28.12.2015 Jesus Christus / Gott | Dienst | Persönlicher Glaube

Helfen wir Flüchtlingen nur um der Hilfsbedürftigkeit willen?

Die Meinung der Evangelischen Kirche – ihrer Kirchenleitung

Die Arbeit mit Flüchtlingen kann nicht Teil einer Missionsstrategie sein. Diese Ansicht vertritt der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München) in einem Interview mit idea (Wetzlar). Nächstenliebe sei das größte Zeugnis, das man gegenüber Flüchtlingen ablegen könne. Er fügt hinzu: „Genau durch die Hilfe um ihrer selbst willen lege ich das stärkste Zeugnis für Christus ab.“ Der Landesbischof verwies auf die Aussage von Christus im Matthäusevangelium (25,40): „Was ihr getan habt einem von meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Hier gehe es also nicht um ein Glaubensbekenntnis, sondern darum, die Welt zu verändern. In solchen Momenten leuchte etwas vom Reich Gottes auf.

Auch zur Missionierung unter Juden hat Bedford-Strohm etwas zu sagen. Mission unter Juden komme nicht in Frage. Die bleibende Erwählung Israels stehe dem entgegen: „Wenn Gottes Bund mit seinem Volk Bestand hat – und das ist gut biblisch basiert –, dann brauchen wir auch keine aktiven Strategien zu entwickeln, die die Judenmission zum Ziel haben.“ Der Apostel Paulus mache im Römerbrief deutlich, dass Israel – das Volk Gottes – am Ende mit Gott sein werde.

Sein Verständnis zu Weihnachten drückt Bedford-Strohm im Interview mit idea ebenfalls aus: Gott sei Mensch geworden. Das bedeute, dass er die Welt nicht verlorengibt, sondern ganz nah bei den Menschen sei. Die biblischen Erzählungen zeigten, dass Jesus von Nazareth „durch und durch Gott“ und aus Gottes Geist hervorgegangen sei. Allerdings sei die Frage nach der Jungfrauengeburt und der Zeugung durch den Heiligen Geist nicht biologistisch zu lösen. Es bleibe in der Bibel offen, wie man sich diese Zeugung naturwissenschaftlich vorstellen soll.

Was sagt Gottes Wort dazu?

Den Worten Heinrich Bedford-Strohms wollen und müssen wir Gottes Wort gegenüberstellen.

Nächstenliebe statt Mission?

Warum hat eigentlich der Herr Jesus Menschen geheilt? Weil Er ihre Not sah? Unbedingt! „Als er aber die Volksmengen sah, wurde er innerlich bewegt über sie, weil sie erschöpft und hingestreckt waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,37). Das aber zeigt sofort, dass der Herr nicht nur ihre äußere Not sah, sondern die Not ihrer Seelen. Sie hatten keinen Hirten, sie hatten keine Retter, sie hatten keinen Herrn. Wenn man die Wunder des Herrn in den Evangelien betrachtet, wird man immer feststellen, dass die Linderung der Not gerade nicht im Mittelpunkt stand, sondern einem höheren Ziel galt: der Not der Seele zu begegnen. Wenn wir das heute aufgeben, haben wir unseren eigentlichen Auftrag übersehen. Bedford-Strohm übersieht, dass auch edle (ungläubige) Menschen Notlinderer sein können. Aber der Not der Seele können nur erlöste Christen in der Kraft Gottes begegnen. Das muss immer erster und wichtigster Antrieb sein, ohne dass wir die äußeren Nöte übersehen dürfen.

Matthäus 25

Abenteuerlich ist der Verweis des EKD-Ratsvorsitzenden auf Matthäus 25. Dort geht es darum, dass während der Drangsalszeit jüdische Missionare das Evangelium auf der ganzen Welt verkündigen werden. Wer sie aufnimmt und sich ihrer annimmt, zeigt dadurch, dass er sich auf die Seite des Gottes Israels, Jahwe, stellt. Diese Missionare mit Flüchtlingen zu vergleichen, ist schlicht abwegig. Wer so mit Gottes Wort umgeht, muss sich nicht wundern, dass seine Stimme kein Gehör findet. Als Christen können wir die Welt sowieso nicht verändern (siehe unten). Wir können Menschen aus dieser Welt herausrufen. Aber die Welt steht unter dem Gerichtsurteil Gottes.

Missionierung unter Juden

Was die Missionierung unter Juden betrifft, übersieht der EKD-Ratsvorsitzende, dass Gott von einem alten und von einem neuen Bund spricht. Der Schreiber des Hebräerbriefes erklärt, was alt bedeutet: „Indem er sagt: ‚einen neuen‘, hat er den ersten alt gemacht; was aber alt wird und veraltet, ist dem Verschwinden nahe“ (Heb 8,13). Der alte Bund ist für Israel verloren, weil sie ihn gebrochen haben. Den neuen Bund hat Gott noch nicht mit ihnen geschlossen - das wird in der Zukunft sein, wenn wir, die wir an den Herrn Jesus als an unseren Retter glauben, im Himmel sein werden. Und jetzt? Jetzt gibt es nur in einem Heil: in Jesus Christus. „Und es ist in keinem anderen das Heil, denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen“ (Apg 4,12). Wer wie Bedford-Strohm die Juden-Missionierung aufgibt, macht sich an diesen Menschen schuldig. Wir haben die Pflicht (nicht die Kür!), ihnen die gute Botschaft vom Kreuz zu verkündigen. Paulus hat das auch getan – und „die evangelische Kirche“ sträubt sich dagegen?

Weihnachten

Dann zu Weihnachten. Hier hat der Landesbischof überlesen, dass diese Welt längst unter Gericht steht, seitdem der Heilige Geist auf dieser Erde ist (Joh 16,11). Es ist wahr – als der Herr Jesus kam, gab es noch Hoffnung für diese Welt. Dann aber muss der Herr Jesus sagen: „Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann“ (Joh 9,4). In dieser Nacht leben wir, und jetzt kann niemand mehr in dem Sinn wirken, dass die Welt endgültig unter dem Gericht Gottes steht. Damals war das anders – heute rufen wir Menschen nur noch aus der Welt hinaus, damit sie sich zum Herrn Jesus Christus bekehren.

Die Jungfrauengeburt

Und zur Jungfrauengeburt muss man wohl nichts mehr sagen. Wie kann jemand, der sich in der Tradition Luthers sieht, bezweifeln, dass es hier um ein Wunder geht, das man naturwissenschaftlich gar nicht erklären kann? Oder will Bedford-Strohm naturwissenschaftlich erklären, wie man über Wasser läuft? Man kann es nicht, sondern Gott, den Gott der Wunder, anbeten. Das aber scheint uns mehr und mehr verloren gegangen zu sein. Schade!