07.07.2016 Persönlicher Glaube

Auserwählt in Christus – das Beispiel des Paulus (FMN)

Woher wissen wir um die Auserwählung des Apostels?

Von den Thessalonichern konnte Paulus schreiben: „Wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung" (1. Thes 1,4). Woher wusste Paulus, dass Gott sie auserwählt hatte? Weil sich ihr Leben radikal verändert hatte. Früher praktizierten sie Götzendienst (1. Thes 1,9) - jetzt dienten sie dem lebendigen und wahren Gott. Früher war ihr ganzes Sinnen auf irdische und weltliche Dinge bezogen - jetzt erwarteten sie den Sohn Gottes aus den Himmeln (1. Thes 1,10). Und sie hatten „Werke des Glaubens und der Bemühung der Liebe und des Ausharrens der Hoffnung" (1. Thes 1,3).

Wie sah das beim Apostel Paulus selbst aus? Er nennt sich den „ersten" der Sünder, weil er die Versammlung Gottes verfolgt, ja sogar zerstört hatte (1. Tim 1,15; Gal 1,13). Aber plötzlich und dauerhaft änderte sich sein Verhalten, und zwar grundlegend: „Und sogleich predigte er in den Synagogen Jesus, dass dieser der Sohn Gottes ist" (Apg 9,20). Später lesen wir: „Er durchzog aber Syrien und Zilizien und befestigte die Versammlungen" (Apg 15,41). Seine Umkehr war ebenso radikal wie die der Thessalonicher - und damit „bewies" er ebenso wie diese seine Auserwählung.

 

Wer hat ausgewählt?

Wenn man sich fragt, wer hier zur Veränderung im Leben von Paulus die Initiative ergriff, gibt es nur eine Antwort: Gott. „Saulus aber, noch Drohung und Mord gegen die Jünger es Herrn schnaubend ...", so wird der Bericht der Bekehrung von Paulus in Apostelgeschichte 9 eingeleitet. Er dachte überhaupt nicht daran, Sünden zu bekennen und Jesus Christus als Retter anzunehmen. Im Gegenteil, er wollte alle umbringen, die durch ihre Bekehrung zu Jesus eine Gefahr für das etablierte Judentum darstellten.

„Und plötzlich umstrahlte ihn ein Licht aus dem Himmel; und er fiel auf die Erde ... Er aber sprach: Wer bist du, Herr?" (Apg 9,3-5). Gott griff in seiner unumschränkten Macht und Gnade ein und bewirkte eine neue Geburt bei Paulus. Seine eigentliche Bekehrung wird uns nicht im Einzelnen berichtet. Wir lesen kaum etwas davon, was er selbst tat, nämlich Christus im Glauben als Retter anzunehmen. Auch von Sündenerkenntnis und Schuldbekenntnis wird uns hier zunächst nichts mitgeteilt. Seine Fragen: „Wer bist du, Herr? ... Was soll ich tun, Herr?" (Apg 22,8.10), beweisen, dass diese innere Umkehr (Buße) tatsächlich stattgefunden hatte. Ohne ein inneres Bekenntnis vor Gott, verbunden mit dem Glauben an den Herrn und an sein Erlösungswerk, sind solche Fragen nicht denkbar. Der Handelnde in diesen Bibelversen aber ist Gott.

 

War es eine Auswahl?

Nun kann man fragen: War es eine echte Auswahl? Tatsächlich war Paulus nicht allein unterwegs; auch andere Männer waren mit ihm unterwegs dabei (Apg 9,7). Sie hörten zwar den Schall der Stimme Gottes, die sich an Paulus richtete, aber sie verstanden das Gesagte nicht. Gott sprach allein zu Paulus! Gott hatte ihn ausgewählt. Paulus war für den Herrn, besonders was seinen Dienst betraf und sicher darüber hinaus, sogar „ein auserwähltes Gefäß" (Apg 9,15). Da der Herr diesen Ausdruck als Antwort auf Sorgen von Ananias über die Bosheit von Saulus benutzt, scheint er mir mehr zu umfassen als nur einen Hinweis auf den künftigen Dienst des Apostels.

Warum Gott gerade Paulus auswählte, lesen wir hier nicht. Wir wissen, dass es Gottes Liebe ist, die Menschen vor Grundlegung der Welt (Eph 1,4) ausgewählt hat (vgl. 5. Mo 7,7.8). Wir sehen hier auch bestätigt, dass Gott nicht deshalb Paulus auserwählte, weil Er wusste, dass Paulus sich bekehren würde. Nein, seine Vorkenntnis und Auserwählung betrifft Personen, unabhängig von ihrem Tun. Paulus' Bekehrung war die Folge des Wirkens Gottes. Zugleich erkennen wir, dass diejenigen, die sich bekehren, Auserwählte sind.

 

Paulus' Begleiter - zur Verdammnis erwählt?

Nun stellt sich die Frage, was mit den Begleitern von Paulus war. Gott hatte Paulus nicht speziell „aus dieser Menschengruppe" auserwählt; das wäre ein falscher Gedanke. Aber natürlich fragt man sich: Warum haben sie sich (hier) - soviel wir wissen - nicht bekehrt? Hat Gott sie einfach „links liegen lassen"? Nein, davon kann keine Rede sein. Allein die Tatsache, dass sie diese Veränderung von Paulus sahen, hörten und miterlebten, muss zu ihren Gewissen geredet haben. Immerhin waren sie es, die den jetzt blinden Paulus nach Damaskus führten (Apg 9,8). Gehörten sie vielleicht sogar zu denen, die seine erste Predigt hörten (vgl. Apg 9,20)?

Falls sie sich also nicht bekehrt haben sollten, dann nicht, weil Gott sie nicht auserwählte. Der Grund liegt darin, dass sie die gute Botschaft Gottes, die sie zweifellos mehrfach hörten, nicht annahmen zum Heil.

 

Wozu wurde Paulus von Gott erwählt?

Der Apostel schreibt an die Thessalonicher: „Wir aber sind schuldig, Gott allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit" (2. Thes 2,13). Nicht nur die Auserwählung der Thessalonicher, auch die Auswahl von Paulus, die ebenso „von Anfang" war, das heißt von Ewigkeit her, hatte ein wunderbares Ziel: die Errettung. Zu dieser Errettung war es nötig, dass der Heilige Geist ebendiesen Menschen für sich zur Seite stellte (Heiligung). Genau das tat Gott mit dem Apostel, als Er ihn aus dem Himmel umstrahlte.

Aber natürlich gibt es auch die andere Seite, die Gott nicht verschweigt: der Glaube an die Wahrheit. Sie wird durch die Worte von Saulus (Paulus) deutlich: „Wer bist du, Herr?" (Apg 9,5). Wie kam Paulus dazu, denjenigen „Herrn" zu nennen, den er einige Minuten zuvor noch abgelehnt hatte? Er tat dies, weil in seinem Herzen durch die plötzliche Ansprache Gottes eine Umkehr bewirkt worden war. Das Licht, das den Glanz der Sonne übertraf (Apg 26,13), machte Paulus schlagartig bewusst: Jesus Christus ist der von Gott gesandte Retter, und wenn ich „seine" Christen zu töten suche, dann verachte und verfolge ich Christus. Daher war aus seiner Sicht jetzt nicht allein Gott sein Herr, sondern auch Jesus. Was für eine Umkehr! Sie offenbarte wahren Glauben an die Wahrheit Gottes.

 

Das wahre, ewige Leben

So sehen wir in Paulus einen Mann, dessen Auserwählung vor Grundlegung der Welt stattfand, wovon sich dann ab ca. 36 n. Chr. jeder überzeugen konnte. Gott griff sichtbar in sein Leben ein, und Paulus nahm die gute Botschaft Gottes im Glauben an. So erwies sich die Wahl Gottes als eine Auserwählung zur Errettung und als eine Bestimmung zum ewigen Leben (Apg 13,48). Beides beschränkt sich nicht auf die Seelen-Errettung und den gegenwärtigen Besitz des göttlichen Lebens, sondern geht weit darüber hinaus.

Gott hat Paulus und die Erlösten dazu bestimmt, sogar die Herrlichkeit des Herrn Jesus Christus zu erlangen (2. Thes 2,14). Das ist die großartige himmlische Herrlichkeit, die uns im Herrn Jesus geschenkt wird. Es ist seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit des Sohnes, wohlgemerkt als Mensch. Und Paulus war - wie auch wir - vorherbestimmt, dem Bild des Sohnes gleichförmig zu sein (Röm 8,29). Das ist zugleich das volle Ausmaß dessen, was Gottes Ratschluss in sich schließt.

Eine solch drastische „Karriere" wie Paulus hat keiner von uns erlebt. Aber alle, die sich - wie er - zu Jesus Christus bekehrt haben, dürfen wissen, dass auch sie vor Grundlegung der Welt von Gott auserwählt worden sind.

Folge mir nach - Heft 7/2016