11.06.2003Ehe & Familie

Anregungen für Verlobte (19) - wann "muss" man heiraten? IV

Wir haben mehrfach betont, dass unehelicher Geschlechtsverkehr Ehe keine Notwendigkeit bewirkt, sich zu heiraten. Für Verheiratete ist das ohnehin ein Tabu. Aber auch für solche, die nicht verheiratet sind. Zunächst ist Buße und ein Bekenntnis angesagt – danach mag man über weitere Schritte nachdenken.

Sie ist schwanger – und was jetzt?

Nun mag mancher denken, dass eine durch den Geschlechtsverkehr hervorgerufene Schwangerschaft zu einer unterschiedlichen Behandlung des Themas führt. Nun ist unbestritten, dass die Konsequenzen durch eine Schwangerschaft zweifellos weitreichender sind. Als Mann ist man dann verpflichtet, für den Unterhalt des Kindes zu sorgen. Und zwar mindestens in der gesetzlich vorgeschriebenen Weise. Dies gilt auch und gerade für uns als Gläubige.

Ein zweiter Punkt ist der, dass eine junge Frau sich auf keinen Fall dazu drängen lassen darf, das Kind abzutreiben. Das ist letztlich nichts anderes als Mord! Es mag ganz seltene Ausnahmen geben. Es wurde ja der Fall eines neunjährigen Mädchens bekannt, das vergewaltigt wurde und dessen Gesundheit auf dem Spiel stand. Aber normalerweise ist zwar die Bürde für die junge Frau groß – und ihr muss zweifellos geholfen werden – aber eine Abtreibung führt nur zu weiteren und zusätzlichen, oft lebenslangen psychischen und sonstigen Qualen. Wenn Du als junger Mann für eine außereheliche Schwangerschaft verantwortlich bist, so solltest Du in jedem Fall davon Abstand nehmen, zur Abtreibung zu raten. Mach Dir bitte bewusst, dass Du damit zum Mord rätst.

Verantwortung übernehmen heißt ...

Dieses Thema wollen wir in einer weiteren Folge etwas näher betrachten. Hier geht es jedoch um das Thema, ob man sich dann heiraten muss. Noch einmal: Es gibt keine Begründung aus der Bibel (jedenfalls ist sie mir nicht bekannt), dass Hurerei und Unzucht – selbst Unzucht, die in eine Schwangerschaft mündet – durch eine Heirat geheilt werden muss.

Damit sage ich nicht, dass wenn Du als Mann gesündigt hast, Du nicht Deine Vaterschaft eintragen sollst. Natürlich sollst Du es tun, denn Du bist der Vater. Und natürlich hast Du Verantwortung für das Kind und damit auch für die Frau. Du kannst sie nicht einfach sitzen lassen, so dass sie schauen muss, wie sie mit allem fertig wird. Du kannst Dich nicht aus Deiner Verantwortung stehlen! Aber nimm Dir erst einmal eine gesunde Portion Zeit, um die Konsequenzen Deines Handelns – in die eine oder andere Richtung – anhand der Schrift zu überdenken. Und überdenke, worin genau Deine künftige Verantwortung besteht. Und dazu ist die Hilfe von Seelsorgern mehr als nützlich!

Was spricht gegen eine Eheschließung?

Wir sprechen hier nicht von einem Fall, bei dem man sich heiraten wollte – und es in der Verlobungszeit „passiert“ ist – ein viel zu verniedlichendes Wort für die geschehene Sünde. Wir reden von Menschen, die sich bislang kein Versprechen gegeben haben. Und gegen ihre Heirat gibt es schwerwiegende Einwände. Warum stehen in aller Regel die „Erfolgschancen“ einer solchen Ehe sehr schlecht?

In jeder Ehe gibt es Zeiten, die mühsam und mit Problemen behaftet sind. In jeder! Und wenn vielleicht Jahre später etwas schief läuft, dann wird der Beginn und der Auslöser der Ehe von keinem der beiden Partner vergessen. Wenn in ihrem Herzen Zweifel an seiner Liebe aufkommen werden, wird sie sich sicher sagen: Er hat mich nur geheiratet, weil er musste – wegen des Kindes. Aber nun bereut er es. Vielleicht hat er mich gar nicht geliebt, als wir heirateten (und tatsächlich war es eine erotische Liebe, die der Auslöser war, sonst hätte man sich doch vorher schon die Ehe versprochen, aber keine die ehe aufbauende und selbstlose Liebe). Und tatsächlich – sie mag recht haben mit ihrer Annahme (oder auch nicht). Auf alle Fälle wird das Verhältnis sofort gestört sein.

Es schwelt sehr leicht unter der Oberfläche

Und wenn sie so etwas vielleicht vorbringt, mag er denken und sagen, dass er sich in eine Falle gelockt fühlte. Anfangs mag es ein inneres „muss“ sein – später merkt er davon nichts mehr. Und sein Gedanke mag auch sein: Sie hat an allem mindestens genauso viel Schuld wie ich – und das sind keine theoretischen Überlegungen, über die ich hier spreche. Sie werden nicht so selten geäußert.

Manchmal ist es auch so, dass der gegenseitige Ärger nicht offen ausgetragen wird, aber unter der Oberfläche schwelt und irgendwann einmal so stark geworden ist, dass die Blase platzt und zu größten Schwierigkeiten in der Ehe führt. Natürlich – wenn eine Ehe eingegangen wurde, dann sind beide Ehepartner dafür verantwortlich, die Ehe auf gutes Fundament zu stellen. Sie haben auch keine Entschuldigung, aus der Ehe zu flüchten, indem sie auf den anderen Ehepartner zeigen.

Nein – das ist nicht der Punkt. Es ist nur entscheidend, dass man sich vor der Eheschließung Gedanken über die „automatischen“ Konflikte macht, die in einer solchen Partnerschaft auftreten werden. Und dazu gehört auch, dass die Beziehung zu dem Kind dieser Schwangerschaft deutlich schlechter ist als zu anderen Kindern – denn die Schuldgefühle sind zuweilen stärker und mit weitreichenderen Konsequenzen als wir denken und befürchten.

Also keine Eheschließung?

Bedeuten diese Warnungen, dass ein solches Paar nicht heiraten kann oder soll? Das muss im Einzelfall besehen werden! Kein Fall gleicht dem anderen. Wichtig ist jedoch, dass die Eltern, die Geschwister (leiblich und geistlich) sehr vorsichtig sind, zu irgendetwas zu drängen.

Wenn der oder die „Gegenüber“ ungläubig ist, so muss vor einer anschließenden Ehe gewarnt werden. Wir haben die Verantwortung für das gemeinsame Kind zu übernehmen. Ganz gewiss. Aber wir haben auch die Verantwortung dafür zu übernehmen, was wir als nächsten Schritt unternehmen. Und wir sollten uns besinnen, auf den Weg des Glaubens zurückzukehren. Denn der sündige Geschlechtsverkehr (wie schon einmal gesagt, nicht der Geschlechtsverkehr ist sündig – Gott hat ihn dem Menschen geschenkt – sondern der Weg dahin und die Umstände, das Übertreten des Gebotes Gottes ist Sünde) sollte nicht durch weitere Sünden weitergeführt werden.

Ein weiser Seelsorger

Ein weiser Seelsorger – am besten ein Ehepaar – werden mit Einsicht und Einfühlungsvermögen mit beiden Personen sprechen und zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen. Häufig müssen die jeweiligen Eltern ebenfalls „behirtet“ werden, weil sie in solchen Situationen – aus nachvollziehbaren Gründen – nicht nüchtern entscheiden können. Wer wollte schon diese Fragen für sich und seine Familie entscheiden wollen?

Aber es gibt immer einen Weg zurück in die Gemeinschaft mit unserem Herrn. In jeder Situation – und aus jeder Not heraus.