09.10.2016Matthäus | Jesus Christus / Gott | Persönlicher Glaube

Christus ist Sohn Davids für Israel

Bild: Tyrus (mit freundlicher Genehmigung von http://www.bibleplaces.com/tyre.htm)

Man mag ein wenig über die Reaktion Jesu erstaunt sein: „Er aber antwortete ihr nicht ein Wort.“ War denn kein Glaube bei dieser Frau vorhanden? Gab es in ihrem Leben etwas, was nicht in Ordnung war und den Herrn dazu brachte, ihr nicht zu antworten? Nein, der Grund für das Schweigen des Herrn lag an etwas anderem: Diese Frau gehörte nicht zum Volk Israel. So hatte sie auch keine Ansprüche auf den Segen Israels. Wie kam sie dazu, Jesus „Sohn Davids“ zu nennen? Sie gehörte nicht zu den Kindern Davids, zu dem Volk Davids. So war Christus auch nicht „ihr“ Messias.

Es könnte sein, dass sie hoffte, Ihn durch diese Anrede günstig zu stimmen. 1 Vielleicht ist das auch der Grund, schreibt der empfehlenswerte Bibelausleger William Kelly, dass es heute manche ängstlichen Personen gibt, die nicht wissen, was mit ihren Sünden ist, und die deshalb immer wieder das „Vaterunser“ (Mt 6) beten, damit Gott ihnen positiv gesonnen ist. Sie kommen zu Gott als zu ihrem Vater und bitten Ihn, mit ihnen als mit Kindern zu handeln. Aber genau diese Stellung genießen sie gar nicht. Sind sie Kinder? Können sie wirklich sagen, dass Gott ihr Vater ist? Gerade davor würden sie zurückschrecken (obwohl das für jeden wahr ist, der Jesus Christus als seinen persönlichen Retter annimmt). Sie wünschten, dass es so ist, aber sie haben Angst, dass es nicht so ist. Daher haben sie auch kein „Recht“, auf dieser Grundlage zu dem Vater zu kommen. Wenn ich diesen Herrn als König und Herrn anspreche, mag er mir vielleicht wohlgesonnener sein und den notwendigen Hilfsdienst ausführen, mögen ihre Gedanken gewesen sein. Aber sie hatte nicht verstanden, dass der Sohn Davids (zunächst) zu seinem eigenen Volk gekommen war, zu dem sie aber gar nicht gehörte. Und somit war hier eine Spur von Unaufrichtigkeit vorhanden, die der Herr bloßlegen muss.

Die Frau stellte sich somit auf einen Boden, der nicht der ihre war. Sie musste lernen, dass sie überhaupt keinen Anspruch auf eine Heilung durch den Herrn besaß. Denn welche Verheißungen hatte Gott für die Kanaaniter gemacht? Welcherart auch die Ratschlüsse Gottes sein mochten, die in Verbindung mit der Verwerfung des Herrn offenbart wurden (vgl. Jes 49,4-6), Christus blieb doch der Diener der Beschneidung, um den Auftrag Gottes an das Volk Israel zu erfüllen. Denn Gott wollte die Verheißungen an die Erzväter erfüllen. Diesen Auftrag gab unser Herr bis zum Ende dieses Evangeliums nicht auf.

Dennoch war bei dieser Frau Glaube vorhanden; sonst würden wir unseren Herrn nicht in dieser Weise reagieren sehen. Der Mut dieser Frau, so zu dem Herrn zu kommen, zeigte Ihm nämlich, dass sie die Lektion lernen würde, die Er ihr erteilen wollte, und dass Er sie damit nicht überforderte. Daher handelt Christus so hart, wie wir sicher empfinden, und setzt diese Prüfung sogar noch weiter fort.

Wir dürfen sicher sein – auch im Blick auf uns selbst: Der Herr schickt niemand fort, ohne ihm nicht ein Angebot der Gnade zu machen. Wer zu Ihm kommt, wird nicht hinausgeworfen. Aber wenn Er sieht, dass Glaube vorhanden ist, prüft Er ihn, um diesen für alle sichtbar zu machen.


Fußnoten:

1 Vielleicht ist das auch der Grund, schreibt der empfehlenswerte Bibelausleger William Kelly, dass es heute manche ängstlichen Personen gibt, die nicht wissen, was mit ihren Sünden ist, und die deshalb immer wieder das „Vaterunser“ (Mt 6) beten, damit Gott ihnen positiv gesonnen ist. Sie kommen zu Gott als zu ihrem Vater und bitten Ihn, mit ihnen als mit Kindern zu handeln. Aber genau diese Stellung genießen sie gar nicht. Sind sie Kinder? Können sie wirklich sagen, dass Gott ihr Vater ist? Gerade davor würden sie zurückschrecken (obwohl das für jeden wahr ist, der Jesus Christus als seinen persönlichen Retter annimmt). Sie wünschten, dass es so ist, aber sie haben Angst, dass es nicht so ist. Daher haben sie auch kein „Recht“, auf dieser Grundlage zu dem Vater zu kommen.