15.03.2016 Ehe & Familie

Glücklichsein nach dem ersten Kind entscheidet?

Je unglücklicher Eltern in Deutschland nach der Geburt des ersten Kindes sind, desto seltener ist bei ihnen ein zweites Kind anzutreffen. Das gilt umso mehr, je älter die Eltern bei dem ersten Kind sind, also gerade für die Eltern, die über dreißig Jahre alt sind und einen hohen Bildungsstandard haben. Das ist das Ergebnis einer Studie des Max-Planck-Instituts. Man wollte das Problem ergründen, warum die Geburtenrate in Deutschland unter 1,5 liegt. Kinderlosigkeit – ob gewollt oder ungewollt – ist also nicht der einzige Grund für diese niedrige Rate.

 

An und für sich wünschen sich die meisten Ehepaare, die sich für Kinder entscheiden (sic!), zwei Kinder. Sie wollen vermeiden, dass ihre Kinder als Einzelkinder mit entsprechenden Folgen sind/bleiben.

 

Die Studie hat ergeben, dass nur 30% der Teilnehmer meinen, dass ihre Zufriedenheit sich ein Jahr nach der Geburt des ersten Kindes im Vergleich zum Jahr davor nicht verschlechtert habe. Im Durchschnitt ist das Zufriedenheitsgefühl auf einer Skala von 1 bis 10 um 1,4 Einheiten gesunken. Mehr als ein Drittel sprechen sogar von einem Minus von 2 oder mehr Punkten. Und je größer der Verlust an Zufriedenheit war, desto weniger bekamen Eltern ein zweites Kind. Punkte, die konkret genannt werden, sind Schlafmangel, Schwierigkeiten in der Partnerschaft und der Verlust der eigenen Freiheit.

 

Nun stellt sich die Frage, was sich junge Menschen erwarten, wenn sie Kinder bekommen. Sie werden doch wohl kaum erwarten können, dass die Kinder von Anfang an durchschlafen, dass die „Freiheit“ der Eltern in jeder Hinsicht gewahrt bleibt. Mal unabhängig von der Frage, ob wir Christen uns für Kinder „entscheiden“ oder ob wir Kinder nach 1. Mose 1,28 als einen Segen und ein Geschenk von Gott annehmen, bleibt die Frage bestehen: Sind auch wir so egoistisch, dass wir nach solchen Maßstäben entscheiden wollen, ob wir noch ein Kind (und wann ...) bekommen wollen oder nicht?

 

Keine Frage, Petrus weist uns Männer an, mit Einsicht bei unseren Frauen zu wohnen. Aber – bis auf krankheitsbedingte Ausnahmen wird doch wohl niemand überzeugt sein, dass dies vor einem sagen wir vierten, fünften oder sechsten Kind überhaupt ein echtes Thema sein kann. Haben wir vielleicht auch deshalb in unseren Versammlungen, in unseren Familien, in unseren Ehen vergleichsweise weniger Segen als früher, weil wir vieles nach anderen Maßstäben beurteilen als unsere Eltern?

 

Man kann nichts über einen Kamm scheren. Man darf auch keine Eltern unter Druck setzen. Manche Kinder sind komplizierter, schwerer erziehbar als andere. Dann dürfen wir ihnen von Herzen helfen (wollen) und gerne Hilfe in Anspruch nehmen. Aber eine allgemeine Tendenz zu weniger Kindern ist auch unter Christen unübersehbar.

 

Jeder Einzelfall ist anders – und wir müssen uns hüten, falsche Vorhaltungen zu machen (oder auch nur zu denken!). Aber diese Studie regt noch einmal zum Nachdenken an, Kinder als Segen und nicht als Last zu begreifen. Zunächst sind viele Lasten damit verbunden. Wer aber wollte den Segen missen, den man mit ihnen schon erlebt hat und den Gott auch weiter durch Kinder schenken möchte? Wie viel Not haben Ehepaare, die gerne Kinder hätten, aber keine (oder nur ein oder zwei) bekommen können. Da wollen wir dankbarer werden!

 

„Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde“ (1. Mo 1,28).