28.08.2016Matthäus | Jesus Christus / Gott

Das Beispiel des Herrn: Ehre Vater und Mutter

Der Herr Jesus führt ein konkretes Beispiel an, das deutlich macht, wie sehr sich die Juden von den Geboten Gottes entfernt hatten. Er benutzt dazu das fünfte Gebot vom Sinai: „Ehre den Vater und die Mutter" (2. Mo 20,12) und: „Wer Vater oder Mutter schmäht, soll des Todes sterben" (2. Mo 21,17). Das waren klare Gebote Gottes, die Er seinem Volk gegeben hatte.

 

Was hatten die Ältesten jetzt aus dieser Ansage Gottes gemacht? Sie hatten den Kindern - es geht hier nicht um kleine Kinder, sondern um erwachsene Kinder - die Möglichkeit gegeben, die Versorgung der Eltern zu umgehen: „Ihr aber sagt: Wer irgend zum Vater oder zur Mutter spricht: Eine Opfergabe sei das, was irgend dir von mir zunutze kommen könnte - der wird keineswegs seinen Vater oder seine Mutter ehren."

 

Oft hatten älter gewordene Eltern die Unterstützung ihrer Kinder nötig. Denn damals gab es kein soziales Netz, wie wir es kennen, mit Rente und Pension. Deshalb hatte Gott das fünfte Gebot gegeben. Kinder sollten nicht nur Nutznießer der früheren Erziehung und Zuwendung der Eltern sein. Sie sollten dann später auch Verantwortung spüren und übernehmen, wenn die Eltern älter wurden und nicht mehr gut für sich selbst sorgen konnten.

 

Scheinbar weise Rabbiner hatten nun den Kindern eine Möglichkeit eingeräumt, dieses Gebot Gottes zu umgehen. Zwar bestärkten sie in vielen anderen Stellen die Notwendigkeit, die Eltern zu ehren. Aber wenn man das für die Versorgung der Eltern nötige Geld für eine Opfergabe des Tempels hörbar/sichtbar weihen würde, könnte dieses Geld nicht mehr den Eltern gegeben werden, denn es war damit dem Herrn geheiligt.

 

Letztlich spielte es keine Rolle, ob das Geld wirklich, dem Versprechen bzw. Schwur gemäß als Opfergabe zum Haus Gottes kam. Allein dadurch, dass man dem Geld das Ziel „Opfergabe" zuwies, konnte man dieses Geld den Eltern nicht mehr geben, was auch immer man dann konkret mit diesem Geldbetrag unternahm. Das sah nach außen hin sehr fromm aus. Jemand stellt Gott und dessen Haus an die erste Stelle. In Wirklichkeit aber war es purer Ungehorsam dem Wort Gottes gegenüber. Denn Gott hatte geboten, die Eltern zu ehren und sich um sie zu kümmern. Wenn ein Israelit das für die Versorgung der Eltern nötige Geld Gott weihte, verachtete er Gottes Gebot und verunehrte damit den Gesetzgeber: Gott. Außerdem vernachlässigte er damit seine Eltern auf gehässige Weise.

 

Wie konnte Gott eine solche Opfergabe annehmen! Solch eine Anbetung ist wertlos für Gott. Man stand zwar vor den Augen vieler Menschen groß da; in den Augen Gottes aber war man ein Gesetzesübertreter. Das offenbart Jesus in seiner Ergänzung: „Und so habt ihr das Gebot Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. Ihr Heuchler!" Die Überlieferung, die so hoch gehalten wurde, erwies sich als ungöttlich und als direkter Widerspruch zu den Geboten Gottes. Diese Menschen hielten ihr eigenes Versprechen für wichtiger als das Befolgen des Wortes Gottes. Daher waren die Schriftgelehrten und Pharisäer in Wahrheit keine frommen Menschen, sondern Heuchler, die sich und ihre eigenen Gebote wichtiger nahmen als Gott. Sie gaben vor, die Seite Gottes zu vertreten, in Wirklichkeit jedoch lebten sie nur ihre eigenen Traditionen aus. Das war nichts anderes als Heuchelei. Wenn man nicht davor zurückschreckt, Gott um seine Rechte zu bringen, so wird man sich auch nicht scheuen, den Eltern ihr Recht zu verweigern.

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