26.05.2016 Persönlicher Glaube

Bibelverse aus dem Kontext reißen

In Verbindung mit der Flüchtlingskrise wird immer wieder Matthäus 25,40 angeführt: „Wahrlich, ich sage euch, insofern ihre es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan."

 

Worauf bezieht sich der Herr Jesus hier? Er spricht von einer Zeit, wenn Er aus dem Himmel auf die Erde kommen wird, um „auf seinem Thron der Herrlichkeit" Platz zu nehmen (Mt 25,31). Zu Beginn des 1.000-jährigen Reiches wird Er also ein Sitzungsgericht über die Nationen halten. Diese kommen vor Ihn nach Jerusalem und werden danach gerichtet, was sie „seinen Brüdern" getan haben.


Wer sind seine Brüder? Das sind die Juden. Wie hatten die Nationen mit ihnen zu tun? Diese Juden waren Missionare, die in der großen Drangsal (Mt 24,21) in die ganze Welt ausströmen werden, um die gute Botschaft des Reiches allen Menschen zu verkündigen (Mt 24,14). Das ist also eine für uns zukünftige Zeit, in der wir längst im Himmel sein werden.

 

Nun werden diese gläubigen Juden, die auf den Herrn Jesus als Messias warten, von den meisten abgelehnt, in Gefängnisse geworfen und getötet (Mt 25,42.43). Aber es gibt unter den Nationen doch solche, die sich dieser jüdischen Missionare erbarmen und ihnen Wasser und Nahrung geben - und zwar auf Lebensgefahr. Und dafür werden sie dann belohnt werden.

 

Dieser Vers nun wird aktuell wieder von der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und ihrem Präsidenten, dem Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Ansgar Hörsting, angeführt, dass wir Flüchtlinge aufnehmen sollen. Und sie sind nicht die einzigen, die auf diese Weise Christen unter Druck setzen (wollen).

 

Vor dem Hintergrund der Verse in Matthäus 25 merkt man sofort, dass diese mit der heutigen Situation überhaupt nichts zu tun haben. Diese Flüchtlinge sind doch keine (jüdischen) Missionare. Und mit Lebensgefahr haben wir auch nichts zu tun. Und sie sind (im Allgemeinen) weder dem Blut nach noch dem ewigen Leben nach „Brüder" des Herrn Jesus.

 

Heißt das, dass wir keine Aufgabe an ihnen haben? Natürlich nicht! Wir sollen allen Menschen gegenüber die gute Botschaft bezeugen und „jederzeit bereit sein zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist" (1. Pet 3,15).

 

Aber wir wollen darüber wachen, dass wir unsere Botschaft nicht dadurch unglaubwürdig machen, dass wir Bibelstellen aus dem Zusammenhang reißen und für unsere Zwecke verbiegen.