18.03.2017 Matthäus | Jesus Christus / Gott | Persönlicher Glaube

Wer ist der Sohn des Menschen?

Bild: Johannes der Täufer

Der Herr hatte die Jünger gefragt, was ihre Volksgenossen wohl meinten, wer Er sei. Wenn man die Antwort der Jünger hört, so könnte man auf den ersten Blick beeindruckt sein von dem Urteil der Menschen. Hier geht es nicht um die Meinung der Pharisäer und Sadduzäer. Sie lehnten Jesus rundweg ab, wie wir immer wieder gesehen haben. Der Herr wollte die Meinung der Volksmengen, die sich bislang noch nicht feindlich, wohl aber oftmals gleichgültig seinem Wirken gegenüber gezeigt hatten, offenbar machen. Was war deren Urteil?

a)  Johannes der Täufer war allen noch in Erinnerung geblieben. Der Herr selbst hatte ihn als den Größten von Frauen geborenen Menschen bezeichnet (vgl. Mt 11,11). Er hatte zwar keine Wunder vollbracht, aber sein Wirken besaß eine solche moralische Kraft, dass sich nicht einmal die Pharisäer und Sadduzäer dieser Autorität zu entziehen wussten (vgl. Mt 3,7; 21,26).

b)  Elia war der Inbegriff des Propheten im Alten Testament. In einer geradezu einmaligen Furchtlosigkeit trat er in Israel auf und vollbrachte viele Wunder. Sogar Regen konnte er für dreieinhalb Jahre verhindern, Feuer vom Himmel werfen lassen! Zudem ist er nie gestorben, sondern im Sturmwind in den Himmel aufgefahren (2. Kön 2,11).

c)  Jeremia war der Prophet, der das längste Bibelbuch geschrieben hat (nicht nach Kapiteln gerechnet, sondern nach der Textlänge). Zwar war sein Einfluss offenbar vergleichsweise gering gewesen, denn weder der König noch das Volk hörten auf die Worte dieses Mannes. Dennoch war zumindest im Nachhinein sehr deutlich geworden, dass Gott aufseiten dieses Mannes stand. Allein unser Bibelbuch zeigt mindestens zwei Erfüllungen der Weissagungen von Jeremia (2,17; 27,9).

d)  Einer der Propheten: Die Menschen wollten sich nicht festlegen. So waren sie sich nicht einig, ob Jesus vielleicht doch einer der anderen bekannten Propheten war. Diese standen in Israel insgesamt in einem sehr hohen Ruf, wenn man auch, wie bei Jeremia erwähnt, oftmals nicht auf ihre Hinweise reagieren wollte und sie sogar hingerichtet hatte. Aber die Klasse der Propheten wurde doch insofern geachtet, als man zugab, dass sie von Gott selbst besonders begabt worden waren. Und hinterher berief man sich gerne auf sie (vgl. Mt 23,29).

 

Waren die Meinungen also nicht sehr beachtlich, die wir hier lesen? Auf den ersten Blick schon. Aber in Wirklichkeit war das Gegenteil der Fall. Denn einerseits waren sich die Menschen nicht einig, wer hier vor ihnen stand. Jeder hatte seine eigene Meinung, und offenbar hatte keiner von ihnen erkannt, dass hier „mehr als Jona“ und „mehr als Salomo“ (vgl. Mt 12,41.42) vor ihnen stand. Andererseits hatte diese personale Zuordnung im Blick auf Propheten keine nachhaltige Wirkung auf die Volksmengen ausgeübt. Denn warum nahmen sie dieses besondere Werkzeug Gottes dann nicht an und beugten sich unter seine Worte?