26.08.2017 Jesus Christus / Gott | 1. Petrus

Jesus Christus, der Sündenträger

Dieser Vers aus dem Petrusbrief lenkt die Gedanken nach Golgatha hin, wo der Herr Jesus, erhöht von dieser Erde, in den drei Stunden der Finsternis unter dem Gericht Gottes Sündenträger war und die Sünden vieler getragen hat (Heb 9,28).

 

Voraussetzungen

Doch bevor wir uns mit dem Sündenträger als solchem beschäftigen, sei zunächst auf eine wichtige Voraussetzung hingewiesen, dass Sünden nur von einem Menschen stellvertretend getragen werden können, wenn dieser selbst sündlos ist. Diese Voraussetzung ist allein im Menschen Jesus Christus, dem Sohn Gottes, zu finden. So lesen wir in Gottes Wort, dass Er „keine Sünde tat“ (1. Pet 2,22), dass Er „keine Sünde kannte“ (2. Kor 5,21) und „Sünde ist nicht in ihm“ (1. Joh 3,5). Drei verschiedene, von Gott benutzte und inspirierte Schreiber des Wortes Gottes geben uns Zeugnis darüber, dass Er vollkommen rein war. Unter diesem Blickwinkel finden wir den Herrn Jesus auch als das Lamm, welches ohne Fehl und ohne Flecken offenbart worden ist (1. Pet 1,19). Auch dieser Vers gibt eine weitere Bestätigung des schon Erwähnten: dass Er ohne einen Makel gewesen ist. Diese so wichtige Tatsache der Sündlosigkeit des Herrn Jesus ist eine wichtige Voraussetzung, dass Er im Gericht Gottes, entsprechend den heiligen und gerechten Anforderungen Gottes, als Sündenträger vor Gott kommen konnte.

 

Die Bedeutung des Sündenträgers liegt darin, dass Er Sünden auf sich legen lässt und diese dann stellvertretend vor Gott trägt. Jeder, der in Buße und Bekenntnis zum Herrn Jesus gekommen ist und seine Sünden Ihm bekannt hat, kann nun nach Golgatha blicken und darf wissen, dass seine Sünden dort im Gericht stellvertretend von Jesus Christus, dem Sündenträger, getragen und durch seinen Opfertod ein für alle Mal hinweg getan wurden (Heb 10,14). Der Sündenträger ist für den Gläubigen also zugleich auch der Stellvertreter.

 

Wessen Sünden?

Wenn wir nun den Sündenträger als solchen vor uns haben, wollen wir zuerst betrachten, wessen Sünden Er stellvertretend auf dem Holz getragen hat. Auch hierüber gibt uns der Vers aus dem Petrusbrief Aufschluss. Der Apostel drückt es in den Worten „unsere Sünden“ aus. Durch das Pronomen „unsere“ wird deutlich, wessen Sünden es waren: Es sind die Sünden der Menschen gewesen, die den Herrn Jesus im Glauben angenommen haben. Es sind nicht die Sünden aller Menschen – wenn auch das Werk an sich dazu ausreicht –, sondern nur derjenigen, die an Ihn glauben und mit einem Sündenbekenntnis zu Gott gekommen sind.

 

Diese Wahrheit drückt der Geist Gottes auch an anderen Bibelstellen aus, indem Er von den „vielen“, statt von „allen“ spricht (Heb 9,28; Mk 10,45; Jes 53,12b). Damit zeigt Er, dass Christus nur der Sündenträger und Stellvertreter derjenigen ist, die an Ihn glauben. Dies schließt in sich ein, dass der Apostel Petrus auch sich selbst und die Empfänger des Briefes, die Fremdlinge von der Zerstreuung, die an Jesus Christus glaubten, mit „unseren“ bezeichnet.

 

Was hat Er getragen?

Damit kommen wir zu einem weiteren Gegenstand des oben genannten Verses, aus dem sich entnehmen lässt, was der Sündenträger Jesus Christus getragen hat. Aus Gottes Wort wissen wir, dass der Herr Jesus in den drei Stunden der Finsternis zur Sünde, zum Prinzip der Sünde, gemacht wurde (2. Kor 5,21). Doch hier im Petrusbrief haben wir eine andere Seite vor uns, die zum selben Zeitpunkt stattfand und ebenso von grundlegender Bedeutung ist. Wir sehen hier, dass der Herr Jesus die Sünden getragen hat. Darunter sind alle sündigen Handlungen, Gedanken sowie Worte zu verstehen, die wir ausgeübt, gedacht bzw. gesagt und im Eigenwillen ausgelebt haben.

 

Somit ist jede böse Tat, jeder böse Gedanke, der nicht gefangen genommen wurde und zur Sünde geworden ist, jedes böse Wort, jede Handlung, die im Widerspruch zu Gottes Willen steht und von Gott als Sünde bezeichnen werden muss, auf den Herrn Jesus, das reine und fleckenlose Lamm, in den drei Stunden der Finsternis gelegt worden. So bildeten alle unsere Sünden das, was Gott auf Ihn legte. Es gibt keine Sünde des Gläubigen, die der Herr Jesus nicht getragen hat.

 

Wo hat der Herr die Sünden getragen?

Jetzt kommen wir zu einem Aspekt, der ausdrückt, wo der Herr Jesus unsere Sünden getragen hat. Zunächst finden wir im Brief an die Hebräer, dass Er sich einen Leib hat bereiten lassen (Heb 10,5) – einen Leib, der völlig sündlos war. Als Er dann in den drei Stunden der Finsternis als Sündenträger unter das Gericht Gottes kam, wurden unsere Sünden auf den Menschen Jesus Christus gelegt, der diese dann, an seinem Leib, trug. In diesem Leib, in dem Er hier in Reinheit über diese Erde schritt, trug Er nun unsere Sünden. „Denn Übel bis zur Unzahl haben mich umgeben, meine Ungerechtigkeiten haben mich erreicht, dass ich nicht sehen kann; zahlreicher sind sie als die Haare meines Hauptes“ (Ps 40,13). Es waren unsere Sünden, die Ihn nun erreicht hatten. Gott hat sie auf Ihn gelegt und Er hat sie an seinem Leib getragen.

 

Zum Schluss finden wir, dass der Herr Jesus als Sündenträger die Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat. Mit den Worten „auf dem Holz“ wird ausgedrückt, dass Er unsere Sünden am Kreuz, das aus Holz gefertigt war, trug und auch dort das Opfer für die Sünden stellte. Neben diesem „örtlichen“ Aspekt – auf dem Holz – lässt sich darin auch zugleich ein „zeitlicher“ Aspekt ableiten, wann Er unsere Sünden getragen hat. „Und als die sechste Stunde gekommen war, kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde“ (Mk 15,33). Bis zur sechsten Stunde hatte der Herr Jesus schon drei Stunden am Kreuz gehangen (Mk 15,25-32). Er hatte aber noch keine einzige Sünde getragen und war von Gott auch noch nicht verlassen worden. Er litt in dieser Zeit vonseiten der Menschen, die ihren ganzen Hass und ihre ganze Verachtung dem Herrn Jesus am Kreuz entgegenbrachten, was einen tiefen Schmerz für seine Seele bedeutete.

 

3 Stunden

Doch dann kam die sechste Stunde. Damit begann am Kreuz die zweite Zeitspanne, von der die Bibel berichtet und die drei Stunden und bis zur neunten Stunde andauerte (Lk 23,44). In diesen drei Stunden herrschte eine Finsternis über das ganze Land, und der Herr Jesus wurde von einem heiligen und gerechten Gott zur Sünde gemacht und mit unseren Sünden beladen. Gott musste sich in diesen drei Stunden von Ihm abwenden und Ihn verlassen (Ps 22,2.4). Er konnte als der Heilige nun keine Gemeinschaft mehr mit dem Herrn Jesus haben. Aufgrund dieser Tatsache, dass Gott in diesen drei Stunden den Herrn Jesus verließ, wissen wir, dass Er in dieser Zeit, auf dem Holz, der Sündenträger war und unsere Sünden trug. 

 

Wie sehr hat seine reine Seele in diesen Augenblicken gelitten, als unsere Sünden, der „Schlamm“, auf Ihn gelegt wurden. Gott konnte sich dem Herrn Jesus nicht zuwenden. Er musste Ihn für unsere Sünden strafen (Jes 53,5.6) – Sünden, die Er nie getan hatte, die Er aber in seiner Liebe auf sich legen ließ. Zum Schluss hat Er sein Leben – als Mensch – ausgeschüttet in den Tod und das Opfer für die Sünden dargebracht (Jes 53,12; Heb 9,28). Dieses Sündopfer war notwendig, um unsere Sünden vor den Augen Gottes in Ewigkeit zu entfernen (Ps 103,12). Nun wird Er der Sünden der Gläubigen nie mehr gedenken (Heb 10,17).

 

Mögen die Leiden des Herrn Jesus für unsere Sünden mehr vor unseren Herzen stehen, um auch dadurch mehr ein Leben der praktischen Reinheit zu leben und den Sünden abzusterben. Wenn das Bewusstsein der Leiden des Herrn Jesus für unsere Sünden in unseren Herzen wächst, wird es dazu führen, dass wir eine Abscheu für die Sünde entwickeln und uns von dieser distanzieren. So sterben wir den Sünden praktischerweise ab.