04.02.2003Ehe & Familie

Anregungen für Verlobte (07) – Verlobung – was heißt das eigentlich?

Da aber Joseph, ihr Mann, gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, gedachte er, sie heimlich zu entlassen"(Matthäus 1,18-19).

Wir haben uns als Christen „angewöhnt", uns vor einer Eheschließung zu verloben. An sich ist das sicher ein guter Brauch, um sich besser kennen zu lernen. Wir sollten uns jedoch bewusst sein, dass es durchaus nicht verpflichtend ist, sich zu verloben. Wir finden in der Schrift – natürlich besonders im Alten Testament – deutlich mehr Fälle, in denen die Eheschließung ohne Verlobung statt fand. In diesen Fällen finden wir NICHT, dass eine mehr oder weniger lange „Freundschaftszeit" vorausging. Man „ging" auch nicht miteinander. Nein, man heiratete sofort.

Hat sich das Bild von „Verlobung" geändert?

Aber es gibt eben auch Fälle, in denen man sich zunächst verlobte. War die damalige „Verlobung" dasselbe, was wir auch heute unter Verlobung verstehen?

Die Antwort auf diese Frage ist: Nein! Denn heute kann man – so jedenfalls praktizieren wir es zuweilen – eine Verlobung lösen. Das war früher – in biblischen Zeiten – durchaus nicht ohne Folgen möglich. Denn eine Verlobung war nichts anderes als die Eheschließung, das gegenseitige Versprechen – allerdings lebte man noch nicht als Eheleute zusammen – das heißt die körperliche Vereinigung durch den Geschlechtsverkehr stand noch bevor. Vielleicht hing das mit einer entsprechenden Hochzeitsfeier zusammen, die noch fehlte.

Eine Verlobung ist an sich unauflöslich

Auf jeden Fall macht die Verbindung von Joseph und Maria, den Eltern Jesu, deutlich, dass es an sich keine Möglichkeit gab, die Verbindung wieder aufzulösen. Es sei denn, Joseph würde seine Frau heimlich verlassen. Das hat Gott damals verhindert.

Wenn sich damals also ein junger Mann mit einer jungen Frau verlobte, versprach man sich fürs Leben. Es ging nicht darum, sich während dieser Verlobungszeit kennen zu lernen, um dabei zu überprüfen, ob man zusammen passt. Es gab auch nicht eine „Hintertür", durch die man sich wieder trennen konnte. Nein, man gehörte und blieb zusammen.

Die Rechte und Pflichten von Verlobten und Verheirateten waren gleich

Das wird auch durch die Vorschriften in 5. Mose 22,23-29 sehr deutlich. Wenn ein Mann mit einer verlobten Frau, die nicht seine eigene Verlobte war, Geschlechtsverkehr hatte, so galten die gleichen Vorschriften wie bei einer verheirateten Frau. Wenn die junge Frau jedoch nicht verheiratet oder verlobt war, wurden andere Verordnungen angewendet.

Also – ein verlobtes Paar war damals eigentlich schon verheiratet. Es fehlte nur die geschlechtliche Vereinigung, die wahrscheinlich erst nach einem entsprechenden Hochzeitsfest vollzogen wurde.

Was hat das uns heute nun zu sagen?

Zunächst einmal macht das dem jungen Mann und der jungen Frau deutlich, dass sie nur noch füreinander „Augen" haben sollten. Eigentlich ist das selbstverständlich! Und doch erlebt man immer wieder, dass es junge Menschen gibt, die verlobt sind, die aber dennoch mit dem jeweiligen anderen „Geschlecht" herumflirten. Dies steht in einem vollkommenen Widerspruch zu den Gedanken Gottes!. Wenn sich ein Mensch verlobt, dann bindet er sich. Und zwar mit einem an sich unauflöslichen Band. Denn nur der Tod scheidet zwischen einem Mann und einer Frau, die sich verbunden haben.

Mancher mag bei diesen Bemerkungen denken, dass sie absolut unnötig sind. Leider sind sie es nicht. Denn es gibt Fälle, wo während der Verlobungszeit herumgeflirtet wurde. Und manche Beispiele zeigen dann, dass die folgende Ehezeit alles andere als „geistlich" und einvernehmlich verlaufen ist. Oder dass es sogar zu Trennungen (vor und während der Ehe) gekommen ist. Lieber junger Freund, Deine Augen gelten nur noch Deiner Verlobten! Denk daran, was der Herr Jesus selbst – sozusagen direkt zu Dir – spricht: „Jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, hat schon Ehebruch mit ihr begangen in seinem Herzen" (Matthäus 5,28). Und leider hat das auch schon dazu geführt, dass sich ein junger Mann oder eine junge Frau dann plötzlich umentschieden haben – sie wollten doch lieber mit einem oder einer anderen den Lebensweg gehen. Darauf ruht kein Segen!

Die Verlobungszeit ist keine Versuchszeit

Aber es gibt noch eine zweite Seite, die gar nicht unbedingt mit der erotischen Freizügigkeit zu tun hat. Es geht darum, dass wir uns klar werden müssen, dass eine Verlobung keine Versuchsstation ist. Wenn ich mich verlobe, dann ist es nicht nur ernsthaft, sondern abschließend. Immer häufiger hört und erlebt man heute, dass Verlobungen aufgelöst werden. Natürlich könntest Du sagen, dass man gut reden hat, wenn man solches nicht erleben musste. Du hast Recht! Aber es geht nicht um menschliche Gedanken. Es geht um die Frage, wie Gott die Sache sieht!

Und in der Schrift wird deutlich, dass eine Verlobung an sich – genauso wie eine Ehe – unauflöslich ist. Es ist letztlich Ehebruch, eine Verlobung zu lösen. Vielleicht denkst Du nun: „Jetzt ist er wirklich übergeschnappt." Und natürlich ist der „Brauch" heute ein ganz anderer. Aber die Bibel kennt nicht den Brauch der Trennung. Auch nicht von einer verlobten Frau oder einem verlobten Mann. Nicht von ungefähr wird genau dieser Begriff in Lukas 2,5 benutzt.

Hast Du noch die Freiheit, Deine Verlobung zu lösen?

Natürlich kann es 1000 berechtigte Gründe während einer Verlobungszeit geben, diese zu lösen. Vielleicht hast Du nicht mehr den Segen Deiner Eltern, vielleicht hat sich der eine „Teil" – der junge Mann oder die junge Frau komplett daneben benommen – wirklich gesündigt. Und natürlich muss man den Rat der Eltern ernst nehmen – und kann über Sünde auch nicht hinweggehen. Aber der Spruch: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende ist nur bedingt anwendbar.

Einerseits können solche Dinge auch nach der standesamtlichen Hochzeit auftreten. Und dann? Dann gibt es auch „rechtlich" kein Zurück mehr. Und dann muss man gemeinsam einen Weg vor und mit dem Herrn finden, um als Eheleute zu seiner Ehre zu leben.

In Gottes Augen ist eine Verlobung bindend

Aber wenn wir verstehen, dass die Verlobung in Gottes Augen so fest und bindend ist wie eine Ehe, werden wir äußerst vorsichtig, eine Verlobung zu lösen. Jedenfalls wird es immer Gespräche mit Brüdern geben müssen, die einen Ältestendienst in dem örtlichen Zusammenkommen üben, bevor eine Verlobung gelöst werden kann. Wir sollten uns wieder neu bewusst machen, wie Gott die Dinge sieht. Auch wenn es für uns persönlich vielleicht hart werden und sein mag. Aber dadurch sollten wir uns nicht Angst machen lassen vor einer Verlobung. Auch heute können wir uns noch verloben! Wir sollten die Tragweite der Verlobung sehen – und auf den Herrn vertrauen, dass Er uns hilft.

Verlobung – das ist ein herrliches Kapitel im Leben von zwei jungen Menschen. Das wollen wir nicht vergessen, wenn zunächst die lenkende Seite des Wortes Gottes zu diesem Thema vorgestellt wurde.
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