31.01.2011 Dienst | 2. Könige

Jung und Alt – Elisa und Elia

Damit bereitet der künftige Prophet, der in Maleachi Elia genannt wird, das Kommen von Jesus Christus als König und Herrscher vor. Wir Christen, die wir an den Herrn Jesus glauben, werden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf der Erde, sondern bei dem Herrn Jesus im Himmel sein. Heißt das: Wir haben mit diesem Vers nichts zu tun? Durchaus!

Der Generationenkonflikt

Eine Untersuchung zeigt, dass die Hälfte aller jungen Deutschen zwischen 15 und 20 Jahren glaubt, dass sich Jung und Alt in Zukunft schlechter verstehen werden. Bei den jungen Erwachsenen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr liegt diese Zahl noch höher. Politiker stellen fest, dass es mit dem Verhältnis zwischen den Generationen nicht zum besten gestellt ist. Die zunehmende Sprachlosigkeit zwischen Jung und Alt müsse überwunden werden.

Wer könnte hier ein Beispiel geben, wenn nicht wahre Christen. Leider müssen auch wir zugeben, dass es Neid, Sprachlosigkeit und Unverständnis zwischen jüngeren und älteren Gläubigen gibt. Maleachi 4 macht deutlich, dass die erste Verantwortung bei den Älteren liegt, denn sie sollten die Wege und Gedanken des Herrn schon länger kennen. Damit werden jedoch wir, die wir jünger sind, nicht aus der Verantwortung entlassen, unser Teil zu einem gemeinschaftlichen und fruchtbaren Miteinander beizutragen.

Elisa und Elia - eine Gesinnung des Dienstes

In dem ersten Heft von "Folge mir nach"(1993) wurde auf Vorbilder für uns in der Bibel hingewiesen, wo ältere und jüngere Gläubige "Hand in Hand" dem Herrn dienten. Insbesondere stand dort das Verhältnis von Elia und Elisa im Vordergrund.

Die Beschreibung von Elisa, "der Wasser goss auf die Hände des Elia" (2. Kön. 3,11) ist besonders interessant. Elisa, der später großartige Wunder vollbringen würde, war sich nicht zu schade, den Dienst eines Sklaven an Elia zu vollbringen. Er goss ihm kühles Wasser auf die abgearbeiteten Hände, um ihn zu erfrischen. Wenn wir eine solch demütige Gesinnung hätten, dann gäbe es weniger Not zwischen Alt und Jung. Die Stationen des gemeinsamen Weges von Elisa und Elia, bevor dieser im Sturmwind in den Himmel aufgenommen wurde (2. Kön. 2,1-14), geben uns dazu interessante Anregungen.

Gilgal

Ausgangspunkt des gemeinsamen Weges von Elisa und Elia war Gilgal. Dort wurde das Volk Israel beschnitten (Jos. 4,19;5.2-9). In Kol. 2,11.12 heißt es dazu, "in dem [Christus] ihr auch beschnitten worden seid mit einer nicht mit Händen geschehenen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes des Fleisches, in der Beschneidung des Christus, mit ihm begraben in der Taufe". Das Wegschneiden eines Teils der Haut und des Fleisches des männlichen Israeliten ist ein Bild davon, dass unser ganzer alter Mensch mit Christus gekreuzigt und begraben worden ist. Er ist und bleibt für den Herrn vollständig unbrauchbar.

Dieses Bewusstsein ist Voraussetzung dafür, dass junge und alte Christen in Freude miteinander gehen und arbeiten können. Den alten Menschen, der sich durch Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden, Lüge, Unreinigkeit, Habsucht, böse Lust und so manche anderen Dinge auszeichnet (Kol. 3,5-9), haben wir ausgezogen. Er ist tot! An uns liegt es, das zu verwirklichen.

Bethel

Bethel ist der zweite Ort der Reise, der uns bereits im Leben Jakobs begegnet. Nachdem er vor Esau geflohen war, dem er das Erstgeburtsrecht geraubt hatte, übernachtete er an diesem Ort:

Gott begegnete ihm in göttlicher Barmherzigkeit und schenkt ihm anscheinend unglaubliche Verheißungen. Gott offenbart sich Jakob an diesem Ort.

Jakob begegnete Gott an diesem Ort: "Fürwahr, der HERR ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht!" (1. Mo. 28,17). Diese Begegnung mit Gott führt dazu, dass Jakob diesen Ort Bethel nennt, das heißt Haus Gottes.

Beide Erlebnisse sind wichtig. Wir haben nötig, dass Gott uns begegnet, aber auch wir müssen Gott begegnen. Das mag auf den ersten Blick das gleiche sein, stellt uns jedoch zwei unterschiedliche Blickrichtungen dar. Einmal sind wir passiv, das andere Mal aktiv. Wir haben die Offenbarung des Herrn nötig, und wir haben nötig, auf den Herrn zuzugehen. Wer täglich – zum Beispiel durch die morgendliche Andacht mit der Bibel – eine spezielle Botschaft des Herrn erhält, der wird aufgrund seiner Gnade und Treue in der Lage sein, gemäß diesen Gedanken auch zu leben.

Wir haben aber auch nötig, Ihm zu begegnen und mit Ihm zu reden. Nur so ist ein wirklicher Austausch möglich. Das erleben wir beispielsweise durch das Gebet, welches das Lesen des Wortes begleitet. Dann sind wir in der Lage, Christus nachzufolgen und Seine Gedanken zu verwirklichen. Und wir werden in bezug auf ältere Geschwister bereit sein, den unteren Weg zu gehen – und dann werden sie sich genötigt fühlen, jüngeren jede Unterstützung zukommen zu lassen.

Jericho

Der nächste Ort, den Elia und Elisa erreichten, war Jericho. Diese Stadt war die erste, die Israel nach der Auswanderung nach Kanaan mit einem grandiosen Sieg eroberte (Jos. 6). Jericho war eine Festung mit hohen Mauern und – menschlich gesprochen – uneinnehmbar. Man kann in Jericho vielleicht ein Bild der Macht Satans sehen, die dieser nicht nur auf der Erde und in dem Ungläubigen, sondern sogar im Himmel entfaltet. Haben wir in unserem persönlichen Leben Jericho schon erobert? Damit ist nicht die Bekehrung gemeint, sondern das Überwinden der Macht Satans in unserem geistlichen Leben als Gläubige, in dem der Teufel genauso Schaden anrichten will. Er möchte uns Angst vor der Zukunft einjagen, unsere Heilsgewissheit rauben, unser Vertrauen auf die Treue und Gnade Gottes zerstören. Und er wird uns immer wieder einreden, dass wir die älteren Gläubigen für unser geistliches Leben nicht brauchen. Aber ihre Fehler wird er besonders anschaulich vorstellen.

Ein zweiter Gedanke verbindet sich mit Jericho. Josua hatte einen Fluch über denjenigen ausgesprochen, der Jericho wieder aufbauen sollte: "Verflucht vor dem HERRN sei der Mann, der sich aufmachen und diese Stadt Jericho bauen wird! Mit seinem Erstgeborenen wird er ihren Grund legen, und mit seinem Jüngsten ihre Tore aufstellen" (Jos. 6,26). Genau das war kurz vor dem ersten öffentlichen Auftritt von Elia passiert (1. Kön. 16,34). Daher führte der Weg von Elia und Elisa nicht über Trümmer, sondern über eine zivilisierte Stadt. Hieraus lernen wir, dass wir die Lektion von Jericho nicht ein für allemal gelernt haben. Wir müssen ständig aufpassen, dass "unser Jericho" nicht wieder aus der Versenkung auftaucht.

Der Jordan

Zuletzt durchschreiten Elia und Elisa das Flussbett des Jordan. Der Jordan ist häufig als ein Fluss des Todes bezeichnet worden. Das liegt einerseits daran, dass er in das Tote Meer mündet und damit ganz buchstäblich einen Bezug zum Tod hat, denn im Toten Meer gibt es aufgrund des hohen Salzgehaltes kein lebendiges Tier. Andererseits kann man in dem Jordan geistlicherweise das Bild des Todes eines Gläubigen mit dem Herrn Jesus sehen. Dies ist mit den Erfahrungen des Volkes Israel zu erklären. Das Volk musste den Jordan überqueren, um in das Land Kanaan zu kommen. Gott schenkte dazu ein Wunder, indem die Wasser stehen blieben (Josua 3,16). Dadurch konnte das ganze Volk durch das Flussbett wandern und auf der Seite Kanaans wieder aus dem Jordan hinaus in das Land gehen. "Normalerweise" wäre das ganze Volk untergegangen – gestorben – wenn es unter "normalen" Umständen durch den Jordan gegangen wäre – tatsächlich aber schaffte Gott durch ein Wunder eine Rettung.

So ist es auch mit einem Gläubigen heute. Jeder, der himmlische Segnungen wie das ewige Leben, die Vergebung, den Besitz des Heiligen Geistes, etc. genießen möchte, muss den Tod Christi auf sein Leben anwenden. Da aber Christus bereits gestorben ist, stirbt der Gläubige nicht leibhaftig, sondern der Tod Christi ist auch sein Tod. Wir sind nach Kolosser 2,12 mit Christus begraben worden. "Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid..." (Kol. 2,20). Das ist es, was uns auch als Gläubige auszeichnen sollte.

Diese Lektion ist ganz besonders im Umgang untereinander, im Zusammenleben von Jung und Alt zu lernen. Jeder Gläubige hat seine Schwächen. Selbst bei den Aposteln Paulus und Petrus finden wir solche. Wieviel mehr haben wir uns selbst einzugestehen, dass wir Fehler und Schwächen haben und so manches mal durch persönliche Sünden andere beschweren. Aber auch uns selbst passiert es, dass wir mit Fehlern von anderen zu tun haben. Wie reagieren wir dann, gerade wenn es sich um ältere Gläubige handelt?

In Philipper 2,3 heißt es, "in der Demut einer den anderen höher achtend als sich selbst". Das können wir nur tun, wenn wir in dem anderen eine Person sehen, die von dem Herrn geliebt wird, bei uns selbst dagegen die schwache Verwirklichung der großartigen Stellung, die uns der Herr durch seinen Tod erworben hat.

Elia und Elisa gingen den "umgekehrten" Weg

Wenn man diese Etappen der beiden Propheten verfolgt, dann stellt man fest, dass Elia und Elisa den Weg des Volkes Israel in umgekehrter Richtung gingen. Sie gingen ja aus dem Land Kanaan heraus über den Jordan. Das hat für uns eine zweifache Bedeutung.

Zuweilen ist es nützlich, die bereits im Glaubensleben durchschrittenen Stationen rückblickend in Augenschein zu nehmen. Ohne im Glaubensleben Rückschritte machen zu wollen, ist es gut, sich immer wieder einmal zu erinnern, was die eigentliche Bedeutung solch wichtiger Schritte war – auch in dem Gedanken, dem Herrn für dieses geistliche Wachstum zu danken. Dann können wir übrigens auch anderen besser eine Hilfe in bezug auf solche Schritte sein.

Zudem ist es lehrreich, bei sich persönlich den "aktuellen Stand" dieser Lebensstationen zu überprüfen. Haben wir diese einmal gelernten Lektionen auch heute noch in unserem praktischen Leben verwirklicht? Als Elia und Elisa durch Gilgal, Bethel und Jericho gingen, da war von der alten Schönheit und den Gedanken Gottes nichts mehr zu sehen. Nicht nur war Jericho wieder aufgebaut worden, sondern Gilgal und Bethel waren zu "Leuchtsternen" geworden – aber nicht für den HERRN, sondern für den Götzendienst (Hosea 9,15f., Amos 4,4f.).

Der auffahrende Elia

Schließlich musste Elisa den auffahrenden Elia sehen, wenn er in der Kraft Elias für den HERRN tätig sein wollte. Der auffahrende Elia gibt uns einen Hinweis auf den auferstandenen und verherrlichten, auffahrenden Herrn Jesus Christus. Wenn unser Leben in Seiner Kraft geführt werden soll, dann müssen auf Ihn als den verherrlichten Menschen im Himmel sehen. Wenn wir auf Ihn schauen, verlieren unsere Schwachheiten ihr Gewicht in unserer Einschätzung, und wir handeln in Seiner Kraft. Dann werden wir Paulus nacheifern und von Christus zeugen.