22.03.2018 Dienst | Versammlung / Gemeinde

Gut predigen!?

Wenn man hört, dass sich ein Theologe über gutes Predigen Gedanken macht, könnte es sein, dass wir uns zurücklehnen und sagen: So ein Quatsch! Davon lese ich in Gottes Wort nichts! Der Geist Gottes soll mich leiten - dann wird schon das Richtige herauskommen.

 

Ist das wahr?

 

Vater unser beten? Moderatoren?

Natürlich folgen wir manchen Überlegungen und Vorschlägen nicht, die man von Theologen liest. Die meisten sind unbrauchbar. Stefan Schweyer, Assistenzprofessor für Praktische Theologie an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH Basel) kritisiert in einem Interview mit ideaSpektrum beispielsweise die fehlende Liturgie unter Evangelikalen. „Es fehlt das Bewusstsein für feste Formen wie das Vaterunser und die Feier des Abendmahls ... Bei den Gottesdienst-Moderatoren fehlt mitunter ... Freikirchliche Gottesdienste haben den Hang, durch ihre Alltagssprache den Gottesdienst zu banalisieren."

 

Nun, wer die Bibel durchliest, wird beispielsweise darüber stolpern, dass der Herr von dem „Vaterunser" als einem Modellgebet spricht, es aber kein einziges Beispiel in der Apostelgeschichte und in den Briefen gibt, wo dieses Gebet gesprochen worden ist. Warum nicht? Weil es nie gedacht war als ein Gebet, das wir einfach kopieren sollen. Schon gar nicht in einer Zeit, in der wir frei beten dürfen und sollen.

 

Und wo lesen wir im Neuen Testament davon, dass es Moderatoren geben soll, die einen Gottesdienst moderieren? Wer Gottes Wort als Maßstab für sein Glaubensleben nimmt, wird von solchen menschlichen Krücken Abstand nehmen. Und was ist von der Banalisierung des Gottesdienstes durch die Alltagssprache zu halten? Hat unser Herr, haben die Apostel etwas eine „heilige" Sprache, eine aufgesetzte Sprache benutzt, um Gott „besser" zu gefallen? Wenn man über diese Frage nachdenkt, merkt man, wie abwegig eine besondere Sprache ist. Wir sollten uns niemals flapsig ausdrücken, wenn wir zu Gott oder über Gott sprechen. Aber wir sollten unsere natürliche Sprache verwenden, nicht etwas, was scheinbar heiliger ist, in Wirklichkeit aber künstlich ist. Gott sucht keine Scheinsprache, sondern Wirklichkeit.

 

2-2-2 Regel?

Nun aber zum Thema Predigen. Schweyer erwartet, dass man als „Anfänger" zwischen 12-20 Stunden in die Predigt investiert. „Für den Normalfall empfehle ich die 2-2-2-Methode." Darunter versteht er, dass man 2 Monate vor Termin das Predigtthema festlegt, 2 Wochen vor Termin die Vorbereitung beginnt und 2 Tage vorher das Predigtmanuskript fertig hat.

 

Nun - von alledem findet man nichts in Gottes Wort. Hat Paulus seine Predigten schriftlich vorbereitet? In dem langen Kapitel 1. Korinther 14, wo es darum geht, dass die örtliche Versammlung auferbaut wird, dass Gott also durch einen gläubigen Mann zu den Zuhörern redet seltsamerweise nennt man das heute „Gottesdienst"), finden wir überhaupt keinen Hinweis darauf, dass eine solche Predigt im Vorhinein festgelegt wird (weder das Thema noch die Art usw.). Wer sich nach Gottes Wort richten möchte, der wird sich also den Vorschlägen von Stefan Schweyer sicher nicht anschließen.

 

Blind predigen?

Das aber heißt keineswegs, dass man einfach drauflos predigen sollte. Hat Paulus denn „drauflos geschrieben"? Sicher nicht. Und, wie jemand einmal gesagt hat: Von nichts kommt nichts. Und der Blick „nach oben" (örtlich verstanden!) lässt einen nur sehen, dass Kalk von der Decke segelt. Aber mehr auch nicht.

 

Nein, Gott kann von uns, die wir sein Wort predigen, schon erwarten, dass wir uns Gedanken machen, was wir sagen und wie wir es sagen. Es geht nicht um Redeweisheit, vor der Paulus im 1. Korintherbrief geradezu warnt. Aber es geht darum, dass man nur über einen Bibelabschnitt predigen kann, wenn man ihn vorher auch überdacht hat. Und dass man sich auch Gedanken machen sollte, wie man eine Botschaft so verkündigt, dass sie auch verstanden wird.

 

Natürlich, in den Zusammenkünften zur Auferbauung der örtlichen Versammlung (Gemeinde), wie wir sie in 1. Korinther 14 beschrieben finden, gibt es keine konkrete Vorbereitung. Da ist es Gott, der einen Gläubigen „spontan" benutzt, um den an einem speziellen Sonntag existierenden Bedürfnissen zu entsprechen. Aber wenn es um die Ausübung einer Gabe nach 1. Korinther 12 und Epheser 4 geht, wenn in besonderen Zusammenkünften das Wort gepredigt wird, dann sollten wir uns schon überlegen, was für Beispiele angemessen sind.

 

Beschäftigung und Zeit einsetzen

Und wenn man sich mit Gottes Wort beschäftigt, auch im Gedanken, dass der Herr diese Beschäftigung einmal gebrauchen kann zum Segen der Gläubigen, darf man sich durchaus überlegen, wie man einen schwierigen Bibelvers erklären kann, was für ein Beispiel womöglich hilfreich wäre.

 

Es kommt nicht nur auf den Inhalt an, sondern es kommt auch darauf an, dass man diesen Inhalt so vorstellt, dass er verstanden werden kann. Wir wollen doch die Gläubigen dafür gewinnen, dass sie sich mit Gottes Wort beschäftigen, dass sie Freude an der Bibel und am Herrn bekommen. Von selbst geht das nicht. Von selbst geht nämlich gar nichts. Wir müssen schon etwas dafür tun. Und wir dürfen unsere Faulheit oder Trägheit (oder auch ein Traditionsbewusstsein) nicht mit Bibelstellen zu entschuldigen suchen, die davon sprechen, dass in Notsituationen nicht wir uns vorbereiten müssen, sondern der Geist uns das Richtige eingeben wird. Versammlungsstunden sind (im Allgemeinen) keine Notzeiten, sondern Zeiten, in denen Gott in Ruhe wirken möchte. Er benutzt uns dazu. Aber Er kann nur das benutzen, was wir in Gemeinschaft mit Ihm und an seinem Wort im stillen Kämmerlein erarbeitet haben.