18.10.2015 Matthäus | Dienst

Das Gleichnis vom Netz und den Fischen (3)

Das Gleichnis vom Netz und den Fischen weist uns auf eine gewaltige Aufgabe für Diener des Herrn bis zur Entrückung der Gläubigen hin. Den Knechten wird nicht gesagt, sich mit den schlechten Fischen zu beschäftigen. Es ist wahr: Evangelisten haben den Auftrag, jedem Menschen das Evangelium zu verkündigen (vgl. Mt 28,19). Jeder darf, jeder soll ein Jünger des Herrn werden. Wir sollen auch für alle Menschen beten und hier keinen Unterschied machen (vgl. 1. Tim 2,1). Auch unechten christlichen Bekennern muss weiterhin das Evangelium gebracht werden. Aber darum geht es hier nicht. Wie eingangs erwähnt, steht hier - wie auch in den vorigen beiden Gleichnissen - der verborgene Wert des Reiches der Himmel im Fokus. Der Herr will vor allem zeigen, was für Ihn wichtig ist, nämlich die guten Fische. Mit ihnen, den (Jung-)Bekehrten, sollen sich die Diener des Herrn intensiv beschäftigen. Dazu setzen sie sich nieder, d. h. sie üben diese Aufgabe in Ruhe und Besonnenheit aus.

Auch in diesem Gleichnis wird wieder deutlich, dass es sich nicht um Gleichnisse handelt, die mit der Versammlung als solche zu tun haben. Alle diese Belehrungen beziehen sich auf das Königreich der Himmel, der Bereich, in dem die Autorität des Herrn wenigstens äußerlich anerkannt wird. Insofern ähnelt dieses Gleichnis in einer ganzen Reihe von Punkten dem des Unkrauts im Acker. In beiden Gleichnissen haben wir es mit Gutem und Schlechtem zu tun: mit Weizen und guten Fischen bzw. mit Unkraut (Lolch) und schlechten Fischen. Gesammelt wird alles im Acker bzw. in einem Netz. Zunächst finden sich das Gute und das Schlechte zusammen auf dem Acker bzw. im Netz, bevor es später getrennt wird. Beide Gleichnisse werden ergänzt durch eine zusätzliche Erläuterung des Herrn. Dadurch reichen beide Abschnitte über die heutige christliche Zeit hinaus. In beiden ist auch von Gericht die Rede, das von Engeln in der Vollendung des Zeitalters ausgeübt werden wird. Dieses Gericht bewirkt in beiden Fällen furchtbare Qualen: Weinen und Zähneknirschen.

Allerdings gibt es auch wichtige Unterschiede. Im Gleichnis vom Unkraut sollten sich die Knechte nicht abmühen, das Unkraut auszuraufen, sozusagen mit diesem zu handeln. In unserem Gleichnis aber geschieht doch etwas mit den schlechten Fische: Sie werden weggeworfen. Damit geht eine gewisse Entscheidung, ja Entscheidungsfähigkeit der handelnden Personen einher. Denn sie müssen unterscheiden, ob der „Fisch" echt oder falsch ist. Mit den guten beschäftigt man sich dann. Die schlechten lässt der Fischer einfach beiseite.

Dieser Unterschied zwischen den beiden Gleichnissen könnte daran liegen, dass der Herr im ersten mehr das gesamte Königreich im Blick hat, während Er bei dem zweiten mehr auf den Einzelnen, auf den einzelnen Fisch das Gewicht legt. Zudem fasst der Herr beim Gleichnis vom Unkraut die gesamte Zeit ins Auge, während Er bei der Arbeit der Fischer an den Abschluss der christlichen Zeit denkt (als das Netz voll war). Da gilt dem einzelnen Gläubigen (den wenigen guten Fischen) das besondere Augenmerk des Hirtendienstes, damit diese wenigen im Glauben ermutigt und unterstützt werden. Die guten sind jeder Mühe wert! Darin wollen wir auch unsere Verantwortung sehen.