16.07.2017 Matthäus

Erkenntnis (Belehrung) und Taufe

Bibelausleger haben darauf hingewiesen, dass Petrus „Schlüssel“ (in der Mehrzahl) und nicht nur einen Schlüssel bekommen hat. Die Frage ist, ob dieser bildliche Begriff in dieser Weise wörtlich ausgelegt werden muss, was die Anzahl der Schlüssel betrifft. Grundsätzlich müssen wir nicht von mehreren Türen ausgehen. Es gibt eine Tür, durch die man in das Königreich der Himmel eintreten kann. Insofern musste Petrus nicht drei verschiedene Schlüssel betätigen, um Juden, Samariter und Heiden zu Christus zu führen.

Dennoch ist von Schlüsseln die Rede. Man mag das auf die drei aufeinanderfolgenden Etappen beziehen (Apg 2, 8, 10), bei denen Gläubige der Versammlung hinzugetan wurden. Vielleicht kann man bei mehreren Schlüsseln auch an Folgendes denken: Jesus spricht zu den Gesetzgelehrten in Lukas 11,52: „Wehe euch Gesetzgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und ihr habt die gehindert, die hineingehen wollen“ (vgl. auch Mt 23,13). Dann könnte man unter einem Schlüssel die Erkenntnis verstehen, die notwendig ist, um den richtigen Weg zu gehen. Mit anderen Worten: Petrus hat die Aufgabe übertragen bekommen, die Menschen über den Weg zu belehren, den sie gehen müssen, um in dieses Königreich hineinzugehen.

Diesen Gedanken kann man mit Matthäus 28,18-20 verbinden. Dort sagt der Herr Jesus: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.“

Der eine Schlüssel ist dann die Lehre und Belehrung, durch die man die Nationen zu Jüngern macht und ihnen Erkenntnis weitergibt. Die Pharisäer hatten Menschen den Zugang zu dieser wahren Erkenntnis verwehrt. Sie meinten, selbst weise zu sein (auch wenn der Herr Jesus verschiedentlich deutlich macht, dass sie letztlich töricht waren), wollten aber diese Weisheit nur in ihren eigenen Reihen zulassen. Das einfache Volk benötigte aus ihrer Sicht diese Einsicht nicht. Das kennen wir auch heute in einer großen Kirche, die im Widerspruch zu Gottes Wort behauptet, dass nur die Kirche lehren darf (obwohl die Kirche belehrt wird). Diese Lehre bleibt inmitten des „Klerus“, während das einfache Volk angeblich kein Recht besitzt, Lehrfragen zu besprechen. So steht diese Kirche in der Tradition der Pharisäer.

Matthäus 28,19 zeigt dann noch einen zweiten Schlüssel: Diesen stellt nach diesem Vers die Taufe dar, durch die ein Mensch zumindest äußerlich zu einem Jünger des Herrn wird und somit in das Königreich eingeht. Die Tatsache, dass der Herr hier seine Macht mit dem Tun der Jünger verbindet, wie das in Matthäus 16,19 mit dem Handeln von Petrus verbunden wird, könnte eine Bestätigung dieses Gedankengangs sein.

Allerdings gilt es zu bedenken, dass in Matthäus 28 alle Jünger angesprochen werden, in Matthäus 16 dagegen nur Petrus. Zudem gibt der Herr, was die Schlüssel betrifft, in Matthäus 16 keine konkrete Auslegung, die wir eigentlich erwarten müssten, wenn der Herr mit den Schlüsseln eine besondere Belehrung für uns verbinden wollte, die über ein grundsätzliches Handeln in regierender Verwaltung hinausgehen sollte. Zudem lesen wir an keiner Stelle, dass Petrus selbst getauft hätte. Wir lesen nur, dass er Anweisung gab, Menschen zu taufen.