11.09.2015Buchbesprechungen | Persönlicher Glaube

Gedenket eurer Führer (von Arend Remmers) (FMN)

In dem Buch „Gedenket Eurer Führer" hat Arend Remmers 26 kurze Lebensbilder von Dienern zusammengestellt, die der Herr Jesus im 19. und 20. Jahrhundert zum Wohl der Gläubigen auf der Erde benutzen konnte. Auf jeweils rund 10 Seiten (zumeist weniger) wird das Leben von diesen Christen skizziert und auch die Aufgabe vorgestellt, die sie inmitten des Volkes Gottes wahrgenommen haben.

Zu den aufgenommenen Kurzbiographien gehören die bekannten Persönlichkeiten wie John Nelson Darby, William Kelly, Frederick William Grant, Edward Dennett, Andrew Miller, Charles Henry Mackintosh und George Vicesimus Wigram. Aus dem deutschsprachigen Raum sind Carl Brockhaus, Rudolf Brockhaus, Wilhelm Brockhaus, Emil Dönges, Franz Kaupp, Julius Löwen und Georg von Viebahn aufgenommen worden. Auch Diener wie William Joseph Lowe, Julius Anton von Poseck und William Trotter, über die man sonst nicht viel hört, sind in diesem Buch vertreten.

Es geht in diesem Werk in keiner Weise darum, Menschen zu verherrlichen. Aber der Glaube und die Energie, die viele dieser Glaubensmänner in ihrer Zeit geprägt hat, darf uns heute motivieren, es ihnen gleichzutun in der Nachfolge hinter dem Herrn Jesus her.

Heute gibt es manche ausführliche Biographie über Glaubenshelden der letzten Jahrhunderte. Dieses Buch gibt in erster Linie einen Überblick über die vielseitigen Gaben, die der Herr Jesus seiner Versammlung (Gemeinde) in den letzten 200 Jahren gegeben hat.

Das Buch umfasst 160 Seiten, ist gut zu lesen und kostet 9,20 Euro. Es ist über den Herausgeber von „Folge mir nach" zu erwerben (CSV). Gerne empfehle ich diese Lektüre, weil sie uns Gläubige näherbringt, die uns viel „erworben" haben. Sie haben das Wort Gottes studiert in Zeiten, in denen man nicht so viel Gutes an Bibelauslegungen zur Verfügung hatte, wie das bei uns der Fall ist - wozu gerade diese Diener des Herrn nicht unwesentlich beigetragen haben. Und doch haben sie weitaus tiefer gegraben, als wir das heute oft tun. So profitieren wir noch heute von ihrem Fleiß und dem, was Gott durch sie offenbart hat.

 

Buchauszug (S. 16.17, über Carl Friedrich Wilhelm Brockhaus):

„Der Austritt aus dem Verein 1 Es handelte sich um den „Evangelischen Brüderverein", der für die Aussendung und Besoldung von Evangelisten verantwortlich war. Die Erkenntnis, dass der Diener von seinem Herrn und nicht von Menschen berufen und „bezahlt" wird, war für C. Brockhaus Anlass für den erwähnten Austritt. war für  Carl Brockhaus kein leichter Schritt. Er bedeutete Armut und Entbehrung. In einem Brief aus dem Jahr 1875 schreibt er hierüber:

‚Fast alle meine Freunde und leiblichen Verwandten zogen sich von mir zurück und hielten mich für töricht und eigensinnig und meinten, dass es mir weder von Herzen um die Sache des Herrn zu tun sei, da ich den gesegneten Platz der Arbeit ohne Not verlassen habe, noch um das Wohl der Familie, da ich sie leichtfertig der Not preisgebe. Nur einige wenige billigten meinen Schritt. Die Tür zur Wirksamkeit war beinahe ganz verschlossen. Eine monatliche Schrift des Vereins, die 2.000 Abonnenten zählte, warnte mit großem Ernst vor mir und einigen anderen Brüdern und beschuldigte uns grober Irrtümer. Es war in der Tat eine Zeit großer Aufregungen und bitterer Erfahrungen. Der Herr aber war mir nahe, sehr nahe, und Er ist es bis heute geblieben und wird es auch bis ans Ende sein.'

Wenn er in späteren Jahren auf diese Zeit zu sprechen kam, wurde er nicht müde, seinen Kindern von der Fürsorge Gottes in dieser Zeit zu erzählen. Als es nach seinem Austritt aus dem Verein in seinem Haus einmal sehr knapp zuging, kam ihm der Gedanke, ob er nicht doch wieder wenigstens für die halbe Zeit, eine andere Beschäftigung suchen sollte, um etwas für den Lebensunterhalt zu verdienen. Sein Schwager Julius Löwen bot ihm in seinem Geschäft Arbeit an. Er kam jedoch zu keinem Entschluss und bat den Herrn um Weisheit und Leitung. Da kam eines Morgens ein Brief an, der fünf Taler enthielt sowie einen Zettel, auf dem nur die Worte standen: ‚Kein Kriegsmann flieht sich in Händel der Nahrung' (2. Timotheus 2,4). An der Handschrift und dem Poststempel des nicht unterschriebenen Briefes erkannte er, dass der Brief von einem Mitglied des Brüdervereins kam, von dem er seit seinem Austritt kein freundliches Wort mehr gehört hatte. Einige Tage später begegnete er diesem auf der Straße und sagte: ‚Ich danke Ihnen für den großen Dienst, den Sie mir durch Ihren Brief erwiesen habe. Sie haben mich von meiner Unschlüssigkeit, ob ich eine andere Beschäftigung suchen oder nur im Werk des Herrn arbeiten soll, befreit.' Der Bruder war sehr überrascht und erzählte ihm, dass er eines Abends sehr oft an ihn habe denken müssen und dass die Sorge über sein Ergehen ihn nicht habe einschlafen lassen. Da sei ihm der Gedanke gekommen: Du musst ihm etwas schicken. Anfangs habe er nicht gewollt, aber der Herr habe ihm keine Ruhe gelassen, bis er aufgestanden sei und den Brief für ihn fertig gemacht habe. Er habe ein kurzes Wort dazu schreiben wollen, dabei sei ihm gerade jene Stelle eingefallen, die er auf den Zettel geschrieben habe."

Folge mir nach - Heft 9/2015

Fußnoten:

1 Es handelte sich um den „Evangelischen Brüderverein", der für die Aussendung und Besoldung von Evangelisten verantwortlich war. Die Erkenntnis, dass der Diener von seinem Herrn und nicht von Menschen berufen und „bezahlt" wird, war für C. Brockhaus Anlass für den erwähnten Austritt.