11.06.2010Dienst | Galater

Geschrieben

Die Zeit von Briefen, die wie die Briefe des Neuen Testamentes an einzelne Versammlungen gerichtet sind, scheint vorbei zu sein. Schade!


Der Dienst des Apostels Paulus war vielfältig. Er schrieb viele Briefe, sogar inspiriert durch den Heiligen Geist. Er unterredete sich mit den Gläubigen (Apg 20,7), vielleicht eine Art Wortbetrachtung oder Fragestunde mit den Gläubigen in Troas. Er ermahnte Geschwister und predigte das Wort Gottes Gläubigen und Ungläubigen (vgl. z.B. Apg 20,18 ff; Apg 22). Er führte einen persönlichen Hirtendienst durch Gebet (1. Thes 3,10) und persönliche Ermahnung (Apg 20,31) aus. Und das sind nur einige Beispiele seines umfangreichen Dienstes.

Manche seiner Dienste werden auch heute – in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes – ausgeübt. Weniger bekannt ist vielleicht der schriftliche Dienst, der sich nicht auf periodische Zeitschriften beschränkt, sondern speziell Versammlungen betrifft. Das ist gerade der Dienst, dem wir heute das schriftliche Wort Gottes verdanken, denn die meisten Briefe des Neuen Testaments richteten sich an Versammlungen. Diese Briefe enthalten sowohl Dank und Fürbitten als auch Ermunterungen, Ermahnungen und Warnungen. Auch heute gibt es Brüder, die ein Wort der Ermunterung und Ermahnung an einzelne Versammlungen zu richten haben, ihre Aufgabe jedoch vielleicht nicht – jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt – darin sehen, einen mündlichen Dienst dort zu tun. Gibt es dann für einen „schriftlichen Dienst an Versammlungen“ wirklich keinen Platz mehr? Vielleicht ist diese Art von Dienst heute einfach ein wenig in Vergessenheit geraten. Sicher gibt es auch heute noch Brüder, die ein Wort der Ermahnung oder der Ermunterung an einzelne Versammlungen zu richten haben.

Man mag entgegnen, dass es heute keine Apostel mehr gibt und dass das Wort Gottes vollendet wurde. Und in der Tat, heute kann niemand mehr für sich in Anspruch nehmen, inspiriert an irgendjemand oder eine Versammlung zu schreiben. Denn das Wort Gottes ist vollendet worden; daher bedarf es keiner inspirierten Briefe mehr. Aber wurden damals die Briefe allein deshalb geschrieben, weil sie inspiriert waren? Paulus, Petrus, Johannes, Jakobus und Judas hatten wichtige Anliegen auf dem Herzen. Und diese waren - zudem - vom Heiligen Geist inspiriert, sogar bis in jeden geschriebenen Buchstaben hinein.

Auch in der damaligen Zeit wurden nicht nur inspirierte Briefe geschrieben. Wir lesen im Kolosserbrief, dass es auch einen Brief gab, der vielleicht eine Art Rundbrief war und zum damaligen Zeitpunkt in Laodizea war (Kol 4,16) und dann in Kolossä vorgelesen werden sollte. Diesen Brief von Paulus kennen wir vermutlich nicht (es sei denn, es handelte sich dabei um den Epheserbrief, was nicht sehr wahrscheinlich ist, weil dieser wohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Laodizea gewesen sein dürfte, jedenfalls gibt es im Brief keinen Hinweis darauf, dass es sich um einen Rundbrief handelt) – anscheinend gehört er nicht zum Kanon der Heiligen Schrift. Wäre das nicht der Fall gewesen, wenn er vom Heiligen Geist inspiriert worden wäre? Und auch Johannes hat einen solchen Brief geschrieben, der nicht in das Wort Gottes aufgenommen wurde (3. Joh 9).
Sicher - der mündliche Dienst, den wir heute von vielen Brüdern genießen dürfen, ist gesegnet und auch vom Herrn in seinem Wort verheißen. Aber er schließt den Dienst durch Briefe nicht aus. Jeder weiß aus seinem eigenen Leben, dass er bestimmte Dinge besser schriftlich ausdrücken oder auch in schriftlicher Form aufnehmen kann. So kann sich ein Diener an Geschwister richten, die er aus bestimmten Gründen vielleicht noch nie gesehen hat, man denke nur an die Briefe an die Römer und Kolosser; oder die er aus bestimmten Gründen nicht besuchen möchte, man denke nur an den Brief an die Korinther.

Vielleicht sind diese Gedanken Anlass, noch einmal darüber nachzudenken, ob der Herr nicht den einen oder anderen Bruder und Diener dazu benutzen möchte, auch auf diese Weise schriftlich tätig zu werden. Ein Artikel in einer Glaubensschrift ist wichtig und nützlich. Aber er kann nicht den persönlichen Charakter eines Briefes tragen, der sich an eine Versammlung richtet. So wollen wir uns auch in dieser Hinsicht gegenseitig ermuntern, dem Herrn zu gefallen und einander zu dienen.