16.11.2003Persönlicher Glaube

Christentum = Entertainment ? Oder: Die Kommerzialisierung des Christentums

„Im Übrigen Brüder, alles, was wahr, alles, was würdig, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was lieblich ist, alles, was wohl lautet, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, dies erwägt“ (Philipper 4,8).

In den USA ist in den letzten Jahren verstärkt eine Kommerzialisierung des Christentums festzustellen. Dies drückt sich beispielweise in dem weit verbreiteten Motto „WWJD“ („What Would Jesus Do-“) aus, das auch hier in Europa sehr bekannt ist. Diese damals ernst gemeinte und aus gutem Gewissen gestellte Frage des christlichen Schriftstellers Charles Sheldon im Jahr 1886 wird heute als Geschäftsidee missbraucht. Heute ist sehr populär, WWJD auf Shirts und Mützen zu setzen, bei Jugendlichen sind die entsprechenden Armbänder angesagt.

Diese Frage ist inzwischen zu einem Gegenstand des Marketing in der Automobilindustrie geworden. So warb ein US-Autohersteller kürzlich mit dem Slogan: „What Would Jesus Drive-“

Populärkultur Christentum

Christliche Populärkultur ist in den USA einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige. Immer mehr wird diese Populärkultur zu einem Medium, um christliche Botschaften zu übermitteln.

Es gibt mittlerweile christliche Themenparks, in denen die alte Stadt Jerusalem rekonstruiert wird, Fast-Food-Ketten bieten Spezialitäten an wie den „Goliath-Burger“, die CCM (Christian Contemporary Music) verkauft sich doppelt so gut wie die enorm populäre Latino-Musik und erzielt einen größeren Umsatz als Klassik und Jazz zusammen (Jahresvolumen von 3 Mrd Euro).

Der „christliche Markt“ wächst rasant

Der Markt mit christlicher Unterhaltungslektüre hat sich seit 1980 nach Angaben des US-Magazins „Newsweek“ vervierfacht. Dieser Anstieg hat einige große Verlagshäuser dazu veranlasst, eigene christliche Pressen zu gründen. Der Endzeit-Thriller „The Indwelling“ erreichte im Jahr 2000 als erster „christlicher“ Roman überhaupt Platz 1 auf der „New York Times“-Bestsellerliste.

In den USA erfahren Medienkaufhäuser wie Christianbook.com eine immer größer werdende Nachfrage.

Verbreitung der christlichen Botschaft

Die Befürworter dieser Entwicklung begründen ihr Vorgehen damit, dass man den kulturellen Wandel akzeptieren und sich für postmoderne Formen des Gottesdienstes öffnen müsse. Sie gehen so weit, dass sie sagen, dass Zweifel ein fester Bestandteil des Glaubens der jüngeren Generation sei. Gerade die 18-35-Jährigen seien besonders misstrauisch gegenüber kirchlichen Institutionen. Deshalb müssten diese verstärkt und „persönlich“ angesprochen werden.

Außerdem entwickelten Kinder strenggläubiger Eltern eine viel geringere Bindung an die Religion als ihre Eltern. Deshalb kann sich die christliche Unterhaltungsindustrie mit ihren Konsumartikeln verstärkt an Jugendliche wenden, die eine interessante Zielgruppe für sie ist.

Die Gegenbewegung: christlich-fundamentale Gruppen

Demgegenüber gibt es in den USA auch Christen, die sich dieser Entwicklung entziehen wollen, weil sie glauben, die klare christliche Botschaft werde verwässert. Nun ist es aber so, dass auch diese „Fundamentalen“ von der christlichen Unterhaltungsindustrie als Gegenbewegung eingeschätzt und ebenso als Zielgruppe angesehen werden. Das fundamentalistische Christentum stellt für die Industrie ebenfalls eine Aussteigergruppe dar, die sie mit ihren Produkten bedienen können.

Aber das ist natürlich nicht im Sinn der wirklichen (traditionellen) Christen in den USA. Diese kritisieren die Kommerzialisierung des Christentums und das Abweichen von Ordnung. Sie beklagen, dass der Unterschied zwischen dem System „Welt“ und dem Göttlichen nicht mehr sichtbar sei.

Und was würde der Herr Jesus wirklich tun -

Charles Sheldon, der Urheber der Frage, war der Ansicht, die Marktwirtschaft müsse unter die Herrschaft Jesu gestellt werden. Über WWJD-Mützen oder WWJD-Armbänder hat er nichts gesagt. Deren Erfinder haben sich vermutlich auf jemand anderes berufen:

1997, von Paul Zane Pilzer geschrieben, es heißt:“ God wants you to be rich: How and why everyone can enjoy material and spritual wealth in our abundant world“ (Gott möchte, dass Sie reich sind: Wie und warum jeder materiellen und geistlichen Erfolg/Stärke/Gesundheit in unserer vielfältigen Welt genießen kann). -

Wie sollte der Gottesdienst heute aussehen -

In der Bibel finden wir nichts von Pomp auf christlichem Gebiet. Vielmehr stellen wir in allen Bereichen eine große Schlichtheit fest. Das betrifft das persönliche Leben genauso wie das gemeinschaftliche. In Bezug auf den Gottesdienst finden wir beispielsweise, dass der Herr Jesus in aller Einfachheit und Schlichtheit das Gedächtnismahl eingesetzt hat (Lukas 22). Die Gläubigen sollen sich jeden ersten Tag der Woche (oder öfter) an Ihn erinnern und seinen Tod verkündigen. Auch heute geschieht dies noch in aller Einfachheit und Schlichtheit, und zwar so, dass auch die Welt es sehen kann. Dort, wo zwei oder drei versammelt sind zu seinem Namen hin, da ist Er in ihrer Mitte (Matthäus 18,20). Dort, wo seine Rechte anerkannt werden, kann Er gegenwärtig sein unter den Gläubigen. Die Atmosphäre ist still und heilig, nicht laut und weltlich-kommerziell.

Der Herr will keine Populärkultur, Er will keinen christlichen Kommerz. Er möchte Herzen, die in Ernsthaftigkeit und Einfachheit seinen Anweisungen für den Gottesdienst (Anbetung) folgen.