27.10.2017 Persönlicher Glaube

Das Recht auf andere anwenden

Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Weigerung Ungarns nicht hinnehmen, auch nach einem EuGH-Urteil keine Flüchtlinge aufzunehmen. Sie sagte einer Zeitung: „Dass eine Regierung sagt, ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) interessiere sie nicht, das ist nicht zu akzeptieren.“ Auf die Frage, ob dies heiße, dass Ungarn die EU verlassen müsse, sagte die Kanzlerin: „Das heißt, dass eine sehr grundsätzliche Frage Europas berührt ist, denn Europa ist für mich ein Raum des Rechts. Wir werden beim Europäischen Rat im Oktober darüber reden müssen."

 

Dieser Hinweis erinnerte mich an ein Wort, dass der Herr Jesus einmal über die Schriftgelehrten und Pharisäer gesagt hat: „Alles nun, was irgend sie euch sagen, tut und haltet; aber tut nicht nach ihren Werken, denn sie sagen es und tun es nicht.“

 

Nun – wir sollen uns nach Römer 13 den Obrigkeiten unterordnen. Was sie sagen, wollen wir tun – nach den Gesetzen, die sie erlassen, wollen wir handeln.

 

Aber wir wollen nicht so tun, wie sie tun. Es ist doch bemerkenswert, dass Angela Merkel die Weigerung der Regierung von Ungarn kritisiert, aber andererseits die klaren Bestimmungen, die beispielsweise die Staatshaushalte einzelner EU-Staaten wie Griechenland oder Italien betrafen, was Strafen und Finanzierungsmöglichkeiten betraf, umging. Ist das gerecht, andere für etwas zu kritisieren, was man selbst getan hat? Natürlich, da hatte nicht der Europäische Gerichtshof „gesprochen“, sondern es geht nur um „normale“ Regelungen und Gesetze, die beispielsweise auch Frankreich betrafen.

 

Aber wie ist es so oft auch in unserem Leben: Bei anderen sind wir klar im Urteil, vor allem im Verurteilen. Aber wenn es um uns selbst und die eigenen Interessen geht, wenn es um solche (Staaten oder) Personen geht, die uns wichtig erscheinen, da kann das Gesetz auf einmal sehr weich und weit ausgelegt werden.

 

Wir wollen das auf unser eigenes Leben beziehen. Wir können den Splitter bei dem anderen nur dann mit Recht kritisieren, wenn wir zuvor den Balken aus unserem eigenen Auge gezogen haben.