15.01.2018 Menschliches Zusammenleben | Persönlicher Glaube

Immer mehr Opioide werden verschrieben

Bild: Schlafmohn

Es gibt Menschen, die schon über Jahre Opioide als Schmerzmittel nehmen. Das sind Mittel, die sich vom Morphin ableiten und als Suchtproblem bekannt sind. Manche Betroffene gehen schon lange nicht mehr arbeiten, auch ein Freundes- und Familienkreis existiert für sie nicht mehr. Betroffene Wirkstoffe heißen beispielsweise Fentanyl und Oxycodon. Für weniger stark wirksame Arzneien wie Codein oder Tramadol aber reichen „normale" Rezepte. Laut dem Jahrbuch Sucht dieses Jahres ist die von Ärzten verordnete Menge dieser Opioide in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen. Von 2006 bis zum Jahr 2015 soll es sich um eine Steigerung von 1/3 handeln.

 

Man darf bei der Beurteilung nicht außer Acht lassen, dass Schwerkranke notwendigerweise mit Opioiden zu versorgen sind. Wenn es sich aber um unspezifische Schmerzen handelt, ist die Gefahr groß, dass der Körper eine Toleranz entwickelt und dann zunehmend auf diese Schmerzmittel angewiesen ist. Wie oben beschrieben isolieren sich solche Menschen zunehmend, so dass sie in einen Kreislauf geraten.

 

Was haben wir als Christen nun damit zu tun? Schmerzpatienten leben in einer Art Hilflosigkeit. Hier sind wir gefordert. Es kann nicht darum gehen, sie (in einem ersten Schritt) einer Sucht anzuklagen. Aber es muss darum gehen, ihnen hilfreich zur Seite zu stehen. Suchen wir bewusst als Gläubige ihren Kontakt, oder meiden auch wir sie und isolieren sie dadurch? „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit" (1. Kor 12,26), schreibt der Apostel Paulus über den Zusammenhalt der Gläubigen in der Versammlung (Gemeinde) Gottes. Ist das praktische Realität?

 

Vielleicht ist der chronische Schmerz auch ein Hilferuf eines Gläubigen, der schlicht nach Gemeinschaft und Hilfe schreit. Der vielleicht mit ganz anderen Problemen ursächlich zu kämpfen hat als mit den körperlichen Schmerzen. Nicht von ungefähr spricht man von psychosomatischen Schmerzen. Nicht, dass wir uns anmaßen dürften, beurteilen zu können, was das Problem eines anderen ist. Aber Hilfe ist allemal angesagt.

 

Christen haben - neben vielem anderen - einen großen Vorteil, dass sie nicht alleine sind. Helfen wir? Stehen wir anderen zur Seite?

 

Und wenn Du selbst als Schmerzpatient betroffen bist? Such Dir aktiv Hilfe! Geh zu einem Gläubigen Deines Vertrauens, der schweigen kann und mit Dir durch Deine Not hindurchgeht. Der Dir als Ansprechpartner und auch als Gegenüber zur Verfügung steht. Der Dir vielleicht auch die richtigen (und kritischen) Fragen stellen kann, die Du brauchst. Die Tatsache, dass Du mehr oder weniger ständig von Schmerzmitteln abhängig bist (nochmal, wir reden hier nicht von Tumorpatienten etc.!), zeigt Dir, dass Du allein im Moment nicht klarkommst. Sei dankbar für jeden, der Dir von Herzen zur Seite stehen möchte. So etwas kann Dich aus Deiner gefühlten Isolation herausbringen.