06.06.2003 1. Timotheus | 2. Timotheus

Timotheus - Diener Jesu Christi

Vorwort

Wir besitzen in der Bibel keine zusammenhängende Lebensbeschreibung von Timotheus, wie wir sie beispielsweise von David, Joseph, Daniel oder anderen finden. Er nimmt im Neuen Testament auch keinen großen Platz ein. Er wird 24 mal in der Apostelgeschichte und 11 mal in den Briefen erwähnt, von denen sich zwei unmittelbar an ihn selbst richten. In sechs Briefen verbindet sich Paulus als Schreiber mit Timotheus. Dazu gehören nicht die Briefe an die Römer, Galater und Epheser, in denen sich Paulus allein in seiner apostolischen Autorität vor die Empfänger stellt, sowie der Brief an Titus, der einen persönlichen Charakter trägt.

Wir werden die verschiedenen Stellen, in denen er genannt wird, aufsuchen müssen, um zu überdenken, was das Wort uns über diesen Mann Gottes sagt. Er bleibt für uns ein bemerkenswertes Beispiel in bezug auf die Art und Weise, wie der Herr einen Diener beruft und formt, und schließlich zum Wohl der Seinen benutzt.


I. Das Leben von Timotheus

1. Kindheit und Jugendzeit


Lies zunächst Apostelgeschichte 16,1-3; 2. Timotheus 1,5; 3,14-15

a) Die Familie

Es wird uns in der Bibel ausdrücklich gesagt, dass die Mutter von Timotheus, Eunike, eine „gläubige jüdische Frau" war. Derselbe „ungeheuchelte Glaube" wohnte schon in seiner Großmutter, Lois. Es handelt sich also um zwei Frauen, die im Judentum groß geworden sind, die den gleichen Glauben an Gott wie Paulus besaßen, der Ihm „von meinen Voreltern her" diente (2. Timotheus 1,3). Es handelt sich also um den Glauben eines Juden, der im Sinne des Alten Testamentes als gottesfürchtig zu bezeichnen war.

Der Vater von Timotheus dagegen war ein Grieche. Wir finden über ihn überhaupt keine weitere Bemerkung. Man kann daher annehmen, dass er im Gegensatz zu seiner Mutter ungläubig gewesen ist, oder zumindest nicht den gleichen Glauben besaß. Ihr Kind ist offenbar aus diesem Grund nicht beschnitten worden.

Wir haben hier also eine geteilte Familie: eine gottesfürchtige Mutter, ein Vater, der zumindest gleichgültig ist. Wie Eunike dazu gekommen sein mag, einen heidnischen Mann zu heiraten, ganz im Widerspruch zu dem Gesetz, das sie offenbar gut kannte? Darüber wird uns nichts mitgeteilt. Aber die Schwierigkeit war nun vorhanden, wie es auch in vielen Familien heute der Fall ist.

Eine solche Situation kann daher kommen, dass sich ein Teil des Ehepaares nach der Hochzeit bekehrt, während das andere dem christlichen Glauben fernbleibt. Sie kann jedoch auch aus einer Ehe entspringen, die vollständig im Gegensatz zu der Bibel steht, denken wir nur an 2. Korinther 6,14-15, wenn nämlich ein Gläubiger eine ungläubige Person heiratet. Eine solche Lage kann jedoch auch leider daraus entstehen, dass eine Person den Anschein erweckte, gläubig zu sein, dann jedoch in dieser Hinsicht abkühlt: Der Glaube ist nicht wirklich vorhanden oder einfach eine äußere Folge der Erziehung. Manchmal schafft auch der Feind sein Werk, indem er einen Gläubigen von dem Glaubensweg abringt, zumindest für eine Zeit.

Wie schwierig ist es, in einer solchen Konstellation die Kinder in der Zucht und Ermahnung des Herrn aufzuziehen (Epheser 6,4)! Welch eine traurige Situation vieler gläubiger Mütter, denen Gott dennoch zur Hilfe kommen kann, wie Er das auch in dem Fall des Timotheus getan hat. Eunike hat sich durch ihren Ehemann nicht von einer biblischen Erziehung abbringen lassen: „Von Kind auf" kannte Timotheus die heiligen Schriften. Sie hatte zweifellos die Ermahnung, die in 5. Mose 6,6-9 den Vätern gegeben wurde, in die Praxis umgesetzt: „Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen auf deinem Herzen sein. Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen." Sie hatte hinnehmen müssen, dass ihr Sohn nicht beschnitten wurde. Aber hinsichtlich der Unterweisung des Wortes Gottes hatte sie sich richtig verhalten.

Aber es war noch mehr nötig: Gott musste selbst ein Werk in dem jungen Timotheus vollbringen, und dieser musste persönlich glauben, damit er das göttliche Leben empfangen konnte.

b) Die Bekehrung

Das Werk Gottes ist im Herzen des Timotheus vollbracht worden. Das sehen wir in 2. Timotheus 3,14-15. Von seiner Kindheit an „kannte" er die heiligen Schriften. Sie hatten die Macht, ihn zur Errettung weise zu machen. Dafür war „der Glaube, der in Christus Jesus ist", notwendig gewesen. Danach hatte er zweifellos aus dem Mund von Paulus selbst, alles das „gelernt", was das Evangelium und die Wahrheiten, die damit zusammenhängen, betraf. Schließlich war Timotheus von diesen Dingen völlig „überzeugt" worden. Lernen reicht nicht, so unabdingbar das auch ist. Eine persönliche, innere Überzeugung ist nötig; und diese kann nur auf dem Wort Gottes basieren, der Quelle selbst, dem Fundament jeder Sicherheit unter der Belehrung des Geistes Gottes.

Man kann auf diese Weise vier Etappen unterscheiden:

Die Kenntnis der Schriften: Man erwirbt sie in der christlichen Familie, in der Sonntagsschule und in den Zusammenkünften.

Der Glaube: Dieser bestätigt, dass Gott wahr ist. Der Glaube nimmt Sein Wort in Gewissen und Herz auf, um sich an die Person des Herrn Jesus, den alleinigen Heiland, zu klammern.

Das Wachstum in den Dingen des Herrn: Daher die Wichtigkeit des Bibelstudiums und das Besuchen der Zusammenkünfte. Man profitiert vom mündlichen Dienst, ohne den schriftlichen Dienst, der uns zur Verfügung steht, zu vernachlässigen. Für das zweite sollte ein junger Gläubiger zumindest einen bestimmten Augenblick jeden Tag reservieren.

Die persönliche Überzeugung: Sie ergibt sich nicht einfach aus dem, was man schon kannte oder durch den Einfluss von anderen gelernt hat. Sie wird durch die Gnade und den Geist Gottes hervorgebracht, wenn man die Wahrheiten der Schrift näher überdenkt. „Bedenke, was ich sage; denn der Herr wird dir Verständnis geben in allen Dingen" (2. Timotheus 2,7)

Wann ist dieses Werk der Gnade im Herzen von Timotheus vollbracht worden?

Bei der sogenannten zweiten Missionsreise von Paulus, als er nach Derbe und Lystra kam, „war dort ein gewisser Jünger, mit Namen Timotheus". Er war also nicht nur ein Kind Gottes, sondern auch ein Jünger, und als solcher bekannt. Er hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein gutes Zeugnis der Brüder dieser Region. Somit lag seine Bekehrung schon eine Zeit zurück.

Schon bei seiner ersten Missionsreise war Paulus an Ikonium, Derbe und Lystra vorbeigekommen (Apostelgeschichte 14). Eine große Menge Juden und Griechen war dort zum Glauben gekommen. Paulus selbst und Barnabas waren grausam verfolgt worden. Paulus hatte diese Verfolgung sogar am Ende seines Lebens nicht vergessen, sondern eine schmerzhafte Erinnerung behalten. So schrieb er an Timotheus: „Du hast genau erkannt... meine Verfolgungen, meine Leiden: welcherart Leiden mir widerfahren sind in Antiochien, in Ikonium, in Lystra; welcherlei Verfolgungen ich ertrug, und aus allen hat der Herr mich gerettet" (2. Timotheus 3,10-11).

Zeigen uns diese Verse nicht, dass Timotheus Zeuge gewesen sein muss bei diesen schrecklichen Verfolgungen? Er hatte verstanden, dass sie nicht einem Übeltäter oder einem Politiker galten, der sich gegen die römische Besatzung auflehnte, sondern dass Paulus sie um des Glaubens willen zu erleiden hatte (vgl. Philipper 1,12-14). Anlässlich des ersten Besuchs von Paulus in dieser Gegend muss der Sohn von Eunike also mit dem Evangelium in Berührung gekommen sein. So hatte er schon etwas davon gesehen, was es für Konsequenzen mit sich brächte, am Evangelium öffentlich festzuhalten. Vielleicht gehörte er zu denjenigen, „die ihn [Paulus] umringten" (Apg. 14,20), nachdem er gesteinigt worden war. Kurze Zeit später kamen Paulus und Barnabas wieder nach Lystra und Ikonium und Antiochien, „und befestigten die Seelen der Jünger, und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen" (Apg. 14,22).

Zwischen diesen zwei Besuchen von Paulus in Lystra und seiner zweiten Missionsreise lagen ungefähr 4 Jahre. Vor der ersten Reise, kannten Timotheus und seine Familie sicherlich noch nicht das Evangelium. Bei der zweiten Missionsreise des Paulus war Timotheus bereits ein Jünger mit einem guten Zeugnis. Die Verfolgungen, deren Zeuge Timotheus gewesen war, hatten seinen tiefen Eindruck auf ihn gemacht, genauso wie die Ermunterung, „im Glauben zu verharren" (Vers 22). Trotz Verfolgungen auszuharren blieb das beherrschende Kennzeichen des Beispiels und der Belehrungen des Apostels an seinen geliebten Jünger.

Um treu zu bleiben, benötigt man die Kraft Gottes als Antwort auf das Gebet: „Sie beteten mit Fasten und befahlen sie dem Herrn an, an den sie geglaubt hatten" (Apg. 14,23).

c) Die Berufung zum Dienst

Aus Apostelgeschichte 16,3 können wir schließen, dass Timotheus anlässlich der zweiten Reise von Paulus in den aktiven Dienst eingetreten ist, für den er zubereitet worden war.

Er war ein „Jünger", der sich eines „guten Zeugnisses der Brüder" seiner örtlichen Versammlung und der ganzen Gegend (Vers 2) erfreute. Hinsichtlich seiner Gnadengabe, die Gott ihm verliehen hatte, waren „Weissagungen" ausgesprochen worden (1. Timotheus 1,18; 4,14). Timotheus hatte diese Gnadengabe. Genauer gesagt hatte er die Gabe des Hirten und Lehrers empfangen. Die Ältesten seiner Gegend hatten diese Überzeugung gewonnen und ihm ihre Gemeinschaft durch das Auflegen der Hände deutlich gemacht.(1. Timotheus 4,14) Auch Paulus selbst erinnert Timotheus daran, dass er ihm die Hände dieserhalb aufgelegt habe (2. Timotheus 1,6). Er war mit seinem jungen Begleiter von Herzen verbunden.

Das ist nun die Grundlage für jeden Dienst: Zunächst die neue Geburt, das heißt der Empfang des göttlichen Lebens durch den Glauben, dann die geistliche Entfaltung des Lebens durch die Hinwendung zu den Schriften. Auch das praktische Zeugnis über den Wandel, das durch andere Personen gegeben wird, gehört dazu. Schließlich gehört dazu, dass die Gnadengabe Gottes durch die Gemeinschaft, die Brüder mit geistlichem Unterscheidungsvermögen hinsichtlich dieser Gabe üben können, bestätigt wird.

Gestärkt durch alle diese früheren Fälle „wollte Paulus", dass Timotheus mit ihm ginge! Paulus hatte zweifellos ein scharfes geistliches Unterscheidungsvermögen, wie nur wenige Menschen es besitzen. Nichts desto weniger ist die Ermunterung, die ältere Brüder an jüngere zu Beginn ihres Dienstes für den Herrn weitergegeben haben, häufig entscheidend gewesen für deren weiteren christlichen Weg. „Die Hände lege niemand schnell auf", schrieb der Apostel später an Timotheus (1. Timotheus 5,22). Wenn aber das Leben Gottes seine Früchte trägt, das praktische Zeugnis dem entspricht, was der Gläubige empfangen hat und der Herr deutlich macht, dass er einen jüngeren Bruder in Seinem Dienst benutzen will, hat dann nicht auch das Beispiel des Apostels seinen Platz, in Weisheit einen solchen zu ermutigen, zu unterstützen und ihm eine Hilfe zu sein?

Paulus nimmt Timotheus nun mit sich auf die weitere Reise. Es hat fast den Anschein, als handele es sich um ein Entreißen des jungen Mannes. Vielleicht gab es einiges Zögern innerhalb der Familie: Selbst eine gottesfürchtige Mutter trennt sich nicht leicht von ihrem Kind, vor allem nicht, wenn es weit weg in schwierige Umstände kommen wird. Fürchtete Timotheus selber vielleicht einen Weg, auf dem er Leiden und Widerstand, Gefahren und Versuchungen zu erleiden hätte? Was auch immer die Umstände gewesen sein mögen - die Entscheidung von Paulus führt dazu, dass Timotheus ihn begleitet.

Vor der Abreise „beschnitt ihn" Paulus aber noch. Diese Maßnahme mag uns von Seiten des Apostels ein wenig seltsam erscheinen. In der Tat konnte er von den Juden nicht beschnitten werden, da sein Vater Grieche war (vgl. Esra 9 und 10; Nehemia 13,23-31). Unter dem Gesetz war das Kind aus einer Mischehe unrein. Im Gegensatz dazu sind die Kinder in der Zeit der Gnade „heilig", selbst wenn nur einer der beiden Elternteile gläubig ist (1. Korinther 7,14). „Heilig" bedeutet für Gott abgesondert, Teilhaber der Vorrechte einer christlichen Umgebung und Atmosphäre (wobei das in keiner Weise eine Entschuldigung ist, einen Ungläubigen zu heiraten!).

Aus Sicht der Juden wäre es also ungesetzlich gewesen, Timotheus zu beschneiden. Aus christlicher Sicht war das genau das Gegenteil des ausdrücklichen Befehls des Apostels an die Galater: „Siehe, ich, Paulus, sage euch, dass , wenn ihr beschnitten werdet, Christus euch nichts nützen wird" (Galater 5,2). Warum beschnitt Paulus dann aber den Timotheus? Wohl nicht, um für ihn einen Verdienst zu erwerben, wie ihn die Galater darin suchten, sondern „wegen der Juden, die in jenen Orten waren" (Apostelgeschichte 16,3). Es ist ein Zeichen des Entgegenkommens von Paulus, um so viele wie möglich zu „gewinnen" (1. Korinther 9,20-23). Für die Juden wurde er wie ein Jude; für die, die unter Gesetz sind, wie unter Gesetz, ohne dass er es in Wirklichkeit war.

Für Timotheus war dies eine sehr schmerzhafte und demütigende Erprobung (1. Mose 34,25), wie ein Preis, den er für seinen Dienst bezahlen musste. Von uns wird zweifellos nicht dasselbe gefordert, eines aber doch: Selbstentsagung und Verzicht auf verschiedene Dinge, die allem Anschein nach gut sind; Unverständnis der Umgebung oder lieber Freunde; geistliche Einsamkeit, je nachdem an welchen Ort der Herr einen schickt; möglicherweise Verzicht auf eine berufliche Tätigkeit, die man gerne ausgeübt hat; Verlust des Ansehens in bestimmten Kreisen, etc... Zweifellos sind die Berufungen genauso unterschiedlich wie die Entsagungen, die ihnen folgen. Viele Dienste wird man auch im Rahmen des sogenannten „normalen Leben" verwirklichen können. Dennoch bleibt immer wahr, dass „wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach" (Matthäus 16,24). „Wer sein Leben lieb hat, wird es verlieren;... Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach; und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein" (Johannes 12,25-26). Paulus weist Timotheus nicht umsonst noch einmal in seinem Brief darauf hin: „Nimm teil an den Trübsalen..." (2. Timotheus 2,3).

Paulus, Silas und Timotheus reisen somit gemeinsam weiter. Der junge Mann muss nun gleichsam eine Ausbildung in diesem Dienst absolvieren, der mit vielen und langen Wanderungen verbunden und ermüdend und gefährlich ist. Er führt sie von Lystra nach Phrygien, Galatien, Mysien, Troas, dann nach Mazedonien, wo das Evangelium damit zum ersten mal beginnt, Europa zu durchdringen.

2. Der Dienst

Der Dienst, der Timotheus anvertraut wurde, umschließt, wie uns die Apostelgeschichte und die Briefe ausführlich deutlich machen, zwei Aspekte:

Er arbeitet „mit Paulus" zusammen, nach dem Wunsch des Apostels (Apg. 16,3). Timotheus begleitet ihn so auf verschiedenen seiner Reisen. Der Apostel verbindet sich mit Timotheus auch beim Schreiben von sechs seiner Briefe.

Bei anderen Gelegenheiten ist der junge Mann der Abgesandte von Paulus, um - häufig zusammen mit einem weiteren Genossen - in einer Versammlung oder Gegend einen bestimmten Auftrag zu erfüllen.

a) Mit Paulus unterwegs

Gibt es für einen jungen Mann, der zum Dienst des Herrn berufen ist, eine bessere Vorbereitung, als einen älteren Diener zu begleiten? So kann er lernen, wie es geziemt, sich zu verhalten, zu handeln oder eben nicht zu handeln. So kann er die Übungen teilen, die bei jedem Dienst für den Herrn auf einen warten.

Auf diese Weise hat auch der junge Elisa viele Jahrhunderte zuvor Elia begleitet und ihm gedient (1. Könige 19,21), indem er „Wasser goss auf die Hände des Elia" (2. Könige 3,11). Am Tag der Hinwegnahme seines Herrn erhält er dann ein doppeltes Teil des Geistes, der auf Elia ruhte und wird nun selbst Prophet an seiner statt. Er ist unmittelbar Gott in seinem Dienst verantwortlich und wird so zum Segen für Sein Volk.

Wir lesen im Neuen Testament sehr häufig, dass Diener zu zweit oder zu mehreren ausgesandt werden. Als der Herr die 12 Jünger in Markus 3,14 bestellt, sollen sie zunächst „bei ihm" sein, bevor Er sie aussendet um zu predigen und zu heilen. Später gehen sie jeweils zu zweit aus, um zur Buße aufzurufen und verschiedene Wunder zu vollbringen (Markus 6,7). In Apostelgeschichte 8,14 senden die Apostel Petrus und Johannes nach Samaria. Barnabas geht zwar zunächst allein nach Antiochien (Apostelgeschichte 11,22), aber dann zieht er nach Tarsus, um Paulus aufzusuchen. Zusammen halten sie sich ein ganzes Jahr in Antiochien auf, um die Versammlung zu belehren.

Während seiner unterschiedlichen Reisen wird Paulus fast immer von einem oder mehreren Mitstreitern begleitet. So hatte er sich ja auch Timotheus ausgesucht, indem er wollte, „dass dieser mit ihm ausgehe" (Apg. 16,3). Dieser junge Jünger würde den Apostel in verschiedene Provinzen Kleinasiens begleiten, dann nach Mazedonien, Philippi, Thessalonich, Beröa (Apg. 17,14). Später trifft er Paulus in Korinth (18,5), wo er einen Dienst vergleichbar dem des Paulus vollbringt (2. Korinther 1,19). Es scheint nicht so zu sein, dass sich Timotheus dem Paulus angeschlossen hatte, als dieser nach Jerusalem zurückkehrte (Apg. 18,21). Während der dritten Missionsreise des Paulus jedoch treffen wir ihn in Ephesus wieder, wo Paulus mehr als zwei Jahre arbeitete (Apg. 19,22). Er wird ausdrücklich als einer derjenigen genannt, „die ihm dienten".

Nachdem Paulus aufs neue Mazedonien und Griechenland besucht hatte, unternimmt er seine letzte Reise nach Jerusalem. Auch hier finden wir Timotheus unter seinen Begleitern (Apg. 20,4). Weiter finden wir nichts über Timotheus, bis wir ihn in Rom zusammen mit dem Apostel wiederfinden, der sich mit ihm beim Schreiben seiner Briefe aus der ersten Gefangenschaft verbindet (außer dem Epheserbrief). Aus Philipper 2,19 können wir deutlich erkennen, dass Timotheus sich bei seinem geistlichen Vater aufhielt. Bei einer bestimmten Gelegenheit ist auch Timotheus gefangengenommen worden (Hebräer 13,23). Wir wissen nicht, ob das gleichzeitig mit der Gefangennahme des Paulus in Rom oder in einer anderen Situation gewesen ist.

Wir finden also bei Timotheus zunächst eine Periode der Ausbildung. Dann folgen, wie wir gesehen haben, verschiedene Missionsaufträge. Dazwischen finden wir Timotheus wieder bei Paulus, dem Diener, von dem er lernte, um imstande zu sein, anderen weiterzugeben, was er so gelernt hatte (2. Timotheus 2,1-2).

b) Der Abgesandte des Apostels

Zweifellos konnte Paulus in der Kraft der apostolischen Autorität, die ihm vom Herrn verliehen worden war, seinen Begleitern „befehlen", diese oder jene Dienste oder Missionen auszuführen. Aber konnte er ihnen auf diese Weise nicht auch manche heiklen Aufgaben übertragen? Sein Beispiel ist nicht ohne Bedeutung auch für uns. Sicherlich nicht in der Weise, dass wir Diener, die unmittelbar von ihrem Herrn abhängig sind, dem sie verantwortlich sind, dirigieren oder abkommandieren. Aber ältere Diener dürfen auch heute, sicherlich mit der nötigen Vorsicht, die sich gehört, der Praxis des Apostels folgen, und zu einer passenden Gelegenheit einem jungen Bruder einen gewissen Dienst andeuten oder ihm ein existierendes Bedürfnis aufzeigen, damit die nötige Übung im Herzen des jungen Dieners in der Abhängigkeit vom Herrn zustande kommt. Wenn Gott dann einen solchen Auftrag dem jüngeren Diener direkt bestätigt, dann darf er den Auftrag auch annehmen, ohne dass in diese Richtung irgend ein Druck auf ihn ausgeübt wird.

Wir finden in der Apostelgeschichte und in den Briefen zumindest vier Situationen, bei denen Paulus seinem jungen Begleiter einen speziellen Dienst anvertraut.

Timotheus in Thessalonich

Silas und Timotheus waren in Beröa geblieben. Sie erhielten dann den Auftrag, den Apostel aufzusuchen (Apostelgeschichte 17,15). Aber 1. Thessalonicher 3,2 berichtet darüber, dass Paulus, vielleicht durch einen weiteren Boten, Timotheus nach Thessalonich sandte. Die Neubekehrten dieser Stadt waren unterschiedlichen Verfolgungen ausgesetzt, so dass Paulus um ihren Glauben fürchtete. Das war eine glückliche Mission für Timotheus, zu den so lebendigen Thessalonichern zu gehen. Aber er hätte es sich selbst vielleicht nicht zutrauen können, oder er hätte zögern können, an einen Ort zu gehen, an dem besonders schlimme Verfolgungen herrschten. Man sieht bei ihm jedoch keine Art von Unentschlossenheit. Und als er dann mit guten Nachrichten über den Glauben und die Liebe der Thessalonicher zusammen mit Silas den Apostel in Korinth wieder trifft (Apg. 18,5), dann finden wir eine Szene voller Freude und Trost für Paulus und seine Begleiter. Brachte Timotheus vielleicht sogar eine Gabe der Versammlungen, die es Paulus erlaubte, seine ganze Zeit dem Wort Gottes zu widmen (vgl. 2. Korinther 11,8)? Man darf das vielleicht aus der Tatsache schließen, dass der Apostel nach der Rückkehr von Silas und Timotheus nicht mehr dazu gezwungen war, Zelte zu machen, sondern völlig durch den Dienst des Wortes in Anspruch genommen werden konnte und während eines Jahres und sechs Monaten sich vollständig dem Werk des Herrn in dieser Stadt widmen konnte.

In Korinth

In Apostelgeschichte 19,22 lesen wir, dass sich Timotheus in Ephesus aufhielt. Paulus sendet ihn von dort zusammen mit Erastus nach Mazedonien. Nach 1. Korinther 4,17 und 16,10 muss er sich dann unter anderem auch in Korinth aufgehalten haben. Das war in der Tat eine schwierige Mission, in eine Versammlung zu kommen, die von ihren Vorrechten eingenommen war, die voll von Zwietracht, Unordnung, moralisch Bösem und Streit war, ohne von lehrmäßigen Verfehlungen zu sprechen. Man kann verstehen, dass Timotheus hier furchtsam war. Paulus muss ihn daher den Korinthern ganz besonders empfehlen: „Er arbeitet am Werk des Herrn wie auch ich" (1. Korinther 16,10). - Aus seinem zweiten Brief an die Korinther sehen wir, dass sich Paulus Timotheus zugesellt, nachdem er in Mazedonien durch Titus die gute Nachricht über die Korinther erhalten hatte (2. Korinther 7,6.13-15).

In Philippi

In Philipper 2,19-24 lesen wir von einem dritten Auftrag des Paulus an Timotheus. Dieser befand sich mit Epaphroditus in Philippi. Hierbei handelte es sich sicherlich um eine leichtere Mission als die in Korinth. Er sollte den Philippern erzählen, wie es Paulus ergangen war und zugleich Paulus „von euren Umständen" erzählen. Welch schönes Zeugnis kann Paulus Timotheus bei dieser Gelegenheit ausstellen: „Denn ich habe keinen Gleichgesinnten, der von Herzen für das Eure besorgt sein wird" (Philipper 2,20). Sollten wir es nicht vermehrt wünschen, „von Herzen besorgt" zu sein besonders für die Diener des Herrn, die in der Ferne oft durch schwierige Umstände gehen müssen, sei es in bezug auf ihre Familien, ihre Gesundheit oder durch ihren Dienst? Genaue und aktuelle Neuigkeiten ermöglichen es uns, einsichtsvoller zu beten, aber ihnen auch dieses „von Herzen besorgt" sein nicht nur auf materielle Weise zu bezeugen, sondern auch durch ein liebevolles Interesse, durch einen Brief, oder durch ein anderes Mittel, zu dem der Herr die Gelegenheit gibt.

In Ephesus

Schließlich vertraute der Apostel nach 1. Timotheus 1,3 „seinem geliebten Kind" einen besonderen Dienst, dieses mal in Ephesus, wo Timotheus „bleiben" sollte. Paulus hoffte, ihn dort zu treffen (1. Tim. 3,14).
Wir kennen nur lückenhaft die Folge der Ereignisse. Nach zwei Jahren der Gefangenschaft, kam Paulus wahrscheinlich wieder frei. Zwischen 63-66, durchreiste er erneut den Nahen Osten, indem er verschiedene Versammlungen besuchte. In der zweiten Hälfte des Jahres 66, zu Beginn der Verfolgungen durch Nero, wurde er erneut gefangen genommen, wahrscheinlich in Gegenwart von Timotheus, der bei dieser Gelegenheit offenbar Tränen vergossen hat, wie Paulus in seinem zweiten Brief schreibt (2. Timotheus 1,4).
Paulus musste, nachdem er nach Rom zurückgebracht worden war, somit eine zweite Gefangenschaft erdulden, die viel schwerer war als die erste. Sein Begleiter blieb offenbar in Ephesus, wie man aus 2. Timotheus 1,18 schließen kann, ohne es aber sicher behaupten zu wollen.
16 Jahre waren nun seit dem Zeitpunkt vergangen, als Paulus wollte, dass Timotheus mit ihm ginge. Jahre der Gemeinschaft, in denen der junge Mann in der Schule des Apostels lernen konnte; - Jahre, die mit großer Verantwortung angefüllt waren, und wo er verschiedene Aufgaben erfüllte, relativ leichte in Thessalonich und Philippi, die durch Freude und Gemeinschaft mit den Geschwistern gekennzeichnet waren; äußerst schwierige in Korinth, wo sich Timotheus mit großer Furcht aufhielt; außerordentlich schwierige in Ephesus, in einer Versammlung, die nach und nach ihre erste Liebe verließ, und wo sich so einige Fehler und Schwierigkeiten einschlichen.

c) „Befleißige dich, zu kommen" (2. Timotheus 4,9-16.22)

Der Apostel ist mittlerweile ein „Greis", und er ist einsam. Die meisten seiner Begleiter sind an verschiedene andere Orte weggegangen, um dort das Werk des Herrn auszuführen. Einer von ihnen hat ihn verlassen, „da er den jetzigen Zeitlauf liebgewonnen hat" (2. Timotheus 4,10). Bei seiner ersten Verantwortung stand ihm niemand bei. Niemand wollte riskieren, als Entlastungszeuge vor dem kaiserlichen Tribunal auszusagen. Der Schmied Alexander hat ihm viel Böses erwiesen. Als Onesiphorus von Ephesus nach Rom kam, um den Apostel zu besuchen, musste er sehr viel Mühe aufwenden, um ihn zu finden. Das scheint anzudeuten, dass man in der Versammlung in Rom zu dieser Zeit nicht wusste, wo sich der Apostel aufhielt; vielleicht wollte man es auch gar nicht wissen. Um den Greis vor der Kälte des Winters zu schützen, sollte ihm Timotheus vom weit entfernten Troas den Mantel mitbringen, den Paulus in Karpus zurückgelassen hatte. Warum konnte eigentlich keiner aus der Versammlung in Rom ihn mit einem ausstatten?

Wir verstehen das tiefgehende Verlangen von Paulus, noch einmal sein geliebtes Kind wiederzusehen, und die zweifache Ermahnung, sich zu beeilen, um vor dem Winter zu kommen. Wir wissen nicht, ob Timotheus seinen geistlichen Vater noch einmal wiedersehen konnte. Das Wort Gottes schweigt darüber. Sie gibt uns auch keinen Bericht über den Märtyrertod des Apostels, auch nicht über den von Petrus oder Johannes. Lediglich die Steinigung des Stephanus wird uns aus ganz bestimmten Gründen sehr detailliert mitgeteilt, und auch - fast im vorübergehen - das Ende von Jakobus. Ein einziger Tod beherrscht eben das ganze Neue Testament: der unseres Herrn Jesus. Dieser Tod allein soll in seiner ganzen Größe vor unseren Herzen stehen bleiben, als Gegenstand unserer Anbetung.

Es soll keine Verehrung für Reliquien oder bestimmte Orte geben! Der Vorhang bleibt geschlossen über einem Petrus, der das Haus der Maria verlässt und von dannen geht (Apostelgeschichte 12,6-17); über einem Paulus, der einsam im Gefängnis sitzt; über einen Timotheus, der gerne seinen geistlichen Vater wiedersehen möchte, ohne zu wissen, ob er es tatsächlich tun könnte. Wenn Menschen die Bibel geschrieben hätten, welche herrliche Szene hätten sie dann aus dem Wiedertreffen von Timotheus mit Paulus gemacht, wie er die letzten Augenblicke mit dem greisen Apostel verbrachte und ihn über die Ostische Straße führte, wo er enthauptet wurde. Wir kennen dieses letzte Ereignis durch die Geschichte, aber das Wort Gottes selbst wollte den Vorhang nicht lüften, damit Christus allein vor unseren Augen bleibt.

Aber welches Zeugnis bleibt von demjenigen, der durch den Geist Gottes getrieben sich selbst als „Sklaven Jesus Christi, Prediger und Apostel, Lehrer der Nationen im Glauben und der Wahrheit" bezeichnet. Wenn wir Christus folgen, dann sehen wir Ihn an der Spitze laufen, als Anfänger und Vollender des Glaubens. Hinter Ihm kommen diejenigen, die uns als Vorbilder vorgestellt werden, auf die wir sehen sollen (Philipper 3,17). Dazu gehören sicherlich Paulus und Timotheus. Sollten wir diejenigen vergessen, die wir gekannt haben und für deren Herzen der Herr Jesus der große Gegenstand war? „Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und, den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmt ihren Glauben nach" (Hebräer 13,7).

II. Die persönlichen Ermahnungen der zwei Briefe

Wir denken nicht, die gesamte Belehrung der zwei Briefe des Paulus an Timotheus hier zu behandeln. Dafür empfehlen wir die Bibelkommentare von Henri Rossier und die Synopsis von John Nelson Darby. Für junge Gläubige enthalten diese beiden Briefe jedoch einen Überfluss an Ermahnungen, die der Apostel ganz persönlich an sein Kind im Glauben gerichtet hat, und in bezug auf welche es gut ist, dass auch wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten. Dabei wollen wir das Wort selbst mit seiner ganzen Kraft unser Gewissen und unser Herz erreichen lassen.

1. Den Glauben bewahren

In vielen Teilen des Neuen Testamentes und ganz besonders in den Briefen an Timotheus hat der „Glaube" eine zweifache Bedeutung.

Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass geglaubt wird. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom „Klammern des ganzen Menschen" an die göttliche Offenbarung: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort" (Römer 10,17). Dazu bedarf es zweifellos des Verständnisses; aber es bedarf auch des Herzens, der Empfindungen. Und auch der Wille ist hier nötig: „Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst" (Offenbarung 22,17). In Verbindung mit dem Wandel des Gläubigen ist „der Glaube eine Verwirklichung dessen, was man hofft, eine Überzeugung [der innere Beweis] von Dingen, die man nicht sieht" (Hebräer 11,1).

Aber „der Glaube" stellt auch das dar, was geglaubt wird: die ganze Offenbarung Gottes, sowohl im Alten wie im Neuen Testament, deren Mittelpunkt Christus ist. Es handelt sich dabei um die Gesamtheit der Belehrungen, die sich auf Ihn selbst beziehen. Henri Rossier hat diese einmal „die Gesamtheit der gesegneten Wahrheiten, die dem Treuen anvertraut sind", genannt.

Wenn der Apostel nun in 1. Timotheus 1,5 von dem „ungeheuchelten Glauben" spricht, dann geht es beim Glauben um die Tatsache, dass geglaubt wird. Wenn es dagegen in 1. Timotheus 4,6 heißt, „auferzogen durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre", dann umfasst das die Gesamtheit der Offenbarung, die Gott uns gegeben hat. Aber beide Bedeutungen sind innerlich eng miteinander verbunden. Man kann nicht immer genau unterscheiden, ob sich ein Vers auf den Akt des Glaubens oder auf den Gegenstand des Glaubens bezieht. Denn was ist in Wirklichkeit das, was der Glaube aufnimmt, wenn nicht die göttliche Offenbarung? Die Belehrungen des Wortes Gottes können mit großer Genauigkeit unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden, aber ohne den Glauben, der sie als von Gott kommend annimmt, gewinnt man aus ihnen höchstens eine christliche Philosophie. Man kann also niemals „den Glauben bewahren" (1. Timotheus 1,19), ohne dass diese beiden Aspekte zusammen vorhanden sind.

a) Das Aufgeben des Glaubens

Die beiden Briefe enthalten zu diesem Thema verschiedene Ausdrücke, die sich jeweils auf ganz bestimmte Dinge beziehen und auch ihre jeweiligen Gründe haben.

In 1. Timotheus 1,6 sind einige „vom Glauben abgeirrt", um sich leerem Geschwätz zuzuwenden, wobei sie sich als Lehrer des Gesetzes ausgeben. Das ist die Vermischung von Judentum und Christentum, die dazu führt, dass man sich von der Einfalt gegen den Christus abwendet.

In 1. Timotheus 1,19 haben einige, „was den Glauben betrifft, Schiffbruch erlitten", weil sie ein gutes Gewissen von sich gestoßen haben. Der lebendige Glauben ist mit dem Verhalten und dem Wandel eng verbunden. Die drei Dinge, die der Apostel hier unterstreicht, ein „reines Herz, ein gutes Gewissen, ein ungeheuchelter Glaube" (1. Timotheus 1,5) sind untrennbar miteinander verknüpft. Wenn sich die ungerichteten Fehler anhäufen, dann stumpft das Gewissen ab. Das Schiff, das sich schon ein gutes Stück auf dem Meer des Lebens befindet, kann so Schiffbruch erleiden. Die Ursache des Unglücks liegt hier nicht in den Motiven und Überlegungen, sondern in den Trieben, Empfindungen und Fehlern, die die Gemeinschaft mit Gott behindern und zerstören.

In 1. Timotheus 4,1 heißt es, dass „einige von dem Glaube abfallen werden". Das ist die direkte Folge satanischen Einflusses - betrügerischer Geister, Lehren von Dämonen - die zu Verordnungen, Riten, Enthaltungen führen, die ein respektables Erscheinungsbild zur Folge haben, das jedoch nichts mit dem ungeheuchelten Glauben an den Herrn Jesus zu tun hat. In unseren Tagen wird das Gewissen abgestumpft durch den Einfluss der östlichen Religionen, den Spiritismus oder das degenerierte Christentum, das in mehr oder weniger starke asketische Verordnungen und Enthaltung von Dingen führt, weg vom wahren christlichen Glauben.

1. Timotheus 5,8 stellt uns einen in seinem Kontext unerwarteten Ausdruck vor: „den Glauben verleugnen". Welchen Grund gibt es dafür? Man hat sich nicht um seine Familie und insbesondere seine Eltern gekümmert. Damit wird der christliche Glaube in Frage gestellt, da der Glaube dazu aufruft, zunächst in bezug auf das eigenen Haus Gottseligkeit zu üben. Wir tun dies, indem wir unseren Eltern die Fürsorge erweisen, die wir selber von ihnen genossen haben. Welch einen Gegensatz stellt das zu den so unheilvollen Ideen der heutigen Zeit dar, in der es heißt, dass die Kinder, die nicht verlangt hätten, geboren zu werden, überhaupt keine Verpflichtung in bezug auf ihre Eltern besäßen. Diese Gedanken sind in vollständigem Widerspruch zu dem Wort Dessen, der in Seiner Gnade gläubigen Eltern gerne Kinder anvertraut, damit sie diese für den Herrn Jesus aufziehen (nicht von selbst „wachsen lassen"!), und sie auf den Weg des Glaubens führen.

Die Kinder ihrerseits sind zur Dankbarkeit gegen ihre Eltern aufgerufen, ganz besonders, wenn Witwenstand, Krankheiten und das Alter sie noch abhängiger von der Pflege gemacht haben, als sie überhaupt annehmen wollen (können???). „Ehre deinen Vater und deine Mutter, auf dass es dir wohl ergehe", lesen wir in Epheser 6,2-3. Es ist vollkommen nach den Gedanken Gottes, dass der Mann mit der Hochzeit „seinen Vater und seine Mutter verlässt und seiner Frau anhängt" (Epheser 5,31). Damit bildet sich eine neue Familie, für die der Ehemann in erster Linie die Verantwortung trägt, sie zu nähren und pflegen. Dies aber verhindert in keiner Weise die Zuneigung und die Dankbarkeit gegenüber denjenigen, die uns während unserer Jugendzeit aufgezogen und genährt haben.

In 1. Timotheus 6,10 sind einige „von dem Glauben abgeirrt". Die Geldliebe, der leidenschaftliche Wille, materielle Güter zu erwerben, und der Einfluss des Wohlstands, der unsere Zeit und Umgebung kennzeichnet, können zu jeder Art des Bösen und der Schmerzen führen. Das sind die Dornen im Gleichnis, „und die Sorgen der Welt und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen kommen hinein und ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht" (Markus 4,19). Es geht nicht darum, dass wir faul oder nachlässig sein sollten in unserer Arbeit. Vor allem in den Sprüchen wird der Fleiß empfohlen. So kann Gott zulassen, dass es als Ergebnis einen mehr oder weniger großen materiellen Überfluss gibt. Von daher folgt die Ermahnung in unserem Kapitel (Verse 17-19), „nicht auf die Ungewissheit des Reichtums Hoffnung zu setzen, sondern auf Gott, der uns alles reichlich darreicht zum Genuss", vor allem aber „Gutes zu tun, reich zu sein an guten Werken, freigebig zu sein, mitteilsam, indem sie sich selbst eine gute Grundlage für die Zukunft sammeln, damit sie das wirkliche Leben ergreifen." Die ganze Macht und Gnade Gottes sind nötig, um uns in diesen Bereich zu leiten (Markus 10,23-27).

In 1. Timotheus 6,21 lesen wir, dass einige „vom Glauben abgeirrt" sind, indem sie sich zu der „fälschlich sogenannten Kenntnis" bekennen. Was muss man unter diesem Ausdruck verstehen? Offenbar das, was Kolosser 2,18 mit dem Satz ausdrückt, „indem er auf Dinge eingeht, die er nicht gesehen hat". Das wurde später die „Gnosis", die schon im Keim in den unnützen Spekulationen über die Engel, ihre Entstehung und das Jenseits enthalten war, kurz über alles, was Gott nicht für gut befunden hat, uns zu offenbaren. Lasst uns daraus für uns die Lehre ziehen, in die Gedanken Gottes einzugehen, so wie sie uns in Seinem Wort mitgeteilt sind, und zwar in Seinem ganzen Wort. Aber lasst uns nicht unter dem Vorwand der Erkenntnis den Vorhang von Dingen zu lüften suchen, die Er nicht für gut befunden hat, uns zu offenbaren oder näher zu erklären.

Lasst uns im Vorbeigehen kurz bemerken, dass unser Vers nicht wissenschaftliche Erkenntnisse oder Untersuchungen im Blick hat. Die göttliche Offenbarung auf der einen Seite und die menschliche Intelligenz auf der anderen Seite, so wie Gott sie ihm in bezug auf die Entdeckung von Naturphänomenen gegeben hat, sind zwei parallele Bereiche, die sich nicht gegeneinander ausspielen lassen oder im Widerspruch zueinander stehen. Wenn unsere derzeitigen Kenntnisse über das Geschaffene ein gutes Stück über diejenigen unserer Vorfahren hinausgehen, dann sind sie zweifellos noch außerordentlich schwach in bezug auf alles, was ist und was die Wissenschaft Stück für Stück enthüllt, um es für die unterschiedlichsten Ziele zu benutzen, leider bei weitem nicht immer zum Guten! An uns aber ist es, darüber zu wachen, nicht in bezug auf die Bibel Dinge zu behaupten, die sie nicht sagt. Sie ist weder ein Geschichtsbuch noch ein wissenschaftliches Werk, sondern die Offenbarung Gottes, die sich um Christus selbst rankt.

In 2. Timotheus 2,18 finden wir nun einen Zustand, der besonders schwerwiegend ist. Diejenigen, die selber von der Wahrheit abgeirrt sind, „zerstören den Glauben einiger". Sie beginnen mit ungöttlichen, leeren Geschwätzen, stellen verschiedene Wahrheiten in Zweifel. In diesem Fall stiften sie Verwirrung durch die Vermischung der Auferstehung der Seele und der des Leibes. Dann aber geht ihre Lehre noch viel weiter, und sie frisst um sich „wie ein Krebsgeschwür". Man nimmt in sich Stück für Stück neuartige Ideen auf; man stellt Fragezeichen hinter empfangene Wahrheiten... und plötzlich, infolge des inneren Untergrabens, stürzt das Gebäude des Glaubens zusammen: der Glaube wird zerstört. Was kann man in einem solchen Fall tun? Der Apostel ist hier sehr kategorisch: „vermeiden, ...abstehen,... sich reinigen,... fliehen, ... die törichten und ungereimten Streitfragen aber weise ab,... ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten".

2. Timotheus 3,8 schließlich stellt uns einen Ausdruck vor, der die schweren Zeiten der letzten Tage kennzeichnet: „unbewährt hinsichtlich des Glaubens". Die ganze Lehre, der ganze Einfluss, die ganze christliche Wirklichkeit sind aufgegeben worden. Es mag eine Form der Gottseligkeit übriggeblieben sein, aber ohne Kraft. Man sucht sein eigenes Vergnügen auf Kosten anderer. Man möchte das Leben in der Gegenwart genießen. Die natürliche Liebe verschwindet und die Eltern zählen nur noch wenig. Man sucht die Befriedigung der Lüste, und wenn die gewöhnlichen, verderbten Quellen nicht mehr ausreichen, dann fügt man künstliche hinzu. Alles das, was christlich ist, wird vollständig über Bord geworfen: „Ihr Unverstand wird allen offenbar werden."

b) Wie kann man „den Glauben bewahren"?

Der Apostel wendet sich an Timotheus als an sein „echtes Kind im Glauben" (1. Timotheus 1,2). Er war also von Neuem geboren. Er hatte diesen „ungeheuchelten Glauben in sich, den der Apostel auf Anhieb festgestellt hatte (2. Timotheus 1,5) " und der die Grundlage für alles ist.

Ein junger Mensch, der durch den Glauben ein Kind Gottes geworden ist, hat nötig, von den Worten des Glaubens und der guten Lehre genährt zu werden (1. Timotheus 4,16). Man kann kein „guter Diener Christi Jesu" sein, wenn man sich nicht von seiner Jugend an und während des ganzen Lebens an diese unverzichtbare Nahrung gewöhnt hat. Der Apostel sagt daher auch: „Bedenke dies sorgfältig; lebe darin, damit deine Fortschritte allen offenbar seien" (Vers 15). In dem zweiten Brief fügt er hinzu: „Bedenke, was ich sage; denn der Herr wird dir Verständnis geben in allen Dingen" (2,7). Es bedarf der Anstrengung, einer anhaltenden Energie, um die inspirierten Briefe des Apostels zu „bedenken", oder wie es in den Sprüchen heißt, „Weisheit zu erwerben". Aber diese Anstrengung wäre vergebens, wenn der Herr nicht das nötige Verständnis schenkte. Salomo sagt das in diesen Worten: „Der HERR schenkt Weisheit." Auf der einen Seite heißt es also, zu „kaufen", auf der anderen, zu „empfangen". Das eine geht nicht ohne das andere. Der Herr gibt. Aber das ist überhaupt kein Grund, nicht zu erwerben. Ohne Ihn allerdings zu erwerben, würde nur zu nutzloser Erkenntnis führen.

Es ist unsere Aufgabe zu erwerben, zugleich aber in dem zu bleiben, was wir gelernt haben und wovon wir völlig überzeugt sind (2. Timotheus 3,14). Es geht darum, dies nicht wieder loszulassen, sondern zu vertiefen, indem wir uns daran erinnern, dass „alle Schrift von Gott eingegeben und nützlich ist zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit" (2. Timotheus 3,16). Unsere Vorfahren werden nach und nach zu dem Herrn gerufen: wenn Er nicht kommt, dann wird eine neue Generation die Verantwortung haben, die empfangenen Schätze an andere weiterzugeben. Wie soll sie das tun können, wenn sie nicht selbst genährt worden ist und in den Dingen geblieben ist, die die Schrift ihr offenbart hat?

Schließlich ermahnt Paulus den Timotheus, dem Glauben nachzustreben (1. Timotheus 6,11). Petrus unterstreicht das, indem er die Gläubigen ermahnt, ihrem Glauben die Tugend zuzufügen, und in der Tugend die Erkenntnis etc. (2. Petrus 1,5). Dieses Nachstreben beinhaltet Energie, Ausdauer und tiefen Wunsch. „Ergreife das ewige Leben", sagt der Apostel. Lass dir nicht wegnehmen, was du empfangen hast; dass doch in dir Wachstum zu finden sei in der Gnade und der Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes, Jesus Christus.

c) Bewahren

1. Timotheus 1,19 hat den Akzent auf das Bewahren des Glaubens gelegt. In Kapitel 6,13-14 sagt der Apostel: „Ich gebiete dir vor Gott, ... dass du das Gebot unbefleckt, unsträflich bewahrst bis zur Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus." Mit der ganzen Würde apostolischer Autorität gibt Paulus ein Gebot. Die göttliche Offenbarung, die uns anvertraut ist, ist in dieser Hinsicht ein „Gebot". Es ist vor allen Dingen wichtig, das Gebot unbefleckt zu erhalten, selbst wenn man nicht alles versteht, erkennt oder erklären kann. Wenn uns (persönlich) die Schrift nicht in allem ganz klar ist, dann lasst uns nicht ihrerhalb einen Zweifel hegen, sondern darauf warten, dass Gott uns Seine Gedanken erkennen und verstehen lässt. Zweifellos bringt uns das Wort Freude und Trost (Römer 15,4), aber es ist auch mit aller Autorität des Herrn bekleidet und fordert unseren Gehorsam.

Im zweiten Brief unterstreicht der Apostel die Wichtigkeit, „das schöne anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt", zu bewahren. Er hatte Timotheus gerade empfohlen, das Bild gesunder Worte festzuhalten, die er von Paulus gehört hatte. Dieses „Bild" hat für uns die inspirierte Gestalt der Briefe des Apostels angenommen, der das Wort Gottes vollendet hat (Kolosser 1,25). Die apostolische Autorität soll den nachfolgenden Generationen mit Fürsorge und in Treue weitergegeben werden. Wenn die Belehrenden vom Herrn heimgerufen worden sind, sollen die einst jüngeren ihren Platz einnehmen und die dann jungen, die nach ihnen kommen, belehren (2. Timotheus 2,2). Gedächtnis und selbst Intelligenz reichen dafür nicht aus. Der Heilige Geist, der in uns wohnt, allein kann uns schenken, dieses schöne Gut in einer lebendigen und wirksamen Weise weiterzugeben.

Der Apostel schließt seinen ersten Brief mit der nachdrücklichen Ermahnung: „O Timotheus, bewahre das anvertraute Gut" (6,20). Auch nach den vielen Jahrhunderten richtet sich die gleiche Stimme in dem Bewusstsein an uns, dass das, was uns anvertraut wurde, die Gesamtheit der göttlichen Offenbarungen ist. Als der Apostel seinen Abschied nahen sieht, kann er sagen: „Ich habe den Glauben bewahrt" (2. Timotheus 4,7). Welch ein Zeugnis, wenn man bis zum Ende eines Lebens als Apostel oder auch einfacher Gläubiger nicht müde geworden ist, sich nicht vom Glaubensweg hat abbringen oder fortreißen lassen, wenn man keinen Schiffbruch erlitten hat, nicht die geistliche Wirklichkeit aufgegeben hat, sondern ganz einfach in der Gemeinschaft mit dem Herrn den „Glauben bewahrt hat"!

Timotheus würde alleine übrig bleiben, ohne die Stütze, die ihn während 16 Jahren auf dem Weg des Glaubens begleitet hatte, auf dem ihm viele Leiden und Gründe zur Entmutigung begegnet waren. Was würde nun ihn zukommen? Was wäre seine Hilfsquelle in dem Trubel der Gedanken, den die Umstände und der Feind in seinem Geist aufkommen lassen würden? Derjenige, der sich dem Apostel auf dem Weg nach Damaskus offenbart und ihn durch die Vision in dem Tempel zu den Nationen gesandt hatte, der sich während seiner Gefangenschaft in Jerusalem nahe bei ihm aufgehalten hatte, um ihn zu ermuntern, guten Mut zu haben, dieser treue Herr, der so nah war und ihn bei seiner letzten Verantwortung gestärkt und aus jedem bösen Werk retten würde... dieser gleiche Freund, den er schon lange kannte, „der Herr Jesus Christus sei mit deinem Geist" (2. Timotheus 4,22). Höchster Wunsch, letzte Worte eines Mannes, für den das Leben Christus gewesen war.

2. Der Wandel

Der Wandel eines Christen hängt nicht von äußeren Vorschriften ab, die es zu beobachten gilt, sondern von einem inneren Leben, das sich dadurch äußert, dass es für Gott gelebt wird. Das ist die Belehrung von Römer 12,2: „Seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes." Der Apostel sagt hier nicht: Seid nicht gleichförmig dieser Welt und geht nicht in den Zirkus oder zu diesem heidnischen Fest, zieht nicht dieses unpassende Kleidungsstück an. Nein, er sagt vielmehr, „werdet verwandelt durch die Erneuerung eueres Sinnes". Der Sinn ist das innere Sein des Menschen, die Quelle der Gedanken. Seine Umwandlung wird durch die Erneuerung der neuen Geburt unter der Wirksamkeit des Geistes Gottes erzielt. In einer Hinsicht geschieht dies ein für allemal; aber es geschieht ebenso „Tag für Tag" (2. Korinther 4,16) - und zeigt sich auch äußerlich, in Worten und im Wandel, die Gott gemäß sind.

a) Die Gottseligkeit

„Übe dich aber zur Gottseligkeit" (1. Timotheus 4,7), sagt der Apostel zu Timotheus. Bevor er auf die Lehre achten sollte, sollte er auf sich selber acht haben (Vers 16).

Die Gottseligkeit äußert sich in den Beziehungen zu Gott, die durch Gottesfurcht und Vertrauen gekennzeichnet sind. Die Furcht bewahrt davor, Ihm zu missfallen; mehr noch, sie führt dazu, dass man sucht, Ihm zu gefallen, „indem ihr prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist" (Epheser 5,10). Das Vertrauen stützt sich auf einen Gott voller Gnade und Fürsorge für die Seinen, der auch die Macht hat, uns zu bewahren, ohne dass wir straucheln.

Die Gottseligkeit verlangt eine ständige Übung. Zwar ist die körperliche Ertüchtigung an ihrem Platz nicht unnütz; im Vergleich zur Gottesfurcht ist sie jedoch nur zu wenigem nütze. Diese dagegen besitzt die Verheißung des Lebens, und zwar des jetzigen und des zukünftigen (1. Timotheus 4,8). Das bedeutet, dass wir eine kostbare Gemeinschaft mit dem Herrn an jedem Tag unseres Lebens im Rahmen eines treuen Wandels genießen, indem wir nahe bei Ihm bleiben. Und diese glückselige Gemeinschaft werden wir auch in Ewigkeit genießen, wenn wir bei Ihm sein werden, der Seinen Verheißungen für unsere Zeit auf Erden treu geblieben sein wird.

Führt die Gottseligkeit zu einer steifen und traurigen Lebenshaltung? Ganz im Gegenteil! „Die Gottseligkeit mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn" (1. Timotheus 6,6). Um zufrieden zu sein, muss man „genüge haben". Der Apostel glaubt, dass man dies bereits sein kann, wenn „wir Nahrung und Bedeckung haben" (1. Tim. 6,8). Mit wie vielen Wohltaten überschüttet uns Gott darüber hinaus! Dass wir doch die Weisheit hätten, alle diese Dinge aus Seiner Hand mit Danksagung und Genügsamkeit entgegenzunehmen, ohne immer andere oder noch bessere Dinge zu wünschen - besser aus unserer eigenen Sicht! Die Gottseligkeit mit Genügsamkeit führt nicht dazu, immer mehr zu beanspruchen, oder sich gegen den Geber aufzulehnen, sondern das Empfangene wertzuschätzen. Die Freude und der Friede, die der Herr uns ins Herz gibt, spiegeln sich in einem Leben der Gottseligkeit wieder, ohne dadurch die Ernsthaftigkeit aufzuheben, die dem Wandel mit Christus geziemend ist.

Dieses Leben der Gottseligkeit können wir leicht verlieren. So sagt der Apostel auch, dass wir der Gottseligkeit nachstreben sollen (1. Timotheus 6,11). In 2. Petrus 1,5-6 fügt sie sich einer Liste von Dingen an, für welche aller Fleiß angewandt werden muss: Glaube, Tugend, Erkenntnis, Enthaltsamkeit, Ausharren. Und zu ihr muss dann auch noch die Bruderliebe hinzugefügt werden. In der Tat isoliert uns die Gottseligkeit - wohl von der Welt - aber nicht von den Brüdern im Herrn. Sie führt uns im Gegenteil zu denjenigen, die Ihn lieben und zu Seiner Ehre wandeln wollen.

b) Fliehe - Strebe nach!

In 1. Timotheus 6,11 haben wir die Ermahnung: „Fliehe diese Dinge." Welche? In dem Zusammenhang der Verse sind es die Streitfragen und Wortgezänke, die leeren Geschwätze; die Gefahr, aus der Gottseligkeit eine Quelle des Gewinns zu machen; und vor allem die Geldliebe, die eine Wurzel alles Bösen ist.

Aber es folgt auch eine damit in Beziehung stehende Aufforderung: „Strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut des Geistes". Die praktische Gerechtigkeit in unserem Verhalten anderen gegenüber; die Gottseligkeit in unserer Beziehung zu Gott; der Glaube und die Liebe, im Gegensatz zum zügellosen Streben nach materiellen Dingen; das Ausharren und die Sanftmut des Geistes, wodurch leere Geschwätze, Wortgezänke und bösartige Unterstellungen vermieden werden.

Ein Stück weiter besteht der Apostel noch einmal darauf, dass Timotheus die „ungöttlichen, leeren Geschwätze und Widersprüche der fälschlich sogenannten Kenntnis" fliehe. Diese Aufforderung wiederholt er noch einmal im zweiten Brief (2,16). Es handelt sich um eine Ermahnung, die Timotheus festhalten sollte, um nicht mit denen zu streiten, die falsche Lehren bringen, die von dem Wort Gottes abweichen: „Zeugen Jehovas", die die Gottheit Christi leugnen; „Mormonen", die ihr Buch der Bibel hinzufügen; „Christliche Wissenschaft", die nur den Namen als christliches Element hat; und unzählbare andere Philosophien heidnischen Ursprungs, die auf so rasante Weise in unsere Länder eindringen. Wir sollten, anstatt mit solchen Menschen zu sprechen, die Gelegenheiten suchen und wahrnehmen, wo wir wirklich eine Hilfe sein können, indem wir Christus bringen, was zur Auferbauung dient. Das Kind Gottes wird dazu aufgerufen, die intellektuellen Streitgespräche, die „ungöttlichen und leeren Geschwätze" und die „Streitfragen" sorgfältig zu vermeiden.

In 2. Timotheus 2,22 kommt der Apostel auf den Gedanken des „Fliehens" und „Nachstrebens" zurück. Er spricht davon, „die jugendlichen Begierden" zu fliehen und „nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden" zu streben, indem er an dieser Stelle hinzufügt, es zu tun „mit denen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen". Diese jugendlichen Begierden finden wir in 1. Johannes 2,15-16, die Lust der Augen, die Lust des Fleisches, der Hochmut des Lebens und die Liebe zur Welt. Die Begierde der Augen sucht das, was gut aussieht, die Eitelkeit äußerer Pracht in allen denkbaren Bereichen. Durch die Begierde des Fleisches wird die wunderbare Fähigkeit, die Gott dem Menschen gegeben hat, willentlich sein Leben fortzupflanzen, für eine verderbliche Befriedigung aus dem geziemenden Zusammenhang gerissen. Der Hochmut des Lebens treibt einen Menschen dazu, sich unablässig zu erheben, sowohl in geistlicher als in materieller Sphäre Hinsicht. Die Liebe zur Welt ist unvereinbar mit der Liebe des Vaters.

In einem anderen Sinn, den wir im Zusammenhang der Verse in 2. Timotheus 2 wohl sehen müssen, sind die jugendlichen Begierden alles das, was die Jugend in besonderer Weise charakterisiert, die Liebe zum Streitgespräch, die Sucht nach Neuem, das unüberlegte und ungezügelte Temperament, das aus der Ungeduld hervorkommt, sich behaupten zu wollen (2. Timotheus 2,16;17;23).

Das Streben nach Gerechtigkeit steht hier im Gegensatz zur Ungerechtigkeit in Vers 19, d.h. zu dem, was in den Augen Gottes nicht gerecht ist und somit im Gegensatz zu Seinem offenbarten Willen steht. Der Glaube, die Liebe und der Frieden sind die Folge davon, damit wir zusammen „mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen" wandeln können. Der Christ, der sich von dem Bösen zurückzieht, ist nicht dazu aufgerufen, alleine den Weg zu gehen. In dem Bewusstsein, durch den Heiligen Geist mit den vom Herrn Erkauften verbunden zu sein, wird er die Freude haben, ein Zusammenkommen um Ihn, der als Herr anerkannt wird, zu kennen bzw. kennen zu lernen. Und dort wird er zusammen mit denen, die Ihn aus reinem Herzen anrufen, alle Anstrengung unternehmen, um sich demütig Seinem Wort zu unterwerfen.

Es gibt noch zwei weitere Ermahnungen, die auf einem solchen Weg im Gedächtnis zu halten sind: „Beharre" (1. Timotheus 4,16); es ist so leicht, auf dem Weg zu ermüden, nachdem man gut begonnen hat; und „sei nüchtern" (2. Timotheus 4,5), Nüchternheit und Besonnenheit, was sich nicht nur auf das Essen oder Trinken bezieht, sondern auch auf Selbstdisziplin in allen denkbaren Bereichen, um ausgewogen zu sein, wozu der Christ in der Abhängigkeit vom Herrn aufgerufen ist.

c) Ein Vorbild sein

Timotheus ist von Paulus aufgerufen worden, in der großen Versammlung in Ephesus zu lehren und zu ermahnen (1. Tim. 6,2), viele Dinge an ihren richtigen Platz zu stellen. Vor allem aber sollte er „ein Vorbild der Gläubigen in Wort, in Wandel, in Liebe, in Glauben, in Keuschheit“ (1. Timotheus 4,12) sein. Der Apostel selbst hatte in 2. Korinther 6,6-7 in dieser Hinsicht ein Beispiel hinterlassen, sich „in allem als Gottes Diener“ erweisend, „in Reinheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Güte, im Heiligen Geist, in ungeheuchelter Liebe, im Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes; durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken“. Timotheus wird zuerst dazu ermahnt, ein Vorbild im Wort zu sein. Unüberlegte und leichtsinnige Äußerungen, übereilte oder deplazierte Worte können so leicht den Dienst eines Dieners Gottes beflecken. Wachsamkeit im Wandel, verbunden mit Liebe, Glauben und Reinheit gibt dem Diener eine moralische Autorität, ohne die die beste Belehrung ihren Wert verliert.

Und dennoch war Timotheus jung: „Niemand verachte deine Jugend“ (1. Timotheus 4,12). Er war jung in bezug auf das so wichtige Amt, das ihm anvertraut war. Paulus war während seiner zweiten Missionsreise ungefähr im Jahr 49/50 in Lystra vorbeigekommen. Seinen ersten Brief schrieb er wohl um 63/64. Wenn Timotheus zwischen 20 und 25 Jahren alt war, als er berufen wurde, dann war er weniger als 40 Jahre alt , als er den Brief des Apostels empfing. Von daher die Wichtigkeit eines Verhaltens, das Timotheus bei denen empfahl, die er belehren sollte: „Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre“ (Vers 16). J.N. Darby[1] hat dazu einmal vermerkt: „Es war nötig, dass er durch seinen Wandel das Gewicht erwarb, das ihm seine Lebensjahre noch nicht gaben.“

Christus ist unser vollkommenes Vorbild (1. Petrus 2,21; Johannes 13,15). Aber diejenigen, die Ihm nachfolgen, ein Paulus in Philipper 3,17, und diejenigen, „die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt“, üben einen nicht zu leugnenden Einfluss für ihren Herrn auf die Umgebung aus. Die Ältesten in 1. Petrus 5,3 sind nicht dazu aufgerufen, zu herrschen, sondern Vorbilder der Herde zu sein.

Mit welcher Dankbarkeit dürfen wir uns solcher Führer erinnern, die uns zur Hilfe waren - von Anfang an und während unseres ganzen christlichen Wandels. Ihr Beispiel und ihr moralischer Einfluss, ihre Frömmigkeit, ihre Freude im Herrn, hatten für uns ein mindestens so großes Gewicht wie die Ermahnungen, die sie uns mitgeben sollten.

d) Die Hilfsquellen

Wenn Timotheus auch genügend Gegenstände der Entmutigung umgaben, so zeigt der Apostel ihm doch in seinem zweiten Brief in ganz besonderer Weise drei Hilfsquellen auf, die immer noch aktuell sind.

„Befleißige dich, dich selbst Gott als bewährt darzustellen“ (2,15). Im Bewusstsein seines relativ jungen Alters hätte Timotheus doch ganz besonders eine Stütze in der Zustimmung der Brüder suchen können. Es ist zweifellos gut, wenn der Herr es so führt, die Ratschläge der in dem Weg des Glaubens erfahreneren Brüder zu Herzen zu nehmen. Aber vor allen Dingen ist derjenige, der Christus dienen möchte, dazu aufgerufen, „sich selbst Gott als bewährt darzustellen“. Dies verlangt vielleicht eine lange Erfahrung im Gebet und Nachsinnen in der Gegenwart des Herrn. Auf der anderen Seite gilt in bezug auf den Dienst, wie auch J.N. Darby einmal sagte: „Seit dem Augenblick, an dem uns Gott Seinen Willen offenbart hat, dürfen wir keinem anderen Einfluss, der plötzlich aufkommt, erlauben, den Willen Gottes wieder in Frage zu stellen, selbst wenn dieser Einfluss die Form des Wortes Gottes anzunehmen scheint. Wenn wir in unserem moralischen Zustand näher beim Herrn wären, dann spürten wir, dass der einzig rechte und wahre Weg derjenige ist, die Richtung zu verfolgen, die er uns zunächst gezeigt hat.“

„Sei stark in der Gnade“ (2,1). Gott handelt mit uns als der Gott aller Gnade.[2] Diese Gnade ist in Christus Jesus. Wenn man Seine Gemeinschaft sucht und „wächst in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ (2. Petrus 3,18), wird man gestärkt.

Schließlich: „Halte im Gedächtnis Jesus Christus, auferweckt aus den Toten“ (2,8). Zweifellos erinnern wir uns mit Dankbarkeit und Anbetung eines für uns gestorbenen Heilandes. Wir sollen ständig sein Fleisch essen und sein Blut trinken (Johannes 6,56). Besser noch ist aber, welch großartiges Vorrecht, heute einen lebendigen Christus anzuschauen, der unser Hoherpriester bei Gott „nach der Kraft eines unauflöslichen Lebens“ ist (Hebräer 7,16). So „vermag Er auch völlig [bis zur Vollendung] zu erretten, die durch Ihn Gott nahen, indem Er immerdar lebt, um sich für uns zu verwenden“ (Hebräer 7,25). Seine Auferstehung war das göttliche Siegel, das auf Sein Werk gesetzt wurde. Durch sie ist er erwiesen worden „als Sohn Gottes in Kraft“ (Römer 1,4).

Hebe Deine Augen auf zum Auferstandnen
Blicke hin zu Seinem herrlich Angesicht
dann siehst Du die Dinge dieser Welt
nur in Seinem Licht.
Dann gehört die Erde nur zu dem Vergangnen
und Du hast eine vollkommen andre Sicht!
Hast Du schon in dieser Zeit gewählt
dieses Angesicht?

3. Der Dienst

Das Thema des Dienstes belegt einen großen Platz in den zwei Briefen an Timotheus. Es mag verfrüht erscheinen, diesen Gegenstand jungen Gläubigen vorzustellen. Und dennoch wissen wir, dass wenn der Herr noch nicht kommt, Er nach und nach diejenigen zu sich nimmt, die diese Aufgabe zur Zeit wahrnehmen: Dann sind die jüngeren Brüder dazu aufgerufen, diesen Dienst nach und nach und in dem Maß, wie Gott sie darin führt, auf die eine oder andere Weise auszuführen.

Die Ermahnungen, die Paulus in dieser Hinsicht an Timotheus richtet, sind durch und durch von der Situation geprägt, in der sich der Apostel und die Versammlung damals befanden. Die Zeit des Abschieds von Paulus war gekommen; der Niedergang machte sich in den Versammlungen breit. Was blieb noch? Vor allem anderen die heiligen Schriften! Der Diener predigt das Wort, indem er in ihnen gegründet ist. „Er stützt sich auf die Schrift, die für alle Autorität ist und das legitimiert, was er sagt. Sie verleiht somit seinen Worten die Autorität Gottes über das Gewissen derjenigen, die er ermahnt und belehrt“ (J.N. Darby).

a) Die Belehrung

Diese wird in erster Linie gegenüber Gläubigen ausgeübt. Das Evangelium richtet sich an Ungläubige, die lehrmäßige Belehrung des Wortes kann jedoch nur von denen verstanden werden, die den Heiligen Geist besitzen. „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird; der geistliche aber beurteilt alles“ (1. Korinther 2,14-15). Es bedarf somit der Tätigkeit des Geistes sowohl für das Lehren als auch für das Empfangen dessen, was vorgestellt wird.

Timotheus sollte „acht haben auf die Lehre“ (1. Timotheus 4,16). Der Apostel lädt ihn ein, diese Dinge den Brüder „vorzustellen“ (Vers 6), zu „gebieten“ und zu „lehren“ (Vers 11). Drei Handlungen charakterisierten ganz besonders seinen Dienst: das Lesen, die Ermahnung, das Belehren.

Das öffentliche Lesen hatte in dieser Zeit eine ganz wichtige Bedeutung, da es damals viele gab, die nicht lesen konnten. Das einfache Lesen eines geeigneten Abschnittes des Wortes Gottes in einer Versammlung mit lauter Stimme kann ein großer Segen sein und das geistliche Niveau einer Gebetszusammenkunft oder des Zusammenkommens, um Brot zu brechen, anheben.

Die Ermahnung ist vorzugsweise die Aufgabe des „Propheten“, der „zur Erbauung und Ermahnung und Tröstung“ (1. Korinther 14,3) redet. Es ist das normale Vorstellen des Wortes, um aufzuerbauen, zu nähren, zu ermutigen und geschieht im Bewusstsein, dass dadurch die gegenwärtigen Bedürfnisse gestillt werden.

Aber auch die lehrmäßige Belehrung hat ihren Platz. Sie gibt die Grundlage und die Ausrichtung vor. Die Kehatiter im Alten Testament hatten die Aufgabe, die heiligen Geräte des Zeltes der Zusammenkunft zu tragen (4. Mose 4,15): das ist der Dienst, der in erster Linie die Person Christi vorstellt. Die Merariter hatten die Aufsicht über die Bretter, die Riegel, die Säulen und ihre Füße (4. Mose 4,31), das heißt über den Aufbau und die Struktur des Hauses Gottes. Das ist genau die lehrmäßige Belehrung, die verhindert, dass man „von jedem Wind der Lehre hin und hergeworfen und umhergetrieben“ wird (Epheser 4,14). Den Gersonitern waren die Decken des Heiligtums anvertraut, der Vorhang des Eingangs, die Umhänge des Vorhofs und den Vorhang vom Eingang des Tores und ihre Seile: alle Textilteile (4. Mose 4,25-26). Das zeigt uns im Vorbild vor allem die Stellung und die Vorrechte der Gläubigen in Christus, also den Dienst sowohl lehrmäßiger wie auch auferbauender Art.

Für jede Art des Dienstes, und ganz besonders für den Dienst des Wortes ist ein „Gnadengabe“ absolut notwendig (und nicht die Ausnahme! Vgl. 1. Petrus 4,10, wo von „jedem“ gesprochen wird). Timotheus besaß eine solche Gabe (1. Timotheus 4,14). Diese Gnadengaben werden in 1. Korinther 12,4 durch den Geist verliehen; in Epheser 4,11 durch den Herrn und in Römer 12,3-8 durch Gott selbst. Lasst uns neben vielen anderen Dingen in dieser zuletzt zitierten Passage die Vielfalt der Gaben beachten: den Dienst, die Lehre, die Ermahnung, das Geben, das Vorstehen und das Üben der Barmherzigkeit. Das Ausüben der Gnadengabe ist immer, auch beim „Gebieten“ (1. Timotheus 4,11), mit „Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben“ (1. Timotheus 1,5) verbunden.

Timotheus gehörte nicht zu denjenigen, zu denen die Offenbarung Gottes direkt und unmittelbar gekommen war, wie zu den Männern - Apostel oder auch andere Gläubige - derer sich Gott bedient hat, damit sie Sein Wort schreiben (1. Korinther 2). Er wurde dazu aufgerufen, in dem zu bleiben, „was du gelernt hast“, und das sollte er anderen anvertrauen. Die Wahrheiten, die er aus dem Mund des Apostels hören durfte, sind für uns in den Briefen des Paulus aufgezeichnet worden. Jeder Dienst, der heute ausgeübt wird, kann nur auf die Schrift selbst gegründet sein. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit“ (2. Timotheus 3,16). Sie nimmt einen wichtigen Platz in dem ganzen zweiten Brief an Timotheus: „Halte fest das Bild gesunder Worte, die du von mir gehört hast, in Glauben und Liebe, die in Christus Jesus sind“ (1,13); „Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Leuten an“ (2,2); „Dies bringe in Erinnerung...das Wort der Wahrheit“ recht teilend (2,14-15); „Predige das Wort... ermahne mit aller Langmut und Lehre“ (4,2).

Nur auf diese Art und Weise konnte Timotheus seinen Dienst [vollständig; diese Erweiterung finden wir im französischen] vollführen (4,5). Wir finden dafür ein schönes Beispiel in Kaleb, der dem HERRN während aller Jahre der Wüstenreise vollständig folgte, und auch während der Einnahme des Landes ausharrte. Er steht im Gegensatz zu Archippus, der in Kolosser 4,17 daran erinnert werden musste, „sieh auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst“.

Ein anderer unabdingbarer Aspekt der Belehrung ist, nicht zu streiten und die törichten Streitfragen sowie die Wortzänkereien zu vermeiden. Dazu gehört auch, Fabeln und gesetzliche Verordnungen abzulehnen: „Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein, lehrfähig, duldsam, der in Sanftmut die Widersacher zurechtweist, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit“ (2. Timotheus 2,24-25). Streitigkeiten zu vermeiden und die Wahrheit vorzustellen; das war es, worüber die Diener zu Beginn des letzten Jahrhunderts gewacht haben, ganz besonders in ihren Schriften, in denen sie Streitfragen häufig beiseite gelassen haben, um sich auf die wahre Lehre zu konzentrieren und die Wahrheit vorzustellen und die Seele zu erbauen. J. G. Bellett, einer der ersten, die zusammen mit J.N. Darby Anfang des letzten Jahrhunderts das Brot nach den Gedanken des Herrn brach, wurde seinerzeit mit verschiedenen Lehren konfrontiert, die die Person unseres Herrn Jesus angriffen. Er ließ sich damals nicht auf fruchtlose Debatten ein, sondern schrieb die zwei Büchlein, die nunmehr über Generationen hinweg unzählbare Herzen erwärmt haben: „Die moralische Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus als Mensch“ und „Der Sohn Gottes“.

b) Der Hirtendienst


Wie wir aus Hesekiel 34 lernen, besteht die Herde des Herrn nicht nur aus wohlgenährten und starken Schafen, die sehr schnell die Belehrungen des Wortes verstehen. Viele unter ihnen sind krank, verletzt oder verirrt. Der Hirte ist nun aufgerufen, dass Beispiel des großen Hirten nachzuahmen: „Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückführen, und das Verwundete will ich verbinden und das Kranke will ich stärken“ (Hesekiel 34,16).

Ein Bruder mag nicht die Gabe des Lehrers besitzen, ja nicht einmal das Wort Gottes öffentlich zur Auferbauung oder Tröstung verkünden; aber er hat vielleicht die Gabe des Hirten, die so wichtig in den Zusammenkünften der Gläubigen ist. So wird die Herde des Herrn nicht mit Härte und Strenge geführt, sondern den Bedürfnissen der Schwachen wird Genüge getan. Das natürliche Temperament ist entweder dasjenige eines Jägers oder eines Hirten. Der Jäger findet seine Befriedigung auf Kosten des Opfers, der Hirte gibt sich selber für die Herde auf. Aber, Gott sei Dank, kann Sein Geist und Sein Leben aus einem Jäger einen Hirten machen.

Timotheus besaß nicht nur eine Lehrgabe, er war auch zu dem Dienst des Hirten berufen: „Überführe, weise ernstlich zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre“ (2. Timotheus 4,2). Er hatte es mit ganz unterschiedlichen Klassen von Personen zu tun (1. Timotheus ,15): Die älteren Männer sollte er als Väter ermahnen, die jüngeren als Brüder, die älteren Frauen als Mütter, die jüngeren als Schwestern. Er hatte besondere Sorge zu tragen für die Witwen in den verschiedenen Schwierigkeiten, die durch ihre Situation aufkamen. In bezug auf Älteste sollte er auf der einen Seite wirkliche Wertschätzung üben, auf der anderen Seite jedoch auch standfest und unparteiisch sein. Bei denjenigen, die begehrten, im Dienst für den Herrn benutzt zu werden, sollte er nicht vorschnell handeln. Schließlich sollte er die besondere Stellung von Sklaven berücksichtigen, damit sie ein gutes Zeugnis für den Namen des Herrn abgaben.

So wurde also von ihm verlangt, auf ganz unterschiedliche Weise zu handeln: ernstlich zurechtweisen, aber nicht rücksichtslos, zu ermahnen, zu ehren, keine Anklage außer bei zwei oder drei Zeugen anzunehmen; niemanden zu bevorzugen. Und er sollte zugleich überzeugen und gebieten.
„Und wer ist dazu tüchtig?...als aus Gott, vor Gott, reden wir in Christus... nicht, dass wir von uns selbst aus tüchtig sind... unsere Tüchtigkeit ist von Gott“ (2. Korinther 2,16-3,5).

c) Entmutigung und Leiden
ENTMUTIGUNG

Timotheus war von Natur aus schüchtern. Auch seine Gesundheit war offensichtlich nicht sehr stark, wie wir aus seinem „häufigen Unwohlsein“ (1. Timotheus 5,23) schließen können. Der äußere Widerstand trat deutlich hervor und die Verfolgungen wurden schmerzhaft. Auch der innere Niedergang unter den Gläubigen zeigte sich, Unordnung offenbarte sich. Und vor allem war die Zeit des Abschiedes des Apostels gekommen. Es gab genug, weshalb man entmutigt sein konnte.

Schon im ersten Brief hatte der Apostel gesagt: „Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir“ (4,14). Dem entspricht auch die Ermahnung von 1. Petrus 4,10: „Je nachdem ein jeder eine Gnadengabe empfangen hat, dient einander damit als gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes.“ Jeder ist dazu eingeladen, die Gabe, die er durch die vielseitige Gnade Gottes empfangen durfte, zum Wohl anderer zu benutzen, anstatt sie zu „vernachlässigen“. Welche Segnungen gäbe es in den Versammlungen, wenn jeder, Bruder oder Schwester, sich zu Herzen nähme, der Gabe nachzukommen, die ihm oder ihr von Gott anvertraut worden ist!

In dem zweiten Brief scheint Timotheus noch mehr entmutigt worden zu sein, denn der Apostel muss ihn ermahnen, „die Gnadengabe Gottes anzufachen, die in dir ist“ (1,6). Es bestand die Gefahr, dass das Feuer ausging, die Flamme war kleiner geworden. Sie konnte wieder angefacht werden, nicht dadurch, dass er sich selbst einen Ruck gab, sondern nur durch die Tätigkeit des Geistes Gottes, diese Geistes „der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (1,8). Aus diesem Grund durfte sich Timotheus nicht des Zeugnisses des Herrn schämen, sondern musste Trübsal mit dem Evangelium leiden.

LEIDEN

Paulus verheimlicht vor Timotheus nicht die Leiden, die dieser übrigens auch gut kannte, und die ein Diener des Herrn erleiden muss.

Dazu gehört zunächst die Schmach (1. Timotheus 4,10); aber auch die Scham, in bezug auf welche Timotheus ermahnt wird, sich nicht des Zeugnisses des Herrn zu schämen. Der Apostel selbst sagt: „Ich schäme mich nicht, denn ich weiß, wem ich geglaubt habe“ (2. Timotheus 1,12). Jedenfalls hatte Paulus diese Verachtung und Entbehrung tief empfunden, die ein Diener Gottes zu erdulden hat, wie er es den Korinthern schreibt: „Bis zur jetzigen Stunde leiden wir sowohl Hunger als auch Durst und sind nackt und werden mit Fäusten geschlagen und haben keine bestimmte Wohnung und mühen uns ab, mit unseren eigenen Händen arbeitend. Geschmäht, segnen wir, verfolgt, dulden wir; gelästert, bitten wir; wie der Kehricht der Welt sind wir geworden, ein Abschaum aller bis jetzt“ (1. Korinther 4,11-13).

So versteht man die Ermahnung besser, die er mehrere Male seinem geliebten Kind mit auf den Weg gibt, an den Trübsalen des Evangeliums teilzunehmen (2. Timotheus 1,8; 2,3; 4,5). Paulus verheimlicht nicht - und Timotheus wusste das schon gut -, dass man in dem Dienst für den Herrn mit Widerstand, Unverständnis, Entbehrungen rechnen muss. Aber das alles war kein Grund zur Entmutigung. Im Gegenteil, der Apostel vergleicht einen Diener mit einem Soldaten, einem Kämpfer und einem Ackerbauer (2. Timotheus 2,4-6). Derjenige, der in den Krieg zieht, sollte sich nicht in die Beschäftigungen des Lebens verwickeln; derjenige, der in der Rennbahn kämpft, ist dazu aufgerufen, sich an die Regeln des Wettkampfes zu halten. Der Ackerbauer muss zuerst arbeiten, um die Früchte zu genießen. Das sind Beispiele von Energie, Selbstdisziplin und geduldiger Arbeit. Man kann eben auch rennen und kämpfen, ohne den Preis zu empfangen (1. Korinther 9,24-27). Ohne eine persönliche Selbstdisziplin könnte man „verwerflich“ (d.h. disqualifiziert) werden, und das um so mehr, wenn man dazu aufgerufen war, anderen zu predigen.

Der Apostel unterstreicht diesen Kampf, indem er ihn den Kampf des Glaubens nennt, an dem auch Timotheus aufgerufen war teilzunehmen (1. Timotheus 1,18; 6,12). Der Feind ist mächtig, aber „der, der in euch ist, ist größer als der, der in der Welt ist“ (1. Johannes 4,4). Paulus konnte so am Ende seines Wettlaufes mit Dankbarkeit sagen: „Ich habe den guten Kampf gekämpft“ (2. Timotheus 4,6).

Der Apostel hatte selbst ein Beispiel für das Ausharren in den verschiedenen Leiden gegeben. Welche Verfolgungen musste er doch bereits zu Beginn seines Reisedienstes auf sich nehmen (2. Timotheus 3,11-12). Und im Laufe seines Lebens bis zum Ende hatten die Leiden ihn begleitet, wie er den Korinthern bezeugt und auch im 2. Timotheusbrief vermerkt: „Ich leide Trübsal bis zu Fesseln wie ein Übeltäter“ (2,9). Und die Hinrichtung als Märtyrer wartete noch auf ihn.

Aber die äußeren Leiden waren nicht die einzigen, die er erdulden musste. Dazu kam noch, dass ihn unter anderem seine Genossen, seine Brüder verlassen hatten, „alle, die in Asien sind“ (1,15). Auch die Bosheit eines Alexanders (4,14), ohne von der Einsamkeit des greisen Apostels zu sprechen, lasteten schwer auf seinem Geist.

So verstehen wir die letzte Ermahnung an Timotheus: „Leide Trübsal“ (4,5). Es handelte sich dabei nicht einfach um eine vorübergehende schwierige Situation, sondern um ein Ausharren ohne Unterbrechung, während einer langen Erprobungszeit (vgl. z.B. Phil. 2,22).

Schon der Psalm 126 hatte die „Tränen“ unterstrichen, die jedes Sähen begleiten: „Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Er geht hin unter Weinen und trägt den Samen zur Aussaat; er kommt heim mit Jubel und trägt seine Garben“(Psalm 126,5-6). Hier hat uns der Herr Jesus selbst das vollkommene Beispiel gegeben. Wie viele Tränen finden wir auf Seinem Weg, wie viel Widerstand, wie viel Unverständnis, als Er den Samen zur Aussaat trug. So darf es auch nicht verwundern, dass diejenigen, die Ihm beim Säen nachfolgen, dies ebenfalls unter Tränen tun müssen. Innerer und äußerer Widerstand, Enttäuschungen und manchmal auch Einsamkeit sind da zu erleben. Aber auf die Tränen folgt die Ernte mit Jubel. Diesen Jubel dürfen die treuen Diener mit dem Herrn Jesus selbst teilen, der wiederkommen wird, aber es wird von Ihm allein hinzugefügt, „und trägt Seine Garben“: Das kann von keinem Erlösten gesagt werden, die Garben gehören Ihm, und Ihm allein.

d) Die Krone

Die Leiden mussten Christi Teil sein, die Herrlichkeiten folgten. „Wenn wir ausharren [mit-leiden], so werden wir auch mitherrschen“ (2. Timotheus 2,12). Paulus hatte schon den Rö-mern gesagt: „Wenn wir mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden“ (Römer 8,17). Das sind die Leiden im Dienst für den Herrn, aber auch diejenigen, welche wir in den ver-schiedenen Umständen unseres Lebens erleben. Von diesen konnte der Apostel sagen: „Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Trübsal bewirkt uns ein über jedes Maß hinaus gehendes, ewiges Gewicht von Herrlichkeit“ (2. Korinther 4,17).

Die Herrlichkeit ist die Folge der Leiden. Damit wird uns die Belohnung des treuen Dieners vorgestellt, in unseren Briefen in Form der Krone: „Fortan liegt mir bereit die Krone der Ge-rechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tag“ (2. Timotheus 4,8). Das ist die Krone der Gerechtigkeit, die dem Diener, der im Kampf des Glaubens hingebungsvoll gekämpft hat, geschenkt wird. Die Krone des Lebens gibt es für den Märtyrer, der „getreu bis zum Tod“ ist (Offenbarung 2,10). Die Krone der Herrlichkeit gibt es für die Ältesten, denen es am Herzen liegt, die Herde Gottes freiwillig und mit Demut zu hü-ten (1. Petrus 5,2-4).

Diese Krone kann man verlieren, wenn man nicht nach den Regeln gekämpft hat (2. Timo-theus 2,5; 1. Korinther 9,27). „Halte fest, was du hast, damit niemand deine Krone nehme!“ (Offenbarung 3,11).

Erinnern wir uns, dass für dieses Festhalten die persönliche Disziplin, von der wir in 1. Korin-ther 9,27 lesen, unabdingbar ist.

4. Die Wertschätzung von Paulus für Timotheus

Wir finden verstreut in den verschiedenen Briefen des Apostels immer wieder Aussagen, die die Wertschätzung und Zuneigung von Paulus für Timotheus ausdrücken.
Zunächst als Mitarbeiter im Werk des Herrn. In 1. Thessalonicher 3,2 heißt es: „Unseren Bru-der und Mitarbeiter Gottes in dem Evangelium des Christus“. Diesen Ausdruck finden wir in Römer 16,21 und in 1. Korinther 16,10 wieder. Dort heißt es: „Er arbeitet am Werk des Herrn wie auch ich.“ Welches Vorrecht war es doch, Mitarbeiter und Begleiter von Paulus zu sein! Ein Barnabas, ein Johannes Markus, ein Silas waren dies für eine Zeit gewesen, niemand je-doch so lange wie Timotheus.

Wir verstehen die Wertschätzung für ihn auch gut, die Paulus an die Korinther weitergibt: „Timotheus, der mein geliebtes und treues Kind ist in dem Herrn,... der wird euch an meine Wege erinnern, die in Christus sind, wie ich überall in jeder Versammlung lehre“ (1. Korin-ther 4,17). Trotz seiner Schüchternheit konnte Paulus auf Timotheus zählen, wenn es darum ging, mit ganzer Präzision die Korinther an die Belehrungen zu erinnern, die er ihnen gegeben hatte. Dieser Auftrag in Korinth war, wie wir schon gesehen haben, schwierig und heikel. Er bedurfte wegen der herrschenden Unordnung, der Parteiungen und der Ablehnung des Diens-tes des Paulus großen Taktgefühls.

Später konnte der Apostel über den jungen Mann an die Philipper schreiben: „Ich habe keinen Gleichgesinnten, der von Herzen für das Eure besorgt sein wird; ... Ihr kennt aber seine Be-währung, dass er, wie ein Kind dem Vater, mit mir gedient hat an dem Evangelium“ (Philip-per 2,20-22). „Die Sorge um alle Versammlungen“ drang täglich auf den Paulus ein (2. Ko-rinther 11,28). Timotheus teilte dieses tiefe Interesse. Als er der Bewährung ausgesetzt wurde, hatte er mit Paulus im Evangelium gedient, wie ein Kind seinem Vater dient. So konnte der Apostel von ihm und von Epaphroditus auch sagen: „Haltet solche in Ehren“ (Philipper 2,29)
Wenn Timotheus in verschiedenen Briefen von Paulus als Mitverfasser angegeben wird, dann heißt er einfach „der Bruder“ (2. Korinther 1,1; Kolosser 1,1; Philemon 1,1 etc.). Das ist die Demut eines jüngeren Dieners, der den Platz einnimmt, der ihm gebührt.

In unseren beiden Briefen zeigt der Apostel seine ganze Zuneigung gegenüber seinem „echten Kind im Glauben“ (1. Timotheus 1,2; 1,18; 2. Timotheus 1,2; 2,1). Er ist „ein guter Diener Christi Jesu, auferzogen durch die Worte des Glaubens“ (1. Timotheus 4,6), „ein guter Strei-ter Christi Jesu“ (2. Timotheus 2,3) und ein „Mensch Gottes“ (1. Timotheus 6,11), der als Ge-sandter Gottes und für Gott handelt.

Paulus konnte ihm auch sagen: „Du aber hast genau erkannt meine Lehre“, wie er ihn auch ermahnt, davon völlig überzeugt zu sein und seinen Dienst zu vollführen (2. Timotheus 3,10;14;4,5). Das „Du aber“ wird viermal wiederholt (1. Timotheus 6,11; 2. Timotheus 3,10;14; 4,5) und unterstreicht die Treue des Timotheus im Gegensatz zu allem, was ihn um-gab, eine Treue, auf die der Apostel bis zum Schluss setzte.

Paulus fügt hinzu: „Die Zeit meines Abscheidens ist gekommen“ (2. Timotheus 4,6). Er sagt gleichsam: Du wirst alleine übrig bleiben - ohne mich. Du weißt, was Dich erwartet. Aber derjenige, der mit mir während meines ganzen Glaubenslaufes gewesen ist, der Herr Jesus Christus, wird „mit deinem Geist“ sein (2. Timotheus 4,22).

Das Ende des Lebens von Paulus - Anhang

Das Wort Gottes klärt uns nicht über das Ende der Apostel auf, mit Ausnahme - fast beiläufig - von Jakobus und, aus ganz besonderen Gründen, des Märtyrers Stephanus. Es ist dennoch nicht uninteressant, das zu lesen, was man aus den Geschichtsbeschreibungen und der erhalte-nen Tradition rekonstruieren kann.

Nero verurteilte Paulus zum Tode. Normalerweise gab es eine Frist von 10 Tagen, die zwischen der Verurteilung und der Vollstreckung des Urteilsspruches eines römischen Bürgers lag. Aber man weiß, dass das kaiserliche Gericht weder an eine Gewohnheit noch an eine Prozedur, die eingehalten werden müsste, gebunden war. Daher kann das Urteil bei Paulus sofort vollstreckt worden sein. Der Kaiser selbst bestimmte den Tag und den Ort der Hinrichtung. Man weiß nicht, warum der Apostel bis nach Aquae Salviae, drei Meilen von Rom entfernt, in die Nähe des Ostischen Weges geführt wurde. Zu jener Zeit war das normale Instrument für die Todesstrafe nicht mehr das Beil, sondern das Schwert. Die ganze Angelegenheit wurde durch einen Offizier geleitet, und die Hinrichtung, die normalerweise durch einen „Spekulator“ durchgeführt wurde, der ein untergeordneter Unteroffizier war und schon in der republikanischen Zeit für diese Hinrichtungen erschien. Man trifft ihn in der kaiserlichen Armee wieder, wo er entweder Teil der Wache oder der Fremdenlegion war. Als der Apostel dann am Ort seines Märtyrertums angekommen war, blieb er aufrecht stehen, gen Osten (Orient) gewandt. Er betete lange, und während er sich bei diesem Gebet auf hebräisch mit dem Gott seiner Väter redete, hielt er dann seinen Kopf hin, ohne irgend etwas weiteres zu sagen. Die großartige Stimme, die der heidnischen Welt das Heil durch den Glauben an Christus verkündet hatte, schwieg nun. Aber durch das Lesen seiner Briefe kann jeder Christ sie noch heute hören und ist Nutznießer seines Wirkens.

Wahrscheinliche Chronologie

Jahr

zwischen 5 und 10:Geburt von Saulus, genannt Paulus, was wahrscheinlich sein römischer Name ist
36:Mord an Stephanus
36-39:Bekehrung von Saulus; Aufenthalt in Damaskus und Arabien
um 43:Barnabas sucht Saulus in Tarsus auf
45-49:1. Missionsreise
49:Zusammentreffen mit den Aposteln in Jerusalem
49-52 oder 53:2. Missionsreise, Berufung von Timotheus
51-52:Die Briefe an die Thessalonicher
53-58:3. Missionsreise
zwischen 54 und 56:Brief an die Galater
Anfang 55:1. Korintherbrief
57:2. Korintherbrief
58:Römerbrief
58-60:Rückkehr nach Jerusalem, Gefangennahme, Gefangenschaft in Cäseräa
Herbst 60 - Frühling 61:Reise nach Rom
61-63:Gefangenschaft in Rom; Briefe an Philemon, die Kolosser, die Epheser und die Philipper
63-66:Befreiung und mehrere Reisen; 1. Timotheusbrief, Brief an Titus
während 66:Neue Gefangennahme und Überführung nach Rom
Herbst 66:2. Brief an Timotheus
Anfang 67:Paulus’ Enthauptung

*******************

[1] J. N. Darby ist ein Bruder, der im letzten Jahrhundert gelebt hat, und der mit anderen die Wahrheit in bezug auf die Versammlung (Gemeinde, Kirche) des lebendigen Gottes wieder richtig aus der Schrift verstanden, gelehrt und praktiziert hat. Er war - menschlich gesprochen - maßgeblich an einer geistlichen Erweckung beteiligt, von der wir heute noch Nutzen ziehen dürfen. [Anmerkung der Übersetzer]

[2] Es gibt im englischen eine außerordentlich nützliche Broschüre von J.N. Darby, die folgendermaßen übersetzt werden kann: „Die wahre Gnade Gottes, in welcher wir stehen.“