07.08.2017 Persönlicher Glaube

Gedankensplitter zum Thema: Wahlen – Wählen (FMN)

Zur Erinnerung

Dieser Artikel ist nicht der erste, der in Folge mir nach zum Thema „Wahlen“ veröffentlich wurde. Bereits in den Heften 3/1994, 2/2000, 6/2002 und 9/2009 haben wir Beiträge zu dieser immer wieder aktuellen Frage gebracht. Diese Artikel stehen dir auf www.folgemirnach.de online zur Verfügung. Wenn dich auch die eingangs gestellte Frage beschäftigt, empfehlen wir dir diese Artikel zur Lektüre, denn dort findest du eine größere Anzahl an Gedanken dazu. Aus diesem Grund ist der jetzige Artikel eher eine Sammlung einiger Aspekte, die ich dir zum Überdenken vorlegen möchte.

Warum schreibe ich diesen Artikel überhaupt noch? Einerseits haben sicher viele von euch die genannten früheren Hefte nicht gelesen, weil ihre Veröffentlichung bereits einige Jahre zurückliegt. Andererseits ist es oft auch so, dass man über gewisse Dinge gar nicht besonders nachdenkt, weil alle sie tun (selbst wenn das oft gar nicht stimmt). Es ist doch „normal“, dass jemand, der 18 Jahre alt ist (oder älter), an politischen Wahlen teilnimmt! Vor allem, nachdem manche sonst ernstzunehmende Stimme geradezu ermahnt, wählen zu gehen. Ist das „Normale“ aber auch das Richtige?

Im letzten Jahr erreichte mich beispielsweise der Aufruf eines bekannten gläubigen Christen, der in Baden-Württemberg vehement zur Wahl der AfD (Alternative für Deutschland) aufrief. Das sei die (einzige) Partei, die ein Christ wählen könne. Dort würden christliche Werte wie die Erhaltung von Familien vertreten. Jedoch hat sich gezeigt, dass diese Partei schon deshalb im Widerspruch zur Bibel steht, weil sich eine der beiden Spitzenkandidaten zu einer unbiblischen Form des Zusammenlebens bekennt. Außerdem wird in dieser Partei Gedankengut vertreten, das nationalpopulistisch, zum Teil rechtsradikal und rechtsextrem ist, so dass die Wahl einer solchen Partei für einen Christen ebenfalls nicht in Frage kommt.

Wie aber soll der Gläubige grundsätzlich zum Thema politische Wahlen stehen?

 

Das politische System „Welt“

Der Herr Jesus hat einmal zu seinen Jüngern gesagt: „Und wenn er [der Heilige Geist] gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater hingehe und ihr mich nicht mehr seht; von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist“ (Joh 16,8-11)

Die Gegenwart des Heiligen Geistes auf der Erde (er wohnt nach 1. Korinther 6,19 in jedem Gläubigen und nach 1. Korinther 3,16 in der Versammlung Gottes) ist ein Beweis, dass diese Welt unter dem Gericht Gottes steht (Joh 16,8.11). Der Herr Jesus sagt seinen Jüngern, dass die Gegenwart des Geistes Gottes beweist, dass

  • die Welt sündig ist, denn die Kreuzigung des Herrn der Herrlichkeit zeigt, dass sie von einem bösen, sündigen Prinzip beherrscht sein muss.
  • der Herr Jesus, der von dieser Welt gekreuzigt wurde, dagegen gerecht war; es ist nur recht, dass derjenige, der nicht gesündigt hat, von Gott verherrlicht wurde, so dass Er den Heiligen Geist auf die Erde senden konnte.
  • die Welt unter Gottes Gerichtsurteil steht, weil am Kreuz bereits ihr Fürst, der Teufel, gerichtet worden ist (vgl. Heb 2,14.15; 1. Mo 3,15).

Die Sendung des Geistes Gottes signalisiert uns: Diese Welt ist nicht mehr reformierbar – das gilt im Übrigen im Blick auf jedes einzelne Land. Sie alle stehen unter dem Gerichtsurteil Gottes, das Er durch den Herrn Jesus ausführen wird. Es handelt sich nicht um die Frage, „ob“ – sondern allein um die Frage „wann“.

Kann man dann aber teilnehmen an einer Wahl, deren Ergebnis eine Regierung ist, die diese Welt für den Menschen komfortabler machen soll, ohne Gottes Willen zu berücksichtigen? Vor allem gilt, dass politische Parteien Teil des Systems dieser Welt sind, das unter der Herrschaft des Teufels steht. Er ist der Gott dieser Welt (2. Kor 4,4). Damit gehören die Parteien zu dem politischen System, das außer dem religiösen System vor 2.000 Jahren unseren Retter an das Kreuz brachte.

Wollen wir als Erlöste aktiv teilnehmen an dem, was zu diesem System gehört?

 

Trennung vom Bösen

In der Bibel lesen wir: „Von jeder Art des Bösen haltet euch fern“ (1. Thes 5,22), und: „Steht ab von der Ungerechtigkeit“ (2. Tim 2,19). Gott ruft uns an keiner Stelle dazu auf, Kompromisse mit dem Bösen zu schließen. Und sind Kompromisse nicht das große Kennzeichen von Politik und Regierungen, manchmal sogar bei absoluten Herrschern und Diktatoren? Oft bleiben persönliche Überzeugungen von christlich orientierten Politikern auf der Strecke.

Muss man als aufrichtiger Christ nicht immer solche Kompromisse eingehen, wenn man wählen geht – egal, welche Partei (oder Spitzenkandidaten) man wählt? Es ist wohl auszuschließen, dass es auch nur eine aktuell wählbare Partei gibt, die kompromisslos an Gottes Gedanken festhält. Es kann sie gar nicht geben, da sie ja bereit wäre, sich an der Verbesserung der Welt zu beteiligen. Wir haben bereits gesehen, dass das für einen Christen angesichts des Gerichtsurteils Gottes über diese Welt nicht in Frage kommt.

So wählt man als Christ nicht nur eine Partei, die auch im Blick auf die Wahrheit Kompromisse eingeht, selbst wenn sie sich christlich nennen mag; man geht auch selbst faule Kompromisse mit der Wahrheit ein.

 

Gegen Gottes Entscheidung?

Bis heute gilt, dass Obrigkeiten nach Römer 13,1 von Gott eingesetzt werden. Mit anderen Worten: Gott setzt Regierungen ein. Das galt auch, als der grausame römische Kaiser Nero an der Macht war. Gerade in seiner Regierungszeit schrieb Paulus diese Worte.

Das mag widersprüchlich klingen: Diese Welt steht einerseits unter dem Gerichtsurteil Gottes (Joh 16,8.11), und andererseits setzt Gott in dieser Welt Regierungen ein. Aber so ist es. Solange in dieser Welt Christen leben, hält Gott das Böse bis zu einem gewissen Grad noch zurück. Dazu ist Er es, der Regierungen einsetzt. Natürlich werden die Verantwortlichen Ihm für ihr Tun einmal Rechenschaft ablegen müssen. Aber Er ist es, der dem Bösen noch keine vollständig freie Bahn lässt. Das wird sich ändern, wenn Er beginnt, nach der Entrückung der Gläubigen das Gericht auszuführen.

Was ist außerdem, wenn ich eine Partei wähle, die am Ende nicht an der Regierung beteiligt ist? Begebe ich mich dadurch nicht in einen Widerspruch zu dem, was Gott will bzw. bewusst zulässt in diesem Land? Da ich Gottes Plan aber gar nicht kenne(n kann) und sich in der Vergangenheit einige Male gezeigt hat, dass Wahlprognosen an der Wahlwirklichkeit vorbeigehen, sollte man sich gar nicht erst in Gefahr begeben, auch in dieser Hinsicht gegen Gottes Willen abzustimmen.

 

Himmel oder Erde?

Als Christen gehören wir nicht zu dieser Welt. Wir sind Himmelsbürger. „Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln“ (Phil 3,20), sagt uns der Apostel Paulus ausdrücklich. Wenn wir uns der himmlischen Stellung in Christus Jesus mehr bewusst wären, die in Epheser 1–3 vorgestellt wird, würden wir weniger irdisch gesinnt sein. Politische Wahlen hätten für uns dann auch keine Anziehungskraft mehr. Christus und der Himmel würden stattdessen unser Herz gefangen nehmen. Wir sind Botschafter des Himmels auf der Erde. Und ein Botschafter hat in einem anderen Land kein Wahlrecht.

Können wir als Botschafter des Himmels wirklich wählen in dieser Welt, zu der wir nicht gehören? Möglicherweise kommt uns diese Frage seltsam vor, weil wir durch Schule und Ausbildung/Studium heute einer solchen demokratischen Erziehung ausgesetzt sind, dass wir es für ganz normal halten, auch in politischer Hinsicht „mitzumischen“. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an etliche Aufrufe zu Petitionen gegen die „Ehe für alle“. So traurig die Entwicklung auch ist – daran werden sich Christen nicht beteiligen wollen, denn wir sind Fremdlinge in dieser Welt (1. Pet 1,17; 2,11). Wir werden wohl für die Regierenden beten, aber wir wollen unseren „Status“ auf der Erde nicht aus dem Auge verlieren.

 

Die richtige Perspektive

Zum Schluss: Der Apostel Paulus schreibt den Kolossern in seinem Brief über die richtige Orientierung des Christen: „Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott“ (Kol 3,1-3).

Mit diesen Versen aus dem Kolosserbrief ist eigentlich alles beantwortet. Wir sind heute nicht aufgerufen, zu herrschen und zu regieren, sondern den Menschen das Evangelium zu verkündigen und in einer Welt, die Christus nach wie vor ablehnt, zur Ehre Gottes zu leben. Die Beschäftigung mit der Politik ist sicherlich keine nach oben gerichtete Perspektive. Im Unterschied zu unserer irdischen Arbeit, die wir nach Kolosser 3 ausdrücklich für den Herrn ausführen sollen, finden wir im Neuen Testament keine Ermunterung, an der Politik Anteil zu nehmen. Der Himmel aber ist die Blickrichtung, die dem Gläubigen weiterhilft, im Alltagsleben wie im Dienst für den Herrn.

 Folge mir nach – Heft 8/2017