11.01.2017Jeremia | Persönlicher Glaube

Kehre um und sei wie mein Mund

Jeremia war vom Grimm erfüllt (Jer 15,17) und verwünschte den Tag, als er geboren wurde (Jer 15,10)! Konnte es sein, dass Gott zu ihm „wie ein trügerischer Bach“ und „wie Wasser, die versiegen“, war (Jer 15,18), so unbeständig und vielleicht hart? Gott will das Volk richten, das Er liebt und zu dem er gehört, und keiner im Volk hört, was der Prophet sagt. Er war allein und unzufrieden.

Doch Gott antwortet, und Er endet damit, dass er Jeremia Mut zuspricht:

„Und ich werde dich diesem Volke zu einer festen ehernen Mauer machen, und sie werden gegen dich kämpfen, aber dich nicht überwältigen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten und dich zu befreien, spricht der HERR. Und ich werde dich befreien aus der Hand der Bösen und dich erlösen aus der Faust der Gewalttätigen.“ (Jer 15,20.21)

Gott wird helfen und seinen Knecht nicht verlassen, allerdings hat Er ihm vorher noch etwas zu sagen.

„Wenn du umkehrst“

Bei Gott gibt es immer die Möglichkeit, umzukehren. Das gilt zum einen für alle Menschen in dieser Zeit der Gnade; sie müssen ihre Sünden einsehen und sie Gott bekennen – aber das gilt auch für Gläubige (1. Joh 1,8.9; Spr 28,13).

Jeremia begann, an Gottes Zuverlässigkeit zu zweifeln. Geht uns das nicht auch manchmal so? Dabei geht es uns oft viel besser, und unser Dienst ist in seiner Schwierigkeit bei weitem nicht mit dem von Jeremia vergleichbar. Aber wenn dann Gegenwind kommt, lassen wir die Arme sinken und flüchten uns in irdische oder weltliche Dinge und müssen am Ende sogar Sünden bekennen. Dabei sagt der Herr Jesus, dass die Mühseligen zu Ihm kommen sollen (Mt 11,28), denn Er will Ruhe geben. Wenn du vielleicht enttäuscht oder mutlos bist, dann denke dir nicht: Ist doch egal – dann besorge ich mir halt auf andere Weise Freude. Nein – flüchte dich zum Herrn Jesus, fern von allen Problemen und allen Leuten um dich her! Mach einen Ausflug in den Himmel, denn die himmlischen Örter sind für uns zugänglich (Eph 1,3)! Vergiss mal alles um dich herum und schlag deine Bibel auf (und vielleicht auch eine Betrachtung dazu) und lass dir von Gott zeigen, was IHN so bewegt, was ER vorhat, wie ER die Dinge (vom Himmel, deinem eigentlichen Zuhause aus) sieht, was IHM kostbar ist. Du wirst gesegnet und bekommst Ruhe, Kraft und vielleicht auch Gewissheit, während du, wenn du dich für die Flucht in fleischliche Dinge entschieden hättest – vom vielleicht kurzem Vergnügen –, nur noch viel größere Bitterkeit davongetragen hättest.

Gott sprach Jeremia hier ähnlich wie das Volk Israel an, mit dem Gott auch einmal wieder anfangen wird, nachdem sie umkehren und den Herrn Jesus als Messias anerkennen werden (Zeph 3,12; Sach 12,10; Heb 4,9; Amos 5,4; Hos 6,1.2).

 

„So will ich dich zurückbringen, dass du vor mir stehst“

Auf Umkehr folgt Wiederherstellung. Gott würde ihn „zurückbringen“. Und auf Wiederherstellung folgt Gemeinschaft. Die Bereitschaft, Schuld einzusehen und sie und den Ausgangspunkt zu ihr zu bekennen, macht dich brauchbar für Gott! Das kannst du bei vielen Gläubigen in der Bibel sehen. Jakob war ein Betrüger, Noah war betrunken, Simson war ein Frauenheld, Rahab war eine Prostituierte, David hatte eine Affäre und war ein Mörder, Elia wollte Selbstmord begehen, Jona floh vor Gott, Petrus verleugnete den Herrn und – und wie besonders hat Gott sie doch gebraucht! Gott möchte auch dich zurückbringen, dass du vor Ihm stehst.

 

„dass du vor mir stehst“

Was heißt das, vor Gott zu stehen? Wenn du vor Gott stehst, bist du zuallererst Ihm verantwortlich und dienst zuallererst Ihm! Gott möchte dich gebrauchen, und es ist mehr als richtig, wenn der Herr und sein Werk – der Dienst für Ihn – für dich die erste Priorität haben (Mt 6,33; Kol 3,17.23; Röm 12,1), natürlich nicht blind, sondern so, wie Er es will (Joh 12,26). Aber es heißt auch, zuallererst Ihm verantwortlich zu sein, nicht Menschen. Als Elia zum König Ahab sprach, benutzte er eben diese Formulierung: „So wahr der HERR lebt, der Gott Israels, vor dessen Angesicht ich stehe, wenn es in diesen Jahren Tau und Regen geben wird, es sei denn auf mein Wort!“ (1. Kön 17,1 – genauso in 1. Kön18,15 und bei Elisa in 2. Kön 3,14 und 5,16). Eigentlich müssten seine Knie geschlottert haben, so ein direktes Wort an den König zu richten. Aber er sah sich vor Gott, dem er verantwortlich war, der der Größte von allen ist und der auch dir bei dem, was vielleicht ansteht, Kraft und Ruhe geben kann (Joh 14,27; 2. Tim 1,7; Phil 4,6.7).

 

„und wenn du das Kostbare vom Verachteten absonderst“

So handelt Gott. Er sieht auf das Gute und trennt es vom Bösen. Das Böse wird dann gerichtet. So hat Gott beispielsweise auch bei Sodom und Gomorra gehandelt. Er hat das Böse gerichtet, aber vorher hat Er Lot mit seinen zwei Töchtern in Sicherheit gebracht. Auch Jeremia sollte lernen, auf das Gute zu achten. Er sollte das, was zu Gott gehört und von Gott kommt, nicht verurteilen, auch wenn es für das ganze Volk zu spät sein würde für Segen, weil das Gericht Gottes bereits eintraf. Wir sollen also von Gottes Handeln auch für uns lernen. Gott möchte, dass, wie Er heilig ist, auch wir in unserem Lebenswandel heilig sind (1. Pet 1,15.16) und dass wir uns vom Bösen absondern, wenn nötig, auch als Gemeinde (1. Kor 5,2.7). Aber umgekehrt gilt es auch, dass wir dort, wo es hoffnungslos böse aussieht, nicht das wenige Gute, das vielleicht noch vorhanden ist, übersehen! Gott tut das auch nicht. Als der Herr zu Sardes spricht, muss Er sagen, dass sie leben und doch tot sind und daher Buße tun müssen (Off 3,2.3), aber er übersieht nicht, dass da einige sind, die sich nicht besudelt haben (Off 3,4) – und auch zu anderen Zeiten hat Gott immer ein Blick für einen treuen Überrest gehabt (vgl. Mal 3,16). Als das Volk letztendlich von Gott durch die Chaldäer gerichtet wurde und Jeremia vor der Wahl stand, ob er mit nach Babel sollte oder bei dem armen, zur Verwaltung dagelassenen Volk bleiben sollte, blieb er im Land, wenn auch zunächst recht unentschlossen (Jer 40,2-6). Aber als das übrige Volk nach Ägypten wollte und Jeremia Gott befragte, gab er ganz klar weiter, dass der richtige Platz IM LAND war (Jer 42,10.11), auch wenn die Lage schlecht und hoffnungslos zu sein schien. Möchten wir, möchtest du nicht auch jemand sein, der treu Gott nachfolgt (Jer 5,3), auch wenn alles um dich herum geistlich geradezu verfällt?

 

„so sollst du wie mein Mund sein“

Jeremia sollte umkehren, vor Gott stehen und lernen, wie Gott das Kostbare vom Bösen unterschied. Gott möchte auch uns gebrauchen. Und dann sollte Jeremia wie Gottes Mund sein, wenn er sprach! Möchte Gott das nicht auch von dir? Vielleicht bist du kein Lehrer oder Evangelist, und doch darfst du über geistliche Dinge sprechen und solltest das Evangelium weitersagen – und du wirst auch beides tun, wenn dein Herz davon voll ist (Mt 12,34). Gott möchte auch dich wie seinen Mund benutzen (2. Tim 4,2; Röm 10,14)! Und wenn du wie Gottes Mund sein sollst, heißt das dann nicht auch, dass du gewisse Dinge gar nicht sagst (Jak 3,10)? Da macht es keinen Unterschied, ob du im Alltag, in der Freizeit, zu Hause oder in den Zusammenkünften der Gläubigen sprichst.

 

„du aber sollst nicht zu ihnen umkehren“

Und zum Schluss gilt es auch, sich entschieden zu weigern, wieder zum Bösen umzukehren. Man hat die Nähe zu Gott genossen, erfahren, wie Gott handelt, und in Abhängigkeit von Ihm auch selbst gehandelt. Doch wenn man die Früchte der Abhängigkeit von Ihm genießt, ist die Gefahr groß, die Abhängigkeit zu verlieren! Versuche immer wieder, praktischerweise Zeit in den himmlischen Örtern zu verbringen, und lass dich nicht davon abbringen, zu beten und Gottes Wort zu lesen. Sobald das eigene Ich und nicht mehr der Herr Mittelpunkt ist, ist das Böse nicht mehr weit (Phil 3,7; 2. Pet 1,3; 3,18).