05.04.2006Persönlicher Glaube

Das Leben ist für mich Christus. (Phil. 1,21)

Auf den Apostel Paulus trifft § 2 nicht zu. Er machte dieses Aussage und sagte damit die Wahrheit. Denn er schrieb es getrieben durch den Heiligen Geist. Dieser Satz ist Gottes Wort. Paulus war dermaßen erfüllt von seinem Herrn, dass er sagen konnte, dass das Leben für ihn Christus war.

Ein hoher Maßstab

Wenige Verse später lesen wir, dass wir Paulus Nachahmer sein sollen (Phil. 3,17). Das ist ein hoher Maßstab! Vielleicht sagen wir, dass dieser Maßstab zu hoch ist, dass wir ihn nie erreichen können, aber es ist der Maßstab, vor den Gott uns stellt. Nach § 2 kommt § 3: Trifft § 2 zu, siehe § 1: "Diese Aussage sollte auf jeden Christen zutreffen."

Selbst wenn der Maßstab so hoch ist, bleibt bestehen, dass diese Aussage für jeden Christen zutreffen sollte. Es gibt es also keinen Grund, nicht danach zu streben, Paulus Nachahmer zu sein. "Seid zusammen meine Nachahmer" (Phil. 3,17) - das ist Gottes Wort, das ist Gottes Wille. Und es ist Gottes Gnade, dass er uns in Paulus einen Menschen vorstellt, dessen Nachahmer wir sein sollen. Es hätte ja auch lauten können: Seid Christi Nachahmer. Doch Gott stellt uns in seiner Gnade einen Menschen vor, der ebenso wie wir ein Sünder war, der sich sogar den Größten der Sünder nennt, und zeigt uns, was er aus einem Sünder, was er aus uns machen will: Jünger des Herrn Jesus, deren Lebensinhalt Christus ist!

Was ist unser Lebensinhalt?

Die meisten Leser werden Christen sein. Christ sein bedeutet aber leider nicht zwangsläufig, dass der Lebensinhalt auch Christus ist. Paulus dachte auch, dass er ein Diener Gottes ist. In Philipper 3, 4-6 nennt Paulus seine menschlichen Vorzüge, die er meinte im Dienst für Gott einsetzen zu können. Doch nach seiner Bekehrung musst er erkennen, dass dies alles Verlust war.

Sein Lebensinhalt vor seiner Bekehrung war er selbst, sein Fleisch und die Vorzüge seines Fleisches. Er gehörte wohl zu den intelligentesten und am meisten gebildeten Juden und konnte sich wahrhaftig seiner menschlichen Fähigkeiten rühmen. Vielleicht sind hohe Erkenntnis und Eloquenz bei manchem Leser vorhanden. Rühmen wir uns dieser Fähigkeiten, die wir - nebenbei bemerkt - von Gott erhalten haben?

Paulus hatte bei dem angesehenen Gelehrten Gamaliel gelernt und hatte in der jüdischen Welt eine hervorragende Stellung. Ist es unsere Stellung in der "religiösen" Welt, die unser Lebensinhalt ist? Inzwischen gibt es ja in der Christenheit die verschiedensten von Menschen eingerichteten "Ämter". Vielleicht ist ein Leser mit einem solchen "Amt" bekleidet. Vielleicht fühlt ein Leser auch, dass er in der Versammlung/Gemeinde am Ort eine große Verantwortung hat, die ihm sogar von Gott gegeben wurde. Wie dem auch sei - ist unsere Stellung unter den Menschen unser Lebensinhalt, oder ist es die Person unseres Herrn?

Nochmals: Paulus konnte sich seiner Fähigkeiten und seiner Stellung rühmen. Doch er achtete dies alles für Verlust "wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesus", seines Herrn. (Phil. 3,8)

Was ist uns mehr wert - unser Ich oder Christus?

Diese Frage werden wohl alle Leser mit der gleichen Antwort beantworten: Christus! Dann kommt aber die nächste Frage, die man sich stellen sollte: Erkennt man das? Die Antwort auf diese Frage wird vielleicht in vielen Fällen nur zögernd oder gar nicht kommen.

Beschämend! Ist vielleicht meine Antwort auf Frage 1 falsch?

Das ist zu vermuten, wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich Frage 2 mit Ja beantworten kann.

Wenn das der Fall ist, ist ein Kurswechsel DRINGEND erforderlich! "Vergessend was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist" (Phil. 3,13). Mein Ich ist nicht nur unnütz, es ist "Verlust" oder "Dreck", wie der Apostel Paulus sich ausdrückt. Und wenn das für den Apostel Paulus galt, wie viel mehr dann für Dich und mich?

Nehmen wir eine neue Ausrichtung für unser Leben vor. Nicht unser Ich, Christus sollte unser Leben sein.

"In Wort und Werk, in allem Wesen sei Christus und sonst nichts zu lesen!"