23.09.2017 Matthäus | Persönlicher Glaube

Petrus wie Satan

Der Herr Jesus hatte den Jüngern angekündigt, dass Er sterben und auferstehen würde. Vermutlich waren Petrus und die anderen Jünger wie auch wir oft nur mit einem Ohr bei der Sache. Von der Auferstehung hatte er wahrscheinlich gar nichts mehr gehört. Es reichte, dass der Herr von dem Tod sprach - und das passte Petrus nicht.

 

Was galt es zu tun? Natürlich: dem Herrn wehren, damit Er von seinem - aus Sicht der Jünger falschen - Plan abrückte. Petrus benutzt dazu sehr starke Worte: „Gott behüte dich, Herr!" Das heißt eigentlich: „Gott sei dir gnädig!" - eine Redewendung, die in 2. Samuel 20,20; 23,17 mit „Fern sei es", also mit „auf keinen Fall!", übersetzt wird.

 

Ohne die Wortstudie von „Gott sei dir gnädig!" an dieser Stelle zu weit treiben zu wollen, ist es auffallend, dass Petrus gerade diese Wortwahl trifft. Denn diesen Ausdruck finden wir auch in Hebräer 8,12: „Denn ich werde ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken" und in der Septuaginta zum Beispiel in 4. Mose 14,19: „Vergib doch die Ungerechtigkeit dieses Volkes nach der Größe deiner Güte." Gnade in diesem Sinn kann nur Gott üben. Er tut dies gerade in Verbindung mit der Vergebung von Sünden und Ungerechtigkeiten.

 

Petrus war sich nicht bewusst, dass er damit den Herrn vor dem Erlösungswerk „verschonen" wollte. Ohne den Tod Jesu hätte es keine Vergebung, keine Rechtfertigung, keine Erlösung, keine Rettung, keine Versammlung und keine Hoffnung gegeben. Hätte Petrus daran gedacht, hätte er den Herrn zweifellos nicht „getadelt". Stellen wir uns das vor: Derjenige, der den Wind und die Wellen getadelt hat, wird hier von seinem eigenen Geschöpf zurechtgewiesen!

 

Petrus ist sich immerhin bewusst, dass er einen Höheren vor sich hatte, als er selbst war. Denn er spricht nicht direkt vor den anderen Jüngern zum Herrn, auch wenn diese nach Markus 8,33 in direkter Nähe standen. Petrus nahm seinen Herrn beiseite, um ihm seine Sicht der Dinge vorzustellen. Aber er nimmt sich das Recht heraus, den Herrn sehr zu tadeln. Martin Luther hat das übersetzt mit: „Er fuhr ihn an." Petrus war offenbar aufgeregt und aufgebracht. Er war der Meinung, dass der Herr hier auf einem falschen Weg ist. Der Herr! Damit hatte der erste der Jünger seine Kompetenzen bei Weitem überschritten!

 

Wie furchtbar, dass der Herr seinen Jünger „Satan" nennt. Das, was normalerweise der Teufel getan hat, dieses Werk hat in diesem Fall Petrus übernommen. Wie muss das unseren Retter geschmerzt haben.