23.10.2015Buchbesprechungen | Ehe & Familie

Buchbesprechung: Egosex – was Porno mit uns macht (Christine Rammler)

Das Buch

Die Autorin widmet sich auf 237 locker gesetzten Seiten diesem Thema, das eher selten in Büchern behandelt wird. Sie hat dazu sieben Personen interviewt, die alle kürzer oder länger Probleme mit Pornografie gehabt haben oder noch haben. Fünf dieser Personen sind Männer, zwei Frauen.

Frauen sind deshalb dabei, weil auch viele von ihnen Probleme mit dieser Sünde und Sucht haben, auch wenn das weniger bekannt ist. Fatalerweise gehören dazu in gleicher Weise viele verheiratete Männer und Frauen. Auch wenn sich im christlichen Bereich nur die wenigsten „outen", spielt das Thema in der Seelsorge eine große Rolle. Leider! Daher ist es gut, dass ein solches Buch im Blick auf dieses Thema wachrüttelt: Betroffene und Hirten (Älteste). Das Buch ist in einem rosa Einband (sehr ungünstig) bei SCM Hänssler erschienen und kostet 14,95 Euro.

 

Gliederung

Im Vorwort gibt Christine Rammler zu, dass ihr Buch ein sehr brisantes Thema behandelt. Wohl kaum kauft jemand ein solches Buch in der Öffentlichkeit, denn er gäbe sich damit als jemand zu erkennen, der ein ernsthaftes Problem hat. Man wird dieses Buch daher wohl nur in einem neutralen Umschlag benutzen (wie es im Vorwort heißt). Es erschließt sich nicht, warum man dann nicht gleich einen sachlicheren Einband gewählt hat.

Nach einem ersten Kapitel, in dem einige Vorurteile und Fakten zu diesem Themenkomplex behandelt werden, folgen sieben Kapitel mit den Interviews. Diese werden nicht in Wort-zu-Wort-Form abgedruckt. Rammler integriert vielmehr zahlreiche Zitate in eine Gesamtgeschichte, die sie aus jedem Interview herausgearbeitet hat. Immer wieder ergänzt sie in den einzelnen Kapiteln Erkenntnisse aus Medizin, Psychologie und Naturwissenschaften.

Am Ende versucht die Autorin, für sich eine Art Fazit zu ziehen. Literaturhinweise und weiterführende Internetseiten bzw. Angaben zu Organisationen, die Hilfestellungen geben, runden das Buch ab.

 

Hauptkritik: obszöne Sprache

Ausnahmsweise beginne ich in diesem Fall mit kritischen Bemerkungen zum Buch. Sowohl der Einstieg als auch maßgebliche Teile des Buches sind in obszöner (anrüchiger) Sprache geschrieben worden. Das mag heute so üblich sein und gerade von Personen, die mit Pornografie Last haben, so praktiziert werden. Dem Buch hilft es nicht. Im Gegenteil, ein solches Thema sollte umso mehr mit „Anstand" und sauberer Sprache abgefasst werden.

Man denke an die Worte des Apostels Paulus: „Hurerei aber und alle Unreinheit oder Habsucht werden nicht einmal unter euch genannt, wie es Heiligen geziemt; auch Schändlichkeit und albernes Geschwätz oder Witzelei, die sich nicht geziemen, sondern vielmehr Danksagung" (Eph 5,3.4).

Es ist ein großer Irrtum zu glauben, dass man jüngere Menschen durch eine flapsige Sprache besser erreichen kann. Das Gegenteil ist wahr. Man muss sich in der Ausdrucksweise gerade nicht anbiedern, sondern sollte authentisch schreiben. Dann hat man die größte Chance, glaubwürdig angenommen zu werden.

 

Ist die Autorin eine bekehrte Person?

Man fragt sich beim Lesen des Buches auch, ob Rammler eine Bekehrung erlebt hat. Sie spricht jedenfalls nicht von ihrem Glauben, auch dann nicht, wenn sie den Glauben einzelner Interviewpartner erwähnt. Und die Tatsache, dass sie im letzten Kapitel erwähnt, dass sie ihren Freund in einer anderen Stadt besucht, lässt manche Fragen im Blick auf die Moral offen.

An keiner Stelle des Buches gibt es einen Hinweis, dass aus christlicher Sicht das Zusammenleben von Mann und Frau außerhalb der Ehe Sünde ist. Gerade im Blick auf dieses wichtige Thema und manche Erwähnungen des Zusammenlebens außerhalb der Ehe wäre es wünschenswert gewesen, ein klares Bekenntnis zur Reinheit zu finden. So ist zumindest die Chance verpasst worden, die biblische Morallehre vorzustellen.

 

Drei weitere kritische Punkte

Zudem wird auf den Seiten 54 und 55 vom freien Willen des Menschen gesprochen. Diesen gibt es nicht mehr, seitdem der Mensch (Adam und Eva) in Sünde gefallen ist und unter der Macht des Teufels und der Sünde steht. Er ist diesem Diktat so lange ausgeliefert, bis er sich bekehrt und die christliche Befreiung (Römer 6-8) erlebt. Entsprechende Hinweise fehlen leider in dieser Arbeit.

Auch lässt Christine Rammler unkommentiert, dass Muslime und Menschen anderer Religionen zu ihren Göttern beten. Was ist von solchen Göttern zu halten? Gibt die Bibel dazu nicht eine klare Auskunft? Das alles bewertet die Autorin nicht, sondern lässt den Leser mit dieser Frage allein. Da heute gerade in diesem Bereich viel Unklarheit herrscht, wäre eine Bewertung angemessen gewesen.

Es ist auch ein Irrtum, von Gott zu meinen, dass Er niemand verurteilt (S. 208). Er ist der Richter, der jeden Menschen beurteilt und diejenigen verurteilen wird, die nicht an den Herrn Jesus glauben. Es ist irreführend, auf den Gott der Liebe auf Kosten seines Lichts zu verweisen. Gott ist Licht und Liebe. Der in 1. Johannes 1 zuerst genannte Wesenszug Gottes kommt in diesem Zusammenhang deutlich zu kurz.

 

Ist das alles?

Der Leser dieser Rezension mag sich verwundert die Augen reiben, warum dann überhaupt diese Buchbesprechung vorgelegt wird. Tatsache ist, dass dieses Buch sehr nützlich sein kann, wenn man es mit den richtigen Augen liest. Denn dieses Buch  leistet trotz der genannten, durchaus gravierenden Mängel einen wertvollen Beitrag zur Überwindung der Porno-Sucht.

 

Pornografie zerstört jede Ehebeziehung

Der vielleicht wichtigste Punkt besteht darin, dass der Konsum von Pornografie jede eheliche Beziehung zerrüttet. Das möchte ich im Folgenden gerne begründen. Viele machen sich überhaupt keine Vorstellungen, in welcher Weise das Sehen von pornografischen Inhalten und das Praktizieren von Selbstbefriedigung eine eheliche Beziehung geradewegs zerstört. Dieses Buch gibt ausreichend Hinweise, dass einem der Schrecken in die Glieder fallen müsste, wenn man Pornografie konsumiert.

 

Pornografie macht zum Sklaven

Es wird von Rammler sehr deutlich aufgezeigt, wie man zum Sklaven von sexuellen Handlungen wird, die böse sind. Sie sind Sünde (auch wenn das im Buch leider nicht klar genug herauskommt). Jede sklavische Bindung außer die an Christus ist schädlich und sündig.

Zudem löst man den körperlichen Bereich, der integraler Bestandteil der Beziehung von Mann und Frau nach Geist, Seele und Leib ist, von den beiden anderen Teilen. Gott hat nicht nur den Menschen in diesen drei Bestandteilen geschaffen, sondern sieht auch die eheliche Beziehung als eine Gesamtheit von Geist, Seele und Leib. Alles das, was einen einzelnen Bereich auf Kosten der anderen überstrapaziert, zerstört eine gesunde Beziehung.

Dann entlarvt Christina Rammler die Porno-Seher. Wenn sie in einer (ehelichen) Beziehung leben, liegen sie nie nur mit ihrer Ehefrau im Bett. Alle Körper (nicht Menschen, nur ihre Körper!), die sie aus pornografischen Materialien im Kopf und vor Augen haben, liegen mit im Bett. Das ist schlimm, wenn man an den Ehepartner denkt.

 

Pornografie führt in einen schlimmer werdenden Kreislauf

Darüber hinaus zeigt die Autorin in drastischer Weise, dass man als „Pornograf" in einem Kreislauf lebt, aus dem man nicht ausbrechen kann. Jedenfalls nicht aus eigener Kraft. Diese Bindung führt immer weiter und verlangt nach immer schlimmeren Bildern und Videos. Man ist überhaupt dadurch nur noch mit Hilfe dieses „Kopfkinos" in der Lage, intim das zu leisten, was zu einem ehelichen Miteinander gehört.

Das Buch offenbart auch, dass man niemand anderes verantwortlich machen kann für das eigene Versagen. Es mag in der Kindheit tatsächlich Erlebnisse gegeben haben, für die man nichts kann. Dann muss ein Erwachsener lernen, selbst Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Er kann nicht für sein eigenes Fehlverhalten den Eltern und nicht einmal sexuellen Gewalttätern die Schuld geben (auch wenn diese eine erhebliche Mitschuld auf sich geladen haben!).

 

Pornografie ist das Gegenteil von Glück

Glücklich kann niemand sein, der sich in diese Falle moralischer Sünde hineinbegeben hat. Jedenfalls nicht wirklich, dauerhaft glücklich. Pornografie verspricht etwas, was sie letztlich nie halten kann. Sie gaukelt etwas vor, was aber in Wirklichkeit mit Liebe nichts zu tun hat, sondern allein mit Habsucht. Sie löst Funktionen voneinander, als ob Menschen Roboter wären zur Selbstbefriedigung. Das alles macht aus Liebe Egosex - ein grauenhafter Gegensatz zu dem, was Gott uns Menschen geschenkt hat für die Ehe.

 

Es gibt einen Ausweg!

Gott sei Dank - es gibt einen Ausweg aus diesem Kreislauf. Es gibt jemand, der uns freimacht: der Sohn Gottes (Joh 8,36). Dazu ist es allerdings notwendig, dass man sich wirklich und bewusst von diesem sündigen Kreislauf lösen will. Wer das will, wird es mit der Hilfe Gottes schaffen. Wille ist aber mehr als ein Gedanke. Es ist ein Herzensentschluss, der in die Tat umgesetzt wird.

Das Buch zeigt in den letzten Beispielen, dass dieser Weg tatsächlich praktikabel ist. Er ist nicht Fantasie, kein Hirngespinst und auch keine Theorie. Es gibt großartige Vorbilder, die diesen Weg gegangen sind. Er ist steinig, aber lohnenswert. Er braucht Zeit, führt aber zu einem komplett veränderten Lebensgefühl. Er tut weh, bringt aber Freude und großen Lohn. Er ist hart, führt aber zu echtem, tiefen Glück. Und er bringt uns zu unserem Retter und in einer Ehe zum Ehepartner zurück. Zurück, das darf man nicht vergessen, denn man hat eine innere Beziehung zum Ehepartner verloren. Das Leben wird so wieder lebenswert.

 

Zielgruppe

An wen richtet sich dieses Buch? Es ist hilfreich für Menschen und Christen, die in die Falle der Pornografie getappt sind und nicht mehr herauskommen. Betroffene sind also in erster Linie angesprochen.

Dadurch, dass die ersten Beispiele überhaupt nicht auf den christlichen Glauben eingehen, kann man dieses Buch auch an Ungläubige verteilen. Hoffnung für sie kommt aus den letzten Interviews. Sie bleiben also nicht ohne die gute Botschaft, auch wenn diese nicht im Mittelpunkt des Buches steht.

Dieses Buch richtet sich an Männer und Frauen, die erkennen, dass sie sich hoffnungslos verstrickt haben. Man darf nicht übersehen, dass inzwischen auch unglaublich viele Frauen dieses Problem haben. Niemand sollte denken, wir Christen wären von diesem Problem ausgenommen. Oftmals laufen wir Gefahr, nach außen hin fromm dastehen zu wollen, in Wirklichkeit aber in solcher Unmoral verstrickt zu sein. Jung und alt!

Dieses Buch richtet sich auch an Ehepartner von solchen, die betroffen sind. Es hilft diesen „Opfern" der Pornografie, besser zu verstehen, in was für furchtbare Probleme der Partner gekommen ist. Auch, was dessen Denkstruktur geworden ist, was für Automatismen sich bei ihm „eingespielt" haben. So kann man sie unterstützen und wenigstens mental nachvollziehen, was geschieht.

Dieses Werk ist auch eine Hilfe für Seelsorger, die bislang auf diesem Gebiet nicht gearbeitet haben. So bekommen sie ein stückweit Rüstzeug für ihre geistliche Arbeit. Das gilt gerade für solche, die am Ort einen Ältestendienst tun. Bei alledem muss das Buch unter Gebet gelesen werden - wie jedes Buch. In diesem Fall besonders, weil man sich durch vielerlei unreine Redensarten und Äußerungen innerlich verunreinigt. Leider ist das so. Daher besteht die Gefahr, dass man selbst auf unmoralische Gedanken kommt.

 

Warnung

Warnen muss man davor, dieses Buch einfach aus Interesse zu lesen. Das ist vermutlich eher Neugier. Sie führt dazu, dass man sich verunreinigt und am Ende selbst in Dinge kommt, von denen dieses Buch in krasser und offener Weise schreibt und letztlich warnt.

Möge jeder von uns bewahrt bleiben davor, in diese Sünden zu fallen - in einen solchen sündigen Zustand zu geraten.