30.03.2006Buchbesprechungen

Die Offenbarung von Walter Scott - eine Buchbesprechung

Die Offenbarung

„Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe“ (Off 1,3).

Mit dem Lesen des Buches der Offenbarung wird gleich am Anfang dieses Bibelbuches eine Verheißung verbunden. Wer sich mit diesen 22 Kapiteln beschäftigt, hat einen großen Gewinn. Gott selbst nennt so jemanden „glückselig“. Wenn auch der Inhalt der Offenbarung sehr ernst ist, da man auf viele Gerichtsausübungen stößt, so führt das Lesen (oder Zuhören, wenn jemand diese Verse vorliest in einem Zusammenkommen als Versammlung) dazu, dass man inneren Segen erhält. Denn das große Thema dieses Buches ist: Gott bereitet diese Erde darauf vor, dass derjenige, der vor 2.000 Jahren ausgestoßen, verlacht, misshandelt, ermordet und ans Kreuz gebracht wurde, als König und Herr angenommen wird. Es geht um unseren Herrn Jesus Christus! Er ist auch in diesem Buch eindeutig der Mittelpunkt.

Natürlich ist es wahr, dass die Offenbarung nicht leicht zu verstehen ist. Das geht nicht nur jüngeren, sondern auch älteren Christen so! Umso schöner ist, dass es zum Verständnis dieses Bibelbuches manche Hilfe gibt. Wenn man einmal bei vertrauenswürdigen Verlagen nachsieht, wird man eine ganze Anzahl von Betrachtungen (teilweise auch von Teilen der Offenbarung) finden. Denn gerade in der Erweckungszeit des 19. Jahrhunderts, aber auch danach haben sich von Gott begabte Brüder vorgenommen, den Gläubigen eine Hilfe zum Verständnis der Offenbarung zu geben.

Diese Betrachtung der Offenbarung

Da mag man fragen: Warum muss jetzt noch ein Buch zur Offenbarung in deutscher Sprache vorgelegt werden. Die Antwort gibt das Buch von Walter Scott selbst. In diesem sehr ausführlichen Werk geht der Autor auf viele Einzelheiten ein. Man findet nahezu für jedes Detail einen Erklärungsversuch. Ich selbst schaue bei konkreten Einzelfragen zur Offenbarung immer wieder in diese sehr gut geschriebene und einfach zu lesende Bibelbetrachtung. Viele Bibelausleger, die uns mit ihrem Dienst Bibelstellen aus diesem Buch erklären, verwenden den englischen Betrachtungstext von Scott als eine Art „Standardauslegung“ zur Offenbarung.

Es lohnt sich, sich einmal die Offenbarung als Thema für das persönliche Bibelstudium vorzunehmen. Dabei solltest du zunächst das Bibelbuch selbst – und ruhig einmal von vorne bis hinten – lesen. Dann notiere dir die Fragen, die du beim ersten Lesen nicht beantworten kannst. Wenn du die entsprechenden Punkte auch nach einem zweiten Lesen nicht richtig verstehst, nimm dir doch diese Bibelbetrachtung vor (oder eine andere zur Offenbarung wie die von Hamilton Smith oder William Kelly, die ebenfalls in deutscher Sprache vorliegen). Damit kannst du einen echten Verständnisschub erleben!

Zwei Schwächen

Bei allem Lob (und Dank für dieses Werk) komme nicht umhin, zwei Schwächen dieses Buches aufzuführen. Bei einem Bibelbuch, das sehr viele Symbole enthält, die sich auch teilweise wiederholen, wäre ein Stichwortverzeichnis am Ende von großem Wert. Leider sucht man ein solches vergeblich. Diese Schwäche kann man heilen, wenn man die Bibelkonkordanz verwendet und jeweils nachschaut, in welchen weiteren Versen ein bestimmtes Symbol vorkommt.

Nicht so leicht zu heilen ist ein zweites Problem. Aus der Werbung kennt man einen Spruch, der auf dieses Buch angewendet lautet: „Wo Scott drauf steht, ist auch Scott drin.“ Leider stimmt das nicht, jedenfalls nicht immer. So heißt es im Vorwort der deutschen Übersetzung, dass der Übersetzer, der Überarbeiter und der Überprüfer „nicht in allen Punkten den Auffassungen des Verfassers [W. Scott] folgen konnten. Einige der Gedanken, die uns nicht hinreichend im Wort Gottes verankert schienen, haben wir nicht übernommen“ (S. 17).

Das hat dazu geführt, dass an manchen Stellen – ohne weitere Kennzeichnung – von Scott geäußerte Gedanken einfach weggelassen wurden. An anderen Stellen sind eigene Überlegungen ergänzt worden; um wie viele Stellen es sich handelt, könnte nur ein konzentrierter Vergleich von Original und Übersetzung deutlich machen. So weiß man nicht, welche Fußnote von Scott ist und welche von den Übersetzern. Leider findet man diese Unsitte nicht nur in diesem Buch. Für mich bedeutet das, grundsätzlich das englische Original neben die deutsche Übersetzung zu legen.

Bestellung ...

Das Buch hat 624 Seiten, ist im Ernst Paulus Verlag erschienen und kostet 18,80 Euro. Bestellt werden kann es per Telefon: 02192/921014 (CSV-Verlag), oder 06321/2620 (EPV).

Buchauszug

Armagedon
Kapitel 16,16: „Und er versammelte sie an den Ort, der auf hebräisch Armagedon heißt.“


Das Fürwort er bezieht sich hier ohne Zweifel auf Gott. Er steht hinter dem Geschehen und den beteiligten Kräften und bestimmt den Lauf der Ereignisse – auch bei diesem Gericht. Es ist Gott, der Allmächtige, der zur gerechten Vergeltung diese riesige Versammlung der Nationen herbeiführt. Er benutzt den Drachen, den erklärten Feind Gottes, und die beiden gottlosen Häupter auf der Erde zur Ausführung Seines Vorsatzes, und Er versammelt die Könige nach Armagedon. Dort stritten einst die Könige Kanaans gegen Israel, aber Gott stritt für Sein Volk, und der Israel gewährte außerordentliche Sieg wurde von Debora, der Prophetin, in glühenden und triumphierenden Worten und Weisen verkündet (Ri 5,19.20). Ebenso wird es dann das große Ziel der versammelten Nationen sein, Israel zu zerschmettern und zu vernichten (Ps 83,3–5), aber Gott wird eingreifen, die Feinde vollständig vernichten und die Seinen befreien, wie Er es in den frühen Tagen der Richter getan hat. Und jener frühere Sieg wird hier als ein Unterpfand und eine Zusicherung des künftigen Sieges gesehen. Die Stelle muß nicht so verstanden werden, daß der wirkliche Berg oder das Tal Megiddo der Sammelplatz all der Nationen sein wird; dieses begrenzte Gebiet wird dafür nicht ausreichen. Die einfache Bedeutung ist jedoch, daß Gott durch satanisches Wirken viele der Nationen der Erde nach Palästina versammeln wird; ihr Ziel wird es sein, Israel zu überwältigen und zu vernichten, um sich dann mit ihrer vereinigten Macht gegen den Herrn selbst zu stellen. Aber das werden sie nur zu ihrem eigenen Verderben tun. Nach den Weissagungen der Propheten Joel und Zephanja wird Gott Seinen Grimm über die versammelten Nationen ausgießen. Es ist gesagt worden, dass Armagedon der Ort der Versammlung und das Tal Josaphat der Ort der Vernichtung der Nationen sein wird. Beide Orte werden jedoch genannt, um bestimmte Ereignisse der letzten Tage grundsätzlich darzustellen. Beide weisen auf eine zukünftige Versammlung der Könige und Völker im Land Palästina und wahrscheinlich in der Nähe Jerusalems hin. Dort soll und wird die große Frage der Regierung und Herrschaft auf der Erde entschieden werden durch die vollständige Niederwerfung der feindlichen Nationen und die Aufrichtung des „Reiches der Welt unsers Herrn und Seines Christus“. Außerdem wird Israel sein Land zum ewigen Besitztum empfangen und das Haupt und die erste der Nationen im Tausendjährigen Reich sein.

[Fußnote: In dieser aktuell herausgegebenen Betrachtung wird – für junge Leser, die sich an die überarbeitete Elberfelder, Version 2003, gewöhnt haben, bedauerlicherweise – die alte Elberfelder Übersetzung benutzt.]