14.02.2018 Versammlung / Gemeinde

Dienst in der Versammlung (FMN)

Zunächst einmal steht fest: Jeder Dienst geschieht für den Herrn Jesus, das Haupt der Versammlung; und zugleich wird Dienst oft gegenüber den Seinen, den „Gliedern" des Leibes Christi ausgeübt. „Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, jedes einzelne von ihnen an dem Leib, wie es ihm gefallen hat" (1. Kor 12,18).

Es gibt Dienste, die mehr im Verborgenen geschehen und kaum oder nur von wenigen wahrgenommen werden: verschiedene Dienste der brüderlichen Liebe in praktischer Form (vgl. Jak 1,27) oder des Gebetes im Einstehen für das Wohl des anderen (Kol 4,12.13; Jak 5,16) oder für das Evangelium (2. Thes 3,1; Kol 4,2-4); auch die „Dienste" und Aufgaben von Müttern und Vätern in den Familien gehören dazu. Andere Dienste werden in einer gewissen Öffentlichkeit ausgeführt, beispielsweise bei der Verkündigung des Evangeliums oder in den Zusammenkünften der Versammlung.

Motive und Voraussetzungen

Allen Diensten gemeinsam ist das Motiv der Liebe zu dem Herrn Jesus und zu den Seinen. Daraus resultiert freiwilliger Gehorsam gegenüber dem „Dienstherrn".  Die Liebe wird und muss immer der erste Beweggrund sein (1. Kor 13). Eigenliebe und Geltungsbedürfnis haben hier - wie überhaupt im Leben des Gläubigen - keine Berechtigung. Aus der Liebe zu unserem Herrn entsteht Dienstbereitschaft, Fleiß und Ausdauer. 

Daneben gibt es auch weitere wichtige Kriterien für echten und aufrichtigen Dienst für den Herrn. Der Herr Jesus hat einmal zu seinen Jüngern gesagt: „Der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut, euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört habe, euch kundgetan habe" und „ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete" (Joh 15,15.14). Das gilt heute auch uns, den Seinen, und es sind ergreifende Worte: Wir sind einerseits seine „Knechte" (s. Lk 17,10; 1. Petr 2,16), die die „Ehre" haben, für Ihn arbeiten und Ihm dienen zu dürfen. Aber wir werden von diesem großen Herrn auch „Freunde" genannt, die Ihn selbst und Gottes Gedanken kennen (lernen) dürfen. Das bedeutet für unsere Lebenspraxis, dass wir uns als seine „Freunde" erweisen müssen, dass wir seine Nähe suchen, bei und mit Ihm leben im Lesen des Wortes Gottes und im Gebet. Es versteht sich, dass ein gleichgültiges, vielleicht sogar selbstgefälliges Leben nach eigenen Maßstäben den Dienst für den Herrn hindert, ja unmöglich macht. 

Für eher praktische Dienste im Sinn von Hilfeleistungen (s. 1. Kor 12,28) sind oft sogenannte berufliche Qualifikationen und Fertigkeiten von großem Nutzen, die der Herr schenkt und auch im Geschwisterkreis  gebrauchen kann. Für das innere, geistliche Wohl der Versammlung insgesamt und auch für die persönliche Auferbauung derer, die sie bilden, hat Gott verschiedene „Gnadengaben" gegeben und damit verschiedene Arten von Diensten (vgl. 1. Kor 12,4-11). In einigen Fällen werden in der Schrift die Personen selbst als Gaben bezeichnet, als solche, die der Versammlung „gegeben" sind (so in Eph 4,8-11). Dies sind in gewisser Hinsicht besondere Gaben, weil ihren Dienst nicht auf einen Ort beschränken, sondern „dem Leib" gegeben sind und weil sie grundlegende Aufgaben für „die Auferbauung des Leibes Christi" wahrnehmen (Eph 4,12-16). 

Der Herr selbst gibt diese und manche anderen Gaben (s. die „Listen" in 1. Kor 12,28 und in Röm 12,6-8), von Ihm kommen auch jegliche „Begabungen"; Er ist es auch, der zum Dienst beruft (vgl. Apg 13,2; Gal 1,15.16; 1. Kor 12,4). In jeder Hinsicht sind die Diener von seiner Gnade abhängig und haben für den Dienst die Leitung des Heiligen Geistes nötig. 

Dienste in den Zusammenkünften

Wenden wir uns jetzt den Diensten zu, die in den Zusammenkünften der örtlichen Versammlungen durch die verschiedenen Brüder ausgeübt werden. Brüder deshalb, weil der Geist Gottes deutlich macht, dass die Frauen, d.h. die Schwestern, in den Versammlungen schweigen sollen (1. Kor 14,34). Wenn man in Anerkennung der Belehrungen des Wortes Gottes als Versammlung zusammenkommt, ist der Herr Jesus gegenwärtig als der Mittelpunkt; Er leitet dann alles durch den Heiligen Geist. Darum darf dort die Freiheit des Geistes, der ja die vornehme Aufgabe und Absicht hat, den Herrn Jesus zu verherrlichen (Joh 16,14), nicht durch menschliche, „fleischliche" Aktivität gehindert werden. Das bedeutet für alle Anwesenden, der Leitung des Heiligen Geistes zu folgen, sei es zum Reden oder zum Schweigen. Da wird ein Bruder ein Lied vorschlagen, ein anderer eine Danksagung oder eine Bitte im Gebet aussprechen, einen Textabschnitt vorlesen und erklären - je nach dem Charakter und der Ausrichtung der Zusammenkunft (vgl. Apg 2,42). Geistliche Gesinnung ist gefordert, die erkennt, was der Geist bewirken will, die betend abwarten kann, und die sich nicht von emotionalen Impulsen beherrschen lässt.

In den Zusammenkünften zum Brotbrechen sind alle innerlich beteiligt und üben das aus, was im eigentlichen Sinn „Gottesdienst" ist. Sie bringen Dank und Lob, drücken auch Anbetung aus in der Betrachtung des Leidens und Sterbens des Herrn Jesus, der Liebe Gottes und seiner Heiligkeit im Gericht über Sünde und Schuld; sie möchten „einmütig mit einem Mund den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus verherrlichen" (Röm 15,6). Dazu tragen die verschiedenen Brüder bei, die mit Liedern und Danksagungen die Gedanken und geistlichen Empfindungen der Versammelten unter der Leitung des Heiligen Geistes ausdrücken. Es treten hier keine besonderen Gnadengaben in Erscheinung, sondern einfach tiefe Empfindungen. Es ist Dienst für Gott und vor Gott.

Der Dienst der Erbauung geschieht in anderen Zusammenkünften der Versammlung, wo der Geist Gottes alles geben kann, was den inneren Menschen und im Glauben aufbaut und befestigt. Das kann Ermutigung oder Ermahnung sein, es ist auch Belehrung in der Erkenntnis des Willens Gottes. Der Herr Jesus kennt die Bedürfnisse aller Herzen, den geistlichen Zustand der örtlichen Versammlung, und Er weiß ihnen zu entsprechen. Er weiß auch, welchen Bruder Er dazu gebrauchen kann und gibt ihm Freimütigkeit (vgl. Apg 4,31) zum Vorschlagen eines Schriftabschnitts, um einige Gedanken zu äußern. Hat der Bruder sich schon einmal mit bestimmten Texten der Bibel beschäftigt, sind sie ihm wertvoll geworden? Der Heilige Geist kann dies vielleicht bei passender Gelegenheit, die nur Er kennt, benutzen. Ein treuer Diener des Herrn und der Versammlung ist zubereitet, nicht unbedingt vorbereitet - wie ein Lehrer für eine bestimmte Schulstunde, aber in gewisser Hinsicht doch wie ein Lehrer, der den Stoff kennt und beherrscht. In gelebter Abhängigkeit wird gerade das Richtige gesagt, was die Herzen und Gewissen erreicht und anspricht, ohne Eile und in Ehrfurcht vor dem ewigen Wort. Ein weiterer Bruder mag einen Gedanken vertiefen oder eine praktische Anwendung bzw. Auslegung anschließen. Dabei gilt die Einschränkung: „Propheten aber lasst zwei oder drei reden" und: „Alles aber geschehe anständig und in Ordnung" (1. Kor 14,29.40). Dieser prophetische Dienst ist verantwortungsvoll und von hohem Anspruch: „Wenn jemand redet, so rede er als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, so sei es als aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus, welchem die Herrlichkeit ist und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen" (1. Pet 4,11). Um das zu verwirklichen, müssen wir alle, Brüder wie Schwestern, eine demütige Haltung des Gebets und des Vertrauens auf den Herrn haben, müssen regelmäßig und bewusst immer wieder seine Gnade erbitten, damit Er Kraft und Bereitschaft für den Dienst und für das Annehmen des Dienstes gibt.

Dienst von Frauen

Gibt es den denn gar nicht? Ganz sicher gibt es den Dienst von Frauen; es ist sogar ein bedeutsamer, wenn auch wenig sichtbarer, weil er nicht in der Öffentlichkeit (1. Kor 14,35) geschehen soll.

Die „Sprache" ihres Dienstes ist, dass sie „durch den Wandel ... ohne Wort" Menschen gewinnen, und „sich schmücken durch gute Werke" (1. Pet 3,11; 1. Tim 2,10): Kinder auferziehen, Fremde beherbergen, Bedrängten Hilfe leisten, jedem guten Werk nachgehen (1. Tim 3,10). Die älteren Frauen werden ermutigt, „Lehrerinnen des Guten" zu sein, damit sie „die jungen Frauen unterweisen" ... (Tit 2,4). Zugegeben, das klingt sehr unmodern, ist aber zeitlos gültig - und ungemein wichtig! Diese Dienste können sehr prägend sein für eine örtliche Versammlung und sichern in ihrer stillen Art einen segensreichen Einfluss.

„Wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat ... es sei Dienst, so lasst uns bleiben im Dienst" (Röm 12,4.7)

 

Folge mir nach – Heft 2/2018