18.03.2018 Jesus Christus / Gott

Das Wort - der Sohn Gottes (2)

Das Wort wurde Fleisch

„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns" (Joh 1,14). Noch einmal wird uns der Titel „das Wort" vor die Blicke gestellt. Dabei richtet der Schreiber den Scheinwerfer wieder auf „das Wort". Doch nun wird uns berichtet, was „das Wort" „wurde" - was es annahm. Dabei „wurde" es etwas, was es bisher noch nie gewesen war - „Fleisch". Dieser Begriff stellt die Natur des Herrn Jesus vor unsere Augen. Es bedeutet, dass Er ein Mensch wurde (Joh 8,40; Heb 10,5; 2,14), nach Geist, Seele und Leib - aber ohne Sünde (2. Kor 2,5; 1. Pet 2.22; 1. Joh 3,5). Wir wollen aber unbedingt festhalten, dass „das Wort" auch als Mensch nie aufgehört hat, das zu bleiben, was es schon immer war: Gott! Das wird uns auch durch die Verbindung „das Wort" wurde „Fleisch" bestätigt - es schließt jede Spaltung aus. Der Mensch Jesus ist zugleich wahrhaftiger Gott - in einer Person (1. Joh 5,20; Mk 15,39).

 

Wenn wir seine Menschwerdung betrachten, ist sie der Ausdruck seiner Erniedrigung. Er, der Sohn Gottes, „das Wort", das ewig und die Quelle alles Lebens ist, kam auf diese Erde und wurde Mensch - „geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz". Diese legte den Säugling „Jesus" dann in eine der Krippen Bethlehems, weil es keinen anderen Platz auf der Erde für den gab, der aus dem Himmel gesandt wurde (Gal 4,4; Lk 2,7). Später sehen wir Ihn als zwölfjähriges Kind (Lk 2,41); dann als einen erwachsenen Mann, der auf einem Kopfkissen schläft (Mk 4,38). Auch lesen wir an anderer Stelle, dass Ihn hungerte (Lk 4,2) ... Er steht also als derjenige vor uns, der vollkommener Mensch wurde und an allen Belangen des Lebens teilnahm, und zugleich „das wahrhaftige Licht war, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet" (Joh 1,9).

 

Dieses Wort, das einen menschlichen Leib angenommen hatte „wohnte unter uns" (Joh 1,14). Dieses „wohnen" bezieht sich auf das ganze Leben des Herrn Jesus auf dieser Erde. Doch es wird in dem einen Begriff „wohnen" zusammengefasst und auf einen Punkt gebracht. Die wörtliche Übersetzung bedeutet: „zeltete". Dieses Zelten lässt uns daran denken, dass es sich um ein zeitlich begrenztes Dasein des Herrn Jesus hier auf Erden handelte. Während dieser Zeit nahm Er hier einen „Wohnplatz" ein und war damit unter den Menschen gegenwärtig. In dieser Zeit sahen die Apostel („wir") seine Herrlichkeit, „eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater" (Joh 1,14). Wer Ihn gesehen hatte, hatte den Vater gesehen (Joh 14,9). Auf diesen Gegenstand wollen wir später noch einmal zurückkommen.  

 

So war „das Wort" „Fleisch" geworden und wohnte hier „voller Gnade und Wahrheit". Unter Gnade dürfen wir den Ausfluss der Liebe Gottes zu den Menschen verstehen, die sich nicht nach der Größe des Bedürfnisses richtet, sondern entsprechend der unbegrenzten Fülle des Herzens Gottes. Die Wahrheit hingegen stellt den Menschen in das Licht Gottes und lässt diesen erkennen, dass er aufgrund seiner sündigen Taten ein verlorener Sünder ist.

 

Zuerst bringt Er die Gnade, die uns fähig macht, die Wahrheit anzunehmen, dann die Wahrheit selbst, die uns die Sichtweise Gottes über uns persönlich darlegt. Diese Reihenfolge ist vollkommen göttlich und notwendig für uns Menschen. Beides ist durch Jesus Christus geworden (Joh 1,17).

 

Gott offenbart sich als Vater durch den Sohn

„Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht" (Joh 1,18). Gott ist durch den Sohn, das fleischgewordene „Wort", als Vater offenbart worden. Wir vergessen aber nicht: „Niemand hat Gott jemals gesehen". In diesem Vers steht Gott in seiner Absolutheit vor uns. Als Menschen ist es uns nicht möglich, Ihn in dieser Form zu sehen - weder in der Gegenwart noch in der Zukunft. Wenn wir uns einmal die Begriffe „niemand" und „jemals" anschauen, bestätigen sie den Gedanken, dass es keinen Menschen gibt (niemand), der zu irgendeinem Zeitpunkt (jemals) Gott in seiner Absolutheit gesehen hat (1. Tim 6,16).

 

Wohl hat sich Gott im Alten Testament den Menschen in einer verborgenen Weise offenbart (Ri 6,22.23), aber in seiner Absolutheit hat der Mensch Ihn nie gesehen. Wir würden sofort sterben (Ri 13,22). Doch dann kam ein Zeitpunkt, an dem sich Gott den Menschen offenbaren wollte. Dies geschah nach viertausend Jahren Menschheitsgeschichte im Sohn Jesus Christus. Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes (Kol 1,15) und die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens (Heb 1,3). Und Er offenbarte Gott zudem in einer Weise, wie es zuvor noch nie geschehen war: als Vater. Die Art der Offenbarung in dem Sohn wollen wir uns der Reihe nach anschauen.

 

„Der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist" (Joh 1,18). Bevor Gott uns vorstellt, dass der Sohn Ihn kundgemacht hat, möchte Er uns zunächst zeigen, dass der eingeborene Sohn von Ewigkeit zu Ewigkeit im Schoß des Vaters ist. Er hat diesen nie verlassen! Dieser Sohn ist der Eingeborene. Eingeboren bedeutet nicht, dass Er zu irgendeinem Zeitpunkt gezeugt wurde, sondern stellt uns Ihn als den Einzigen vor, den Einzigen seiner Art - neben Ihm gibt es keinen weiteren. Als solcher ist Er im Schoß des Vaters. Dieser Schoß stellt nicht eine Örtlichkeit dar, sondern drückt eine tiefe, innige, vertraute Beziehung aus. Der Sohn ist in einem Bereich, in dem Er die tiefsten und innigsten Zuneigungen der Liebe des Vaters erfährt und diese erwidert. Wir können gut verstehen, dass der Sohn aus diesem innig(st)en Verhältnis mit dem Vater heraus, der Einzige ist, der eine vollkommene Kenntnis des Vaters besitzt (vgl. Joh 6,46).

 

Aus dieser Sphäre heraus spricht Gott durch den Sohn zu uns, „der hat Ihn kundgemacht" (Joh 1,18). Um uns Gott als Vater vorzustellen, musste „das Wort" „Fleisch" werden. So kam der Sohn Gottes auf diese Erde und wurde Mensch. Als solcher, der den Vater vollkommen kennt, kann Er diesen nun vollkommen offenbaren. Er teilte uns mit, dass der Vater jemand ist, der Anbeter sucht (Joh 4,23). Er berichtete uns etwas über das Haus seines Vaters (Joh 14,2). Die Worte, die Er redete - es waren die Worte des Vaters und die Werke, die Er tat - es waren die Werke des Vaters (Joh 4,34; 14,10) und sein Wirken (Joh 5,17). Wie beschämend ist dann die Frage des Philippus: „Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns" (Joh 14,8) und wie zu Herzen gehend die Antwort des Herrn Jesus: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen" (Joh 14,9). „Wenn ihr mich erkannt hättet, würdet ihr auch meinen Vater erkannt haben" (Joh 14,7).

 

So hat der Herr Jesus Gott als Vater vollkommen offenbart - seine Liebe aber auch sein Licht. Beides wurde dann in besonderer Weise darin sichtbar, dass Gott seinen Sohn am Kreuz für uns schlug. Wie deutlich kommt an diesem Platz des Gerichtes seine Liebe zu uns aber auch seine Heiligkeit (sein Licht) zum Ausdruck, als er seinen Sohn an unserer Stelle richtete.

 

„Ich habe dich verherrlicht auf der Erde" (Joh 17,4). Dieser Vers drückt aus, dass der Herr Jesus den Vater dadurch verherrlicht hat, indem Er Ihn vollkommen darstellte und sein Werk vollbrachte. Das war ein wesentlicher Grund, weshalb „das Wort" „Fleisch" wurde - der Sohn offenbarte Gott als den Vater und verherrlichte Ihn im Leben wie im Sterben mit dem Höhepunkt am Kreuz. Zugleich bildete Er durch sein Sterben als Mensch am Kreuz die Grundlage dazu, dass wir die Möglichkeit bekommen, ins Haus des Vaters zu kommen, sofern wir Ihn im Glauben annehmen. Auch dort werden wir in dem Sohn den Vater sehen - dort aber mit verherrlichten Leibern in Vollkommenheit.