wahrscheinlich der einzige Schreiber in der Bibel, der kein Jude war.

Durch seinen Beruf war Lukas wie geschaffen, den Herrn Jesus als Menschen zu beschreiben. Denn wer könnte deutlicher machen, dass Jesus wahrer Mensch ist, wenn nicht ein Arzt, dessen normale Beschäftigung es ist, Menschen in ihren körperlichen Nöten zu helfen. Paulus bezeichnet Lukas als den „geliebten“ Arzt. Offenbar hatte Lukas eine sehr einfühlsame Art. Er blieb auch bis zum Schluss bei Paulus – vermutlich bis zu dessen Märtyrertod.

In Verbindung mit der Beschreibung des Lebens unseres Herrn in Philipper 2 könnte man folgende vier große Abschnitte in Lukas unterscheiden:

1. Lukas 1-2: Christus Jesus, der, da Er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem Er in Gleichheit der Menschen geworden ist.

2. Lukas 3-19,28: Christus Jesus, der, in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte.

3. Lukas 19,29-23,49: Christus Jesus, der gehorsam wurde bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

4. Lukas 23,50-24,53: Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist.

Das Lukas-Zitat bei Paulus

Es lohnt sich, einigen Besonderheiten im Lukasevangelium nachzugehen. Eine davon ist, dass Pau-lus einen Vers dieses Bibelbuches zitiert. Während alle sonstigen Zitate aus dem Alten Testament stammen, hat Gott darüber gewacht, durch dieses Anführen eines Wortes aus dem Neuen Testament die Inspiration auch dieses Teils der Bibel auf diese Weise zu bestätigen. Der Apostel Paulus führt in 1. Timotheus 5,18 Worte aus Lukas 10,7 an: „Denn die Schrift sagt: ... ‚Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.’“

Damit stellt der Geist Gottes das Neue Testament auf die gleiche Stufe wie das Alte Testament. Er verhindert, dass der Mensch an der Autorität des ganzen Wortes rütteln darf. Zugleich macht dieses Zitat deutlich, dass das Lukasevangelium – im Gegensatz zu vielen bibelkritischen Stimmen – schon sehr früh geschrieben wurde und den Menschen zur Verfügung stand. Gott wacht über sein Wort.

Der „Sohn des Menschen“

Da Lukas den Herrn Jesus besonders in seinem Wesen als Mensch beschreibt, verwundert es nicht, dass er häufig von dem „Sohn des Menschen“ schreibt . Ein Kernvers des Evangeliums lautet: „Denn der Sohn des Menschen ist gekommen zu suchen und zu erretten, was verloren ist“ (Lk 19,10). Auffallend ist zunächst, dass es nur der Herr selbst ist, der von sich als dem Sohn des Men-schen spricht. Niemand anders in den Evangelien benutzt für Ihn diesen Titel.

Wovon spricht dieser Titel- Zunächst einmal weist dieser Ausdruck nach Psalm 8 und Daniel 7 hin, auf den großen Herrscher, den Messias. Dieser Bezug auf Macht und Herrschaft findet sich auch in den Evangelien wieder (Joh 5). Dann unterscheidet sich Jesus durch diesen Titel von Adam. Wäh-rend dieser als erwachsener Mann geschaffen wurde – er ist Mensch, nicht aber Sohn des Menschen – wurde der Herr Jesus in diese Welt hinein geboren. Er ist vollkommen Mensch und zugleich voll-kommener Mensch. Aber diese Anrede sagt natürlich viel mehr aus. „Sohn des Menschen“, das spricht davon, dass der Sohn Gottes Mensch wurde, um uns zu erretten, weil wir verloren waren. Durch diese Bezeichnung besteht der Herr selbst – und damit Gott – darauf, dass Er wirklicher und vollständig Mensch ist.

Wir finden den „Sohn des Menschen“ sowohl in Verbindung mit seinen Leiden als auch mit seiner Verherrlichung nach seinem Tod. Immer wieder hat Jesus seinen Jüngern deutlich gemacht, dass der „Sohn des Menschen“ leiden und verworfen werden und sterben müsse. Damit verbindet sich dieser Ausdruck ausdrücklich mit seiner Verwerfung als der von Gott gesandte Mensch. Zugleich verbindet der Herr Jesus den „Sohn des Menschen“ direkt mit dem Werk der Erlösung.

Aber Er besteht auch darauf, dass der Auferstandene, der verherrlichte Herr Jesus Christus, Mensch ist und bleibt. Daher werden die Menschen den Sohn des Menschen sehen, wie Er in der Zukunft zusammen mit den Gläubigen wieder auf diese Erde kommen wird (Apg 1,11).

Gleichnisse und Begebenheiten, die nur Lukas berichtet

Eine Reihe an Gleichnissen und Begebenheiten, die Kinder häufig schon im Elternhaus oder in der Sonntagschule kennen lernen, findet man ausschließlich im Lukasevangelium. An dieser Stelle gehe ich nur auf besonders auffallende Abschnitte ein.

Ankündigung der Geburt an Maria: Nur Lukas erzählt uns von den Ankündigungen der Gebur-ten Johannes des Täufers an Zacharias und des Herrn Jesus an Maria. Auch die Geschehnisse in Verbindung mit diesen Ankündigungen finden wir ausschließlich bei Lukas. Ist es nicht für den Be-richt über den „Menschen Jesus“ passend, dass über die Ereignisse, die mit einer Geburt in Verbin-dung stehen – Schwangerschaft, der Weg von Maria und Josef nach Bethlehem, etc. – berichtet wird- Dazu gehört auch, dass auf die Umstände der Geburt eingegangen wird.

Die Jugend Jesu: Wir finden in der Bibel praktisch keine Aussagen über die Jugendzeit unseres Herrn. Aber Lukas berichtet doch von einer Begebenheit, die sich in seiner Kindheit abgespielt hat. Jeder erwachsene Mensch hat eine Kindheit hinter sich. Auch der Mensch Jesus!

Die Aussendung der 70 Jünger: Während die erste Aussendung der 12 Jünger und Apostel sowohl von Matthäus, Markus als auch von Lukas berichtet wird, schreibt nur Lukas von der Aussendung der 70 Jünger (Lk 10,1-24). Bemerkenswerterweise wird nicht gesagt, wohin der Herr Jesus die Jünger aussendet. Damit wird der unbeschränkte Auftrag verdeutlicht. Während wir in Matthäus immer wieder die Botschaft an die Juden hören, ist das Werk des Sohnes des Menschen für die gan-ze Welt.

Der barmherzige Samariter: Dieses sehr bekannte Gleichnis finden wir nur bei Lukas (10,25-37). Es vergleicht die Liebe und Sorgfalt des Samariters, der dem Menschen hilft, der unter die Räuber gefallen ist, mit der Liebe und Sorgfalt des Herrn Jesus, der uns aus der Hand Satans befreit hat und uns mit Liebe und Sorgfalt heilt und mit dem Schutz des Heiligen Geistes versieht. Übrigens ist der größte Teil des Berichts von Lukas in den Kapiteln 10-18 in keinem anderen Evangelium enthalten.

Das Gleichnis vom großen Abendmahl: Dieses Gleichnis (14,16-24) zeigt, wie sich die göttliche Gnade an unwürdigen Menschen erweist. „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen“ (Tit 2,11). Israel war eingeladen worden, aber es hatte kein Interesse an dieser Ein-ladung gezeigt.

Der reiche Mann und der arme Lazarus: Dieses Gleichnis schließt an das ebenfalls nur von Lu-kas aufgeschriebene Gleichnis über den ungerechten Verwalter an (16,1-31). Der Herr Jesus belehrt uns hier, nicht auf irdischen Besitz zu vertrauen und die Gegenwart im Hinblick auf die Zukunft und die Ewigkeit zu leben.

Die Heilung der zehn Aussätzigen: Der Herr Jesus heilt zehn aussätzige Menschen (17,11-19). Sie sollen sich dann dem Priester zeigen, aber nur einer kehrt zu Jesus zurück, um Ihm zu danken und sich vor Ihm niederzuwerfen. Nur der Glaube erkennt, wo die Ursache der Heilung lag und kehrt zurück, um den Retter zu verherrlichen.

Der Pharisäer und der Zöllner: Wer kennt nicht diese beiden gegensätzlichen Gebete, die von dem Pharisäer bzw. dem Zöllner gesprochen werden (18,9-14). Um von Gott angenommen zu wer-den, ist Buße, Selbstgericht und Selbstverleugnung nötig.

Die Bekehrung von Zachäus: Auch diese Begebenheit zeigt uns, welcher Art diejenigen sind, die dem Herrn Jesus nachfolgen (19,1-10). Es sind Sünder, die der Herr Jesus ausgewählt hat, seine Jünger zu werden. Und gerade für solche Jünger ist Christus gestorben. Der Sohn des Menschen hat sie gesucht und gefunden, aber auch in ihren Herzen gab es einen Moment, an dem sie Jesus ge-sucht haben (Vers 3).

Die 14 (2x7) Gebete Jesu im Lukasevangelium

1. Lukas 3,21: „Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus getauft war und be-tete, dass der Himmel aufgetan wurde ...“ Nur in Lukas finden wir dieses Gebet anlässlich der Tau-fe des Herrn - vor seinem öffentlichen Dienst. Damit zeigt Er von Beginn an, dass Er der abhängige und demütige Mensch ist, der sich jeden Morgen das Ohr öffnen lässt (Jes 50,4).

2. Lukas 5,16: „Er aber zog sich zurück und war in den Wüsteneien und betete.“ Das zweite Gebet kommt nach der ersten Zeit der Wunderwirkungen. Und es steht zwischen zwei großartigen Wun-dern, die seinen Dienst ganz besonders kennzeichneten. So wie Er wirklich Gott ist, so war Er auch vollkommen Mensch, der nicht nur das Gesetz vollständig beachtete, sondern auch in völliger Ab-hängigkeit von Gott lebte – auch und gerade, wenn Er Wunder wirkte. Daran sehen wir die voll-kommene Zusammengehörigkeit von Gebet und Dienst.

3. Lukas 6,12: „Es geschah aber in diesen Tagen, dass er auf den Berg hinausging, um zu beten; und er verharrte die Nacht im Gebet zu Gott.“ Die Menschen ratschlagten in dieser Zeit, den Herrn Jesus umzubringen, Ihm Böses zu tun. Und zugleich stand eine äußerst wichtige Aufgabe vor Ihm: die Erwählung der Jünger. Vor dieser Aufgabe nimmt sich der Herr eine ganze Nacht Zeit, um zu beten. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Jünger einzeln vor dem Herzen des Herrn standen: Pet-rus, Johannes, Jakobus, Andreas, Matthäus, Philippus... Besonders an Judas wird der Herr gedacht haben: Welche Empfindungen wird Er vor dem Vater ausgebreitet haben, als Er mit Ihm über Judas sprach-

4. Lukas 9,16 : „Er nahm aber die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und segnete sie; und er brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie sie der Volkmenge vorlegten.“ Von diesem Vers können wir lernen, dass auch der Herr Jesus für die Speisen dankte. Er selbst ist der Schöpfer (Kol 1,16). Alle Dinge sind nicht nur von Ihm, sondern auch für Ihn, zu seiner ganz per-sönlichen Freude geschaffen. Aber wenn Er Speise zu sich nimmt – ja sogar, wenn Er diese an an-dere verteilt, dann dankt Er Gott im Gebet dafür.

5. Lukas 9,18: „Und es geschah, als er für sich allein betete, dass die Jünger bei ihm waren“. Der Herr Jesus betete allein: Das ist auch für uns ein Vorbild. Nach großen Wundertaten ging Er immer wieder in die Stille zurück. Der Herr Jesus wusste auch, was nun vor Ihm lag: dieses großartige Bekenntnis von Petrus, dass Er der Sohn des lebendigen Gottes sei. Und der Herr wusste auch, dass Er in dieser Verbindung seine Leiden ankündigen würde.

6. Lukas 9,28: „Es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten, dass er Petrus und Johannes und Jakobus mitnahm und auf den Berg stieg, um zu beten.“ Nur Lukas berichtet uns, dass der Herr Jesus auf den so genannten „Berg der Verklärung“ ging, um zu beten. Diese Szene stellt uns „in Kleinformat“ das vor, was im 1000-jährigen Reich Realität werden wird: Der Herr Jesus wird als Herr und König anerkannt werden und inmitten himmlischer und irdischer Gläubiger, die seine Herrlichkeit betrachten, regieren. Man kann bei dieser Stelle aber auch an Psalm 110 denken: Der Herr durfte während seines leidvollen Weges auf dieser Erde aus dem erfrischenden Bach trinken, den Gott Ihm schenkte.

7. Lukas 10,21: „In derselben Stunde frohlockte er im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Un-mündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir.“ Hier haben wir ein ganz erhabenes Gebet unseres Herrn vor uns. Gerade in einer Situation, in der die Jünger zeigen, dass sie den Herrn Jesus nicht wirklich kannten – und im Anschluss an sein Gebet bekräftigt der Herr sogar die Unmöglichkeit für Menschen, Ihn wirklich zu kennen (Lk 10,22) – bringt der Herr eine himmli-sche Freude zum Ausdruck, die Ihn mit seinem Vater verband. Ob wir etwas von dieser überaus großen Freude verstehen können-

8. Lukas 11,1: „Und es geschah, als er an einem gewissen Ort war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner Jünger zu ihm: Herr lehre uns beten.“ Wenn Leute zu den Füßen des Herrn saßen, dann zeigte Er, dass zum Lesen des Wortes, denn das ist es, was wir zu seinen Füßen hören und lernen, in gleicher Weise das Gebet gehört. Das göttliche Wort bringt der Seele die Kenntnis von Jesus, so wie das Gebet das Herz zu Ihm hinführt, der uns Barmherzigkeit gegeben und gezeigt hat. Die Jünger fühlten, dass sie das Gebet nötig hatten. Und sie wussten nicht, wie sie beten soll-ten. So geht es ja letztlich uns allen, aber besonders unseren Kindern. Und ihnen – oder anderen Menschen, die zum Glauben kommen, dürfen auch wir beibringen, wie und was man betet .

9. Lukas 22,17: „Und er nahm einen Kelch, dankte und Sprache: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch. ... Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen ...“ Auch bei der Einsetzung des Ge-dächtnismahls (Abendmahls) lesen wir, dass der Herr Jesus dem Vater für das Mahl dankte. Es fällt auf, dass von einer ganz schlichten Danksagung die Rede ist. Wofür dankte der Herr- Für das Brot und den Kelch. Und zugleich symbolisiert dieses Mahl, dass Er sterben würde. Welch ein Danken des Herrn!

10. Lukas 22,32: „Simon, Simon! Siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhöre.“ Wir finden hier das Gebet für Petrus, der jedes Selbstvertrauen aufgeben musste. Wir kennen den Herrn Jesus als Hohenpriester (Hebr. 7,25-26) und Sachwalter (1. Joh. 2,1-2). Genau diese Tätigkeit übt der Herr Jesus hier aus. Hier schon beginnt dieses Werk des Herrn an der Seele des Petrus: vor dem eigentlich Fall; dann die Ankündigung, dass er Christus verleugnen würde; dann der Blick in die Augen des Petrus; dann das persönliche Zurechtbringen unter vier Augen; schließlich die öffentliche Wiederherstellung vor al-len Jüngern.

11. Lukas 22,41: „Und er zog sich ungefähr einen Steinwurf weit von ihnen zurück und kniete nie-der, betete und sprach: Vater, wenn du willst, so nimm diesen Kelch von mir weg – doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe.“ Dieses Gebet ist in seiner Art einzigartig, weil es den Willen des Herrn und den des Vaters direkt unterscheidet. Bei diesem Gebet in Gethsemane breitet der Herr die ganze vor Ihm stehende Not des Kreuzes und der sühnenden Leiden vor Gott aus. Insofern handelt es sich um eine Gelegenheit, in der der Herr Jesus einzigartig ist, nicht mehr unser Vorbild, wobei man natürlich eine Anwendung machen kann. Wir finden, dass der Herr Jesus die Jünger auf-fordert zu beten. Es wird uns aber nur von Ihm berichtet, dass er ein Gebet gesprochen hat. Und obwohl das ganze Werk des Kreuzes vor seiner Seele stand, nennt Er Gott im Gebet vertrauensvoll seinen Vater.

12. Lukas 23,34: „Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Das ist der erste von sieben Aussprüchen des Herrn am Kreuz. Und dieses gesprochene Wort ist ein Ge-bet. Wenn der Herr auch in seinem Gebet, das in der Mitte der sieben Aussprüche steht, zu „Gott“ betet („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen-“), so spricht Er doch in dem ersten und in dem letzten zu seinem Vater. Und Er denkt hier wieder nur an andere, nicht an sich selbst.

13. Lukas 23,46: „Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist! Als er aber dies gesagt hatte, verschied er.“ Dies ist das letzte Wort des Herrn am Kreuz. Und auch hier spricht der Herr Jesus wieder zum Vater. Es zeigt das unerschütterliche Ver-trauen des Herrn zum Vater. Und es zeigt den Tod des Menschen, der ewig Mensch bleiben wird.

14. Lukas 24,30: „Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch lag, dass er das Brot nahm und segne-te; und als er es gebrochen hatte, reichte er es ihnen. Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie er-kannten ihn.“ Obwohl sich der Herr Jesus im Haus der so genannten Emmaus-Jünger befand und somit Gast war, war Er zugleich der Gastgeber. Er ist es, der Gott für die Mahlzeit dankt. Wie oft hat Er während seines Dienstes für Mahlzeiten gedankt- Wir wissen es nicht. Aber seine Jünger kannten seine Danksagungen und auch den Charakter seiner Danksagungen so gut, dass die beiden Emmaus-Jünger Ihn an seinem Gebet erkannten. In gewisser Weise erkennt man den Herrn an sei-nen Gebeten.

Es gibt nicht Schöneres, als sich mit dem Herrn Jesus zu beschäftigen. Und es ist eine schöne Auf-gabe für uns alle, Ihn im Lukasevangelium zu betrachten - um Ihn dann zu preisen und anzubeten. Dabei eine kleine Hilfe zu geben, war Ziel dieses Artikels.

Fragen für das persönliche Studium

• Wer ist der Schreiber dieses Evangeliums- Warum hat Gott gerade ihn ausgewählt-
• Unter welchem Blickwinkel wird der Herr Jesus in diesem Evangelium gezeigt- Suche Beispie-le dafür!
• In jedem Evangelium wird der Herr Jesus nicht nur unter einem einzigen Blickwinkel betrach-tet. Wo kann man Ihn im Lukasevangelium als Sohn Gottes, als König, als Diener, als Prophet se-hen-
• Welche „Struktur“ hat dieses Evangelium- Warum muss das so sein-
• Der „Opfertod“ des Herrn Jesus und die Opfer in 3. Mose 1-5 haben manche Ähnlichkeiten. Welche treten besonders hervor-
• Die Evangelien im Neuen Testament haben zu jeweils einzelnen anderen Büchern/Briefen im Neuen Testament eine mehr oder weniger direkte Verbindung. Welche Bücher haben einen beson-deren Bezug zu dem Lukasevangelium-
• In jedem Evangelium werden auch die Jünger des Herrn unter einem speziellen Blickwinkel ge-sehen. Unter welchem im Lukasevangelium-
• Warum finden wir gerade im Lukasevangelium so viele Gebete des Herrn-
• Es gibt im Lukasevangelium eine Reihe an Gleichnissen und Berichten, die kein anderes Evan-gelium enthält. Warum passen sie gerade in dieses Evangelium hinein-