20.03.2006Dienst | Persönlicher Glaube

Wenn ein Evangelium nur noch ein halbes ist ...

Fluch über ein falsches Evangelium

Der Apostel Paulus musste einmal den Galatern schreiben: „Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt außer dem, was ihr empfangen habt: Er sei verflucht!“ (Galaterbrief, Kapitel 1, Vers 9). Das ist ein hartes Wort. Aber bei den Galater ging es darum, dass das Gesetz als Lebensregel wieder eingeführt wurde. Und der Apostel weist in diesem Brief nach, dass die Einführung des Gesetzes (als der 10 Gebote vom Sinai) letztlich nichts anderes bedeutet, als dass man Christus nicht mehr hat: „Ihr seid abgetrennt von Christus, so viele ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen“ (Kapitel 5, Vers 4). Wer Christus nicht hat, hat gar nichts mehr!

Dieses Extrem mag heute durchaus oft unzutreffend sein – also dass in solch krasser Weise das Evangelium verdreht wird. Aber leider gibt es ähnliche Färbungen, durch die das Evangelium massiv an Wert verliert.

Wohlstandsevangelium

Heute predigen manche, dass die Annahme des Evangeliums zu Wohlstand und Erfolg führt. Ist das wahr? Natürlich gibt es manche Christen, die wirklich im Beruf erfolgreich sind und über Vermögen verfügen. Aber wie war es mit dem Apostel Paulus? „Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn“ – so schreibt er an die Epheser (Kapitel 4, Vers 1). Das Anerkennen des Evangeliums uns sein Leben nach diesem Evangelium hat ihn letztlich ins Gefängnis gebracht. Erfolgreicher kann man wohl nicht sein!

Das seichte, halbe Evangelium

Eine andere Gefahr ist, dass man ein seichtes Evangelium bringt. In der ersten Predigt von Ulrich Parzany bei dem Evangelisations-Event ProChrist, die man ja nachlesen kann, ist von Sünde kein einziges Mal die Rede. Bei der zweiten kam es wenigstens zwei, dreimal vor. Aber wo bleibt die wirkliche, innere Buße – also die Traurigkeit darüber, dass man Gott vollständig verunehrt hat, und die damit verbundene Sinnesänderung – die innere Umkehr, die innere Abscheu vor dem sündigen Leben? Die Liebe Gottes wird betont. Und die Bibel betont diese: „Gott ist Liebe“ (1. Johannesbrief, Kapitel 4, Vers 8). Aber ist das alles? Warum wohl beginnt dieser Brief mit der Aussage: „Gott ist Licht“ (Kapitel 1, Vers 5)?

Kann es überhaupt eine Bekehrung geben, ohne dass es eine wenigstens milde Form von echtem Sündenbewusstsein und Sündenbekenntnis gibt? Wohl kaum. Denn Johannes schreibt: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und u ns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1. Johannesbrief, Kapitel 1, Vers 9). Es macht einen schlicht traurig, wenn nur noch ein halbes Evangelium gepredigt wird. Menschen, die nach vorne zu Parzany gekommen sind, ruhen sich dann auf Zusicherungen aus, die für sie persönlich möglicherweise gar nicht zutreffen, weil sie sich nicht wirklich bekehrt haben. Wie tragisch wäre eine solche Irreführung!

Eine echte Bekehrung?

Es ist nicht leicht, auch heute noch das ganze, klare Evangelium zu verkünden. Dann wird man zwar als Fundamentalist beschimpft. Aber dann – und nur dann – ist man ein vertrauenswürdiger Botschafter des Herrn Jesus Christus. Nicht von ungefähr ist bei solchen Verkündigern, die wie Parzany das Problem der Sünden nicht oder nicht tiefgehend thematisieren, auch oft nichts vom „Herrn Jesus“ zu hören. Man betet zu Jesus, man spricht von Jesus – ja, das ist diese göttliche Person. Aber ist man bereit, echten Gehorsam zu leisten gegenüber dem Herrn Jesus? Diese Konsequenz will man nicht von Anfang an auf sich nehmen. Schade!

„Was denn? Wird doch auf alle Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich, ja, ich werde mich auch freuen“ (Philipperbrief, Kapitel 1, Vers 18). Das gilt, wenn Verkündiger das ganze Evangelium bringen – aber aus falschen Motiven.