14.05.2016Matthäus | Versammlung / Gemeinde

Petrus – ein Bild auf die Versammlung (Gemeinde)

Der Herr Jesus hatte seine Jünger auf den See Genezareth gesandt, um an das gegenüberliegende Ufer vorauszufahren. Sie mussten durch schwere See und waren verzweifelt. Aber der Herr Jesus kommt zu ihnen. Bei dieser Gelegenheit verlässt Petrus das Schiff, um auf dem Wasser zu Jesus zu laufen. Mit seinem Meister kommt er wieder zurück ins Boot. Er ist dort ein Hinweis auf die Versammlung.

1.  Erstens sehen wir, dass der Herr nicht alleine zu den Jüngern im Schiff kam. Er hatte Petrus bei sich. Aus Stellen wie 1. Thessalonicher 3,13 wissen wir, dass der Herr Jesus zusammen mit den Gläubigen des Alten Testaments und mit seiner Versammlung auf diese Erde zurückkommen wird: Euch aber mache der Herr „untadelig in Heiligkeit vor unserem Gott und Vater, bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen." In 2. Thessalonicher 1,10 lesen wir: „... wenn er kommt, um an jenem Tag verherrlicht zu werden in seinen Heiligen." Er wird nicht allein kommen, sondern insbesondere seine Versammlung bei sich haben. Von dieser ist Petrus an dieser Stelle ein Bild.

2.  Diese Gläubigen der Gnadenzeit sind nicht so sehr durch Schauen als viel mehr durch Glauben gekennzeichnet. Das finden wir bei Petrus, der bereit war, die Sicherheit des Schiffes zu verlassen, um auf dem See gehend zum Herrn zu kommen. Wie anders als mit dem Begriff „Glauben" könnte man diesen Schritt von Petrus bezeichnen. So haben sich die gläubigen Juden sehr schnell von dem sicheren Schiff, dem Judentum, verabschiedet (Heb 13,13: „Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagerns, seine Schmach tragend") und sind aus dem „Schiff" des jüdischen Systems gestiegen, um allein auf der Grundlage des Glaubens dem Herrn nachzufolgen, um ewig bei Ihm zu sein. Wir finden hier die christliche Stellung, die außerhalb des Judentums ist.

3.  Das „Schiff" bestand aus dem „Gesetz der Gebote in Satzungen" (Eph 2,15), die menschlich gesprochen viel Halt geben, aber für einen Christen nicht den adäquaten Schutz darstellen. Er ist durch den lebendigen Glauben und auf dem Grundsatz des Glaubens an den Herrn Jesus richtig aufgehoben, auch wenn das nach außen hin als unsicheres Terrain angesehen werden mag. So befiehlt Paulus später die Christen nicht einer Sammlung von Gesetzen an, sondern „Gott und dem Wort seiner Gnade" (Apg 20,32).

4.  Das Wort Versammlung ist die Übersetzung des griechischen Wortes „ekklesia", das Herausgerufene bedeutet. So wurde Petrus gewissermaßen aus dem Schiff herausgerufen, aus der Mitte der zwölf Jünger, um ganz bei dem Herrn zu sein. Für uns heißt das, dass wir aus dieser Welt, aus den Nationen und aus den Juden zu Ihm, zu Gott, herausgerufen worden sind.

5.  Leider ist auch der Weg der Versammlung, was ihren geschichtlichen Weg unter Verantwortung betrifft, keine „Erfolgsgeschichte". Das erkennen wir sehr schnell, wenn wir Offenbarung 2 und 3 lesen. Judas spricht davon, dass das Kommen des Herrn für die Seinen nach 1. Thessalonicher 4,16 ein Akt göttlicher Barmherzigkeit ist (Jud 21); das spricht von einem äußerlich elenden Zustand. So ist der Weg der Versammlung durch viel Versagen gekennzeichnet. Das erkennen wir auch bei Petrus. So gewaltig sein Glaube war, dass er als einziger Mensch außer dem Herrn Jesus auf Wasser gelaufen ist, so beginnt er doch zu sinken. Aber genauso, wie der Herr Petrus nicht untergehen lässt, verlässt Christus auch die Versammlung nicht. Er muss sie tadeln: Kleingläubige! - aber seine Hand ist da, um sie zu retten.

6.  Manche haben gefragt, wann der Herr für seine Versammlung kommen wird. Aus Stellen wie Matthäus 25,6 - dem Mitternachtsruf, dass der Bräutigam da ist - bzw. Lukas 12,38, wo der Herr in der zweiten oder dritten Nachtwache kommt, denken manche, dass wir uns heute in der dritten oder vielleicht vierten Nachtwache befinden. Man darf aber nicht vergessen, dass sich Zeiten und Zeitpunkte ausschließlich auf sein Kommen auf diese Erde zur Aufrichtung seines herrlichen Königreichs beziehen, niemals jedoch auf sein Kommen für die Versammlung. Das wird uns z. B. beim Lesen von 1. Thessalonicher 4 und 5 deutlich. Daher sollte man nicht versuchen, die verschiedenen Bilder und Gleichnisse miteinander zu vermischen.

7.  Es gibt noch eine weitere schöne Verbindung mit der Versammlung. Denn der Herr ging erst „in" das Schiff, nachdem Er mit Petrus zusammengetroffen war. Zuvor war Er nahe bei dem Schiff, nicht jedoch auf dem Schiff. So wird der Herr Jesus, wenn Er für seine Versammlung kommen wird, zwar selbst und persönlich vom Himmel herabkommen, aber seine Füße nicht auf die Erde stellen. Denn Er wird uns rufen und wir werden Ihn in den Wolken treffen, in der Luft, wo Er uns dann in Empfang nehmen wird, um uns mit in den Himmel zu nehmen (1. Thes 4,17).