29.08.2017 Persönlicher Glaube

Wählen und Politik: Literatur (1)

John Nelson Darby: Was die Welt ist – und wie ein Christ in ihr leben kann

Jeder sagt, dass ein Christ Bürger seines Landes sei und daher an der Regierung des Landes, zu dem er gehört, interessiert sein sollte. Daher sollte er auch wählen gehen, um mitzuhelfen, gute Menschen an die Macht zu bringen. Gott aber spricht anders. An vielen Stellen und auf vielerlei Weise sagt Er mir, dass ich als sein Kind kein Bürger irgendeines Landes oder Mitglied einer Gesellschaft bin. Mein Bürgertum ist in den Himmeln. Daher habe ich auch mit himmlischen Dingen zu tun. Das Kreuz Christi hat mich der Welt gekreuzigt, und dadurch ist auch mir die Welt gekreuzigt. Wenn ich mein Sinnen und mein Herz auf diese irdischen Dinge lenke, werde ich zu einem Feind des Kreuzes Christi. Sei nicht dieser Welt gleichförmig! Was sollen wir dann mit Regierungen „tun“? Ordne dich ihnen unter, denn Gott hat sie eingesetzt. Und wenn sie Steuern auferlegen, dann zahle diese. Und bete für Könige und alle, die in Hoheit sind, zu Gott.

 

Alles, was ein Christ mit Politik zu tun hat, ist, sich diesen Mächten, die über ihn gesetzt sind, unterzuordnen. Und das nicht nur der Strafe wegen, sondern um des Gewissens willen (Röm 13). Es ist wahr, dass in Christus der Gläubige Erbe „aller Dinge“ ist, und das schließt die Erde mit ein, auf der das Welt-System derzeit tätig ist. Und doch gilt für uns wie für Abraham im Blick auf das Land Kanaan, dass Gott uns nicht einmal einen Fußbreit dieser Erde gibt als gegenwärtiges Erbe. „Der Gerechte wird durch Glauben leben.“

 

Wenn daher das wahre Kind Gottes ablehnt zu wählen, dann nicht so sehr, weil es denkt, dass Wählen in sich selbst verkehrt ist. Nein, der Gläubige hat seine Stimme und sein Interesse dem Menschen im Himmel gegeben, den Gott als König der Könige und Herr der Herren erhöht hat. Der Christ hat über das himmlische Erbe hinaus sein Interesse an diesen Dingen verloren, da er etwas gefunden hat, was viel anziehender ist. Er sieht auch, dass die Welt in ihrer Gesinnung und in ihrem Wesen gottlos ist. Alles das, dessen sich die Welt rühmt – ihre Reformen und Verbesserungen –: Sie alle haben die Tendenz, Gott aus dem Herzen des Menschen zu verbannen.

 

Der Erlöste möchte daher als Zeuge für die Wahrheit und für Gott geradestehen und von dem künftigen Gericht zeugen, das mit der Erscheinung Christi verbunden ist. Gerade die Erscheinung unseres Herrn wird in eine Zeit fallen, wenn sich die Menschen gegenseitig gratulieren, was für einen Frieden und was für eine Sicherheit sie zustande gebracht haben. Für sie kommt dann das Gericht. Der Christ wünscht, dass durch ein solches Zeugnis des künftigen Gerichts andere durch ihn lernen, dem Fallstrick zu entkommen, durch den Satan die Masse der Menschen verführt. [Auszug]

John Nelson Darby: Was die Welt ist

 

John Nelson Darby: Wählen ist Identifikation mit der Welt (Briefe, Bd. 1, S. 130)

Geliebter Bruder, ich schreibe diese Zeilen in Eile. Ich habe es auf dem Herzen, etwas über das Verhalten der Brüder im Blick auf die Wahlen zu schreiben, die jetzt stattfinden sollen. Ich habe den Eindruck, dass die Brüder in V. kaum über die Tragweite der Entscheidung nachgedacht haben, die sie dazu bringt, am Lauf dieser Welt teilzunehmen. Gott sei Dank haben sie von dem Augenblick an, als ihnen dies vorgestellt wurde, die Dinge erkannt, ich hoffe, ganz klar. Das hat mich dazu gebracht, zu vermuten, dass die Brüder in Deiner Nähe auch noch nicht ausreichend über dieses Thema nachgedacht haben.

 

Es ist aus meiner Sicht so einfach: Der Christ ist überhaupt nicht von dieser Welt, sondern mit dem vereinigt, der gestorben und auferstanden ist. Daher hat er keinen Auftrag, sich mit der so klaren Aktivität der Welt zu vermischen durch eine Handlung, die gerade bestätigen würde, dass er zu dieser Welt gehört. Durch das Wählen identifiziert er sich mit dem ganzen System, das der Herr im Begriff steht zu richten. Ich glaube, die Wahrheit muss nur noch einmal vorgestellt werden, um von denen angenommen werden, die ihre christliche Stellung verstanden haben. Umso mehr, als diese Ereignisse [die Revolution] die Welt noch offensichtlicher (nicht der Sache nach stärker) auf ihre eigene Grundlage stellen. Aber diese Ereignisse bringen die Welt ihrer großen Katastrophe wirklich näher, die über diejenigen kommen wird, die gegen Gott aufstehen.

 

Oh, wie sehnt sich meine Seele danach, dass das Volk des Herrn zu Ihm abgesondert wird, besonders mit dem Verständnis dessen, was diese Welt erwartet, vor allem aber mit der Hoffnung auf das, was die Gläubigen selbst beständig erwarten sollten. Möge Gott Gnade schenken, dass wir treu sind, diese Zeugnis zu tragen und seine Zeugen überall zu sein, wenn Er entsprechende Türen öffnet, zu gelegener und ungelegener Zeit. Die Seinen, die Ihm so wertvoll sind, haben es nötig.

 

Die Ereignisse kommen und gehen, lieber Bruder. Aber was uns betrifft, wir warten nur auf das eine: dass unser Geliebter, unser Retter, kommt. Sein Kommen wird zu einer Hilfsquelle, wie es lange eine Freude für uns war. Möge es Wirklichkeit für uns sein und immer wertvoller werden. Denn es kommt immer näher. Mögen wir dieses Ereignis ständig erwarten. Gott allein kennt den Moment der Entrückung.

 

Der Christ nimmt von den Ereignissen auf der Erde Kenntnis als ein Zeugnis für denjenigen, der die Dinge versteht. Aber der Gedenke des Erlösten, sein Sehnen, sein Teil ist viel stärker innerhalb des Heiligtums als bei diesen Dingen.

 

Aber ist es nicht wahr, dass dieses Wählen als eine Handlung der Identifikation mit der Welt (in genau der Form, die sie in den letzten Tagen annimmt) als ein Fallstrick vermieden werden sollte von allen Christen, die den Willen Gottes und ihre Stellung in Christus verstehen? Das war immer wahr (und ich habe seit 20 Jahren so gehandelt), aber jetzt ist es erst recht wahr.

 

Mögen Friede, Gnade und Barmherzigkeit mit Dir, lieber Bruder sein, und zwar vermehrt. Und möge die Gegenwart und die Freude des Herrn mit allen Geschwistern sein, die Dich umgeben. Wahrscheinlich werde ich in Kürze nach England zurückreisen, aber in der Hoffnung, wieder zurückzukommen. Grüße alle Geschwister sehr herzlich.

 

Herzliche Grüße – John Nelson Darby

 

PS: Ich glaube, dass das Ende von Philipper 3 uns den Weg zeigt, auf dem wir auf den Herrn Jesus als Retter warten. Er wird uns dann endgültig von dem ganzen Verlauf dieser Welt befreien, wie dieser heute besteht.

 

Montpellier, 24. März 1848.

John Nelson Darby: Brief 1848