12.04.2006Persönlicher Glaube

Fasten – eine aktuelle Praxis in Deutschland

Wer heute wie fastet ...

Heute erhielt ich eine Mail, in der es heißt, dass jeder vierte über 15-Jährige in Deutschland anlässlich der Fastenzeit gefastet habe. 18 % sogar aus religiösen Erwägungen heraus. De facto wird unter „fasten“ verstanden, weniger Alkohol, Nikotin, Mahlzeiten oder andere liebliche Genüsse zu beanspruchen. Also nicht, ganz darauf zu verzichten, sondern nur auf einen Teil davon. Als Fastenzeit werden die Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern verstanden.

11 % der Bevölkerung haben den Fleischkonsum eingeschränkt, 7 % den Alkoholgenuss, 2 % den Nikotinkonsum, 13 % haben sich in anderen Lebens- und Konsumbereichen zurückgehalten. Das hat das Institut für Demoskopie Allensbach herausgefunden.

Was bedeutet Fasten in der Bibel?

Was meint eigentlich der biblische Begriff „fasten“? Er bezeichnet den Verzicht auf Nahrung, schlicht das Hungern. Sicher nicht einfach das Verringern von Genüssen, wie hier von vielen Deutschen aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen praktiziert.

Interessant ist auch, dass es nach dem Kommen des Heiligen Geistes auf die Erde genau sieben Stellen im Neuen Testament gibt, die von diesem Fasten sprechen:

Fasten in der Apostelgeschichte und den Briefen

1. Apostelgeschichte 10,30. Dort sagt Kornelius von sich, als er noch kein Christ war: „Vor vier Tagen fastet ich bis zu dieser Stunde“ - also aß er offensichtlich wirklich nichts an diesem Tag.

2. Apostelgeschichte 13,2: „Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten“ - das sind wohl die vorher genannten fünf Diener Barnabas, Simeon, Luzius, Manaen und Saulus. Diese verzichteten wohl bewusst auf Nahrung, um in besonderer Weise den Willen des Herrn für ihren Dienst zu erfahren, denn es heißt dann, dass der Heilige Geist ihnen dann sagte, dass Barnabas und Saulus auf ihre erste Missionsreise gehen sollten.

3. Apostelgeschichte 13,3: „Da entließen sie sie, nachdem sie gefastet und gebetet und ihnen die Hände aufgelegt hatten.“ Es handelt sich um denselben Vorgang. Es ist auffallend, dass hier zwei äußere Handlungen - Fasten und Hände auflegen - mit der inneren Handlung, dem Beten verbunden werden. Wir kennen heute eigentlich genau zwei äußere Handlungen - die Taufe und das Brotbrechen.

4. Apostelgeschichte 14,23: „Als sie ihnen aber in jeder Versammlung Älteste erwählt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn an.“ Das ist das Ende der ersten Missionsreise, die in Apostelgeschichte 13 „begann“. In Antiochien (das ist ein andere als das von Apostelgeschichte 13,1) wurden von den Aposteln Älteste festgelegt, zugleich fasteten die Diener und beteten. Also auch hier werden zwei äußere Dinge - Fasten und Älteste anstellen - mit der inneren Handlung des Betens verbunden.

5. Apostelgeschichte 27,9: „Da aber viel Zeit verflossen und die Fahrt schon unsicher war, weil auch die Zeit des Fastens schon vorüber war ...“ Hier ist von der Fastenzeit die Rede, die zu der damaligen Zeremonie gehörte. Von einem konkreten Fasten wird nicht gesprochen.

6. 2. Korinther 6,5: „in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufständen, in Mühen, in Wachen, in Fasten.“ Hier ist das Fasten offensichtlich „aufgezwungen“. Paulus bekam offenbar öfter in seinen Dienstreisen nichts zu essen. Und damit konnte er umgehen.

7. 2. Korinther 11,27: „in Mühe und Beschwerde, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße.“ Der Zusammenhang an dieser Stelle macht deutlich, dass es wieder um ein aufgezwungenes Hungern geht. Die Umstände und die Feindschaft mancher Menschen brachten es mit sich, dass Paulus keine Speise erhielt.

Lehren aus den Vorkommen von Fasten im NT

Diese Zusammenstellung zeigt:

a) In den Briefen werden wir an keiner Stelle aufgefordert zu fasten. Die beiden Vorkommen, die vom Fasten sprechen, sind „Hungersnöte“, die Paulus erdulden musste. Er war dazu bereit. Ob wir so klaglos mit solchen Umständen umgehen würden?

b) Die Apostelgeschichte schildert uns eine Zeit des Übergangs. Nicht von ungefähr ist es gerade Paulus, der gefastet hat. Er war ein Jude - und für die Juden war Fasten eine wichtige Sache, auch eine wichtige Zeremonie. Aus diesen Stellen können wir nicht ableiten, dass es angebracht ist, heute zu fasten.

c) Das Fasten in dem Neuen Testament (und im Alten) mein einen konkreten Verzicht auf die Mahlzeiten. Es geht nicht einfach um eine Einschränkung auf vielleicht hohem Niveau! Und von Nikotin, Alkohol usw. ist ohnehin nicht die Rede!

d) Das Fasten ist in erster Linie eine jüdische Übung. Wir finden keine Aufforderung für uns Christen, daran teilzuhaben. Und wir finden auch nicht, dass Christen „gewohnheitsmäßig“ gefastet hätten.

e) Das Fasten geschah in der Apostelgeschichte oft in Verbindung mit einer anderen äußerlichen Handlung. Von diesen haben wir genau zwei bis heute: die Taufe und das Abendmahl. Äußere Handlungen hatten im Judentum ihren Wert. Im christlichen Glauben geht es in erster Linie um innere Haltungen und Gesinnungen.

Also kein Fasten?

Hat das Fasten uns denn dann nichts zu sagen? Natürlich ist es einerseits wahr, dass wir uns gesund ernähren sollen. Auch wir nehmen häufig zu viel zu uns. Das wollen wir bedenken. Aber das ist kein biblisches Fasten!

Ansonsten mag das häufigere Vorkommen von Fasten im Alten Testament folgende Bedeutung für uns haben: Äußerliche Handlungen im Alten Testament haben eine geistliche Anwendung auf unser Leben. Der Verzicht auf die Genüsse dieses Lebens - die „erlaubten“, also die irdischen, hilft uns, unseren Dienst vor dem Herrn zu erkennen, ihn in Entschiedenheit und mit Engagement auszuführen, und uns von diesem Weg nicht abbringen zu lassen.