21.03.2016Jesus Christus / Gott

Bible Art Journaling?

Als Kind war ich fasziniert, wenn ich die Bibeln von Gläubigen sah, die durch Unterstreichungen und Bemerkungen rot, grün, blau und schwarz aussahen. Schon das ist sicher nicht jedermanns Sache. Denn wir wollen uns immer bewusst bleiben, dass die Bibel Gottes Wort ist. Aber wir wollen akzeptieren, dass wir (auch als Gläubige) in unserem Empfinden unterschiedlich sind.

 

Viele von uns sind nicht in der Lage, sich alle Bibelstellen zu merken, die man als Parallele zu einzelnen Versen berücksichtigen kann. Daher schreiben wir uns einzelne Versangaben an den Rand. Ausdrücke und Wörter, die uns besonders wichtig geworden sind, unterstreichen wir. Manchmal schreibt man sich auch vielleicht einen Stichpunkt und mehr an den Rand.

 

Auf diese Weise bleibt Gottes Wort – hoffentlich – vollständig lesbar. Zugleich aber haben wir dadurch gewisse Gedankenstützen und Hilfestellungen, wenn wir Gottes Wort lesen oder weitergeben. So weit, so gut.

 

Was aber ist das Bible Art Journaling? Hier werden um einzelne Bibelverse Bilder gemalt oder ausgeschnittene Pappe auf Seiten der Bibel aufgeklebt. Dadurch wird ein Bibelvers, den man sich besonders merken möchte, illustriert. Es ist wohl Praxis, dass man sich beim Bible Art Journaling erst einmal einen Abschnitt oder einen Bibelvers durchliest, bevor man mit der Illustration beginnt. Teilnehmer berichten, dass ihnen ein Bibelvers oder -abschnitt dadurch besonders wertvoll geworden ist und nicht mehr aus dem Kopf (Herz) ginge.

 

2014 entwickelte sich diese Methode zu einem gewissen Trend in den USA. Wie so oft kommt manches, was in den USA einen gewissen Anfang hat, irgendwann auch zu uns nach Deutschland. So ist es auch in diesem Fall. Inzwischen gibt es Seminare und Workshops zum Bible Art Journaling – darf man sagen: zur Bemalung von Bibeln?

 

Nun müssen wir aufpassen, etwas nur deshalb abzulehnen, weil es uns fremd erscheint. Aber ist das Bemalen von Gottes Wort respektvoll? „In Ewigkeit, Herr, steht dein Wort fest in den Himmeln“ (Ps 119,89).

 

Eine führende Vertreterin des Bible Art Journaling sagt, dass man mit den Bildern in der Bibel zeige, wie lieb man sie habe. Dabei bleibt aber zu bedenken, dass man andere Bibelverse zudeckt, so dass man die Bibel gar nicht mehr vollständig lesen kann. Nur ein einzelner Vers bleibt lesbar. Und der wird durch menschliche Kunst hervorgehoben. Dabei handelt es sich um Gottes Wort, nicht um Menschenwort.

 

Nun sagte mir eine gläubige Person, die dieses Bible Art Journaling ein paar Mal versucht hat, dass man dafür bewusst eine „Zusatzbibel“ nimmt, so dass die „eigentliche“ Bibel weiter Vers für Vers lesbar bleibt. Dennoch darf man nicht übersehen, dass man auf Gottes Wort etwas anderes setzt, malt.

 

Zudem dürfen wir nicht übersehen, dass der Apostel Paulus ausdrücklich schreibt: „Predige das Wort“ – nicht Bilder, nicht Illustrationen oder dergleichen. Natürlich spricht Gottes Wort in „Bildern“, aber es bleiben doch sprachliche Bilder. Und sicher ist es auch nicht verkehrt, zum Beispiel in der Sonntagschule einmal eine biblische Geschichte mit einer Zeichnung zu illustrieren. Aber sind gemalte Bilder die richtige und eine geistliche Methode, um Gottes Wort aufzunehmen? Es besteht darüber hinaus die Gefahr, dass das geschriebene oder gesprochene Bibelwort, das wir eigentlich über unseren Verstand aufnehmen, damit es in das Herz und Gewissen geht, besonders auf unsere Gefühle und Emotionen wirkt. Nun sollen diese nie außen vor gelassen werden, denn sie gehören zu uns. Aber Gefühle verändern sich schnell. Daher wendet sich Gott über unseren Geist an unser Herz und unser Gewissen.

 

Nochmal: Wir sind alle unterschiedlich, wie wir uns Dinge merken können, auch Bibelverse. Und „Aktive“ sagen, dass sie sich dadurch einen bestimmten Vers deutlich besser merken konnten, auch wo und in was für einem Zusammenhang er steht. Dadurch sei der Bibelvers einem innerlich deutlich näher gekommen. Nur gilt es auch hier zu bedenken, dass der Zweck nicht die Mittel heiligt. Und: Bleibt dieses besondere „Näherkommen“ und Beeindrucktsein bestehen, wenn man Journaling – also ein (eigentlich tägliches) wiederholtes Malen ernst nimmt und regelmäßig solche Bilder malt? Ist es nicht oft so, dass eine neue, bislang unbekannte Herangehensweise erst einmal besonders eindrücklich ist, dann aber recht schnell ihre Besonderheit verliert? Möglicherweise spielt auch die spezielle Atmosphäre eine Rolle, wenn mehrere gläubige Frauen zusammen sind und dann solche Bilder erstellen und sich gegenseitig anspornen.

 

Wir sollten nicht zu kleinlich sein, wenn es darum geht, wie ein anderer seine Bibel benutzt. Aber wir wollen uns auch nicht in blinder Weise Modetrends anschließen. Gottes Wort hat für uns einen solchen Wert, dass wir voller Ehrfurcht mit diesem umgehen. Es ist und bleibt Gottes Offenbarung – nicht ein menschliches Kunstwerk.